Die Bedeutung sozialer Bindungen


Essay, 2018

11 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Bindungen
2.1 Freundschaft in der Nikomachischen Ethik
2.2 Lebensformen der Nähe
2.3 Zugehörigkeit nach Maslow

3 Zugehörigkeit als Menschenrecht
3.1 Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen
3.2 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Am 27. Januar 2020 wurde erstmals eine Infizierung mit der neuen Lungenkrankheit SARS-CoV-2 - dem Coronavirus - in Deutschland bekannt.1 Am 25. April 2020, knapp vier Monate nach dem ersten bekannten Fall, sind in Deutschland bereits 152.362 Infizierte registriert. Zudem sind 5.460 Menschen an den Folgen des Virus verstorben.2 Der Grund dafür ist das mangelnde Wissen über das Virus, dennoch wird in verschiedenen Ländern mit Hochdruck an der Entwicklung eines Medikamentes und eines Impfstoffes geforscht. In der Zwischenzeit hat die Bundesregierung mehrere Gesetzespakete aufgrund der sogenannten Coronakrise erlassen. Die soziale Distanzierung ist die grundlegende Maßnahme in der Bekämpfung des Virus. Daher wurde ebenfalls eine bundesweite Kontaktbeschränkung eingeführt. Die Bürger dürfen zwischenzeitlich nur noch in dringenden Fällen die Wohnung verlassen - um sich und andere zu schützen. Zudem ist der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen zwei Personen jederzeit einzuhalten. Weitestgehend befolgt die Bevölkerung die neuen Regelungen, zeigt Verständnis für die Situation.3 Dennoch entsprechen Ausgangssperren und Homeoffice nicht dem Wesen des Menschen. Insbesondere alleinstehende Personen sind einer weitgehenden sozialen Isolation ausgeliefert.4 Aufgrund dieser Problematik stellt sich die Frage, welche Bedeutung soziale Bindungen und das Zugehörigkeitsgefühl für unsere Gesellschaft haben. Um dieser Fragstellung gerecht zu werden, werden im Folgenden unterschiedliche Thesen zum Thema Bindung vorgestellt. Anschließend wird das Bedürfnis nach Zugehörigkeit anhand von Menschenrechten erörtert. Zur Vereinfachung wird weiterhin allein die männliche Form verwendet.

2 Soziale Bindungen

Bereits unsere Vorfahren haben erkannt, dass soziale Bindungen das Leben erleichtern. Die Menschen zogen gemeinsam ihre Kinder bis zur Geschlechtsreife auf, bis diese fähig waren allein zu leben. Bei der Nahrungssuche gaben sie sich gegenseitig vor Feinden Schutz. Diejenigen Individuen mit einem Bedürfnis nach Zugehörigkeit überlebten, denn der Mensch lebt leichter in Gemeinschaft. Der Mensch gehört in jeder Gesellschaft einer bestimmten Gruppe an. Diese Annahme hat sich über die Geschichte der Menschheit hinweg, bis heute durchgesetzt. Aus diesem Grund setzten sich bereits unterschiedliche Personen aus verschiedenen Fachbereichen, wie beispielsweise Philosophie, Ethik und Psychologie, mit diesem Gegenstand auseinander.5 Daher werden im weiteren Verlauf grundlegende Thesen zum Thema Zugehörigkeit vorgestellt.

2.1 Freundschaft in der Nikomachischen Ethik

Bereits in der Antike setzte sich der Philosoph und Naturforscher Aristoteles mit dem Thema der Zugehörigkeit auseinander. In seiner Nikomachischen Ethik beschreibt er die Freundschaft zwischen den Menschen und dessen Bedeutung. „Ohne Freundschaft möchte niemand leben, hätte er auch alle anderen Güter.“6 - so die Grundaussage Aristoteles'. Freunde sind demnach eine Bereicherung und Hilfe für jeden Menschen, unabhängig seines sozialen Standes. Der Grundgedanke ist, dem Gegenüber unabhängig von eigenen Interessen Gutes zu wünschen. Doch erst gegenseitiges Wohlwollen lässt Freundschaft entstehen. Die Voraussetzung für Freundschaft ist zudem die Kenntnis über das Wohlwollen des anderen. Aristoteles unterscheidet zwischen der Freundschaft aus Lust, der Freundschaft aus Nutzen und der vollkommenen Freundschaft. Die Freundschaft aus Nutzen und aus Lust ist jedoch nur solange beständig, wie der Nutzen und die Lust anhalten. Die vollkommene Freundschaft hingegen besteht nach Aristoteles nur zwischen tugendhaften, guten Menschen. Wer tugendhaft ist, wünscht dem Gegenüber selbstlos Gutes. Diese Freundschaft bleibt bestehen, solange die Freunde tugendhaft sind. In der vollkommenen Freundschaft sind die Freunde gut für sich selbst und gut für den anderen. Gleichzeitig kann diese Freundschaft jedoch ebenso nützlich sein, sowie dem Menschen Wohlbefinden bringen.7

2.2 Lebensformen der Nähe

Der Begriff der Nähe ist ein philosophisches Grundprinzip, welches den Menschen verpflichtet, seinem Nächsten gegenüber human zu handeln. Der Mensch hat dabei nur begrenzt Einfluss darauf, welche Person dieser Nächste ist. Dem natürlichen Umfeld, beispielswiese der eigenen Familie, ist der Mensch bedingt durch die Geburt unmittelbar ausgesetzt. Jedoch begegnet der Mensch in der Gesellschaft ebenso anderen Personen, somit kann Nähe auch kulturell geprägt sein. Zusätzlich hat der Mensch durch bewusste Entscheidungen Einfluss auf seine Nächsten.8 Beruf, Rolle und Amt des Menschen konstituieren dabei seine spezifische Verantwortung. Der Mensch hat die Fähigkeit zu erkennen, wem er in einer bestimmten Situation der Nächste sein soll. Demnach ist Nähe geformt von Verhältnissen. Max Scheler leitete daraus die ordo amoris, die Ordnung der Liebe, ab. An diesen Lebensformen der Nähe orientiert sich der Mensch sowie seine ethischen Werte:9

