C. Brentano und Basiles Pentamerone


Seminararbeit, 2001

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Italienischen Märchen

3. Quellen

4. Brentanos Bearbeitung der Rahmenerzählung: Die Märchen von Zoza und Liebseelchen
4.1. Die Vorlagentexte: Der Italienische und der Urtext
4.2.Rezeption auf drei Ebenen
- Die zeitliche Ebene
- Die räumliche Ebene
- Die farbliche Ebene

5. Schlussgedanken

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Brentanos Bearbeitung des „Pentamerone“ von G. Basile. Zwei Jahrhunderte trennen den neapolitanischen Dichter von dem Deutschen Clemens Brentano. Dieser hat das Werk als Anregung für elf eigene Märchen benutzt.

Um den mehrschichtigen Rezeptionsvorgang Brentanos verstehen zu können, muss erst die Frage nach den benutzen Quellen geklärt werden. Danach besteht die Möglichkeit, die Märchen als eigenständige Gebilde miteinander zu vergleichen und auf Amplifikationen und Modifikationen hin zu untersuchen. Dem wird am Beispiel der beiden Rahmenmärchen nachgegangen werden. Die Ausgangstexte für die vergleichende Untersuchung sind „Liebseelchen“ von Clemens Brentano und die Rahmenerzählung (Zoza) des „cunto de li cunti“ von Basile in der neuerschienenden Übersetzung (Beck 2000).

Anfang des 19. Jahrhunderts war Brentano zweifellos einer der besten Kenner der Volkstümlichen Überlieferungen in Deutschland und insbesondere der Volksmärchen. Mit der deutschen Literatur war er vom Mittelalter bis zum Barock genauso umfassend und gründlich vertraut, wie mit der spanischen Novellistik und Basiles „Pentamerone“.

Das Sammeln von Märchen und Sagen aus dem Volksmund und deren spätere Bearbeitung war ein Hauptbestandteil seiner Arbeit. Er verstand sich auch hervorragend auf das improvisierte Vorsingen von Volksliedern und auf das Erzählen von Märchen.

Brentano regte die Sammeltätigkeit der Brüder Grimm entscheidend an und erschloss ihnen das Phänomen Volksmärchen theoretisch und praktisch und war somit ursächlich an ihrer Märchensammlung beteiligt.

Trotz der Kenntnis über Volkserzählungen gewannen die literarischen Einflüsse bei Brentanos Kunstmärchen die Oberhand. Während er anfangs dazu neigte, die Märchen künstlerisch zu bearbeiten und sie in ihrem epischen Gang zu belassen, war er später darauf bedacht, sie zu ganz eigenen Dichtungen um- und auszugestalten. Brentano tritt im Laufe der Zeit in immer schärfer werdenden Gegensatz zu der volkstümlichen Erzählerkunst.

2.Die Italienischen Märchen

Zu Brentanos Quellen gehörten zahlreiche alte und neue Bücher und unter ihnen an erster Stelle Basiles „Pentamerone“. Seit ca. 1805 bemühte sich Brentano, um die Übersetzung Basiles Märchensammlung ins Deutsche. In einem Brief an Arnim vom 23. September 1805 gibt Brentano einen Hinweis auf diese Arbeit: „Ich denke auf Michaelis, wenn’s zuschlägt, die italiänischen Kindermärchen für deutsche Kinder zu bearbeiten... ich will womöglich die kleinen Bilderchen selbst dazu kritzeln.“[1] Bei der langanhaltenden Beschäftigung wich er aber von diesem ursprünglichen Plan ab und schuf die, nicht direkt ins Deutsche übertragenen „Italienischen Märchen“.

Zunächst (1805-1809) schuf Brentano seine Rahmengeschichte vom Liebseelchen („Pentamerone“: Zoza) und die Märchen Dilldapp (P.: 1,1), Myrtenfräulein (P.: 1,2), Hüpfenstich (P.: 1,5), Rosenblättchen (P.: 2,8) und Witzenspitzel (P.: 3,7), die sich teilweise an Basiles Text halten; sowie die Urfassung vom Gockel (P.: 4,1) und vom Fanferlieschen (P.: 4,5).

