Die Rolle des Internationalen Währungsfonds in der europäischen Schuldenkrise


Seminararbeit, 2018

32 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der internationale Währungsfonds
2.1 Geschichte und Entwicklung
2.2 Zentrale Aufgabe und ihre Umsetzung
2.2.1 Überwachung
2.2.2 Finanzielle Unterstützung der Mitgliedsländer
2.2.3 Kapazitätsentwicklung

3 Die Rolle des IWF in der europäischen Schuldenkrise

4 Die Rolle des IWF am Beispiel von Portugal
4.1 Die Probleme Portugals in der Krise
4.2 Kreditumfang und Anpassungsprogramm
4.3 Überwachung, Kreditauszahlungen und Kritik

5 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Mit Beginn der internationalen Finanzmarktkrise im Jahr 2007 spürten über die folgenden Jahre auch Länder aus der Europäischen Union (EU) nach und nach die schwerwiegenden Auswirkungen. Länder wie Ungarn, Irland, Portugal und vor allem Griechenland standen und stehen teilweise immer noch vor der Herausforderung, das nationale Haushaltsdefizit und die hohe Schuldenbelastung in den Griff zu bekommen. Vertreter der Europäischen Union waren sich einig: Ohne externe Hilfe sei Europa nur beschränkt fähig, den Krisenländern eine Unterstützung anzubieten, die es ihnen ermöglicht wieder in der Lage zu sein sich selbstständig an den Finanzmärkten finanzieren zu können. Während die Überlegung in dem Raum stand, eine Art Internationalen Währungsfonds nur für Europa einzurichten, zwang die damalige Krisensituation zu einem schnelleren Handeln. Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) den europäischen Ländern Ungarn, Lettland und Rumänien in der Krise finanziell zur Seite stand, bei denen auch die EU Finanzmittel beisteuerte, begann mit der Rettungsaktion Griechenlands die Zusammenarbeit des IWF, der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank. Die Kooperation dieser drei Organisationen ist seitdem unter der „Troika“ bekannt. Ob eine Beteiligung des IWF letztendlich unumgänglich gewesen ist, bleibt strittig. Doch konnte der IWF durch seine langjährigen Erfahrungen mit derartig großen Strukturanpassungsprogrammen, der EU als helfende Stütze zur Seite stehen. Da der IWF für seine disziplinierten und teilweise sehr strengen Konditionalitäten infolge einer Darlehensvergabe bekannt ist, hagelte es auch für die Troika unüberhörbare Kritik. Aufgrund dessen beschäftigt sich diese Arbeit zu Beginn zunächst mit der Entstehung des IWF und der Vorstellung seiner heutigen Kernaufgaben. Darauffolgend geht sie auf die Rolle des IWF in der europäischen Schuldenkrise ein. Hierbei verschafft ein Überblick Kenntnis darüber, welchen Ländern unter welchen Konditionen Kredite zugesagt worden waren. Außerdem geht sie auf den Vorwurf ein, dass die Troika, und somit die Beteiligung des IWF, alleine an den negativen Auswirkungen, wie z.B. eine hohe Arbeitslosenquote, in den betroffenen Ländern während der Krise verantwortlich gewesen war. Im letzten Kapitel betrachtet diese Arbeit den EU-Mitgliedsstaat Portugal. Nach einer Aufstellung der Problematiken, mit denen Portugal in der Krise zu kämpfen hatte und infolge dessen finanzielle Unterstützung beantragen musste, geht sie explizit auf das Anpassungsprogramm, das durch die Troika erstellt worden war, ein. Zum Abschluss zieht sie einzelne Überwachungsmissionen der drei Organisationen heran und berücksichtigt die damaligen Reaktionen der Bevölkerung auf die Sparmaßnahmen der Regierung mit.

