Das Gesichtskonzept nach Brown und Levinson in der Rede Mariano Rajoys für die Konrad-Adenauer-Stiftung 2011


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Gesichtskonzept nach Brown und Levinson
2.1. Gesichtsbedrohende und gesichtsbeschützende Akte
2.2. Positive und negative faces

3. Analyse anhand der Rede Mariano Rajoys

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

'' Höflichkeit ist ein Merkmal eines zivilisierten Menschen '' 1. Heutzutage ist Höflichkeit in unserer Gesellschaft nicht wegzudenken, sie ist besonders wichtig und wird in allen Bereichen des Lebens benötigt. In erster Linie, um mit Menschen zu interagieren, denn sie hat eine besondere Bedeutung in unserem Werte- und Normsystem. Auch in der Politik könnte man sich einen Politiker, der vor hunderten von Menschen während einer Rede auftritt, ohne bestimmte Höflichkeitsformen anzuwenden, überhaupt nicht vorstellen.

Politiker müssen die Zuhörer für sich gewinnen, daher nutzen sie oftmals das Konzept der Höflichkeit, um somit ein freundlicheres Bild von sich zu schaffen und damit bessere Chancen zu erzielen und mehr Menschen für sich zu gewinnen. Auch Mariano Rajoy Brey, der konservative spanische Politiker des Partido Popular (PP), welcher seit dem 21. Dezember 2011 Ministerpräsident Spaniens ist, bedient sich mit Höflichkeitsformen. Im folgenden wird eine Rede Rajoys präsentiert und analysiert, welche er im Jahre 2011 vor einem deutschen Publikum hielt. In der Rede lassen sich viele höfliche Formen finden, welche der Reihenfolge nach vorgestellt und ausgewertet werden.

Diese Arbeit hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Rede Mariano Rajoys von einer anderen Seite und unter einem besonderen Schwerpunkt zu betrachten. Dabei soll untersucht werden, mit welchen Mitteln er arbeitet und welche Resultate er dadurch erzielt. Welche Bedeutung Höflichkeit hat, wird diese Arbeit anhand der Analyse des Gesichtskonzeptes2 zu klären versuchen. Die Theorie des Gesichtskonzepts, welche von Penelope Brown und Stephen C. Levinson begründet wurde, stellt ein Höflichkeitsmodell dar, welches universell anwendbar ist. Die Grundthese basiert auf der Analyse des Gesichts, welches im englischen als face bezeichnet wird. Brown und Levinson definieren das sogenannte face als das öffentliche Selbstbild, das jede Person für sich in Anspruch nehmen will. Dabei unterscheidet man jeweils zwei Sprechakte und zwei faces, welche im weiteren genauer vorgestellt und erläutert werden.

Zunächst soll das Gesichtskonzept nach Brown und Levinson vorgestellt werden und den Leser in das Thema einführen. Im Anschluss daran wird die Rede Mariano Rajoys einer genauen Betrachtung unterzogen. Abschließend soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern die Schlüsse, die sich aus der Untersuchung ziehen lassen, ihre Entsprechung in der gesamten Rede finden. Eine Schlussfolgerung beschließt die Ausarbeitung.

2. Das Gesichtskonzept nach Brown und Levinson

Die amerikanische Linguistin Penelope Brown und der britische Sozialwissenschaftler Stephen Curtis Levinson entwickelten gemeinsam eine Theorie, die im deutschen unter dem Begriff Gesichtskonzept bekannt ist. Diese Theorie basiert unter anderem auf dem Modell Erving Goffmans. Goffman, der kanadische Soziologe, beschäftigte sich mit zahlreichen sozialen Problemen. Besonders aber seine Arbeiten zu face work gaben Brown und Levinson den Anreiz für ihre Theorie ( vgl. Teuber 1999, S.1 ).