In einer späteren Phase (1813-1817) kreierte er die Endfassung vom Gockel und vom Fanferlieschen und die Märchen Komanditchen (P.: 5,3) und Schulmeister Klopfstock (P.:5,7), die er mit dem deutschen romantischen Naturgefühl, lyrischer Phantasie und verinnerlichter Moral versetzte.

3.Quellen

Um die Arbeitsweise Brentanos näher beurteilen zu können, ist es von Interesse zu wissen, in welcher Ausgabe er „seinen“ Basile gelesen hat. Teilweise unterscheiden sich nämlich die einzelnen Ausgaben des „Pentamerone“ in ihrer Textgestaltung ganz erheblich.

Im Auktionskatalog der Bibliotheken Clemens und Christian Brentanos aus dem Jahr 1853 werden drei verschiedene Basile Ausgaben aufgeführt:

Nr. 2852 G.B. Basile , Il Pentamerone overo lo cunto de li cunti tratteniemento de li Peccerille, etc. Roma 1679 ( einige Bll. Wurmst.)

Nr. 1853 Napole 1749

Nr. 2591 Tratteniemento de giovani. Mit Holzschn.(ohne Titel) broch.

Bei der Ausgabe von 1679 handelt es sich um eine in Rom erschienene neapolitanische Dialektausgabe des „Pentamerone“. Es konnte nicht genau ermittelt werden, ab wann das Büchlein genau in Brentanos Besitz gewesen ist. Aber spätestens 1819 könnte Brentano es besessen haben, da W. Grimm in einem Brief an Arnim auf eine Ausgabe „zu Roma“ verweist.[2] Die Ortsangabe „Roma“ belegt, dass es sich um die Ausgabe von 1679 handelt, da diese die einzige in Rom erschienene Ausgabe überhaupt ist.

Da der Auktionskatalog die Bibliotheken Clemens Brentano und seines Bruder erfasste, ist auch nicht auszuschließen, dass sein Bruder Christian dieses Bändchen besaß.

Es ist also fraglich, ob Clemens Brentano diese Ausgabe tatsächlich für die Bearbeitung seiner Märchen benutzt hat.

Die neapolitanische Ausgabe von 1749 erstand C. Brentano erst zwischen Sommer 1811 und Sommer 1813 in Prag. In einem Brief an W. Grimm vom 15.2.1815 schreibt er: „ Ich habe auch den Pentamerone in Prag gekauft, Neapel 1749 oktav 453 Seiten. Die italienische Übersetzung , Cunto delli Cunti, die ich hatte und Sie kennen, ist eigentlich kindischer und nicht so acconciosiacosacheisch [ =“sintemalig“, gestelzt]“.[3]

Betrachtet man die Wertung Brentanos in bezug auf die italienische Übersetzung, so wird bedenklich, ob er den neapolitanischen Urtext (von 1679) schon kannte – auszuschließen ist es natürlich nicht.

Auf jeden Fall geht aus diesem Brief deutlich hervor, dass er vor 1815 eine italienische Übersetzung besaß und ab jetzt auch eine neapolitanische Ausgabe.

Somit ist klar, dass er diese Ausgabe von 1749 erst später für die Arbeit an den Märchen miteinbezogen haben kann und diese `italienische Übersetzung´ die Vorlage für die ersten „Italienischen Märchen“ sein muss.

Es bleibt die Frage offen, auf welche Ausgabe sich diese `italienische Übersetzung´, im Versteigerungskatalog als Tratteniemento de giovanni bezeichnet, bezieht. Die erste italienische Übersetzung erschien 1747, die zweite 1754, weitere folgten.

[...]


[1] Clemens Brentano. Werke. S. 649

[2] Vgl. M. Formica. S.83.

[3] F. Seebaß: Clemens Brentano Briefe. S.127.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
C. Brentano und Basiles Pentamerone
Hochschule
Universität Bremen  (Literatur-/Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
SS 2001
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V9419
ISBN (eBook)
9783638161282
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Basile, Brentano, Märchen, Quellen
Arbeit zitieren
Bettina Winkler (Autor:in), 2001, C. Brentano und Basiles Pentamerone, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9419

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