Machiavelli pur. Der Principe


Essay, 2008
44 Seiten

Leseprobe

Machiavelli pur. Der Principe

Vorwort: Warum eine Bearbeitung des Principe?

Widmung: Niccolò Machiavelli an den erlauchten Lorenzo de’ Medici

I Von den Arten der Fürstenherrschaft und den Arten, sie zu erwerben

II Von der ererbten Fürstenherrschaft

III Von der gemischten Fürstenherrschaft

IV Warum das Reich des Darius, das Alexander erobert hatte, sich nach dem Tod Alexanders nicht gegen seine Nachfolger erhob

V Wie man Städte und Fürstentümer regieren muß, die, bevor sie erobert wurden, unter eigenen Gesetzen lebten

VI Von neuen Fürstenherrschaften, die man mit eigenen Waffen und durch Tüchtigkeit erwirbt

VII Von neuen Fürstenherrschaften, die man mit fremden Waffen und durch Glück erwirbt

VIII Von denjenigen, die durch Verbrechen Fürstenherrschaft erlangt haben

IX Von der bürgerlichen Fürstenherrschaft

X Wie die Stärke jeder Fürstenherrschaft zu ermitteln ist

XI Von den geistlichen Fürstenherrschaften

XII Von den Heeresarten und vom Söldnerwesen

XIII Über Hilfstruppen, gemischte und eigene Heere

XIV Was einem Fürsten hinsichtlich des Heerwesens obliegt

XV Von den Eigenschaften, derentwegen die Menschen und besonders die Fürsten gelobt oder getadelt werden

XVI Von der Freigebigkeit und der Sparsamkeit

XVII Von der Grausamkeit und der Milde, und ob es besser ist, geliebt als gefürchtet zu werden oder umgekehrt

XVIII Inwieweit Fürsten ihr Wort halten müssen

XIX Darüber, ob man Verachtung und Haß meiden muß

XX Ob der Bau von Festungen und viele andere Maßnahmen, die täglich von Fürsten ergriffen werden, nützlich sind oder nicht

XXI Was ein Fürst tun muß, um Ansehen zu gewinnen

XXII Über die Minister des Fürsten

XXIII Wie Schmeichler zu meiden sind

XXIV Warum die Fürsten Italiens die Herrschaft verloren haben

XXV Was Fortuna in den Angelegenheiten der Menschen vermag und wie man ihr entgegentreten soll

XXVI Aufruf, sich Italiens zu bemächtigen und es von den Barbaren zu befreien

Ausblick: Was macht den idealen Fürsten Machiavellis aus?

Literaturverzeichnis

Vorwort: Warum eine Bearbeitung des Principe?

Warum gibt es diese kurze Erläuterung zu Machiavellis Principe? Viele gute Gründe ließen sich hierfür anführen. Man könnte ohne Verlegenheit sagen, dass Machiavelli die Politik von der Ethik emanzipiert hat, indem er in seinen Schriften nicht danach fragte, wie ein Herrscher ins Himmelreich kommt, sondern wie er seine Macht und seinen Staat erhält. Man könnte sagen, dass Machiavelli, auch wenn er natürlich ein Kind seiner Zeit ist, Umstände und Eigentümlichkeiten der Politik beschreibt, die sich auch heute noch im Wesentlichen wieder finden lassen. Viele weitere Gründe ließen sich darlegen, aber darum geht es hier nicht.

Ein Hinweis sei allerdings gestattet: Dies ist kein Ratgeber à la „Machiavelli für …“, in dem schmerzhaft verkürzt Thesen des Florentiners hingestellt werden, um einer Klientel vermeintlich machiavellistische Verhaltensweisen zu präsentieren, die sie zu Macht und Reichtum führen sollen. Ratgeber dieser Art sind mir, mit Verlaub gesagt, ein Graus. Sie verstümmeln Machiavelli und nutzen seinen Ruf, um Veröffentlichungen zu bewerben, die besser unveröffentlicht geblieben wären.

