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Fiktiv-allographe Peritextelemente und ihre narrative Funktion in "Die Gelehrtenrepublik" von Arno Schmidt

Title: Fiktiv-allographe Peritextelemente und ihre narrative Funktion in "Die Gelehrtenrepublik" von Arno Schmidt

Seminar Paper , 2019 , 22 Pages , Grade: 1

Autor:in: Oliver Krüger (Author)

German Studies - Linguistics
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Ziel dieser Arbeit ist eine Analyse des komplexen Arrangements der, auf mehreren Ebenen angesiedelten, fiktivallographen Peritexte und die Untersuchung ihrer narrativen Funktionen für die Konstruktion der erzählten Welt in Arno Schmidts „Die Gelehrtenrepublik“.

In seiner im französischen Original 1987 unter dem Titel „Seuils“, in der deutschen Übersetzung als „Paratexte“, erschienenen Monografie beschäftigt sich Gérard Genette eingehend mit Elementen oder Mitteilungen, die einen literarischen Text begleiten oder einrahmen und auf diese Weise die Rezeption lenken. Diese Elemente, wie etwa Titel und Aufmachung, Autorenname, Vor und Nachworte aber auch Interviews, Briefwechsel und Tagebucheinträge bezeichnet er als Paratexte. Erstere, also die Elemente, die dem Text materiell verbunden sind, werden von ihm als Peritext, letztere also solche, die nur indirekt den Text begleiten oder erhellen als Epitext kategorisiert.

Peritexte, die direkt auf den empirischen Autor zurückzuführen sind, versteht Genette als auktorial, d. h. sie gehen auf eine Instanz zurück, die in einer der dem narrativen Diskurs übergeordneten Sphäre lokalisiert ist. Im Gegensatz hierzu bezeichnet Genette alle Adressanten eines Paratextes, die nicht der empirische Autor sind als allograph. Fiktivallograph sind also diejenigen Paratexelemente, die einer imaginären Person zugeschrieben werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gelehrtenrepublik und die Tradition utopischer Prosa

3. Textstruktur und Abriss der Handlung

4. Die fiktiv-allographen Peritexte

4.1 Die Instanz des Vorworts

4.2 Die Übersetzungsfiktion als Sonderform der Herausgeberfiktion

4.2 Die Editorische Notiz / „Interworld=Lizenz“

4.4 Die tabellarische Gegenüberstellung/ „Daten“

4.5 Das „Vorwort des Übersetzers“

4.6 Die Fußnoten/ Anmerkungen

4.7 Die Abbildung der Gelehrtenrepublik

5. Fazit

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert die narrativen Funktionen fiktiv-allographischer Peritexte in Arno Schmidts Roman „Die Gelehrtenrepublik“. Dabei wird untersucht, wie diese Elemente, etwa Vorworte, Fußnoten oder editorische Notizen, zur Konstruktion der erzählten Welt beitragen und welche Rolle sie bei der Etablierung einer fiktiven Herausgeber- oder Übersetzerinstanz spielen.

  • Analyse der narratologischen Funktion von Peritexten bei Arno Schmidt.
  • Untersuchung der Übersetzungsfiktion und deren Wirkung auf die Diegese.
  • Erforschung der parodistischen Züge in der Kommentierung und Fußnotenpraxis.
  • Betrachtung des Verhältnisses zwischen empirischem Autor und fiktiven Erzählinstanzen.
  • Einordnung des Romans in die Tradition utopischer und dystopischer Literatur.

Auszug aus dem Buch

Die Instanz des Vorworts

Die Frage danach, wie lange Vorworte literarische Texte begleiten ist die Frage nach der Definition dessen was denn ein Vorwort ist. Gérard Genette möchte als solche „alle Arten von auktorialen oder allographen Texten“ verstanden wissen, „die aus einem Diskurs bestehen, der anlässlich des nachgestellten oder vorangestellten Textes produziert wurde“. Frühe Formen solcher, zunächst auktorialen Peritexte macht er bereits in der Antike aus, wobei das Vorwort, als streng vom „Haupttext“ geschieden und letztlich eigene Textgattung, endgültig erst in Zeiten des Buchdrucks konventionalisiert wird. Vorworte „werden im allgemeinen nach dem jeweiligen Text geschrieben“, dies ist sicher in erster Linie bedingt durch ihre tradierte Funktion als „Lektüreanweisung“, indem es über die Ordnung und die Disposition, die sich im Haupttext beobachten lassen, Vorbericht erstattet. Der Archetypus des Vorwortes ist auktorial, er ist die Hinwendung des empirischen Autors an seine Adressaten mit dem Ziel, „die Lektüre zu fördern und zu lenken“. Dies schliesst die Möglichkeit, sich durch ein Vorwort von den im „Haupttext“ getroffenen Aussagen zu distanzieren ein. Allographe Vorworte lassen sich, so Genette erst ab dem 16. Jahrhundert nachweisen, also ab der Zeit in der sich das Vorwort vom Corpus des Textes trennt. Sehr häufig sind Kommentare oder Einleitungen der Übersetzer klassischer oder mittelalterlicher Schriften. Der Übersetzer fungiert hier als Herausgeberinstanz und modifiziert durch seine Einlassungen den narrativen Diskurs. Da solche Vorworte zwar nicht auf den empirischen Autor des Haupttextes zurückgehen, allerdings sehr wohl auf eine reale Person, sind sie im Sinne Genettes authentisch-allograph. Das „Vorwort des Übersetzers“ kann damit auf eine lange Tradition zurückblicken.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Paratextes nach Gérard Genette und dessen spezifische Anwendung auf Arno Schmidts „Die Gelehrtenrepublik“.

2. Die Gelehrtenrepublik und die Tradition utopischer Prosa: Einordnung des Werkes als utopischer Roman und Diskussion der Formtradition sowie der bewussten Spielereien mit Gattungskonventionen.

3. Textstruktur und Abriss der Handlung: Überblick über die komplexen Peritexte des Romans und eine erste Zusammenfassung des Inhalts der Binnenerzählung.

4. Die fiktiv-allographen Peritexte: Detaillierte Analyse der einzelnen peritextuellen Elemente, wie Vorworte, editorische Notizen, Datentabellen und Fußnoten, hinsichtlich ihrer narrativen Wirkung.

5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Rolle der Peritexte bei der Verfremdung und Ironisierung der erzählten Welt sowie der Position des Lesers.

6. Literatur: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen.

Schlüsselwörter

Arno Schmidt, Die Gelehrtenrepublik, Peritexte, Narratologie, Gérard Genette, Übersetzungsfiktion, fiktiv-allograph, Paratext, utopische Literatur, Herausgeberfiktion, Fußnotenapparat, Erzählinstanz, Ironisierung, Verfremdung, Lektüreanweisung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der narratologischen Untersuchung der peritextuellen Rahmenbedingungen in Arno Schmidts Roman „Die Gelehrtenrepublik“ und deren Beitrag zur Konstruktion der erzählten Welt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Paratextes, die Funktionen fiktiver Herausgeber- und Übersetzerinstanzen sowie das Spiel zwischen Autor, Text und Leser.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die spezifischen Funktionen der fiktiv-allographischen Peritexte im Roman aufzudecken und zu zeigen, wie diese die Wahrnehmung des Haupttextes beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse auf Basis der narratologischen Theorien von Gérard Genette, kombiniert mit einer strukturalen Untersuchung des Romans.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die verschiedenen Peritexte des Romans, darunter Vorworte, eine Datentabelle sowie den ironisch kommentierenden Fußnotenapparat.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Peritexte, Narratologie, fiktiv-allograph, Utopie und Arno Schmidt definiert.

Inwiefern beeinflusst der Übersetzer „Chr. M. Stadion“ die Rezeption des Romans?

Stadion fungiert als unzuverlässige Erzählinstanz, deren Kommentare und Fußnoten den Leser durch Ironie, Arroganz und eine subjektive Sichtweise auf Distanz zum Geschehen halten.

Welche Rolle spielt die „Übersetzungsfiktion“ konkret in diesem Werk?

Die Fiktion der Übersetzung dient als Instrument, um eine Metaebene zu schaffen, die den Roman in eine bestimmte Tradition stellt und gleichzeitig durch die vermeintliche Distanz des Übersetzers eine ironische Brechung erzielt.

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Details

Title
Fiktiv-allographe Peritextelemente und ihre narrative Funktion in "Die Gelehrtenrepublik" von Arno Schmidt
College
Free University of Berlin  (Philosophie und Geisteswissenschaften)
Course
Erzähltheorie
Grade
1
Author
Oliver Krüger (Author)
Publication Year
2019
Pages
22
Catalog Number
V942825
ISBN (eBook)
9783346275158
ISBN (Book)
9783346275165
Language
German
Tags
Arno Schmidt Erzähltheorie Genette Paratexte Peritexte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Krüger (Author), 2019, Fiktiv-allographe Peritextelemente und ihre narrative Funktion in "Die Gelehrtenrepublik" von Arno Schmidt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/942825
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