In der Arbeit wird die Methode der kritischen Hermeneutik, die von Jean Bollack und Christoph König entwickelt wurde, unter den Aspekten der Entstehung, der Methodik und des Vorgehens beschrieben. Im Anschluss wird mithilfe der kritischen Hermeneutik das Gedicht “tag- und nachtlieder” von dem Autor Tristan Marquardt aus dem Gedichtband “Scrollen in Tiefsee” aus dem Jahr 2018 analysiert und interpretiert.
Dazu wird zunächst die theoretische Grundlage der Methode der kritischen Hermeneutik und ihr Ansatz zur Interpretation von lyrischen Texten beschrieben. Im Anschluss wird das methodische Vorgehen der “insistierenden Lektüre” bei einer Interpretation mit der kritischen Hermeneutik in einzelnen Schritten näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Kritische Hermeneutik
1.1. Entstehung der kritischen Hermeneutik
1.2. Methode der kritischen Hermeneutik
1.3. Vorgehen mit der “Insistierenden Lektüre”
2. “tag- und nachtlieder”
2.1. Tristan Marquardt
2.2. Vorwort von Robert Musil
2.3. Interpretation “Tag- und Nachtlieder”
2.3.1. Strophe 1
2.3.2. Strophe 2
2.3.3. Strophe 3
2.3.4. Strophe 4
2.3.5. Strophe 5
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den ersten Teil des Gedichts „tag- und nachtlieder“ von Tristan Marquardt aus dem Band „Scrollen in Tiefsee“ mittels der Methode der kritischen Hermeneutik zu interpretieren. Dabei soll insbesondere beleuchtet werden, wie das lyrische Ich seinen eigenen Schreibprozess und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Poesie reflektiert.
- Grundlagen und Entstehung der kritischen Hermeneutik
- Die Methodik der „insistierenden Lektüre“
- Biografischer Hintergrund und poetologische Positionierung von Tristan Marquardt
- Rezeption des „Möglichkeitssinns“ nach Robert Musil im Kontext der Lyrik
- Detaillierte strophische Interpretation des Gedichts „tag- und nachtlieder“
Auszug aus dem Buch
1.1. Entstehung der kritischen Hermeneutik
Die kritische Hermeneutik ist eine noch recht junge Theorie der Interpretation von literarischen Texten, sie wurde entwickelt von Jean Bollack und Christoph König. Der Ansatz der Hermeneutik als “Lehre vom Verstehen” geht jedoch bis in die Antike zurück, denn seitdem es geschriebene Texte gab, war auch das Problem des Verstehens dieser Texte präsent. Ende des 18. Jahrhundert, in der Epoche der Frühromantik, wird die Hermeneutik von Friedrich Schlegel und Friedrich Schleiermacher zu einer Wissenschaftsdisziplin ausgebaut und sie entwickelten Regeln für das Textverstehen, die auch für die kritische Hermeneutik von Bollack und König als Leitfaden dienen.
Schlegel und Schleiermacher reagieren mit ihrem Ansatz einer literarischen Hermeneutik auf die stetige Debatte über das Missverstehen und die Vieldeutigkeit in Texten. Schleiermacher entwickelt zwei Interpretationsperspektiven, die dem Leser helfen sollen, sich dem Sinn des Textes anzunähern. Zum einen geht es ihm dabei um die psychologische Interpretation, bei der sich der Deuter in den Dichter hineinversetzen soll, um dessen Horizont und den schöpferischen Ursprung des Werks nachzuvollziehen. Zum anderen, geht es um die grammatische Interpretation, die sich auf den sprachlichen Aufbau des Textes konzentriert und damit eher ein technisches Interpretationswerkzeug darstellt. Dabei sollen die Sprachstrukturen und auch Neuschöpfungen von Sprachbedeutungen vom Deuter genauer untersucht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kritische Hermeneutik: Einführung in die theoretischen Grundlagen der kritischen Hermeneutik, ihrer Entstehung aus der Tradition Schleiermachers und der Etablierung durch Bollack und König.
2. “tag- und nachtlieder”: Biografische Vorstellung von Tristan Marquardt, Einordnung durch Robert Musils „Möglichkeitssinn“ und detaillierte Interpretation der ersten fünf Strophen des Gedichts.
Schlüsselwörter
Kritische Hermeneutik, Tristan Marquardt, Insistierende Lektüre, Lyrik, Möglichkeitssinn, Jean Bollack, Christoph König, Textinterpretation, Poetologie, Scrollen in Tiefsee, Sprachanalyse, Literaturwissenschaft, Moderne Poesie, Syntax, Hermeneutik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das zeitgenössische Gedicht „tag- und nachtlieder“ von Tristan Marquardt unter Anwendung der kritischen Hermeneutik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Philologie, die Rolle des Autors in der modernen Poesie und das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und fiktionaler Gestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Sinngehalt und die poetischen Strukturen des ersten Abschnitts des Gedichts durch eine insistierende, am Text orientierte Lektüre zu erschließen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird die Methode der kritischen Hermeneutik, wie sie von Jean Bollack und Christoph König geprägt wurde, angewandt.
Was ist der inhaltliche Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Einführung und eine systematische strophische Analyse des Gedichtauszuges.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Kritische Hermeneutik, Insistierende Lektüre, Tristan Marquardt und Poetologie.
Welche Rolle spielt Robert Musil für die Analyse?
Das Zitat aus Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ dient als theoretischer Ankerpunkt, um den „Möglichkeitssinn“ als Interpretationsebene für Marquardts Gedicht zu etablieren.
Warum wird die „insistierende Lektüre“ als zentral beschrieben?
Sie gilt als methodisches Kernstück, da sie durch wiederholtes, reflexives Lesen des Textes eine widerspruchsfreie Sinnkonstruktion aus dem Text selbst heraus anstrebt.
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- Anonym (Author), 2020, Kritische Hermeneutik. Interpretation der “Tag- und Nachtlieder” von Tristan Marquardt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941714