In der Arbeit wird sich nun mit der Theorie der Metaemotionen auseinandergesetzt. Hierzu wird zunächst das Phänomen der Unterhaltung und das dazugehörige Unterhaltungserleben genauer bestimmt. Um die Bedingungen von Unterhaltung darzustellen, wird sowohl auf die Definition von Bosshart und Macconi verwiesen als auch auf die Triadisch-Dynamische Unterhaltungstheorie von Früh.
Auf Grundlage dieser theoretischen Basis wird dann versucht mit den sogenannten Metaemotionen zu erklären, warum auch traurige Filme als unterhaltsam angesehen werden. Zur Ergänzung wird schließlich im letzten Kapitel noch kurz auf den Ansatz der Grenzüberschreitung eingegangen, da dieser negative Gefühle bei der Rezeption von Medieninhalten aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. In der Hausarbeit wird sich insgesamt verstärkt mit Medieninhalten wie Filmen auseinandergesetzt, die traurige Emotionen hervorrufen. Grundsätzlich kann die Theorie der Metaemotionen aber auch bei allen anderen Medienangeboten wie Bücher, Spiele oder Audiodatei sowie bei anderen Gefühlen während der Medienrezeption wie etwa Angst angewendet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Unterhaltung?
3. Emotionen und Metaemotionen
4. Das Sad Film Paradoxon
5. Weiterentwicklungen der Theorie der Metaemotionen
6. Unterhaltung durch Grenzüberschreitung
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen, warum Rezipienten Medieninhalte wie Tragödien oder Horrorfilme als unterhaltsam empfinden, obwohl diese negative Emotionen auslösen. Im Fokus steht dabei die theoretische Auseinandersetzung mit Metaemotionen als Erklärungsmodell für diesen scheinbaren Widerspruch zum hedonistischen Grundprinzip der Unterhaltung.
- Grundlagen des Unterhaltungserlebens in der Medienwissenschaft
- Die Theorie der Metaemotionen nach Mary Beth Oliver
- Empirische Studien zum Sad Film Paradoxon
- Motivationale Ansätze und das Konzept der Grenzüberschreitung
Auszug aus dem Buch
3. Emotionen und Metaemotionen
Bei der Rezeption von (unterhaltsamen) Medienangeboten erlebt der Rezipient verschiedenste Emotionen, die durch den Medieninhalt erzeugt werden. Überwiegend handelt es sich dabei um emphatische Emotionen, die dem Rezipienten das Mitfibern und die Anteilnahme am Filmgeschehen ermöglichen. Darüber hinaus können aber auch Basisemotionen wie Angst oder Trauer durch Filme ausgelöst werden. Das bekannteste Beispiel hierfür ist wahrscheinlich die meist unbegründete Angst vor einem Haiangriff beim Baden im Meer, weil man zuvor einen Haiangriff in einem Film gesehen hat. Medien können also sowohl kurz- als auch langfristig die Emotionen ihrer Rezipienten manipulieren, indem die durch die Fiktion hervorgebrachten Gefühle in die Realität übertragen werden (Zillmann 2004: 119f.).
Meyer et al. definieren Emotionen als aktuelle Zustände von Personen, die eine bestimmte Qualität, Intensität und Dauer haben. Meistens sind Emotionen objektgerichtet, wobei diese Objekte nicht zwangsläufig real sein müssen. Der Tod eines fiktionalen Charakters kann zum Beispiel trotzdem das echte Gefühl der Traurigkeit/Trauer auslösen. Des Weiteren sind Emotionen durch ein charakteristisches Erleben mit bestimmten physiologischen Veränderungen und Verhaltensweisen gekennzeichnet (Vgl. Jordak 2011: 17). Emotionen entstehen dabei auf einer für die Person direkt erlebbaren Ebene und können anschließend durch eine Beschreibungsdimension bewertet werden. Dies erfolgt zum Beispiel bei der Scham über einen vorherigen Wutausbruch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Unterhaltung bei negativen Emotionen und Vorstellung der leitenden Forschungsfrage sowie der theoretischen Ansätze.
2. Was ist Unterhaltung?: Definition des Unterhaltungsbegriffs aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive und Erläuterung der Voraussetzungen für das Unterhaltungserleben.
3. Emotionen und Metaemotionen: Theoretische Herleitung der Unterscheidung zwischen direkten Emotionen und Metaemotionen als emotionsregulierende Prozesse.
4. Das Sad Film Paradoxon: Präsentation und Diskussion der drei Studien von Mary Beth Oliver zur positiven Bewertung von Traurigkeit bei der Filmrezeption.
5. Weiterentwicklungen der Theorie der Metaemotionen: Erörterung ergänzender Aspekte wie Geschlechterunterschiede und die Rolle kognitiver Prozesse beim Nachdenken.
6. Unterhaltung durch Grenzüberschreitung: Darstellung eines alternativen motivationalen Ansatzes nach Werner Früh, der den Fokus auf die Befreiung von sozialen Zwängen legt.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Theorien und Ausblick auf zukünftigen empirischen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Unterhaltungserleben, Metaemotionen, Sad Film Paradoxon, Medienrezeption, Hedonismus, Emotionale Regulation, Trauer, Horrorfilme, Grenzüberschreitung, Medienpsychologie, Mood-Management-Theorie, Empathie, Filmrezeption, Motivationspsychologie, Unterhaltungstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Paradoxon, warum Mediennutzer Filme als unterhaltsam empfinden, die bei ihnen eigentlich negative Gefühle wie Trauer oder Angst auslösen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Unterhaltungserleben, die Emotionspsychologie, das Sad Film Paradoxon sowie ergänzende Ansätze zur Grenzüberschreitung bei der Mediennutzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu erklären, wie und warum Menschen negative Emotionen während der Filmrezeption positiv bewerten und als unterhaltsam wahrnehmen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis einer Literaturanalyse verschiedene psychologische und medienwissenschaftliche Theorien vergleicht und diskutiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Definitionen von Unterhaltung, die Erklärung der Metaemotionen, eine detaillierte Auswertung von Studien zum Sad Film Paradoxon sowie eine Gegenüberstellung mit dem Ansatz der Grenzüberschreitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Metaemotionen, Unterhaltungserleben, Sad Film Paradoxon und die Unterscheidung zwischen direkten Gefühlen und deren kognitiver Bewertung.
Warum spielt das Konzept der Distanz eine entscheidende Rolle für die Unterhaltung?
Die Arbeit betont, dass eine gewisse Distanz zum Medieninhalt notwendig ist, damit der Nutzer negative Erlebnisse als Denkanstöße oder ästhetisch wertvoll empfinden kann, ohne realen Schaden zu erleiden.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen dem Ansatz der Metaemotionen und dem der Grenzüberschreitung?
Während Metaemotionen einen emotionspsychologischen Prozess der Bewertung beschreiben, fokussiert die Grenzüberschreitung stärker auf die Motivation der Rezipienten, sich von gesellschaftlichen Zwängen zu befreien.
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- Lena Schneider (Author), 2016, Tragödien und Horrorfilme in der Theorie der Metaemotionen zum Erleben von Unterhaltung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941009