Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Brentanos Bearbeitung des "Pentamerone" von G. Basile. Zwei Jahrhunderte trennen den neapolitanischen Dichter von dem Deutschen Clemens Brentano. Dieser hat das Werk als Anregung für elf eigene Märchen benutzt.
Um den mehrschichtigen Rezeptionsvorgang Brentanos verstehen zu können, muss erst die Frage nach den benutzen Quellen geklärt werden. Danach besteht die Möglichkeit, die Märchen als eigenständige Gebilde miteinander zu vergleichen und auf Amplifikationen und Modifikationen hin zu untersuchen. Dem wird am Beispiel der beiden Rahmenmärchen nachgegangen werden. Die Ausgangstexte für die vergleichende Untersuchung sind "Liebseelchen" von Clemens Brentano und die Rahmenerzählung (Zoza) des "cunto de li cunti" von Basile in der neuerschienenden Übersetzung (Beck 2000).
Anfang des 19. Jahrhunderts war Brentano zweifellos einer der besten Kenner der Volkstümlichen Überlieferungen in Deutschland und insbesondere der Volksmärchen. Mit der deutschen Literatur war er vom Mittelalter bis zum Barock genauso umfassend und gründlich vertraut, wie mit der spanischen Novellistik und Basiles "Pentamerone".
Das Sammeln von Märchen und Sagen aus dem Volksmund und deren spätere Bearbeitung war ein Hauptbestandteil seiner Arbeit. Er verstand sich auch hervorragend auf das improvisierte Vorsingen von Volksliedern und auf das Erzählen von Märchen.
Brentano regte die Sammeltätigkeit der Brüder Grimm entscheidend an und erschloss ihnen das Phänomen Volksmärchen theoretisch und praktisch und war somit ursächlich an ihrer Märchensammlung beteiligt.
Trotz der Kenntnis über Volkserzählungen gewannen die literarischen Einflüsse bei Brentanos Kunstmärchen die Oberhand. Während er anfangs dazu neigte, die Märchen künstlerisch zu bearbeiten und sie in ihrem epischen Gang zu belassen, war er später darauf bedacht, sie zu ganz eigenen Dichtungen um- und auszugestalten. Brentano tritt im Laufe der Zeit in immer schärfer werdenden Gegensatz zu der volkstümlichen Erzählerkunst.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Italienischen Märchen
- Quellen
- Brentanos Bearbeitung der Rahmenerzählung: Die Märchen von Zoza und Liebseelchen
- Die Vorlagentexte: Der Italienische und der Urtext
- Rezeption auf drei Ebenen
- Die zeitliche Ebene
- Die räumliche Ebene
- Die farbliche Ebene
- Schlussgedanken
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit beleuchtet Brentanos Bearbeitung von Basiles "Pentamerone" und analysiert den Rezeptionsvorgang. Sie untersucht die verwendeten Quellen, vergleicht die Märchen als eigenständige Gebilde und analysiert Amplifikationen und Modifikationen am Beispiel der beiden Rahmenmärchen "Liebseelchen" und "Zoza".
- Brentanos Rezeption des "Pentamerone"
- Vergleich der Märchen von Brentano und Basile
- Analyse von Amplifikationen und Modifikationen
- Die Rolle von Quellen und Einflüssen in Brentanos Arbeit
- Brentanos Umgang mit volkstümlichen Erzählungen und literarischen Einflüssen
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung führt in das Thema der Arbeit ein und stellt die Relevanz von Brentanos Bearbeitung des "Pentamerone" dar. Sie beleuchtet Brentanos Interesse an volkstümlichen Überlieferungen und seine Auseinandersetzung mit literarischen Traditionen.
Die Italienischen Märchen
Dieses Kapitel präsentiert Brentanos "Italienische Märchen" und beschreibt die Entstehung und Entwicklung seiner Bearbeitung. Es werden die verschiedenen Phasen der Bearbeitung und die direkten Beziehungen zu Basiles Texten hervorgehoben.
Quellen
Das Kapitel analysiert die Quellen, auf die sich Brentano bei seiner Bearbeitung des "Pentamerone" stützte. Es untersucht verschiedene Ausgaben des "Pentamerone" und hebt die Bedeutung des Textes für Brentanos Werk hervor.
Brentanos Bearbeitung der Rahmenerzählung: Die Märchen von Zoza und Liebseelchen
Dieses Kapitel fokussiert auf Brentanos Bearbeitung der Rahmenerzählung des "Pentamerone" und vergleicht die Texte von "Liebseelchen" und "Zoza". Es untersucht die Vorlagentexte und die Rezeption des "Pentamerone" auf verschiedenen Ebenen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit widmet sich der Rezeption des "Pentamerone" durch Brentano und untersucht dessen Bearbeitung der Rahmenerzählung und der einzelnen Märchen. Die Analyse beinhaltet die Quellen des "Pentamerone", den Vergleich von Brentanos und Basiles Texten, die Analyse von Amplifikationen und Modifikationen sowie den Einfluss von volkstümlichen Erzählungen und literarischen Traditionen auf Brentanos Werk.
Häufig gestellte Fragen
Welches Werk von Basile diente Clemens Brentano als Vorlage?
Brentano nutzte das neapolitanische Werk 'Pentamerone' (auch bekannt als 'Lo cunto de li cunti') von Giambattista Basile als Anregung für seine Märchen.
Wie verarbeitete Brentano die italienischen Märchen?
Er nutzte elf Märchen als Basis, gestaltete sie jedoch im Laufe der Zeit zu eigenständigen Kunstmärchen mit komplexen Modifikationen und Amplifikationen um.
Was wird im Vergleich der Rahmenmärchen 'Liebseelchen' und 'Zoza' deutlich?
Die Arbeit analysiert die Rezeption auf zeitlicher, räumlicher und farblicher Ebene und zeigt auf, wie Brentano den Urtext für ein deutsches Publikum transformierte.
Welchen Einfluss hatte Brentano auf die Brüder Grimm?
Brentano regte die Sammeltätigkeit der Brüder Grimm entscheidend an und erschloss ihnen das Phänomen der Volksmärchen sowohl theoretisch als auch praktisch.
Warum entfernte sich Brentano später von der volkstümlichen Erzählweise?
Während er anfangs nah an den Vorlagen blieb, gewannen später literarische Einflüsse die Oberhand, und er entwickelte einen scharfen Gegensatz zur schlichten volkstümlichen Kunst.
- Quote paper
- Bettina Winkler (Author), 2001, C. Brentano und Basiles Pentamerone, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9419