In dieser kurzen Erläuterung zu Machiavelli berühmtester (und berüchtigtster) Schrift, dem Principe, soll es schlicht und einfach darum gehen, dem Leser einen eigenen und vor allem direkten Zugang zum Principe und zu Niccolò Machiavellis Denken zu eröffnen. Natürlich sollen sich die Leser an Machiavelli reiben, sich ihre Gedanken machen, wenn er augenscheinlich allein Machterhalt und die funktionierende Ordnung als Richtwerte der Politik nennt. Im besten Fall wird auf diese Weise ein Leser angeregt, einen Blick in die Discorsi zu werfen, Machiavellis Hauptwerk, in dem er in einem weitaus bequemeren Rahmen schildert, was für ihn das Wesen der Welt, der Menschen und von Macht und Politik ist.

Ich hoffe, dass es gelungen ist, in dieser kurz gehaltenen Bearbeitung des Principe etwas vom „puren“ Machiavelli zu transportieren, auf das die Leser auf sein Werk neugierig werden.

Niccolò Machiavelli beschrieb so treffend: „Dieses Werk habe ich weder mit rhetorischen Floskeln geschmückt und ausgestattet, noch mit hochtrabenden und feierlichen Worten oder irgendeinem anderen äußerlichen Blendwerk und Zierat, mit denen viele ihr Thema aufzuputzen pflegen; denn ich wollte, daß ihm nichts anderes zur Ehre gereiche, als durch die Mannigfaltigkeit des Inhalts und die Bedeutung des Gegenstandes zu gefallen.“[1]

Widmung: Niccolò Machiavelli an den erlauchten Lorenzo de’ Medici

In seiner Widmung an den derzeitigen Herrscher von Florenz, Lorenzo de’ Medici, macht Machiavelli ihm den Principe zu Geschenk. Mit dieser Geste will der geschasste Politiker Machiavelli, der ehemals für die Verteidigung der Republik Florenz zuständig war, unter dessen Kommando die von ihm begründete Miliz das aufrührerische Pisa eroberte, und der auch in der Außenpolitik durch mehrere Gesandtschaften unter anderem beim Kaiser und beim König von Frankreich bewandert ist, sich bemerkbar machen. Machiavelli empfindet es als sterbenslangweilig, nicht mehr in der Politik tätig zu sein. Er ist durch und durch ein politicon zoon, ein politisches Wesen. Mit dieser Widmung will er nun seine Loyalität zu den derzeitigen Machthabern von Florenz darstellen.

I Von den Arten der Fürstenherrschaft und den Arten, sie zu erwerben

Kurzzusammenfassung: Die Herrschaftsformen werden vorgestellt: Alle Staaten sind Republiken oder Fürstentümer. Zur weiteren Klassifizierung werden einige Parameter eingeführt: Sind die Herrschaften neu, durch Glück oder Tüchtigkeit erworben?

Zentrales Zitat: „Tutti gli stati, tutti e’ dominii che hanno avuto e hanno imperio sopra gli uomini, sono stati e sono o republiche o principati.“ – „Alle Staaten, alle Reiche, die über die Menschen Macht hatten und haben, waren und sind Republiken oder Fürstenherrschaften.“[2]

In seinem ersten Kapitel legt Machiavelli dar, nach welchen Kriterien er Regierungssysteme klassifiziert. Grundsätzlich unterscheidet er zwischen Republiken und Fürstenherrschaften. Bei den Fürstenherrschaften analysiert Machiavelli weiterhin – ganz der Praktiker – danach, ob diese entweder schon seit langer Zeit bestehen und der gegenwärtige Fürst die Herrschaft geerbt hat, oder ob die Herrschaft neu eingerichtet wurde. Da es ein neuer Herrscher je nachdem, wie er an die Macht gekommen ist, mit anderen Herausforderungen zu tun hat, unterscheidet Machiavelli weiter, ob die Herrschaft ein vollkommen neues Gebilde ist, oder ob einfach eine Provinz oder Stadt einer bereits bestehenden Fürstenherrschaft angegliedert wurde.

Außerdem fragt Machiavelli, ob die Untertanen vor dieser neuen Herrschaft frei in einer Republik lebten und ihre Angelegenheiten selbst regelten, oder ob sie es schon gewohnt sind, unter einem Fürsten zu leben. Hiermit spricht Machiavelli als einer der wenigen Denker seiner Zeit die Perspektive der Untertanen an. Denn es macht in Hinblick auf ihre Zusammenarbeit mit oder Opposition gegen die neue Herrschaft einiges aus, ob nur ein Fürst den anderen verdrängt hat, oder aber ein Systemwechsel stattgefunden hat.