2 Der internationale Währungsfonds

2.1 Geschichte und Entwicklung

Der internationale Handel war zusammengebrochen, Direktinvestitionen konnten nicht mehr getätigt werden und auch der Kapitalverkehr war stillgelegt. Sowohl die Weltwirtschaftskrise, als auch der zweite Weltkrieg, führten dazu, dass die inländischen Währungen der Länder aufgrund von Inkonvertibilität nicht mehr als Zahlungsmittel innerhalb ausländischer Tätigkeiten genutzt werden konnte. Dies galt jedoch nicht für den US-Dollar. Denn auch in der Nachkriegszeit erfreute sich dieser an einem hohen Interesse. Um in der Weltwirtschaft das schwerwiegende Problem zu lösen, wurde das „Bretton Woods“- Abkommen ins Leben gerufen. Es zielte darauf ab die Austauschbarkeit der Währungen wiederherzustellen und ein über die Grenzen der Länder geltendes Zahlungsmittel zu schaffen, um schlussendlich einen wiederauflebenden internationalen Handel ermöglichen zu können. Im Zuge der im Juli 1944 stattgefundenen Konferenz in Bretton Woods, entstand das „Bretton-Woods-System“, bestehend aus zwei Organisationen: dem Internationalen Währungsfonds (engl. International Monetary Fund, IMF) und der Weltbank. Neben dem Ziel die nationalen Währungen wieder konvertibel zu machen, arbeitete der IWF an einem System mit festen Wechselkursen und an einem Kreditsystem, das Ländern im Falle von Zahlungsbilanzproblemen Hilfe leisten konnte. Mit dem Misserfolg des Bretton-Woods-Systems Mitte 1960, passten sich auch die Ziele und Aufgaben des IWF an. Heute erstrecken sich diese von der Kreditvergabe bei Zahlungsbilanzproblemen, über technische Hilfen an Entwicklungsländer im Zuge ihrer Errichtung eines Geld- und Finanzsystems, bis hin zu stabilisierenden Maßnahmen für die internationalen Finanzmärkte.1

2.2 Zentrale Aufgabe und ihre Umsetzung

Wie in Kapitel 2.1 bereits angesprochen, konnten die Ländern damals, aufgrund ihrer nicht konvertiblen Währungen, nur bedingt am internationalen Handelsmarkt teilnehmen. Daraus ergibt sich die heutige zentrale Aufgabe und Mission des IWF. Er möchte den Ländern einen internationalen Handel ermöglichen und im Zuge dessen die Konvertibilität der nationalen Zahlungsmittel sichern. Zusammenfassend besteht die Hauptaufgabe des IWF in der Sicherung eines stabilen internationalen Währungssystems. Für diese Aufgabe stehen dem IWF drei Instrumente zur Verfügung: die Überwachung der Mitgliedsländer und ihrer Wirtschaftspolitik, die ökonomische und finanzrelevante Entwicklungen auf der ganzen Welt und die Kreditvergabe an Mitgliedsstaaten, als Form der finanziellen Unterstützung und die Förderung der Mitgliedsländer in Bezug auf ihre Kapazitätsentwicklung mittels technischer Hilfen und Schulungen.2

2.2.1 Überwachung

Um die Stabilität des Währungssystems gewährleisten zu können, ist eine Überwachung der Politik der Mitgliedsländer in Bezug auf ihre wirtschaftlichen und finanziellen Tätigkeiten von voraussetzendem Charakter. Mit Hilfe der Überwachung wird das Erkennen von Risiken in der Stabilität und des Wachstums ermöglicht. Sind entsprechende Auffälligkeiten erkannt worden, können frühzeitige Gegenmaßnahmen ergriffen werden.3 Grundlegend kann die Überwachung in zwei Hauptgebiete eingeteilt werden: in die bilaterale und in die multilaterale Überwachung.

Die Aufgabe der bilateralen Überwachung besteht in der Begutachtung aller 189 Mitgliedsländer im Einzelnen. Nennenswert sind hierbei die sogenannten Artikel-IV-Konsultationen. Innerhalb der internen Analyse eines Mitgliedslandes bearbeitet eine Konsultation festgelegte Bereiche (u.a. Haushalt und Wechselkurse), die aus makroökonomischer Sicht einem kritischen Charakter zugeordnet werden. Im Zuge der Bewertung berücksichtigen die Mitarbeiter der Überwachung bekannte Risiken der Bereiche, gehen auf Handlungen aus der Politik ein und stellen entsprechende Empfehlungen für die Ausrichtung der Wirtschaft auf. Nach Abschluss der Analyse werden die Ergebnisse in die sogenannte „Policy Note“ zusammengetragen. Da die Beurteilung eines Landes nicht ausschließlich auf den intern erarbeiteten Informationen beruht, reisen die unterschiedlichen Abteilungen des IWF, das Team der Konsultationen, in den analysierten Mitgliedsstaat. Ziel ist es, eine umfassende Bewertung des Landes zu erreichen, indem neben einer Diskussion mit der Regierung auch mit weiteren Interessengruppen, wie z.B. Gewerkschaften, ein Gespräch gesucht wird. Nach erfolgreicher Bewertung erfolgt die Erstellung eines Stabsberichts, der zum Abschluss der Konsultation dem Exekutivdirektorium vorgelegt wird.

