Der Fokus der Arbeit liegt in der kritischen Auseinandersetzung mit dem deutschen Steuertarif der Einkommensteuer. Es wird analysiert, ob die tarifliche Steuerbelastung für alle Einkommensschichten, gemäß der Leistungsfähigkeit, gerecht ist. Zudem werden in dieser Arbeit Reformvorschläge aus der Vergangenheit thematisiert, die eine deutliche Vereinfachung des Steuersystems vorsehen und somit verständlicher und nachvollziehbar für die Bevölkerung sind.
Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, ob die Bezieher von hohen Ein-kommen, die sogenannten Spitzenverdiener, gerecht überproportional steuerlich behandelt werden im Vergleich zum Mittelstand und den geringeren Einkommensschichten, oder ob die Spitzenverdiener rückwirkend an der Komplexität des aktuellen Steuersystems profitieren. Ein weiteres Ziel der Arbeit liegt darin zu analysieren, ob es möglich ist, das deutsche Steuerrecht von Grund auf einfacher zu gestalten und trotzdem der Steuergerechtigkeit zu entsprechen.
Es werden zuerst alle wichtigen Grundzüge des gegenwärtigen Einkommensteuerrechts dargestellt, um darauf aufbauend alle weiteren Aspekte der Arbeit nachvollziehen zu können. Im direkten Anschluss an die Grundlagen folgt eine kritische Betrachtung des geltenden Steuertarifs. Zuletzt werden Reformvorschläge aus der Vergangenheit benannt, die die Komplexität des Steuerrechts verringern und den Steuerzahler entlasten. Neben den allgemeinen Grundlagen des Einkommensteuerrechts und dem Steuertarif werden folgende Schwerpunkte thematisiert.
Ein erster Kernaspekt ist die Einführung des Einkommensteuertarifs in Deutschland und die Betrachtung des Verlaufs von 1958 bis heute. Ein zweiter Kernaspekt der Arbeit bezieht sich auf die ungelöste Problematik der sogenannten kalten Progression. Ferner werden Sonderheiten im Einkommensteuertarif wie die steuerliche Behandlung von außerordentlichen Einkünften genannt und an einem rechnerischen Beispiel erklärt. Als dritten Schwerpunkt wird die steuertarifliche Leistungsfähigkeit eines Individuums kritisch anhand der Verteilungsprinzipien des BVerfG betrachtet. Konkretisiert wird dies an dem Grundfreibetrag, dem Verlauf des progressiven Steuertarifs, dem Umgang mit Kapitaleinkünften durch die Abgeltungssteuer und der Notwendigkeit des Solidaritätszuschlags. Im weiteren Verlauf wird die Kritik an der Zusammenveranlagung durch das Ehegattensplitting thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Einkommensteuer
3. Darstellung des Einkommensteuertarifs
3.1 Praxisnahe Betrachtung des Einkommensteuertarifs
3.2 Der Steuertarif im Zeitverlauf
3.3 Veranlagung von Ehegatten/eingetragenen Lebenspartnern
3.4 Sonderheiten im Einkommensteuertarif
4. Kritische Würdigung des geltenden Steuertarifs
4.1 Betrachtung der steuertariflichen Leistungsfähigkeit eines Individuums
4.2 Kritische Betrachtung des Ehegattensplittingtarifs
5. Reformvorschläge
5.1 Flat Tax (Einheitsteuersatz)
5.2 Steuermodell von Prof. Dr. Paul Kirchhof
5.3 Steuermodell von Friedrich Merz
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Bachelorarbeit ist die kritische Analyse des deutschen Einkommensteuertarifs unter besonderer Berücksichtigung der steuerlichen Leistungsfähigkeit, der Problematik der kalten Progression sowie der Effekte des Ehegattensplittings. Dabei wird untersucht, ob das bestehende System den Anforderungen an Steuergerechtigkeit genügt oder ob Reformmodelle wie die Flat Tax eine sinnvollere Alternative darstellen könnten.
