Der Partherkrieg des Kaiser Trajan

Beziehungen zwischen Rom und Parthien vor Trajan


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Marcus Ulpius Traianus
1. Herkunft
2. Laufbahn
3. Adoptivkaiser
4. Kaiser Trajan

III. Partherreich

IV. Beziehungen zwischen Rom und Parthien vor Trajan

V. Der Partherkrieg Trajans
1. Kriegsauslöser
2. Armenienfeldzug
3. Kriegsschauplatz Mesopotamien
4. Die Kriegswende
5. Hadrianische Friedensschluss

VI. Ausblick

VII. Quellenverzeichnis

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Marcus Ulpius Traianus (Trajan) ging in die Geschichte als der Herrscher ein, unter dem das Römische Reich seine größte territoriale Dimension erreichen konnte. Durch eine geschickte Annährung an den römischen Senat, eine umfassende Baupolitik in Rom und viele Kriege, in denen Trajan große Mengen an Kriegsbeute gewann, wurde er bereits zu Lebzeiten als optimus princeps bezeichnet.1 Nachdem Trajan bereits zwei umfangreiche und schlussendlich erfolgreiche Kriege gegen das Volk der Daker auf dem Ost-Balkan geführt hatte, unternahm er einen weiteren großen Feldzug gegen den mächtigsten Nachbarn Roms, das Reich der Parther im Osten. Dies sollte sein letzter und gleichzeitig der Feldzug sein, der Gegenstand dieser Arbeit ist: der Partherkrieg des Trajans. Eine wichtige Komponente dieser Hausarbeit ist es zudem abschließend die Motive des Trajan für seinen Feldzug gegen die Parther zu beleuchten. Primärer Fokus liegt auf der Perspektive der römisch-trajanischen Seite. Es soll sich herauskristallisieren aus welchen irrationalen Gründen Trajan zu diesem Krieg gegen die Parther veranlasst wurde. Demgegenüber liegt Betrachtung rationaler Bewegründe seiner Herrschaftspolitik, die ihn dazu bewegt haben könnten, gegen das Partherreich vorzugehen Das weitere Vorgehen zur Untersuchung des trajanischen Partherfeldzugs sieht nach der Einführung der Quellenlage, eine Vorstellung der Person Trajans vor, darauffolgend ein Überblick der Geschichte der Parther, ihrer Beziehungen zu Rom und im Folgenden einen Überblick des Verlaufes des Partherkrieges Trajans von der Planung bis zum Frieden unter Hadrian. Zu guter Letzt folgt ein Ausblick auf das gewählte Thema, in dem Motivationen des Trajans abschließend für diese Hausarbeit resümiert werden sollen.

Als Quellen zur Untersuchung der Person Trajans dienen einerseits der „Panegyrikus“, andererseits das Briefwerk „Epistulae“ des römischen Senators Gaius Plinius Caecilius Secundus (Plinius der Jüngere). Beim Panegyrikus handelt es sich um eine Lobrede auf Kaiser Trajan. Das „Epistulae“ ist eine Reihe von Privatbriefen an und von Plinius, unter anderem mehrere Briefwechsel zwischen Plinius und Trajan.2 Plinius selber wurde nach dem frühen Tod seines Vaters von seinem berühmten und wohlhabenden Onkel Plinius (der Ältere) adoptiert. Damit ging einher, dass Plinius der Ältere Plinius dem Jüngeren eine typisch römische Senatorenkarriere ermöglichte. So wurde er auch zur Amtszeit Trajans, ungefähr 109 nach Christus, Stadthalter in Bithynien, wo er auch wahrscheinlich verstarb. Sein Briefwechsel mit Trajan in seinem Werk „Epistulae“ spielt sich zwischen Trajan als Kaiser und Plinius dem Jüngeren als Stadthalter ab. In dieser - teils nachträglich von Plinius dem Jüngeren bearbeiteten - Briefreihe finden sich beispielsweise Themen wie Rechtsprobleme in der juristischen Bewertung und Handhabung von Christen.3

Eine wichtige und die einzige noch vollständige Quelle zum Partherfeldzug des Trajan stellt die Kurzfassung des byzantinischen Mönchs Xiphilinus aus dem 68. Buch des Lucius Cassius Dio (kurz: Dio) aus seinem Werk die „Römische Geschichte“ dar. Das Werk Dios zeichnet sich besonders durch seine chronologische Wiedergabe des trajanischen Partherfeldzugs aus.4 Dio, der interessanterweise in Bithynien geboren wurde, war ein römischer Senator griechischer Abstammung und erreichte zwei Mal das Konulat. Die „Römische Geschichte“ behandelt in 80 Büchern den Zeitraum der mythischen Gründung Roms durch den Trojaner Aeneas bis zu Dios zweiten Konsulat 229 nach Christus. Einige Bücher sind jedoch verloren gegangen beziehungsweise nur noch in Fragmenten erhalten.5