Die multilaterale Überwachung beschäftigt sich hingegen mit der Beobachtung der gesamten Weltwirtschaft. Sie ermittelt wirtschaftliche Trends im internationalen und regionalen Kontext und bewertet übergreifende Auswirkungen politischer Tätigkeiten eines Landes auf die globale Wirtschaft, sogenannte „Spillovers“. Als Ergebnis der multilateralen Überwachung werden regelmäßig Berichte publiziert. Eine dieser Veröffentlichungen, der „World Economic Outlook“ (WEO), beschäftigt sich mit aktuellen Gegebenheiten der internationalen Wirtschaft und nimmt Bezug auf Themen, wie die globalen Finanzturbulenzen. Außerdem werden Informationen über die überstaatliche Finanzkrise zusammengetragen und in welchem Maße sich die betroffenen Länder und ihre Wirtschaft erholen. Der „Global Financial Stability Report“ (GFSR) hingegen untersucht die aktuelle Situation der internationalen Finanzmärkte. Darauf aufbauend verdeutlicht der Bericht mögliche Risiken für die Finanzstabilität. Die Beurteilung des positiven, als auch des negativen Fortschrittes in den öffentlichen Finanzen und die Überarbeitung der bereits getätigten Haushaltsprognosen, finden als Ergebnis im „Fiscal Monitor“ (FM) ihren Platz.4

2.2.2 Finanzielle Unterstützung der Mitgliedsländer

Eine weitere Möglichkeit der zentralen Aufgabe der Organisation gerecht zu werden, besteht in der Vergabe von Krediten an diejenigen Mitgliedsländer, die unter Zahlungsbilanzproblemen leiden. Die finanziellen Ressourcen für ein solches Darlehen erhält der IWF im größten Teil durch die gezahlten Quotenbeiträge der Mitgliedsländer. Diese Quote berücksichtigt die Position eines Landes in Hinblick auf die gesamte internationale Wirtschaft und bestimmt infolge dessen die Höhe der maximal zu entrichtenden Zahlungen an den IWF. Ein weiterer Aspekt, der sich hinter der Quotenbestimmung versteckt, richtet sich auf die Anzahl der Stimmrechte der Länder, die im Zuge von IWF-Entscheidungen in Anspruch genommen werden können. Außerdem bilden die Quoten die Grundlage für eine Zuordnung der Sondererziehungsrechte (SZR), die einer ergänzenden Währungsreserve für das Land entsprechen. Das Sondererziehungsrecht bildet die Rechnungseinheit der Organisation und beruht auf einem Wert, der unter Berücksichtigung von fünf Währungen ermittelt wird.5

Mit Hilfe der Inanspruchnahme eines Kredites vom IWF, soll den bedürftigen Mitgliedsländern eine Möglichkeit geboten werden, ihre finanziellen Probleme im nationalen und internationalen Kontext beheben zu können. Nach Beantragung eines Darlehens sieht sich der IWF gezwungen, die Problematik in dem Land zu bewerten. Dies geschieht unter anderem nach Rücksprache mit der betroffenen nationalen Regierung. Auf Grundlage der Bewertung folgt die Ermittlung der benötigten Unterstützung mit entsprechender Ausarbeitung von politischen Maßnahmen, die infolge der Kreditgewährung umzusetzen sind. Diese Maßnahmen werden in einem Anpassungsprogramm zusammengetragen, über das sich der betroffene Staat und der IWF einigen müssen. Erst dann erhält der Kreditnehmer sein Darlehen.6