- Strukturanalyse des progressiven Einkommensteuertarifs in Deutschland
- Kritische Würdigung der steuerlichen Gerechtigkeit bei hohen Einkommen
- Untersuchung der Auswirkungen von Kapitalbesteuerung und Solidaritätszuschlag
- Vergleich und Bewertung von Steuerreformmodellen (Kirchhof, Merz, Flat Tax)
- Evaluierung der administrativen Vereinfachungspotenziale
Auszug aus dem Buch
3.1 Praxisnahe Betrachtung des Einkommensteuertarifs
Der Einkommensteuertarif in Form des Grundtarifs ist die wichtigste sozial-politische Komponente im Einkommensteuergesetz. Dieser Steuertarif wirkt sich auf die Bemessungsgrundlage der tariflichen Einkommensteuer in einem progressiven Verlauf aus.22 Die Berechnung der tariflichen Einkommensteuer auf Basis des Grundtarifs, wird als Normaltarif bezeichnet.23Der Verlauf des progressiven Steuertarifs ist an den Finanzbedarf des Fiskus geknüpft und an die individuelle Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers gerecht angepasst.24
Der Einkommensteuertarif ist nach § 32a EStG in insgesamt fünf Tarifzonen aufgeteilt. Die erste Tarifzone ist der Bereich zwischen 0 und 9.000 Euro.26 Dieser tarifliche Rahmen ist die sogenannte Nullzone und entspricht dem gesetzlichen Grundfreibetrag des Existenzminimums. Es fallen keine Steuern auf die erste Tarifzone an.27
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Komplexität des Steuerrechts und definiert das Ziel der Arbeit, Gerechtigkeit und Vereinfachungspotenziale kritisch zu hinterfragen.
2. Grundlagen der Einkommensteuer: Dieses Kapitel erläutert die steuersystematischen Grundlagen, die Abgrenzung der Einkunftsarten sowie die Bedeutung der persönlichen Steuerpflicht.
3. Darstellung des Einkommensteuertarifs: Hier werden der Aufbau des progressiven Tarifs, dessen historische Entwicklung sowie die Besonderheiten bei der Veranlagung von Lebenspartnern und außerordentlichen Einkünften detailliert beschrieben.
4. Kritische Würdigung des geltenden Steuertarifs: Das Kapitel analysiert die steuerliche Leistungsfähigkeit, die Problematik der kalten Progression sowie die Kritik am Ehegattensplitting und der Abgeltungsteuer.
5. Reformvorschläge: Es werden alternative Steuermodelle wie die Flat Tax sowie die Konzepte von Paul Kirchhof und Friedrich Merz hinsichtlich ihrer Vereinfachungs- und Gerechtigkeitseffekte diskutiert.
6. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und stellt fest, dass das aktuelle Steuersystem zwar komplex, aber im Sinne der Leistungsfähigkeit fair ist, wobei Reformen zwar Vereinfachung bringen, aber auch Risiken bergen.
Schlüsselwörter
Einkommensteuer, Steuertarif, Steuergerechtigkeit, Leistungsfähigkeitsprinzip, kalte Progression, Ehegattensplitting, Flat Tax, Solidaritätszuschlag, Steuerreform, Abgeltungsteuer, Einkommensteuergesetz, progressive Besteuerung, Steuerbelastung, Steuervereinfachung, Existenzminimum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Auseinandersetzung des deutschen Steuertarifs in der Einkommensteuer, insbesondere hinsichtlich seiner Struktur, Gerechtigkeit und potenzieller Reformmodelle.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen gehören der progressive Tarifverlauf, das Ehegattensplitting, der Solidaritätszuschlag sowie die Auswirkungen der Abgeltungsteuer und der kalten Progression.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel besteht darin, zu evaluieren, ob die aktuelle tarifliche Steuerbelastung den Kriterien der individuellen Leistungsfähigkeit entspricht und ob alternative Steuermodelle eine effektivere und einfachere Lösung bieten könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kritische Literaturanalyse, um den Status Quo des Steuerrechts zu erfassen und darauf aufbauend verschiedene Reformansätze gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des gegenwärtigen Steuersystems, eine kritische Würdigung bestehender Instrumente sowie eine tiefgehende Analyse von Reformkonzepten wie der Flat Tax.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Steuergerechtigkeit, Einkommensteuer, Reformvorschläge, Leistungsfähigkeitsprinzip und kalte Progression charakterisiert.
Wie wirkt sich die kalte Progression konkret auf den Steuerzahler aus?
Die kalte Progression führt bei nominalen Einkommenszuwächsen zu einer überproportionalen steuerlichen Mehrbelastung, da die Steuertarife nicht automatisch an die Inflation angepasst werden.
Warum wird das Ehegattensplitting kritisch diskutiert?
Kritiker führen an, dass das Ehegattensplitting nicht mehr zeitgemäß sei, da es traditionelle Familienmodelle begünstige und für Zweitverdiener in bestimmten Steuerklassen oft negative Erwerbsanreize schaffe.
- Citar trabajo
- Jonas Althaus (Autor), 2019, Der Steuertarif im deutschen Einkommensteuerrecht. Darstellung, kritische Würdigung und Entwicklung von Reformvorschlägen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/943016