Als hervorragende Ergänzung hätte die „Parthika“ des ebenfalls in Bithynien geborenen Lucius Flavius Arrianus (Arrian) dienen können, welche allerdings nur noch in wenigen Fragmenten erhalten ist und deshalb nicht direkt in diese Arbeit einfließt. Die „Parthika“ wäre, wenn in noch größerem Umfang erhalten, besonders lehrreich, da Arrian selbst als Militärtribun am Partherfeldzug Trajans teilnahm.6

II. Marcus Ulpius Traianus

1. Herkunft

Marcus Ulpius Traianus wurde 53 oder 56 nach Christus in der römischen Provinz Baetica als Nachfahre umbrischer Kolonisten, die von Cornelius Scipio Africanus angesiedelt wurden, geboren.7 Sein Vater war Marcus Ulpius der Ältere und wurde von Kaiser Vespasian in den Rang der Patrizier aufgenommen, war also nach römischer Vorstellung ein sogenannter homo novus. Marcia, die Mutter Trajans, stammte aus einer alten senatorischen Familie und war die Schwägerin des Kaiser Titus, dem Sohn und Nachfolger Kaiser Vespasians. Er hatte eine ältere Schwester, Ulpia Marciana, die Zeit seines Lebens einen wichtigen Stellenwert für Trajan hatte.8

2. Laufbahn

Trajan selbst vollzog die für seinen Stand übliche Ämterlaufbahn (Cursus Honorum) und diente zwischen 73 und 78 nach Christus als Militärtribun unter seinem Vater in Syrien. Es ist anzunehmen, dass er damals seine ersten Erfahrungen mit dem Partherreich sammelte, da die parthische Herrschaft an der Grenze zur Provinz Syrien begann.9 Auf sein Kommando in Syrien folgte er dem normalen senatorischen Karriereweg, erst als Quästor, darauf Prätor und wurde schlussendlich 91 nach Christus zusammen mit Acilius Glabrio Konsul in Rom.10 Einige Jahre zuvor hatte Trajan die Vormundschaft für Publius Aelius Hadrianus (Hadrian) übernommen, dessen Vater den gleichen Namen trug und verstorben war, ebenso wie seine Mutter. Das Mündel Trajans sollte später besser bekannt werden als Kaiser Hadrian, Trajans Nachfolger.11

Domitian, der letzte Kaiser der Flavier, war einem Komplott zum Opfer gefallen und wurde vom bereits 66 Jahre alten Marcus Cooceius Nerva (Nerva) beerbt. 97 nach Christus übernahm Trajan die wichtige Befehlsgewalt über die römischen Truppen in Obergermanien, was bereits als Indiz für den Plan des Nerva (oder Personen aus seinem Kreis) gedeutet werden kann, der nun folgte. Kaiser Nerva nämlich hatte seit seinem Machtantritt ein sehr großes Problem, die Unzufriedenheit des Domitian loyal gewesenen Militärs. Um einer Revolte der Armee zu verhindern, sowie um seine Position innerhalb Roms zu sichern und wohl auch einen sicheren Bürgerkrieg nach seinem Tode zu vermeiden, adoptierte Nerva den Trajan.12

3. Adoptivkaiser

Damit war Trajan als Nachfolger des Nerva auserkoren und damit der erste sogenannte Adoptivkaiser. Diese nachträglich als Glanzzeit bezeichnete Epoche der römischen Kaiserzeit zeichnet sich durch die Benennung des Erben durch Adoption und nicht qua Geburt aus. Im Nachhinein wurde dadurch eine Auswahl der Besten suggeriert.13 Im Januar 98 nach Christus verstarb Kaiser Nerva und Trajan wurde vom Senat zum Herrscher proklamiert.14

4. Kaiser Trajan

Ein Kaiser der erfolgreich sein beziehungsweise überhaupt diesen Rang erreichen wollte, musste sich der Akzeptanz „dreier Säulen“ der römischen Gesellschaft sicher sein. Die erste Säule war der Senat, der dem Kaiser die Macht antrug. Darauf folgte die einfache Stadtbevölkerung Roms (plebs urbana), die den Beschluss als Gesetz verabschiedete und zu guter Letzt das römische Heer, welches dem Kaiser die Treue schwor. Dieses System ist als „Akzeptanzsystem“ in der heutigen Wissenschaft bekannt.15 Kaiser Nerva zum Beispiel hatte den Nachteil nie selbst größere Truppenkontingente kommandiert zu haben und hatte auch aus diesem Grunde beim Militär einen schweren Stand,16 wohingegen Kaiser Domitian durch seine zahlreichen Majestätsprozesse die Loyalität des Senates verlor.17 Während Trajan sich zu Beginn seiner Herrschaftszeit der Loyalität des Heeres versichern konnte, so waren seine Beziehungen zum Senat und zur plebs urbana getrübt, beide Gruppen fühlten sich von seiner mehr als ein Jahr andauernden Abwesenheit aus Rom zu Beginn der Herrschaft gekränkt.18 Wie also konnte der - später von Plinius in seinem Panegyrikus als von den Göttern auserwählt genannte - Kaiser sich die Loyalität des Senates und der Stadtbevölkerung sichern?19