Mit Einigung und Zusage des Mitgliedslandes, die festgelegten politischen Maßnahmen aus dem Anpassungsprogramm umzusetzen (auch „Konditionalität“ genannt), sichert der IWF seine finanziellen Mittel ab. Denn erreicht das Land die in dem Programm definierten Ziele, sind vergangene Zahlungsbilanzprobleme überwunden und einem nachhaltigen Wachstum der Wirtschaft steht nichts mehr im Wege. Somit ist der Staat in der Lage, die ihm geliehenen Finanzmittel zurück zu zahlen. Doch nicht nur mit der Erreichung der Ziele ist die Rückzahlung des Kreditvolumens gewährleistet. Aufgrund des international anerkannten „bevorrechtigten Gläubigerstatus“ (Preferred Creditor Status) des IWF, genießt die Organisation ein Vorrecht in der Befriedigung der eigenen Forderungen gegenüber jedem anderen Gläubiger des Problemstaates. Ob das unterstützte Land jedoch wahrhaftig Maßnahmen gegen die problematische Lage tätigt, wird durch eine stetige Überwachung der Fortschritte durch den IWF aufgedeckt. Da eine Vielzahl der finanziellen Hilfen der Organisation auf einem Ratensystem beruhen, sind die Länder hingegen gezwungen tätig zu werden, da bei nicht Erfüllen der Kreditpflichten von weiteren Zahlungen abgesehen werden kann.7

Um anfragende Mitgliedsstaaten finanziell zu unterstützen, stehen dem IWF eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung. Während der europäischen Schuldenkrise hat die Organisation die folgenden zwei Vergabeinstrumente verwendet8:

Zum einen unterstütze der IWF anfragende Länder mit einem Bereitschaftskredit (engl. „Stand-By Arrangement“ (SBA)). Diese Kreditart wird meist bei Staaten mit einem mittleren Einkommen herangezogen, um Zahlungsbilanzproblemen von kurzfristiger Natur entgegen zu wirken. Grundsätzlich kann der Zeitraum eines SBA flexibel angepasst werden, wobei eine Gesamtlaufzeit von 36 Monaten nicht überschritten werden darf. Die Inanspruchnahme einer finanziellen Unterstützung in Form eines SBAs hängt von dem benötigten Kreditvolumen, der Rückzahlungsmöglichkeiten und der erwarteten Verbesserung der wirtschaftlichen Lage des Staates aufgrund der Kreditgewährung ab. Es werden fünf verschiedene Arten der Inanspruchnahme des Darlehens in Hinblick auf die Höhe und dem Zeitpunkt der Unterstützung unterschieden: „Normaler Zugriff“, „außergewöhnlicher Zugriff“, „front-loaded Zugriff“, „vorsorglicher Zugriff“ und „schneller Zugriff“. Letzteres wurde des Öfteren im Zuge der globalen Finanzkrise herangezogen, da mittels des Notfallfinanzierungsmechanismus eine beschleunigte Genehmigung und Inanspruchnahme der Kredite ermöglicht werden kann. Wie bereits angesprochen, verpflichtet sich ein Land, Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme vorzunehmen. Dementsprechend werden die Fortschritte in der Zielerreichung durch eine immer wiederkehrende Überwachung des IWFs verfolgt. Hat ein Land einen SBA zugesprochen bekommen, muss dieses bestimmte quantitative Ziele erreichen, um weitere Zahlungen aus dem Fonds beanspruchen zu können. Strukturelle Ziele hingegen sind mit einer Aktualisierung des SBA-Rahmens von keiner Bedeutung mehr. Da das Umsetzen von Strukturmaßnahmen jedoch einen nicht unerheblichen Teil zur Umsetzung und Erfüllung des Anpassungsprogramms beiträgt, werden diese ganzheitlich im Zuge der anstehenden Programmüberprüfungen analysiert und bewertet. Ein SBA ist grundsätzlich innerhalb eines Zeitraums von 3,25 bis 5 Jahren zurückzuzahlen. Die Frist beginnt nach Auszahlung einer jeden Rate. Auf die geliehenen finanziellen Mittel wird ein Kreditzins erhoben, der sich aus der „basic rate of charge“ (= SZR-Zins + Marge) und den Kosten für die Kredithöhe- und Dauer zusammensetzt. Weiterhin ist ein Land innerhalb eines SBA-Darlehens zur Zahlung von Bereitstellungs- und Servicegebühren verpflichtet.9

