Diese Arbeit stellt einen Beispielfall für das Examen zum Psychotherapeuten dar.
Im Aufnahmegespräch berichtet der Patient, an Depressionen zu leiden. Er sei 2016 bereits aufgrund depressiver Beschwerden in einer sechswöchigen teilstationären psychosomatischen Behandlung gewesen, woraufhin sich seine Beschwerden gebessert hätten. Seit Mai 2018 leide er erneut an starker Erschöpfung, wiederkehrenden Grübelgedanken, starken Magenbeschwerden, Kopfschmerzen sowie an einem ausgeprägten Unwohlsein bis hin zu Gefühlen von Panik, wenn er zur Arbeit gehe. Er habe einen großen Widerwillen, zur Arbeit zu gehen und eine innere Stimme sage „Du kannst jetzt nicht arbeiten gehen.“. Sobald er bei der Arbeit sei werde ihm übel, er beginne vermehrt zu schwitzen und habe den Gedanken „Ich muss hier weg.“. Er empfinde seine Leistungsfähigkeit als eingeschränkt und sei seit Mai 2018 arbeitsunfähig. Der Patient grüble vermehrt über die Zukunft und seine Arbeitsfähigkeit und mache sich große Sorgen. Er fühle sich hilflos und könne sich seine psychosomatischen Beschwerden nicht erklären. Für die ambulante Therapie wünsche er sich, einen Grund für seine Beschwerden zu finden und diese zu akzeptieren.
Inhaltsverzeichnis
Aktuelle Anamnese
Biographische & soziale Anamnese
Psychopathologischer Befund
Diagnostik
Therapieziele
Therapieverlauf
Ergebnis
Kritische Reflexion des Falles
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dokumentiert eine kognitive Verhaltenstherapie bei einem Patienten mit rezidivierender depressiver Störung (ICD-10: F33.0). Das primäre Ziel besteht in der Erarbeitung eines individuellen psychosomatischen Krankheitsmodells, der Identifikation dysfunktionaler Gedankenmuster sowie der Entwicklung funktionaler Strategien zur Depressionsbewältigung und Ressourcenaktivierung.
- Analyse der aktuellen und biographischen Anamnese
- Psychopathologische Befunderhebung
- Einsatz kognitiver Umstrukturierungstechniken
- Erarbeitung von Strategien zur Emotionsregulation
- Reflexion des therapeutischen Prozesses und der Erfolge
Auszug aus dem Buch
Therapieverlauf
Der Patient erschien stets pünktlich und zuverlässig zu den vereinbarten Terminen. Er trat höflich, freundlich und mitteilungsbereit in Kontakt und es konnte rasch eine vertrauensvolle, tragfähige therapeutische Beziehung entwickelt werden. Aufbauend auf einer ausführlichen biografischen Anamnese konnte ein Störungsmodell der Depression mit zugrundeliegenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren erarbeitet werden. Im Störungsmodell wurden vor allem dysfunktionale Gedanken des Patienten („Ich hätte mich mehr anstrengen sollen. Ich mache nicht genug“) und der daraus resultierende Leidensdruck deutlich. Biografisch konnte eine Verknüpfung zu den leistungsorientierten, erfolgreichen Eltern gefunden werden.
Aufbauend auf ausführlicher Psychoedukation und mit Hilfe von Techniken der Sokratischen Gesprächsführung (Stavemann, 2008) sowie dem Einüben von Techniken der kognitiven Umstrukturierung (Hautzinger, 2013) konnten die dysfunktionalen, automatischen Gedanken hinterfragt und beginnend modifiziert werden (Überprüfung und Realitätstestung automatischer Gedanken, Reattribuierung und dem Finden alternativer Erklärungen, Erkennen von Doppelstandards sowie Entkatastrophisieren). Durch diese Erarbeitung konnte der Patient im Sinne einer motivationalen Klärung sein Krankheitsverständnis erweitern und vertiefen.
Zusammenfassung der Kapitel
Aktuelle Anamnese: Beschreibung des Leidensdrucks, der Symptomatik sowie der Erwartungen des Patienten an die ambulante Psychotherapie.
Biographische & soziale Anamnese: Darstellung der familiären Hintergründe, des schulischen und beruflichen Werdegangs sowie der psychosozialen Entwicklung.
Psychopathologischer Befund: Zusammenfassende Einschätzung des psychischen Zustands des Patienten zum Zeitpunkt des Erstgesprächs.
Diagnostik: Durchführung psychometrischer Tests (KPD-38, BDI-II) zur Sicherung der klinischen Diagnose.
Therapieziele: Definition konkreter therapeutischer Meilensteine von der Beziehungsgestaltung bis zur Ressourcenaktivierung.
Therapieverlauf: Detaillierte Dokumentation des therapeutischen Prozesses inklusive der angewandten Methoden und erreichter Fortschritte.
Ergebnis: Zusammenfassung der Therapieerfolge hinsichtlich Krankheitsverständnis, Symptomremission und Beziehungsqualität.
Kritische Reflexion des Falles: Evaluierung der therapeutischen Arbeit, der Wirkfaktoren und der Eignung der gewählten methodischen Ansätze.
Schlüsselwörter
Kognitive Verhaltenstherapie, rezidivierende depressive Störung, ICD-10 F33.0, psychosomatisches Krankheitsmodell, Sokratische Gesprächsführung, kognitive Umstrukturierung, Leistungsstreben, Selbstfürsorge, Emotionsregulation, Rückfallprophylaxe.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit beschreibt eine ambulante kognitive Verhaltenstherapie bei einem Patienten mit einer rezidivierenden depressiven Störung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der Anamnese stehen die Identifikation dysfunktionaler Kognitionen, die Arbeit an Perfektionismus sowie die Verbesserung der Emotionswahrnehmung im Fokus.
Was war das primäre therapeutische Ziel?
Das Hauptziel war die Entwicklung eines psychosomatischen Krankheitsmodells und die Befähigung des Patienten, funktionale Bewältigungsstrategien im Alltag umzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode kam zum Einsatz?
Die Behandlung basierte primär auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie, insbesondere der Sokratischen Gesprächsführung und kognitiver Umstrukturierungstechniken.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Darstellung des Therapieverlaufs und die schrittweise Modifikation maladaptiver Denk- und Verhaltensmuster.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie kognitive Verhaltenstherapie, Depressionsbewältigung, Krankheitsmodell und Sokratische Gesprächsführung definiert.
Wie wurde das Problem des „Leistungsstrebens“ therapiert?
Durch die Analyse biographischer Hintergründe und das Hinterfragen perfektionistischer Persönlichkeitszüge konnte der Patient neue Prioritäten in Beruf und Privatleben setzen.
Welche Bedeutung hatte das „Bauchgefühl“ im Therapieprozess?
Der Patient entwickelte die Metapher eines „inneren Teammeetings“, um seinem Bedürfnis nach emotionaler Selbstwahrnehmung mehr Raum neben dem rationalen Verstand zu geben.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2020, Kognitive Verhaltenstherapie eines Patienten mit rezidivierender depressiver Störung. Ein Prüfungsfall für die Staatliche Prüfung zur psychologischen Psychotherapeutin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942315