Mit der Veröffentlichung des Referentenentwurfes eines Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts soll den Unternehmen – bei gleichzeitiger Erhaltung der Grundprinzipien der handelsrechtlichen Rechnungslegung – im Vergleich zu den IFRS eine gleichwertige, aber einfachere und kostengünstigere Alternative geboten werden.
Eine der wesentlichsten Änderungen stellt die Neufassung des § 253 Abs. 1 HGB-E dar, wonach zu Handelszwecken erworbene Finanzinstrumente verpflichtend erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten sind. Diese Regelung führt nicht nur zu einer konzeptionellen Neuausrichtung handelsrechtlicher Wertbegriffe, sondern auch zu einem Bruch mit einigen der grundlegendsten GoB.
Ausgehend von der geltenden Rechtslage werden die geplanten Neuregelungen des RefE BilMoG zur Zeitwertbilanzierung zu Handelszwecken erworbener Finanzinstrumente dargestellt und die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur Rechnungslegung nach IFRS herausgearbeitet. Schließlich erfolgt, insb. vor dem Hintergrund der Neuinterpretation handelsrechtlicher GoB und der Einwirkung der IFRS-Normen auf das BilMoG, eine kritische Würdigung der Neuregelungen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Aktuelle Rechtslage nach HGB
- 2.1. Einführung
- 2.2. Abgrenzung des Handelsbestands von Finanzinstrumenten
- 2.2.1. Der Begriff „Handelsbestand“
- 2.2.2. Finanzinstrumente des Handelsbestands
- 2.2.3. Derivative Finanzinstrumente und der Grundsatz der Nichtbilanzierung schwebender Geschäfte
- 2.3. Bewertung
- 2.4. Realisations- und Imparitätsprinzip
- 3. Geplante Rechtslage nach RefE BilMOG und Einfluss der IFRS
- 3.1. Überblick
- 3.2. Anwendungsbereich und erstmalige Anwendung
- 3.3. Abgrenzung zu Handelszwecken erworbener Finanzinstrumente
- 3.3.1. Überblick
- 3.3.2. Bewertungskategorien von Finanzinstrumenten nach IFRS
- 3.3.3. Finanzinstrumente des Handelsbestands nach HGB-E und IFRS
- 3.3.4. Abgrenzungsprobleme
- 3.4. Zeitwertbilanzierung
- 3.4.1. Wertbegriffe
- 3.4.2. Bewertungshierarchie nach § 255 Abs. 4 HGB-E
- 3.4.2.1. Überblick
- 3.4.2.2. Marktpreis auf einem aktiven Markt
- 3.4.2.3. Allgemein anerkannte Bewertungsmethoden
- 3.4.2.4. Bewertung zu Anschaffungskosten
- 3.4.3. Grundzüge der Bilanzierung des Handelsbestands nach IFRS und Einfluss auf die BilMOG-Neuregelungen
- 3.4.3.1. Ansatz und Zugangsbewertung nach IFRS
- 3.4.3.2. Folgebewertung nach IFRS
- 3.4.3.3. Einfluss auf die BilMOG-Neuregelungen
- 3.5. Neuinterpretation bisheriger handelsrechtlicher GoB
- 3.6. Besteuerung
- 3.7. Ausschüttung
- 3.8. Ausweis und Anhangangaben
- 4. Kritische Würdigung und Fazit
- 4.1. Kritische Würdigung
- 4.2. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit der vorgeschriebenen Zeitwertbewertung bestimmter Finanzinstrumente im Referentenentwurf des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG). Sie analysiert die Parallelen zu den International Financial Reporting Standards (IFRS) und führt eine kritische Würdigung der Neuregelungen durch.
- Analyse der Zeitwertbewertung von Finanzinstrumenten im RefE BilMoG
- Vergleich der Zeitwertbewertung im RefE BilMoG und nach IFRS
- Kritik der Zeitwertbewertung im RefE BilMoG
- Einfluss der Zeitwertbewertung auf die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB)
- Diskussion der Auswirkungen der Neuregelungen auf die Bilanzierung und die Finanzberichterstattung
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Die Einleitung führt in das Thema der Seminararbeit ein und stellt die Relevanz der vorgeschriebenen Zeitwertbewertung von Finanzinstrumenten im RefE BilMoG dar.
- Kapitel 2: Dieses Kapitel erläutert die aktuelle Rechtslage der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach dem Handelsgesetzbuch (HGB). Es beschreibt die Abgrenzung des Handelsbestands von Finanzinstrumenten, die Bewertungsgrundsätze und die Anwendung des Realisations- und Imparitätsprinzips.
- Kapitel 3: Dieses Kapitel analysiert die geplante Rechtslage der Zeitwertbewertung von Finanzinstrumenten im RefE BilMoG. Es behandelt den Anwendungsbereich, die Bewertungskategorien, die Bewertungshierarchie und die Auswirkungen auf die handelsrechtlichen GoB. Es werden zudem Parallelen zur IFRS-Rechnungslegung aufgezeigt.
- Kapitel 4: Im letzten Kapitel erfolgt eine kritische Würdigung der Zeitwertbewertung im RefE BilMoG. Es werden die Vor- und Nachteile des neuen Ansatzes diskutiert und ein Fazit gezogen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Zeitwertbewertung, Finanzinstrumente, Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), Referentenentwurf (RefE), International Financial Reporting Standards (IFRS), Handelsgesetzbuch (HGB), Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung (GoB), Bewertungshierarchie, Abgrenzungsprobleme, kritische Würdigung.
Häufig gestellte Fragen
Was ändert sich durch das BilMoG bei der Bewertung von Finanzinstrumenten?
Zu Handelszwecken erworbene Finanzinstrumente müssen nach dem BilMoG-Entwurf verpflichtend erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden.
Was bedeutet „beizulegender Zeitwert“ (Fair Value)?
Es handelt sich um einen Marktwert, der sich an aktiven Märkten orientiert oder durch anerkannte Bewertungsmethoden ermittelt wird.
Wie beeinflussen die IFRS die deutsche Rechnungslegung im BilMoG?
Die Neuregelungen lehnen sich stark an die IFRS-Vorgaben an, um eine international vergleichbare, aber kostengünstigere Bilanzierung zu ermöglichen.
Führt die Zeitwertbewertung zu einem Bruch mit den GoB?
Ja, die verpflichtende Zeitwertbewertung stellt eine Abkehr von traditionellen Grundsätzen wie dem Realisations- und dem Imparitätsprinzip dar.
Welche Bewertungshierarchie sieht der § 255 Abs. 4 HGB-E vor?
Die Hierarchie reicht vom Marktpreis auf einem aktiven Markt über anerkannte Bewertungsmethoden bis hin zur Bewertung zu Anschaffungskosten.
Was wird unter dem Begriff „Handelsbestand“ verstanden?
Der Handelsbestand umfasst Finanzinstrumente, die mit der Absicht erworben wurden, kurzfristige Gewinne aus Preis- oder Zinsschwankungen zu erzielen.
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- Michael Jahke (Author), 2008, Die verpflichtende Zeitbewertung bestimmter Finanzinstrumente nach dem Referentenentwurf eines BilMoG, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94294