Machiavelli verharrt nicht bei dem Faktum, dass ein Fürst ein bestimmtes neues Territorium beherrscht. Er fragt, wie es zur Übernahme der Herrschaft gekommen ist. Ging der Machtübernahme ein Krieg voraus, ist es von Bedeutung, ob der Fürst die Gegend mit eigenen oder fremden Waffen eroberte, sprich ob sie die Herrschaft eigener Macht oder der Gnade eines Verbündeten verdanken. Daneben ist für Machiavelli von Bedeutung, ob der Herrscher durch Glück (fortuna) oder Tüchtigkeit (virtù) an die Macht kam, da ein Fürst, den das Schicksal auf seinen Thron setzte, noch nicht bewiesen hat, ob er das Zeug zum Staatsmann hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II Von der ererbten Fürstenherrschaft

Kurzzusammenfassung: Es gibt für den neuen Fürsten nur geringe Schwierigkeiten, die Macht zu behaupten. Es genügt, die alten Einrichtungen zu pflegen.

Zitat: „Dico, adunque, che negli stati ereditarii e assuefatti al sangue del loro principe sono assia minori difficultà a mantenerli che ne’ nuovi…“ – „Zunächst erkläre ich, [dass] in den ererbten Staaten, die an das Geschlecht [ihres] Fürsten gewöhnt sind, viel geringere Schwierigkeiten bestehen, die Macht zu behaupten, als in den neuerworbenen.“[3]

Ein Fürst, der die Macht durch Erbfolge in einer bereits vorher bestehenden Herrschaft erwirbt, hat nach Machiavelli keine großen Schwierigkeiten, sich an der Macht zu halten. Dafür spreche, dass die Bevölkerung bereits an das Herrschergeschlecht gewöhnt sei, und es keine Verschlechterung seiner Lage erwarten müsse. Da die politische Herrschaft bereits etabliert sei, müsse der neue Fürst keine Gewalt anwenden, um seine Macht durchzusetzen. Der neue Fürst würde sich also nicht unbeliebt machen bei seinem Volk. Da die Untertanen von ihrem Herrscher Kontinuität erwarteten, müsse der neue Fürst, um an der Macht zu bleiben, allein darauf achten, die politischen Traditionen und Einrichtungen seiner Vorgänger beizubehalten. Wenn er sich dann noch an die jeweils aktuellen politischen Rahmenbedingungen anpasse, gelinge es nach Machiavelli selbst einem Fürst von durchschnittlichen Fähigkeiten[4], seine Herrschaft zu wahren, wenn nichts Unvorhergesehenes passiere.

Vorteile einer Erbfolgeregelung bei Machiavelli

Erbfolge; traditionelle Herrschaft

- keine Gewaltanwendung bei Machtübernahme/Wahrung des Status Quo
- hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung durch geordnete Verhältnisse

III Von der gemischten Fürstenherrschaft

Kurzzusammenfassung: Erobert ein Fürst eine neue Provinz, so erwarten die Menschen eine Verbesserung ihrer Lage durch die neue Herrschaft, erleben aber in der Regel eine Verschlechterung, daher ist ein eben erobertes Gebiet nur schwer zu halten.

Hat das neue Gebiet die gleiche Sprache und Sitte wie der Staat, gehört es also zum gleichen Kulturkreis, so ist es noch relativ leicht anzugliedern, besonders wenn das Volk gewohnt ist, nicht frei zu sein; es reicht, das alte Fürstengeschlecht auszulöschen.

Zitat: „Per il che si ha a notare che gli uomini si debbano o vezzeggiare o spegnere; perché si vendicano delle leggieri offese, delle gravi non possono: sí che l’offesa che si fa all’uomo debba essere in modo che la non terma la vendetta.“ - „Es gilt also festzuhalten, daß man die Menschen entweder verwöhnen oder vernichten muß; denn für leichte Demütigungen nehmen sie Rache, für schwere können sie dies nicht tun; also muß der Schaden, den man anderen zufügt, so groß sein, daß man keine Rache fürchten muß.“[5]

In diesem Kapitel beschreibt Machiavelli den Fall, dass eine Neuerworbene Region an einen bereits bestehenden Staat angegliedert wird. Er spricht hier von einer gemischten Fürstenherrschaft. Es sei für den Fürsten zu Beginn der Herrschaft recht schwer, sich zu behaupten. Dies liegt daran, dass die meisten Menschen erwarten, dass sich ihre Lage durch einen Regimewechsel grundlegende verbessert. Nach Machiavelli ist jedoch das Gegenteil der Fall. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Fürst, der ein neues Territorium erhält, zumindest einen Teil der Bevölkerung direkt durch militärische Besetzung oder andere Gewaltanwendungen wie Requirierungen etc. schädigt. Logischerweise sind ihm diese Bevölkerungsteile hiernach nicht wohl gesonnen. Doch auch diejenigen Teile der Bevölkerung, welche die Machtübernahme des neuen Fürsten begrüßt haben oder ihn sogar darin förderten, bleiben dem Fürsten nicht lange Zeit freundlich gestimmt. Machiavelli begründet dies damit, dass Bevölkerungsgruppen, die einen Regimewechsel begrüßen, hohe Erwartungen an das neue Regime haben, welche zumeist enttäuscht werden müssen. Nichtsdestotrotz benötigt der neue Fürst einheimische Unterstützer, weshalb er zu Beginn seiner Herrschaft versuchen wird, den Wünschen einiger Bevölkerungsgruppen gezielt nachzugehen.

Um das Risiko aufzuschlüsseln, nach dem eine neu erworbene Provinz sich gegen ihren Herren erhebt, unterscheidet Machiavelli mehrere Kriterien. Gehört die erworbene Region zum selben Land wie der Eroberer, hat sie also dieselbe Sprache und die gleichen Sitten, sind die Probleme relativ gering.

Gehört das Gebiet jedoch zu einem anderen Kulturkreis mit eigener Sprache, Sitten und Einrichtungen, ergeben sich Schwierigkeiten. Die einfachste Lösung ist es laut Machiavelli, das der Fürst seinen Wohnsitz in diesem Gebiet nimmt und damit seine Macht und Aufmerksamkeit hier konzentriert. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Untertanen einen direkten Zugang zum Herrscher haben, „…so daß sie mehr Grund haben, ihn zu lieben, wenn sie gutwillig sind, und ihn zu fürchten, wenn sie anderen Sinnes sind.“[6]

Ein zweites gutes Mittel, seine Herrschaft zu festigen, ist die Ansiedlung von loyalen Bürgern in Form von Kolonien. Diese haben nach Machiavelli einige Vorteile gegenüber einer dauerhaften militärischen Besatzung. Sie sind zum einen deutlich günstiger, genüge es doch, einige Einheimische zu enteignen und die Neusiedler auf ihr Land zu setzen. Zum anderen sind sie loyal, weil sie ihre Güter direkt dem Fürsten verdanken. Die Rache der Enteigneten müsse nicht gefürchtet werden, argumentiert Machiavelli süffisant weiter, denn ihnen fehlten die Ressourcen, um Widerstand leisten zu können. Und die anderen Einheimischen würden sich still verhalten, weil sie nicht geschädigt wurden und zudem fürchten müssten, auch enteignet zu werden, falls sie die Partei der Enteigneten ergriffen. Hieraus leitet Machiavelli den grundsätzlichen Rat ab, dass ein Fürst, wenn er Menschen schädigt, dies in einem Umfang machen muss, der diesen die Grundlage nimmt, sich für den Schaden zu rächen.

In einem fremden Gebiet muss der neue Herrscher zudem darauf bedacht sein, sich lokale Verbündete zu suchen. Hierbei sind nach Machiavelli die schwächeren Herrschaften erste Wahl. Denn diese verfügen nicht über die eigene Stärke, dem neuen Fürsten gefährlich zu werden, und er kann sich zu ihrem Schutzherren gegen die stärkeren lokalen Herrschaften machen, was die schwachen Territorien an ihn bindet.[7]

Abschließend warnt Machiavelli davor, um jeden Preis eine expansive Politik zu betreiben. Nur eine Herrschaft, die über die nötigen Ressourcen dazu verfüge, solle über eine Eroberungspolitik nachdenken. Sonst sei eine derartige Politik „verfehlt und tadelnswert.“[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV Warum das Reich des Darius, das Alexander erobert hatte, sich nach dem Tod Alexanders nicht gegen seine Nachfolger erhob

Kurzzusammenfassung: Machiavelli unterscheidet in Fürstentümern zwischen einer Regierung durch den Fürsten und seine untergebenen Ministerialen auf der einen, und eine Regierung durch den Fürsten und halbautonome Barone auf der anderen Seite. Man könnte dies auch als eine Unterscheidung zwischen einer zentralisierten und einer föderalen Herrschaft bezeichnen.