Ein Grund für seine spätere Beliebtheit erschließt sich aus der Antwort Trajans an Plinius den Jüngeren. Trajan führt aus, dass er sich eben nicht Loyalität durch Majestätsprozesse sichern will.20 Positiv für das Verhältnis zwischen Kaiser und Senat muss auch seine geringe Anzahl an Konsulaten vom Senat konnotiert worden sein. Schließlich war es das höchste Amt, das ein Senator erreichen konnte und stand nun öfter für sie frei.21 Gleichzeitig konnte Trajan durch die begünstigte Auswahl von Freunden (amicis) für das Amt des Konsuls seine Kontrolle über den Senat ausbauen.22 Trajans Strategie dem Senat gegenüber war während seiner Herrschaft also eine Politik der Rücksichtnahme (civilitas}, er trat nicht Autoritär dem Senat gegenüber auf, wie vor ihm Domitian, sondern förderte aktiv gar die Autorität des Senates und konnte sich daher die Loyalität des Senates sichern.23

Die plebs urbana erwarteten einen pater patriae (Vater des Vaterlandes) also mehr als nur einen Herrscher, sondern einen Kaiser, der ihnen Vater und Herrscher zu gleich sein konnte.24 Nach Dio widmete er sich besonders dem allgemeinen Wohl, indem er die Kindererziehung in Italien förderte25 und auch öffentliche Bauwerke errichten und fördern ließ.26 Diese elterliche Vorsorge Trajans spiegelt sich auch im Panegyrikus Plinius‘ des Jüngeren wieder.27 Dieser führt aus, dass Trajan Spenden zur Erziehungshilfe verteilte, wobei sie (die plebs urbana) dadurch Trajan als „Vater“ bereits kennenlernten.28 In Kapitel 31 führt Plinius der Jüngere weiter aus, dass die für die plebs urbana so wichtige Getreideversorgung von Trajan für die Stadt Rom so effizient gestaltet wurde, dass Rom sogar in der Lage war, der Kornkammer Ägypten in einer Hungersnot beizustehen.29

[...]


1 Vgl. Karl Christ: Die Römische Kaiserzeit. Von Augustus bis Diokletian, 2016, S. 28

2 Vgl. Martin Fell: Optimus Princeps? Anspruch und Wirklichkeit der imperialen Programmatik Kaiser Traians, Berlin, 1992, Zugleich.: Freie Univ., Dissertation., München, 1989, S. 9 ff.

3 Vgl. Helmut Krasser: Plinius, in: DNP 9, S. 1141- 1144, Stuttgart/Weimar, 2000, S. 1141- 1142.

4 Vgl. Karl Strobel: Trajan: Kaiser Traian. Eine Epoche der Weltgeschichte, Regensburg, 2010, S. 348.

5 Vgl. Max Joseph Höffner: Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers L. Septimius Severus und seiner Dynastie, Berlin. 1875, S. 14-17.

6 Vgl. Strobel S. 349.

7 Vgl. Annette Nünnerich-Asmus: Traian. Ein Kaiser Der Superlative am Beginn einer Umbruchzeit?, Mainz, 2002, S. 7.

8 Vgl. Nünnerich-Asmus S. 10-11.

9 Vgl. Nünnerich-Asmus S. 11.

10 Vgl. Oliver Schipp: Die Adoptivkaiser, Darmstadt, 2011, S. 23.

11 Vgl. Schipp S. 35.

12 Vgl. Cassius Dio: Cassius Dio. Römische Geschichte, übersetzt von Otto Veh, Zürich/München, 1987, S. 193.

13 Vgl. Schipp128-129.

14 Vgl. Schipp S. 22.

15 Vgl. Gunnar Seelentag: Taten und Tugenden Traians. Herrschaftsdarstellung im Principat, 1. Auflage, Stuttgart, 2004, S. 17-18.

16 Vgl. Seelentag S. 44.

17 Vgl. Fell S. 7.

18 Vgl. Seelentag S. 50.

19 Vgl. C. Plinius Secundus: Plinius der Jüngere. Panegyrikus, übersetzt und herausgegeben von Werner Kühn, Darmstadt, 1985, S. 21-23.

20 Vgl. C. Plinius Secundus: Epistularum Libri Decem, übersetzt von Helmut Kasten, Düsseldorf/ Zürich, 2003, S. 633.

21 Vgl. Schipp S. 24.

22 Vgl. Julian Bennet: Trajan. Optimus Princeps, London, 1997, S. 108.

23 Vgl. Bennet S. 109.

24 Vgl. Seelentag S.25-26.

25 Vgl. Dio S. 194.

26 Vgl. Dio S.195.

27 Vgl. Panegyrikus S. 47-49.

28 Vgl. Panegyrikus S. 55-57.

29 Vgl. Panegyrikus S. 63-65.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Partherkrieg des Kaiser Trajan
Untertitel
Beziehungen zwischen Rom und Parthien vor Trajan
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Die Adoptivkaiser
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V941440
ISBN (eBook)
9783346271518
ISBN (Buch)
9783346271525
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trajan Adoptivkaiser Parther Rom Römisches Imperium
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Der Partherkrieg des Kaiser Trajan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941440

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Partherkrieg des Kaiser Trajan



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden