Diese Arbeit befasst sich mit drei Werken der Gegenwartsprosa in Kroatien. Ovce od gipsa von Jurica Pavicic, Kratki izlet von Ratko Cvetnic und drei Kurzgeschichten: Sokak triju ruza; Most i mostovi; Parabole o Skabrnji von Ivan Aralica.
Es handelt sich um Kriegsprosa. Die Arbeit untersucht die literarischen Mittel der Werke und das dadurch vermittelte Kriegsbild.
Zu Beginn der Arbeit gibt es eine historische Übersicht zum Krieg in Kroatien 1991-1995. Es folgen Ausführungen zur Sowjetliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg und schließlich ein Überblick über die kroatische Gegenwartsprosa. Die Analyse der drei Werke folgt darauf.
Die ersten beiden Werke sind kriegskritische Werke. Ovce od gipsa als Roman vermittelt anhand der Figurenkonzeption und der personalen Erzählperspektive ein Kriegsbild, das die Leiden der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt stellt.
Kratki izlet ist ein Tagebuch. Cvetnic stellt sein Kriegsbild anhand verschiedener Stilmittel, wie die Nutzung von Essays oder Humor dar. Sein Kriegsbild ist sehr differenziert, da er den Krieg auf mehreren Ebenen: der politischen, der kulturellen und persönlichen darstellt.
Ivan Aralica schließlich äußert sich in seinen drei Kurzgeschichten euphorisch über den Krieg. Es sind publizistische Texte, deren Ziel es war, die Leser für den Krieg zu gewinnen und von dessen Sinn zu überzeugen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurzer historischer Abriss des Krieges 1991-1995
3. Krieg und Literatur am Beispiel der Sowjetliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg
3.1 Zur Situation der Literatur in Kroatien von 1990-2000
3.2 Vergleich mit der Sowjetliteratur
4. Der Roman Ovce od gipsa von Jurica Pavičić
4.1 Figurenzeichnung
4.2 Das Kriegsbild
4.2.1 Figurenkonzeption: Darstellung ausgewählter Kriegscharaktere
4.2.2 Erzählverfahren: die Perspektive von der Front und die Auswirkungen auf das zivile Leben
4.2.3 Handlungsführung: Inversion, das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung tritt ein
5. Kurze Einführung zur Gattung Tagebuch
6. Das Tagebuch Kratki izlet – zapisi iz domovinskog rata von Ratko Cvetnić
6.1 Das Kriegsbild
6.1.1 Die kulturelle Ebene: Religion und Medien
6.1.2 Die politische Ebene: Internationale und nationale Politik
6.1.3 Die militärische Ebene: die kroatische Armee
6.1.4 Die persönliche Ebene: Zivilbevölkerung und der Abschied
7. Die Kurzgeschichten von Ivan Aralica
7.1 Sokak triju ruža
7.2 Most i mostovi
7.3 Parabole o Škabrnji
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert drei ausgewählte Werke der kroatischen Gegenwartsprosa, um das darin vermittelte Kriegsbild und die verwendeten literarischen Mittel im Kontext des Heimatkrieges (1991–1995) zu untersuchen und kritisch zu hinterfragen.
- Historischer Kontext des Kroatienkrieges 1991–1995
- Vergleich der kroatischen Kriegsliteratur mit der sowjetischen Kriegsliteratur
- Literarische Analyse von Pavičićs Roman "Ovce od gipsa"
- Untersuchung von Cvetnićs Tagebuch "Kratki izlet" als Dokumentation der Subjektivität
- Kontrastive Betrachtung der Kurzgeschichten von Ivan Aralica
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung von Kriegsgräuel erfolgt durch Krešo am Ende des Romans als Slave Mila umbringen will.
Hier berichtet er vom gesehenen Grauen des Krieges, indem er gedanklich aufzählt, was er alles im Krieg sah: Gedärme, die über den Boden schleiften, abgetrennte Gliedmassen, durchlöcherte Körper, sein eigenes zertrümmertes Bein.
Im Werk gibt es ein Kapitel, das Ovce od gipsa heißt. Es handelt sich um die Schilderung eines Traums, den Krešo immer wieder träumt. Es ist die deutlichste Darstellung des Krieges in diesem Werk. Er träumt von der Einkehr in ein zerstörtes Dorf. Es ist eine nüchterne dichte Darstellung des Anblicks. Die Schilderung scheint durch Krešos Perspektive zu erfolgen, sie könnte aber auch auktorial sein.