Seit dem Jahr 1987 sind Brown und Levinson weltweit bekannt, durch ihr veröffentlichtes Buch ''Politeness: some universals of language use '', welches eine besonders positive Resonanz erhielt, verbreitete sich ihre Theorie sehr schnell. Das Werk verhalf ihnen zum Erfolg, nach der Veröffentlichung wurden zahlreiche Forschungen anhand ihrer Theorie betrieben und auch die Thematik an sich wurde seitdem oftmals aufgegriffen. Brown und Levinson definieren das face als eine Art Selbstbild. Dieses Selbstbild kann sich verändern, da es stark von dem Verhalten der Mitmenschen abhängig ist. Zwar sind diese normalerweise bemüht, das face des Gegenübers zu bewahren, jedoch geschieht es oft, dass das face versehentlich verletzt wird, um beispielsweise ein Kommunikationsziel zu erreichen.3

Brown und Levinson unterscheiden zum einen zwischen gesichtsbedrohenden und gesichtsbeschützenden Akten, auf welche im weiteren genauer eingegangen wird. Auch stellen sie das Konzept der zwei Gesichter auf. Jede Person, so Brown und Levinson, hat zwei Gesichter. Das erste ist das positive, welches ein Bedürfnis von Anerkennung und Wertschätzung der Gemeinschaft hat. Das zweite entspricht genau dem Gegenteil, es ist das negative und bemüht sich um Unabhängigkeit und Handlungsfreiheit. Brown und Levinson verwenden jedoch den englischen Ausdruck face, mit dem im folgenden alles weitere genauer geschildert wird ( vgl. Brown / Levinson 1987, S. 73 - 77 ).

Es gilt für jeden Menschen, das face zu wahren. Dieser Prozess wird als face work bezeichnet. Höflichkeit versteht man als bestimmte linguistische Mittel, mit denen man face work realisiert. Auch weisen Brown und Levinson unter anderem auf das sogenannte Wir-Gefühl auf, welches für diese Arbeit von besonderer Bedeutung ist und im weiteren systematisch analysiert und vorgestellt wird. Durch das Wir-Gefühl wird das Selbstbild mit einer gemeinsamen Identität, Interessen und vor allem mit Werten gestärkt ( vgl. Brown / Levinson 1987, S. 76 – 77 ).

2.1. Gesichtsbedrohende und gesichtsbeschützende Akte

Sprechakte können zum einen gesichtsbedrohende Akte sein, welche im weiteren als sogenannte face threatening acts bezeichnet werden, oder auch gesichtsbeschützende Akte, diese werden im weiteren als sogenannte face saving acts bezeichnet. Es gibt zahlreiche gesichtsbedrohende Akte, man unterscheidet zwischen face threatening acts, welche das negative face bedrohen, und zwischen face threatening acts, welche das positive face bedrohen. Positive und negative face werden im weiteren ausführlicher erläutert.

Zu den face threatening acts, die das negative face bedrohen, zählen Befehle, Warnungen, sogar Drohungen, usw. Man kann sagen, dass hierzu alle Sprechakte zählen, die den Gesprächspartner zu einer bestimmten Handlung bewegen können, ihn also praktisch in der eigenen Handlungsfreiheit einschränken (vgl. Brown / Levinson 1987, S. 74 ). Das positive face kann bedroht werden, indem der Sprecher seinem Gegenüber vermittelt, dass er unwichtig ist und seine Gefühle somit keine Rolle spielen. Es kann kein Gemeinschaftsgefühl erzeugt werden. Es gibt sehr viele verschiedene Arten, die man in verschiedene Kategorien einordnen kann. Auch unterscheidet man verschiedene Strategien, mit welchen man gesichtsbedrohende Akte vollziehen kann.