- Familie als natürliche Organisationsform zur Stärkung des Vertrauens in die Verwirklichung des Lebens.
- Ehe als Grundform des Zusammenlebens, welche nicht durch andere existierende Arten von Zusammenleben relativiert wird.
- Freundschaft als grundlegende Form der Bindung aus freier Entscheidung.
- Nachbarschaft als grundlegende Form der Bindung bedingt durch räumliche Nähe.
- Heimat als Grundfaktor der Identität, welche durch kulturelle Räume geprägt ist.
- Beruf als wichtigste Beteiligungsform im öffentlichen Leben und der Gesellschaft.
- Haus als elementare Organisationsform des privaten Lebens.
- Vereine und sozialen Verbände als Beteiligungsform zur Gestaltung gesellschaftlicher Beziehungen.
- Nation als geschichtlicher Bildungsfaktor.
- Kirche als Organisationsform der geistigen Bindung der Menschen.

Die wahrgenommene Verantwortung von Nähe eines Menschen variiert je nach Intensität und Struktur der einzelnen Lebensformen. Jedoch zeigt diese Ordnung der Liebe die grundlegende Struktur der sozialen Bindungen einer jeden Person.10

2.3 Zugehörigkeit nach Maslow

In der Nachkriegszeit entwickelte der Psychologe Abraham Maslow seine inzwischen weltweit bekannte Theorie der menschlichen Motivation. In dieser Theorie entwickelte Maslow eine Hierarchie der Bedürfnisse des Menschen. Die Bedürfnisse sind in Kategorien unterteilt. Das jeweils untere Bedürfnis muss erfüllt sein, um das Obere zu erreichen. Als Grundbedürfnis gelten die physiologischen Bedürfnisse, gefolgt von Bedürfnissen nach Sicherheit. Darauf bauen die Bedürfnisse nach Zugehörigkeit auf, sowie die Bedürfnisse nach Wertschätzung. Als oberste Stufe der Hierarchie benennt Maslow die Selbstverwirklichung.11 Nachdem die ersten zwei Bedürfniskategorien erfüllt sind, beginnt der Mensch Wünsche nach Liebe, Zuneigung und Zugehörigkeit zu entwickeln. Die Liebesbedürfnisse basieren darauf Liebe zu nehmen und gleichzeitig Liebe zu geben. Der Mensch bedarf folglich einem Platz in einer Gruppe oder einer Familie. Gefühle der Einsamkeit, Ächtung und Entwurzelung möchte der Mensch in dieser Stufe möglichst vermeiden. Eine Möglichkeit zur Befriedigung der Bedürfnisse nach Zugehörigkeit ist die Bildung von Freundesgruppen. Ein gemeinsamer bedrohlicher Feind kann beispielsweise zur Bildung einer Gruppe führen. Letztlich muss - nach Maslow - jede gute Gesellschaft das Bedürfnis nach Zugehörigkeit befriedigen, um Funktionalität zu erhalten.12

3 Zugehörigkeit als Menschenrecht

Der Mensch erlebt es meistens als Freude, wenn neue Beziehungen entstehen. Enge, befriedigende Beziehungen zur Familie, Freunden und Partnern machen den Menschen glücklich. Ebenso wächst das Selbstbewusstsein des Menschen, wenn er sich zugehörig, akzeptiert und geliebt fühlt. Je stärker die Akzeptanz durch andere Menschen ausgeprägt ist, desto stärker verspürt der Mensch den Wunsch anderen zu helfen. Daher zielt das Sozialverhalten einer Person häufig darauf ab, Teil einer Gruppe zu sein. Zudem versucht der Mensch in der Regel sich an die Normen und Werte einer Gesellschaft anzupassen, um Ausgrenzung zu vermeiden.13 Dieses Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist aufgrund seiner Bedeutung für den Einzelnen, sowie für die Gesellschaft ebenfalls in den Menschenrechten wiederzufinden.

[...]


1 Vgl. o. V., Coronavirus SARS-CoV-2, 2020, o. S.

2 Vgl. Endt, C., Witzenberger, B., Aktuelle Zahlen, 2020, o. S.

3 Vgl. o. V., Coronavirus SARS-CoV-2, 2020, o. S.

4 Vgl. Klimpel, L., Einzelgänger, 2020, o. S.

5 Vgl. Myers, D. G., Hoppe-Graff, S., Keller, B., Psychologie, 2014, S. 471.

6 Vgl. Rolfes, T., E., Nikomachische Ethik, 1911, S. 161.

7 Ebd., S. 162 ff.

8 Vgl. Schweidler, W., Angewandte Ethik, 2018, S. 84.

9 Ebd., S. 85 f.

10 Ebd., S. 85.

11 Vgl. Boeree, C. G., Persönlichkeitstheorien, 2006, S. 3 ff.

12 Vgl. Maslow, A. H., Motivation, 2018, S. 70 ff.

13 Vgl. Myers, D. G., Hoppe-Graff, S., Keller, B., Psychologie, 2014, S. 471 f.

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Details

Titel
Die Bedeutung sozialer Bindungen
Hochschule
Hochschule München
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V941965
ISBN (eBook)
9783346273833
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, bindungen
Arbeit zitieren
Diana Szymanski (Autor:in), 2018, Die Bedeutung sozialer Bindungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/941965

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