Ein weiteres Kreditvergabeinstrument in der Krise stellte die erweiterte Fondsfazilität, die „Extended Fund Facility“ (EFF), dar. Im Gegensatz zum SBA ermöglicht die EFF eine Unterstützung durch den IWF, die Konditionalitäten im Land umzusetzen und einen verlängerten Zeitraum von 4,5-10 Jahren für die Rückzahlung. Mitgliedsländern, die infolge von Strukturproblemen vor Zahlungsungleichgewichten stehen oder deren Wirtschaft sich nur schleppend entwickeln und schwer finanzieren kann, soll unter Anwendung der EFF geholfen werden. Infolgedessen steht dem betroffenen Staat die Möglichkeit offen, die Hilfe des IWF bei der Umsetzung des strukturellen Anpassungsprogrammes in Anspruch zu nehmen. Dieses stellt strukturelle Reformen in den Vordergrund, um erkannte Schwächen des Staates in Stärken zu verwandeln und die makroökonomische Stabilität zu stärken. Aufgrund der stetigen Analyse der Programmfortschritte durch den IWF, bestehen Gelegenheiten zur Aktualisierung der Programme unter Einbeziehung der wirtschaftlichen Entwicklungen. Die Vertragslaufzeit erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von drei Jahren, kann aber im Individualfall für eine maximale Dauer von vier Jahren zugesagt werden. Anders als bei einem SBA, wird bei der Anwendung von EFFs nur unter den folgenden zwei Arten der Inanspruchnahme des Kredites unterschieden: „Normaler Zugriff“ und „außergewöhnlicher Zugriff“. Gleichbleibend im Vergleich zu einem SBA ist die Zahlungspflicht einer Bereitstellungs- und Servicegebühr und die Erbringung eines Kreditzinses, definiert als der SZR-Zins zuzüglich einer Marge.10

2.2.3 Kapazitätsentwicklung

Die Kapazitätsentwicklung (engl. „Capacity Development“ (CD)) stellt eine weitere Kernfunktion des IWF dar. Sie unterstützt die Regierungen der Mitgliedsländer in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung unter Anwendung von technischen Hilfen und Schulungen. Ziel ist es Strategien zu entwickeln, die bestehende Schwierigkeiten im Land bekämpfen sollen. Ein Schwerpunkt stellt die Fiskalpolitik dar. Mit Hilfe der CD versucht der IWF dem Staat bei zu geringen öffentlichen Einnahmen, zu einer Mobilisierung von Geldern zu verhelfen. Da jedoch neben der Vereinnahmung von Finanzmitteln auch eine verantwortungsvolle Verwaltung und Nutzung dieser Gelder von Bedeutung ist, wird auch hierfür entsprechende Unterstützung angeboten. Weitere Hilfe finden die Mitgliedsländer bei Fragen zu ihrer Geld- und Finanzsektorpolitik. Deshalb bemüht sich der IWF um eine Zusammenarbeit mit Akteuren des Finanzsektors, um dem Land zu einer finanziellen Stabilität zu verhelfen und den weltweiten Handel, sowie das inländische Wachstum positiv zu stärken. Weiterhin kann ein Staat Hilfe beim IWF anfordern, wenn er Unterstützung in der Formulierung und Ausarbeitung von rechtlichen Rahmenbedingungen benötigt, die sich an internationalen Standards orientieren sollen. Mithilfe eines ordentlichen Umgangs mit wichtigen Finanzdaten, wird es einem Land möglich, die nationale Wirtschaft und deren Entwicklung besser verstehen zu können. Daher besitzen Mitgliedsstaaten mit dem IWF auch bei Fragen in dieser Thematik eine helfende Hand.

Hat ein Mitgliedsland in den genannten Bereichen Schwierigkeiten, oder auch bei anderweitigen wirtschaftlichen und finanziellen Fragen, kann es einen Antrag auf Unterstützung beim IWF einreichen. In welcher Art und Weise einem Land geholfen wird, hängt von dem Umfang der benötigten Hilfe ab. Grundsätzlich gibt es die Optionen einer kurz- und langfristigen Unterstützung direkt vor Ort, durch regionale Entwicklungszentren oder auch unter Anwendung von Onlinekursen.11