Beispielsweise kann man, anstatt einen Sprechakt auszuführen, in diesem Moment eine nonverbale Handlung einsetzen, um so das Reden zu vermeiden. Die nonverbale Handlung wird eingesetzt, um seinem Gegenüber praktisch einen Hinweis zu geben. Dies kann in viele verschiedene Arten und Weisen realisiert und verwirklicht werden. Möchte man aber einen face threatening act äußern, so unterscheidet man wieder zwischen verschiedenen möglichen Varianten. Zum einen kann man einen sogenannten offenkundigen Sprechakt äußern, welcher die genaue Absicht des Sprechers darstellt. Auch kann man den Sprechakt ganz offenkundig darstellen, dieser Sprechakt wäre dann sehr direkt und präzise.

Oder aber man kann den Sprechakt im Gegenteil nicht offenkundig vollziehen, hierbei muss der Gesprächspartner also erschließen, was der Sprecher genau meint. Verbildlichen kann man sich das zum Beispiel mithilfe der Verwendung von Ironie. Denn wenn man sich ironisch ausdrückt, kann es häufig zu Missverständnissen führen. Dem Gegenüber muss nämlich auffallen, dass es sich überhaupt um Ironie handelt. Verwendet der Sprecher offenkundige Akte, so ist er seinem Gegenüber ehrlich und verdeutlicht eine gewisse Art von Vertrauen. Verwendet er jedoch nicht offenkundige, schränkt er sein Gegenüber nicht ein und das negative face wird gewahrt ( vgl. Brown / Levinson 1987, S. 74-78 ).

2.2. Positive und negative faces

Die Theorie von Brown und Levinson besagt auch, dass jeder Mensch sowohl ein positives, als auch ein negatives Gesicht besitzt. Brown und Levinson verwenden diesbezüglich die Ausdrücke positive und negative face. Diese Begriffe haben jedoch weder eine positive, noch eine negative Wertung. Positive face bedeutet nicht, dass es sich um etwas positives handelt. Genau so wenig wie ein negative face negative Eigenschaften aufweisen soll. Hierbei handelt es sich um zwei Konzepte, welche sich grundlegend voneinander Unterscheiden und als jeweiliges Gegenteilpaar präsentiert werden. Das positive face stellt wie zuvor schon formuliert das Bedürfnis nach Bestätigung dar. Man hat das Verlangen, einer Gemeinschaft anzugehören und den Drang nach einem Gemeinschaftsgefühl. Man möchte besonders von seinem Gegenüber anerkannt und akzeptiert werden ( vgl. Brown / Levinson 1987, S. 79 - 82 ).

Auch beschreiben Brown und Levinson verschiedene mögliche Bedrohungen für das positive face. Eine Bedrohung des positive face entsteht dann, so Brown und Levinson, wenn es unklar ist, ob eine freundschaftliche Beziehung zwischen den Gesprächspartnern besteht. Wissen die Gesprächspartner also nicht, wie sie von ihrem Gegenüber eingeschätzt werden, so kann es zu Problemen, beziehungsweise Bedrohungen führen ( vgl. Brown / Levinson 1987, S. 82 ).

Das negative face stellt im Gegensatz zum positive face das Bedürfnis nach Freiheit dar. Somit ist es dem Sprecher egal, was sein Gegenüber denkt oder empfindet, in erster Linie geht es um den Sprecher selbst. Man empfindet ein starkes Verlangen nach Individualität und Handlungsfreiheit. Eine Verletzung des negative face findet zum Beispiel dann statt, wenn man einen Vorschlag macht, denn in diesem Moment wird die Handlungsfreiheit des Gegenübers eingeschränkt ( vgl. Brown / Levinson 1987, S. 83 - 84 ).Während jeder Interaktion wird das face immer wieder neu definiert. Jeder Gesprächspartner achtet darauf, sein positive oder negative face zu wahren. Es müssen allerdings Sprechakte ausgeführt werden, die möglicherweise das positive oder das negative face auf eine gewisse Art und Weise bedrohen könnten.4

Man kann es sich so verbildlichen, indem man sich beispielsweise eine Szene vorstellt, in der man ein Angebot ablehnt, oder aber auch einfach um einen Gefallen bittet oder sich einfach für etwas entschuldigt. Hierbei hilft das Phänomen der Höflichkeit meist, diese Art von Konflikten zu lösen und ihnen ganz aus dem Weg zu gehen ( vgl. Brown / Levinson 1987, S. 85 – 93).

3. Analyse anhand der Rede Mariano Rajoys

Mariano Rajoy Brey ist ein sehr bekannter und besonders wichtiger spanischer Politiker. Er tritt nicht nur in Spanien, sondern international auf. Als Politiker präsentiert Rajoy sich immer wieder und muss besonders dafür sorgen, dass er viele Menschen von sich überzeugen kann. "Höflichkeit ist die Blüte der Menschlichkeit. Wer nicht höflich genug ist, ist auch nicht menschlich genug.", so Joseph Joubert5. Politiker zählen auf ihre Anhänger, somit ist ihnen in erster Linie wichtig, diese auch für sich zu gewinnen.

Höflichkeit ist also besonders wichtig und auch für Politiker spielt sie eine große und wichtige Rolle. Diese Arbeit wird systematisch die Rede Rajoys analysieren und besonders soll analysiert werden, inwiefern Mariano Rajoy sich mit Höflichkeitsmitteln ausdrückt, welche er genau verwendet und schließlich auch welches Ziel er damit erreicht.

Da es sich hier um einen interkulturellen Akt handelt, denn Mariano Rajoy selbst stammt aus Spanien und er richtet sich an ein deutsches Publikum, erweist sich diese Quelle als hilfreich : '' Wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen einander begegnen, gleich in welcher Umgebung und aus welchem Anlass, dann stellt diese Kontaktsituation an die beteiligten Personen oftmals weitaus höhere Anforderungen als die Interaktion innerhalb ein und derselben Kultur. '' ( Nünning 2015, S. 6 ). In diesem Zusammenhang spielt Kultur eine besonders wichtige und große Rolle, der Begriff Kultur ist sehr weitläufig. '' Wer interkulturelle Begegnungen erfolgreich und reflektiert meistern will, muss zunächst einmal wissen, was denn überhaupt unter ,Kultur' zu verstehen ist. '' ( Nünning 2015, S. 18 ). Hier eine kurze Definition :

'' In der Kulturanthropologie ist Kultur im wesentlichen zu verstehen als ein System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen und Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden. Ganz vereinfacht kann man sagen: Kultur ist die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich selbst und ihrer Welt machen. '' ( Maletzke 1996, S. 16 ).

Auch wenn Spanien und Deutschland zu der EU gehören und auf der Landkarte nicht weit voneinander entfernt liegen, gibt es allein kulturell gesehen zahlreiche Unterschiede. Man muss sich in die Lage Rajoys versetzen könnnen, welcher als Spanier zu einem deutschen Publikum spricht, auf der anderen Seite die Sicht der deutschen bezüglich Rajoys beachten.

Die Rede von Mariano Rajoy in der Akademie der Konrad – Adenauer Stiftung wurde am 11.04.2011 in Berlin gehalten. Es war nicht das erste mal, dass Rajoy für diese Stiftung auftrat. Der Grund seiner Rede und seine verschiedenen Argumente sind für diese Arbeit zwar nicht in erster Linie relevant, jedoch können diese in gewisser Weise helfen und werden im weiteren ebenfalls berücksichtigt und aufgegriffen. Zu Beginn seiner Rede grüßt Rajoy das Publikum, dies ist ein universaler Akt und es wäre unhöflich, wenn er es nicht tun würde. Indem er auf die Vergangenheit aufmerksam macht und an seinen früheren Auftritt in Berlin erinnert, lässt er die positiven Ereignisse in das Gedächtnis seiner Zuhörer rufen.

''Recuerdo hoy con especial cariño cuando siendo yo un joven dirigente político fui invitado por esa fundación a visitar Berlín y a trabajar junto a mis compañeros de la CDU alemana. Recuerdo de esa experiencia la calidad de la formación recibida y el rigor con el que se cumplían los horarios y la agenda de trabajo.'' ( Rajoy 2011, S. 2 ).