Protivnik se iz sela izvukao dan ili dva prije, ostavljajući za sobom mnoštvo mina i nezamisliv nered. Malih, plošnih pašteta bilo je svuda: pod školskim parketom, u vodokotlićima, na ulazu u očuvanije kuće, u travi i oko bunara. Posvuda je bilo vojničkog smeća: slupanih čuturica, čahura puščanog kalibra, upotrijebljenih zavoja i novina istrganih u jednake komade upotrebljive za klozet papir. Selo je bilo spaljeno, i to, činilo se, ne tako davno: grede su se još crnjele, a zrakom se osjećao oštar vonj zgarišta. I leševa: naokolo je bilo trupala koliko hoćeš. U crkvenom dvorištu nalazio se golemi civilni bager pogođen nekakvim protutenkovskim oružjem, napola sparušen i crn, a napola kričavo žut. I u njemu je bilo tijelo: nekog trbušastog civila poluokretnutog prema crkvi. Tijela su bila posuta mrvljenim vapnom da ne smrde odviše. Smrdjelo je zato vapno i grizalo nosice.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin stellt das Ziel der Arbeit dar, das bisher kaum literaturwissenschaftlich untersuchte Kriegsbild in drei ausgewählten Werken der kroatischen Gegenwartsprosa zu analysieren.
2. Kurzer historischer Abriss des Krieges 1991-1995: Ein Überblick über die politischen Umbrüche und den Zerfall Jugoslawiens, um den historischen Hintergrund für die literarischen Analysen zu liefern.
3. Krieg und Literatur am Beispiel der Sowjetliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg: Diese Untersuchung dient als Vergleichsgrundlage, da die Sowjetliteratur den Kampf im eigenen Land thematisierte, was Parallelen zum kroatischen Heimatkrieg aufweist.
4. Der Roman Ovce od gipsa von Jurica Pavičić: Das Kapitel analysiert den realistischen Roman Pavičićs und dessen kriegskritische sowie gesellschaftskritische Funktion durch komplexe Figurenkonzeptionen.
5. Kurze Einführung zur Gattung Tagebuch: Ein theoretischer Exkurs über die Gattung Tagebuch als Medium der Selbstreflexion und der Aufzeichnung von Kriegserfahrungen.
6. Das Tagebuch Kratki izlet – zapisi iz domovinskog rata von Ratko Cvetnić: Untersuchung des Tagebuchs, das den Krieg aus der Perspektive eines Frontsoldaten und intellektuellen Beobachters differenziert darstellt.
7. Die Kurzgeschichten von Ivan Aralica: Eine Analyse von Aralicas Kurzgeschichten, die als publizistische Texte eine euphorische, nationalistische Sichtweise des Krieges einnehmen.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der analysierten Werke, wobei die Unterschiede zwischen der kriegskritischen Haltung von Pavičić und Cvetnić und der nationalistischen Sichtweise von Aralica hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Kroatien, Heimatkrieg, Kriegsprosa, Kriegsbild, Literaturwissenschaft, Realismus, Kriegstagebuch, Kurzgeschichten, Identität, Nationalismus, Zivilbevölkerung, Soldaten, Korruption, Schuld, Aufarbeitung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das in drei kroatischen Werken der Gegenwartsprosa dargestellte Kriegsbild des sogenannten Heimatkrieges (1991–1995).
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die literarischen Mittel der Kriegsdarstellung, der Vergleich mit anderen Kriegsliteraturtraditionen sowie die gesellschaftliche Funktion dieser Texte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine literaturwissenschaftliche Untersuchung bisher kaum analysierter Werke im Hinblick darauf, wie der Krieg in den Texten verarbeitet und bewertet wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Gattungen (Roman, Tagebuch, Kurzgeschichte) anhand ihrer spezifischen Erzählverfahren und Figurengestaltung betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der drei ausgewählten Autoren Pavičić, Cvetnić und Aralica, deren Texte hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Perspektiven auf den Krieg untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Kroatien, Heimatkrieg, Kriegsprosa, Kriegsbild, Nationalismus, Identität und Aufarbeitung aus.
Welche Rolle spielt der Vergleich mit der Sowjetliteratur?
Der Vergleich dient dazu, die Besonderheiten der kroatischen Kriegsprosa herauszuarbeiten, insbesondere im Hinblick auf den "Kampf im eigenen Land" und die staatliche Instrumentalisierung der Literatur.
Warum wird Ivan Aralica als Kontrast gewählt?
Aralica wurde gewählt, weil seine Texte eine euphorische, publizistisch-nationalistische Sicht auf den Krieg bieten, die einen bewussten Gegenpol zu den kriegskritischen Ansätzen der anderen beiden Autoren bildet.
Was unterscheidet das Tagebuch "Kratki izlet" von anderen Werken?
Das Tagebuch zeichnet sich durch seine subjektive, oft ironische und intellektuell reflektierte Perspektive eines Soldaten aus, der zunehmend an seinen eigenen Idealen und der Realität des Krieges verzweifelt.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Krieges in "Ovce od gipsa"?
Pavičićs Roman wird als kriegskritisches und sozialkritisches Werk gewertet, das den Krieg nicht als reinigende Kraft, sondern als Ursache für Leid und moralischen Zerfall innerhalb der zivilen Gesellschaft darstellt.
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- Gordana Naletilic (Author), 2007, Domovinski rat - Kriegsbilder in der kroatischen Gegenwartsprosa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94240