Die Zielstellung dieser Arbeit ist die Herausarbeitung der gegenwärtigen kulturdiplomatischen Tätigkeit Helsinkis in Budapest. Hierfür gilt es zuvor kurz die Kulturdiplomatie und die Public Diplomacy definitorisch zueinander ins Verhältnis zu setzen. Anschließend folgt ein geschichtlicher Abriss, der zum Verständnis der gegenwärtigen Kulturdiplomatie als Teil der Public Diplomacy Finnlands beiträgt. Des Weiteren soll neben einem groben Überblick auch die Arbeit der FinnAgora als dem finnischen Kulturinstitut vorgestellt werden.
Eine Besonderheit der finnisch-ungarischen Beziehungen liegt in der Tatsache, dass kulturelle Beziehungen vor der Existenz jeglicher Außenpolitik bestanden. Obwohl diese nicht Teil der Kulturdiplomatie im hier verwendeten Sinne sind, müssen die kulturellen Beziehungen der beiden Länder umrissen werden, um hieraus Schlüsse für die erst im einundzwanzigsten Jahrhundert entstandene und in einem engeren Sinne verstandene, also institutionalisierte Form der Kulturdiplomatie durch ein Kulturinstitut, die FinnAgora, zu ziehen.
Eine wichtige Rolle in der finnischen Kulturvermittlung nehmen die seit 1984 existierenden Kalevala-Freundeskreise und ihr Dachverein der Ungarisch-Finnischen Gesellschaft ein, deren Aktivitäten gegenwärtig unter anderem vom finnischen Kulturinstitut aber auch von in Ungarn operierenden finnischen Unternehmen unterstützt werden.
Im Bereich der Literatur finden sich etwa die finnische Literaturgesellschaft oder andere kleinere ungarische Zeitschriften und Verlage wieder, welche Übersetzungen finnischer Werke vornehmen und somit das Tief der Nachwendejahre versuchen auszugleichen. Eine von 1978 von ungarischen und finnischen Künstlerverbänden stammende gemeinsame Vereinbarung besteht auch noch heute, sodass in den vergangenen Jahren mehrere gemeinsame Symposien veranstaltet wurden. Zentrale Institution der Kulturdiplomatie ist seit den frühen 2000ern hingegen die FinnAgora.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kulturdiplomatie als Teil der Public Diplomacy
3 Geschichte der Kulturbeziehungen Finnlands zu Ungarn
3.1 Entstehung der Kulturbeziehungen
3.2 Zwischenkriegszeit
3.3 Zweiter Weltkrieg und Kalter Krieg
3.4 Wende und Nachwendezeit
4 Finnische Kulturdiplomatie der Gegenwart in Ungarn
4.1 Überblick
4.2 FinnAgora
4.3 Probleme und Herausforderungen
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle kulturdiplomatische Tätigkeit Finnlands in Ungarn. Das primäre Ziel besteht darin, die institutionelle Form der Kulturdiplomatie durch das Kulturinstitut FinnAgora vor dem Hintergrund der historisch gewachsenen finnisch-ungarischen Beziehungen zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Definition der Kulturdiplomatie innerhalb der Public Diplomacy
- Historische Entwicklung der kulturellen Beziehungen zwischen Finnland und Ungarn
- Die Rolle und Arbeitsweise des finnischen Kulturinstituts FinnAgora
- Herausforderungen in der zeitgenössischen bilateralen Kulturarbeit
- Einfluss politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen auf den Kulturaustausch
Auszug aus dem Buch
FinnAgora
Das seit 1980 in Helsinki wirkende ungarische Kulturinstitut bekam 2004 sein Äquivalent in Budapest im Gebäude der finnischen Botschaft. Es ist hierbei das einzige finnische Kulturinstitut in Ostmitteleuropa und widmet sich der Förderung der Kultur, der Wissenschaft und der Wirtschaftsbeziehungen.25 Die Finanzierung und strategische Richtlinienbestimmung der FinnAgora erfolgt durch eine Stiftung, an der das finnische Bildungsministerium, das finnische Außenministerium und andere zivile Vereine, Städte und Gemeinden beteiligt sind; nächst dem besteht ein Teil dieser in der Eigenfinanzierung über Projekte und Seminare.
Da der Kulturexport als primäre Aufgabe festgeschrieben ist, nimmt die Stiftung jährlich eine Erneuerung der Strategie vor. Dem als Grundlage dienen die finnische Kulturexportstrategie und Nachfrageanalysen. Der Kulturexport fokussiert sich hierbei auf einige Kernthemen, zu denen im Bereich der Kunst maßgeblich das Design, in der Musik vor allem moderne Jazz- und Volksmusikproduktionen, im darstellenden Bereich zeitgenössische Dramen gehören.26 Dementsprechend werden die umfassenderen Veranstaltungen in Kooperation mit Galerien, Museen und Veranstaltungsorten statt im Botschaftsgebäude durchgeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die finnisch-ungarischen Beziehungen vor und definiert das Ziel der Arbeit, die gegenwärtige kulturdiplomatische Arbeit in Budapest zu beleuchten.
2 Kulturdiplomatie als Teil der Public Diplomacy: Das Kapitel bietet eine theoretische Einordnung und Abgrenzung der Kulturdiplomatie innerhalb des größeren Bereichs der Public Diplomacy.
3 Geschichte der Kulturbeziehungen Finnlands zu Ungarn: Es erfolgt ein geschichtlicher Abriss, der die Entwicklung von den ersten kulturellen Kontakten über die Zwischenkriegszeit bis hin zur Wendezeit nachzeichnet.
4 Finnische Kulturdiplomatie der Gegenwart in Ungarn: Hier wird die heutige Praxis der finnischen Kulturvermittlung, insbesondere durch das Institut FinnAgora, sowie die damit verbundenen Herausforderungen analysiert.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der historischen Entwicklungen und einem optimistischen Ausblick auf die Beständigkeit der bilateralen Sympathie ab.
Schlüsselwörter
Kulturdiplomatie, Public Diplomacy, Finnland, Ungarn, FinnAgora, Sprachverwandtschaft, Kulturbeziehungen, Nation Branding, Kulturexport, bilaterale Beziehungen, Kalevala, Geschichte, 20. Jahrhundert, Europäische Union, Kulturinstitut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moderne Kulturdiplomatie Finnlands mit speziellem Fokus auf die bilateralen Beziehungen zu Ungarn.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die theoretische Verortung von Kulturdiplomatie, die historische Entwicklung der finnisch-ungarischen Kontakte sowie die aktuelle Arbeit der FinnAgora.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Herausarbeitung der gegenwärtigen kulturdiplomatischen Tätigkeit Helsinkis in Budapest und deren kritische Reflexion.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine geschichtliche Abrissmethode sowie eine deskriptive Analyse aktueller Institutionen und deren Strategien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Beziehungen und eine detaillierte Betrachtung der heutigen Rolle der FinnAgora sowie bestehender Hindernisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kulturdiplomatie, FinnAgora, Public Diplomacy, Sprachverwandtschaft und bilaterale Kulturbeziehungen sind die zentralen Schlagworte.
Welche Bedeutung hat die Sprachverwandtschaft für die heutige Diplomatie?
Obwohl sie oft als unpolitische Grundlage gepriesen wird, hat ihr Stellenwert abgenommen, auch da die gegenseitige Verständlichkeit der Sprachen begrenzt ist.
Wie finanziert sich die FinnAgora?
Die Finanzierung erfolgt über eine Stiftung (finanziert durch Ministerien und Vereine) sowie durch Teil-Eigenfinanzierung mittels Projekten und Seminaren.
Welchen Einfluss hatte die Wirtschaftskrise 2008 auf die Beziehungen?
Die Krise führte zu Mittelkürzungen bei der Finno-Ugristik und der Einstellung von Studentenaustauschprojekten.
- Arbeit zitieren
- Martin Böhm (Autor:in), 2018, Die Kulturdiplomatie Finnlands am Beispiel Ungarns. Die Arbeit der FinnAgora als finnisches Kulturinstitut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941248