Hier erkennt man an Rajoys Wortwahl, welches Ziel er hat. Gleich zu Beginn seiner Rede bezeichnet er seine Zuhörer als seine Freunde, um sofort ein freundliches Klima zu schaffen und um seinen Zuhörern zu signalisieren, welches Verhältnis besteht. Dies zeigt, dass Rajoy eine Bedrohung des positive faces ausschließt. Er verdeutlicht seinen Zuhörern, dass er ein gutes Bild von ihnen hat, er gibt ihnen gleich zu Beginn der Rede eine gewisse Art von Wichtigkeit und zeigt klar, dass er sie positiv einschätzt. Mit den Worten '' Es para mí un honor volver a Berlín y a la Fundación Konrad Adenauer […] '' ( Rajoy 2011, S. 2) gibt er seinem Publikum zu verstehen, dass dieser Besuch für Ihn etwas ganz besonderes ist, schließlich bezeichnet Rajoy diesen als eine Ehre. Mit den einleitenden Worten ''Queridos amigos '' ( Rajoy 2011, S. 2 ) steigert er seine vorherige Bezeichnung für das Publikum und führt so fort:

'' Es un placer estar hoy aquí para dirigirme a un auditorio tan distinguido como éste. Les agradezco mucho su asistencia y la amabilidad de permitirme exponer durante los próximos minutos algunas ideas que me parecen importantes y necesarias. '' ( Rajoy 2011, S. 2 )

Er bezeichnet sein Publikum als großartig und auch bedankt Rajoy sich mehrere Male für die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer, dies sind unter Anderem stilistische Mittel, die während der Präsentation von Reden und vor allem im Bereich der Politik sehr häufig vorkommen. Auch bemüht Rajoy sich sehr, während seiner Rede das Publikum immer mit einzubeziehen, dies meistert er mit verschiedenen Techniken. Er nutzt besipielsweise bewusst Wir, Uns, etc. , um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen und seine Zuhörer immer wieder in die Rede zu integrieren ( vgl. Rajoy 2011, S. 2 ).

Auch indem er in seiner Argumentation bestimmte Satzformen und Typen verwendet, gibt er auf eine indirekte Art und Weise zu verstehen, dass es sich in der Situation und Konstellation um eine Gemeinschaft handelt, '' […] no podemos mirar con indiferencia porque también nos afectan, […] '' ( Rajoy 2011, S. 2 ). Auch mit anderen Mitteln, wie beispielsweise mit Fragen, sorgt Rajoy für eine abwechslungsreiche und lebendige Rede, welche die Zuhörer direkt anspricht und eine aktive Teilnahme verlangt ( vgl. Rajoy 2011, S. 2 - 3 ). Auch mit einfachen Höflichkeitsformen wie ''Permitanme […] '' ( Rajoy 2011, S. 3 ) gibt er seinen Zuhörern ein besonderes Gefühl von Wichtigkeit, Rajoy behandelt sein Publikum mit Respekt und gewinnt so die Aufmerksamkeit. Auch mit einfachen Methoden gibt er seinen Zuhörern ein besonderes Gefühl, beispielsweise mit der erneuten Bemerkung, sich in Berlin zu befinden ( vgl. Rajoy 2011, S. 4 ). Und auch mit einleitenden Formen wie'' [...] quiero que sepan que […] '' ( Rajoy 2011, S. 6 ) unterstreicht Rajoy die Wichtigkeit seiner Zuhörer.

'' Vengo a decirles que España volverá a funcionar. Vengo a decirles que España cree en el proyecto europeo y cree en la moneda común. Vengo a decirles que para nosotros los acuerdos del euro siguen en pie y que los vamos a cumplir. '' ( Rajoy 2011, S. 6 ).

Natürlich wendet Rajoy auch stilistische Mittel an, um den Zuhörern zum einen seinen Inhalt deutlich darzustellen, aber auch, damit das Publikum sich seine Worte merkt. Dies macht Rajoy hier zum Beispiel mit den selben Wiederholungen zu Beginn seiner Sätze. Auch schafft Rajoy gleichzeitig ein Gefühl der Gemeinschaft, welches immer stärker wird. Auch schafft er während der Argumentation das Gefühl, dass seine Zuhörer die selbe Stellung wie er verfügen ( vgl. Rajoy 2011, S. 8 ) und mit dem Satz '' Pueden confiar en nosotros. '' ( Rajoy 2011, S. 8 ) verdeutlicht er auch, dass eine Vertrauensbasis seinerseits schon besteht. Auch erwähnt er wieder den Ort des Geschehens : '' Lo que digo hoy aquí, en Berlín, es lo mismo que cada día digo en Madrid, en Barcelona o en Sevilla '' ( Rajoy 2011, S. 8 ).

'' Pero tampoco es fácil. Vamos a necesitar ayuda. Y sobre todo su ayuda, la ayuda de Alemania. Una ayuda que tiene que expresarse de muchas formas, como lo ha hecho el pasado. '' ( Rajoy 2011, S. 9 ).

Rajoy drückt sich sehr deutlich aus und gibt eindeutig zu verstehen, was benötigt und was vor allem erwartet wird. Dies schafft er aber auf eine freundliche Art und Weise und vor Allem auf einer freundschaftlichen Basis und gibt nebenbei zu erkennen, dass Deutschland stets treu war, und dass man sich auf Deutschland verlassen kann. '' Alemania no ha sido para España sólo un socio económico fundamental, ha sido también un socio político de capital importancia. '' ( Rajoy 2011, S. 8), so Rajoy.

Auf die besondere Wichtigkeit Deutschlands bezieht sich Rajoy mehrere Male ausfürhlich. Er erklärt, dass vor allem Spanien Deutschland besonders danken muss für vergangene Geschehnisse, wie beispielsweise der Erklärung des Europarats im Juni 1983, und er verwendet unter anderem Adjektive wie intelligent und großzügig, um Deutschland zu beschreiben ( vgl. Rajoy 2011, S. 8 - 9 ). Rajoy verweist nicht ohne Grund auf die Vergangenheit, es geht ihm in erster Linie darum, positive Erinnerungen im Gedächtnis seiner Zuhörer aufzurufen.

'' En su contribución al progreso de España se ha hecho presente la mejor Alemania. Y en su apoyo a Alemania España ha relaizado su vocación europea. Lo hizo con motivo de la reunificación, lo hizo también al aceptar como propio el proyecto de la moneda única, y lo hará siempre que Alemania lo necesite '' ( Rajoy 2011, S. 9 )

[...]


1 Zitat u.a. zu finden auf der Internetseite: https://www.aphorismen.de/suche?f_thema=H%C3%B6flichkeit&seite=5.

2 Im englischen bekannt unter dem Namen ''Politeness Theory''.

3 Seminarmitschrift: Vertiefungsmodul Sprachwissenschaft Spanisch. Desirée Cremer, WS 15/16.

4 Seminarmitschrift: Vertiefungsmodul Sprachwissenschaft Spanisch. Desirée Cremer, WS 15/16.

5 Bekannter Dichter, Zitat zu finden auf: http://www.wertesysteme.de/alle-werte-definitionen/g-h-i-j/h%C3%B6flichkeit/

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Gesichtskonzept nach Brown und Levinson in der Rede Mariano Rajoys für die Konrad-Adenauer-Stiftung 2011
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Romanistik)
Veranstaltung
Pragmatik
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V942122
ISBN (eBook)
9783346279767
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gesichtskonzept, brown, levinson, rede, mariano, rajoys, konrad-adenauer-stiftung
Arbeit zitieren
Jasmin Sarlak (Autor), 2016, Das Gesichtskonzept nach Brown und Levinson in der Rede Mariano Rajoys für die Konrad-Adenauer-Stiftung 2011, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942122

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