3 Die Rolle des IWF in der europäischen Schuldenkrise

Wie in Kapitel 2.2.2 angesprochen, unterstützt der IWF Mitgliedsländer, die unter Zahlungsbilanzproblemen leiden, mittels der Vergabe von Krediten. Somit ebenfalls in Zeiten der europäischen Schuldenkrise, als Ungarn im Jahr 2008 als erstes EU-Mitgliedsland finanzielle Hilfe bei der Organisation ersuchte. Die damalige Unterstützung aus einer Zusammenarbeit mit dem IWF, der EU und der Weltbank nahm einen Betrag von rund 19,8 Mrd. Euro an. Der Anteil des IWF betrug in dieser Kooperation rund 12,3 Mrd. Euro, die unter Anwendung eines Bereitschaftskredites für 17 Monate genehmigt worden waren.12 Im gleichen Jahr erfolgte die Zustimmung zu einem SBA über 1,68 Mrd. Euro für den europäischen Mitgliedsstaat Lettland. Auch dank dieser Unterstützung wurde das Land infolge einer EU/IWF- Zusammenarbeit durch die Krise begleitet. Das Strukturprogramm wurde in diesem Fall mittels einer Vereinigung aus dem IWF, Vertretern der EZB, sowie Schweden und weiteren Ländern Skandinaviens formuliert.13 Eine weitere Genehmigung über einen Bereitschaftskredit ist damals im Mai 2009 an Rumänien erteilt worden. Dieser wurde für 24 Monate aufgestellt und nahm einen Umfang von rund 12,9 Mrd. Euro an. Der Gesamtbetrag von etwa 19,9 Mrd. Euro war auf die EU, die Weltbank, die europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die europäische Investitionsbank, die internationale Finanz-Corporation und schließlich den IWF aufzuteilen.14 Die finanzielle Unterstützung Griechenlands begann im Mai 2010. Zu dieser Zeit wurde dem Land ein SBA von umgerechnet 30 Mrd. Euro über einen Zeitraum von drei Jahren durch den IWF zugesprochen. Weitere Finanzmittel in Höhe von 80 Mrd. Euro flossen durch die EU hinzu.15 Knapp zwei Jahre später, im März 2012, erfolgte die zweite Ankündigung durch den IWF, dass Griechenland weitere 28 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt werden. Dieses Darlehen sollte in Tranchen über eine Laufzeit von vier Jahren ausgezahlt werden. Im Gegensatz zu dem ersten Finanzpaket, war dieses Darauffolgende im Rahmen einer EFF zugesprochen worden.16 Eine dritte Finanzspritze wurde dem Mitgliedsstaat im Juli 2017 grundsätzlich zugesagt. Doch im Vergleich zu den bereits genehmigten und ausgezahlten Tranchen aus den ersten beiden Darlehen, war das dritte Hilfspaket an zwei Voraussetzungen geknüpft. Zum einen setzte der IWF einen Schuldenerlass für das Land durch die EU und deren Partner voraus und zum anderen eine weiterhin erfolgreiche Umsetzung des Strukturanpassungsprogramms. Bis heute sind jedoch keine weiteren Finanzmittel durch den IWF an Griechenland aus der zuletzt zugesprochenen Unterstützung geflossen.17 Neben den bereits angesprochenen Krisenländern, hatten auch Irland und Portugal18 Finanzhilfe durch den IWF erhalten. Im Falle von Irland entschied sich der IWF für eine EFF über einen Zeitraum von drei Jahren und einer Höhe von 22,5 Mrd. Euro. Abgesehen von der Vereinbarung mit dem IWF erhielt Irland weitere Unterstützung aus dem Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (engl. European Financial Stabilization Mechanism, EFSM), der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (engl. European Financial Stability Facility, EFSF), als auch durch bilaterale Darlehen, die durch Schweden und Dänemark zur Verfügung gestellt worden waren.19

[...]


1 Vgl. Kruber (2012) und Sautter (2012).

2 Vgl. IMF (2018a).

3 Vgl. IMF (2018b).

4 Vgl. IMF (2017a), S. 33.

5 Vgl. IMF (2018c) und IMF (2018d).

6 Vgl. IMF (2018e).

7 Vgl. IMF (2018f) und Deutsche Bundesbank (2012), S. 65.

8 Vgl. Kapitel drei in dieser Arbeit.

9 Vgl. IMF (2018g).

10 Vgl. IMF (2018h).

11 Vgl. IMF (2018i).

12 Vgl. IMF (2008a).

13 Vgl. IMF (2008b).

14 Vgl. IMF (2009).

15 Vgl. IMF (2010a).

16 Vgl. IMF (2012a).

17 Vgl. IMF (2017b).

18 Hierzu mehr in Kapitel vier in dieser Arbeit.

19 Vgl. IMF (2010b).

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Internationalen Währungsfonds in der europäischen Schuldenkrise
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
32
Katalognummer
V941878
ISBN (eBook)
9783346271778
ISBN (Buch)
9783346271785
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, internationalen, währungsfonds, schuldenkrise
Arbeit zitieren
Elisa Heil (Autor), 2018, Die Rolle des Internationalen Währungsfonds in der europäischen Schuldenkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941878

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