Zitat: „…[E’] principati de’ quali is ha memoria si trovono governati in dua modi divresi: o por uno principe e tutti gli altri servi, e’ quali come ministri, per grazia e conzessione sua, aiutano governare quello regno; o per uno principe e per baroni, e’ quali, non per grazia del signore, ma per antiquità di sangue, tengano quel grado.“ – „… Alle Fürstentümer, die von der Geschichte überliefert sind, [sind] auf zwei verschiedene Weisen regiert worden […]: entweder von einem Fürsten und anderen, die alle seine Diener sind und ihm als Minister dank seiner Gnade seiner Gnade und Billigung helfen, das Reich zu regieren; oder von einem Fürsten und Baronen, die nicht durch die Gnade des Herrschers, sondern aufgrund sondern aufgrund des Alters ihres Adels diesen Rang einnehmen.“[9]

Machiavelli unterscheidet hinsichtlich der Organisation einer Regierung in Fürstentümern zwischen der Regierung mithilfe von ministri, welche den Ministerialen des Römischen Reiches entsprachen, und der Regierung mithilfe von Baronen, welche aufgrund ihres Adels über Ländereien verfügen.

Die Regierung mithilfe von Ministerialen hat den Vorteil, dass die Herrschaft zentralisiert wird. Dadurch gibt es nur ein Machtzentrum und damit keine geteilten Loyalitäten im Lande. Auch gibt es keine gegensätzlichen Interessen zwischen Ministerialen und Fürst, da die Ministerialen Untergebene des Fürsten sind und ihre Verfügungsgewalt ganz und gar vom Fürsten ausgeht, der diese wieder zurückziehen kann. Die Ministerialen haben also keine eigene Macht und können dem Fürst daher nicht die Stirn bieten. Der Nachteil dieser Regierungsart ist neben ihrer relativen Trägheit der Umstand, dass ein Invasor, sobald er einmal den Fürsten und beseitigt hat, keinen organisierten Widerstand mehr zu fürchten hat, dass es kein natürliches Führungspersonal mehr gibt.

Wird die Regierung mithilfe von Baronen ausgeübt, gibt es verschiedene Machtzentren im Land. Neben der zentralen Macht des Fürsten existieren auf unterer Ebene die Barone, deren Macht aus ihren ererbten Ländereien entspringt und durch ihren Adel begründet wird. Dies bedeutet, dass ein oder die Barone in Konkurrenz zum Fürsten treten können, zumal die Bewohner ihrer ererbten Ländereien „…eine natürliche Anhänglichkeit für sie empfinden.“[10] Es gibt also in einem derart regierten Land wahrscheinlich ständig unzufriedene ambitionierte Barone. Diese könnten nach Machiavelli dafür empfänglich sein, eine ausländische Macht zu ihrer Unterstützung zu rufen. Es ist also für eine ausländische Macht relativ leicht, einen Anlass für eine Invasion zu finden. Auf der anderen Seite aber reicht es nicht aus, den Fürsten und seine Umgebung zu eliminieren, um allen Widerstand zu ersticken, „…denn es bleiben noch jene Feudalherren, die sich an die Spitze erneuter Umschwünge stellen…“[11] Ein solches Land ist also einfach anzugreifen, aber nur schwer zu halten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Philipp Rippel (Hg.): Niccolò Machiavelli: Il Principe. Der Fürst, Stuttgart 1986, S.5.

[2] Ebd., S. 8f.

[3] Ebd.

[4] Ebd., S.11.

[5] Ebd., S.16ff.

[6] Ebd., S.17.

[7] Vgl.: ebd., S.19.

[8] Ebd., S.27.

[9] Ebd., S.30f.

[10] Ebd., S.31.

[11] Ebd., S.35.

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Machiavelli pur. Der Principe
Autor
Jahr
2008
Seiten
44
Katalognummer
V94167
ISBN (eBook)
9783640116805
ISBN (Buch)
9783640117581
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli, Principe, Der Fürst
Arbeit zitieren
Magister Artium Andre Budke (Autor), 2008, Machiavelli pur. Der Principe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94167

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