Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Prozess des Clinical Reasonings in der Physiotherapie. Dabei geschieht die Hinführung zu dem Thema zunächst über die Definition der wichtigsten Begrifflichkeiten. Dies beinhaltet unter anderem die Definition des Clinical Reasonings und die Definitionen der, für den Prozess wichtigen, Begriffe der Kognition und Metakognition. Nach dem Einstieg in die durchaus sinnvolle aber , während und auch nach der Ausbildung zum staatlich anerkannten Physiotherapeuten, wenig behandelten Thematik des Clinical Reasonings wird das Fallbeispiel eines Klienten mit einem Gesundheitsproblem im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) erläutert. Die Darstellung des klinischen Falls dient der Heranführung an die Anwendung des Clinical Reasonings in der Praxis.
Die Darstellung des Fallbeispiels geschieht über das bio-psycho-soziale Modell der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF), um einen prägnanten Überblick über den Klienten und sein Gesundheitsproblem zu erreichen. Um das praktische Vorgehen und den ablaufenden Prozess zu beschreiben, werden zunächst die beiden Clinical Reasoning Formen Prozedurales Reasoning und Konditionales Reasoning genau wie das hypothetisch-deduktive Verfahren und das Verfahren der Mustererkennung erklärt. Das Prozedurale Reasoning orientiert sich an dem Scientific Reasoning und ist stark von der Bildung einer Hypothese geprägt. Die Hypothese soll mit Hilfe des hypothetisch-deduktiven Verfahrens bei Berufsanfängern und mit der Mustererkennung bei erfahrenen Therapeuten gebildet werden. Sie basiert auf den Erkenntnissen der Befundaufnahme und Anamnese und wird im Laufe des Prozesses immer wieder überprüft und gegebenenfalls geändert. Das Konditionale Reasoning berücksichtigt Zukunftsvisionen und fordert von Klient und Therapeut das Formulieren und Verfolgen von Konditionen, die den Therapie- und Heilungsverlauf positiv beeinflussen sollen. Alle Clinical Reasoning Formen lassen zu, dass der Therapeut strukturiert und nach einem Modell arbeitet. Ein großer Vorteil bei dem Arbeiten mit den Reasoning Formen ist die anschließende Reflektion des Prozesses durch den Therapeuten. Aus den Reflektionen ergeben sich wichtige persönliche Entwicklungsschritte bezogen auf die Therapie. Mit ihren Inhalten soll die Arbeit einen Einblick in zwei verschiedene Clinical Reasoning Formen geben und die Sinnhaftigkeit des Themas beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begrifflichkeiten des Clinical Reasonings
2.1 Definition Clinical Reasoning
2.2 Definition Kognition
2.3 Definition Metakognition
3 Klinischer Fall
4 Clinical Reasoning Formen
4.1 Prozedurales Reasoning
4.2 Konditionales Reasoning
4.3 Strategien und Methoden bei der Anwendung
5 Diskussion und Reflexion
6 Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Relevanz und den Mehrwert des bewussten "Clinical Reasonings" in der physiotherapeutischen Praxis aufzuzeigen und dessen Anwendung anhand eines konkreten Fallbeispiels zu illustrieren, um eine strukturierte Entscheidungsfindung zu fördern.
- Grundlagen und Definitionen zentraler kognitiver Prozesse im therapeutischen Kontext
- Darstellung und Analyse eines klinischen Fallbeispiels mittels des ICF-Modells
- Vergleichende Betrachtung von prozeduralem und konditionalem Reasoning
- Reflexion des therapeutischen Vorgehens und persönliche Kompetenzentwicklung
Auszug aus dem Buch
4.1 Prozedurales Reasoning
Das Prozedurale Reasoning ist Teil des Scientific Reasonings. Beim Scientific Reasoning spielt die fachliche Erfassung des Gesundheitsproblems des Klienten die größte Rolle. Dies beinhaltet vor allem auch die Identifizierung der Ursache für die jeweiligen Beeinträchtigungen aber auch die Suche nach passenden Interventionen und begleitenden Lösungen zur Verbesserung des Gesundheitsproblems. Zu dem Scientific Reasoning gehören verschiedene andere Reasoning Formen, die sich insgesamt sehr ähneln aber jeweils andere Schwerpunkte verfolgen. Das Prozedurale Reasoning geschieht im direkten Kontakt mit dem Patienten. Laut Klemme et al. (2006) ist neben der Formulierung der physiotherapeutischen Diagnose die Auswahl des geeigneten Lösungsansatzes für den Klienten ebenso wichtig. Dabei suchen vor allem berufserfahrene Therapeuten nach typischen Mustern der Erkrankung bei dem individuellen Klienten, um Probleme zu identifizieren, was laut Bucher-Dollenz und Wiesner (2008) eine „effizientere und umfassendere Vorgehensweise ist“. Schwarz bestätigt, dass die Musterkennung oder auch Pattern Recognition die schnellere und insgesamt kürzer ablaufende Strategie im Vergleich zur hypothetisch-deduktiven Vorgehensweise ist. Bei dem Pattern Recognition erkennt der Therapeut statt Einzelsymptomen ganze Muster, wofür allerdings ein großes Maß an Berufserfahrung vorhanden sein muss, um die Muster korrekt zu identifizieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz von Clinical Reasoning Denkprozessen in der Physiotherapie und beschreibt die Zielsetzung der Arbeit, die theoretischen Grundlagen mit einem Fallbeispiel zu verknüpfen.
2 Begrifflichkeiten des Clinical Reasonings: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe des Clinical Reasonings sowie der Kognition und Metakognition als essenzielle Basiselemente für eine effektive therapeutische Entscheidungsfindung.
3 Klinischer Fall: Anhand eines Fallbeispiels eines 58-jährigen Klienten mit Lumbago wird die Anwendung des ICF-Modells zur strukturierten Erfassung und Dokumentation von Gesundheitszuständen in der Praxis demonstriert.
4 Clinical Reasoning Formen: Das Kapitel erläutert die theoretischen Konzepte des prozeduralen und konditionalen Reasonings sowie deren praktische Anwendung im Rahmen des vorgestellten Fallbeispiels.
5 Diskussion und Reflexion: Hier wird der gesamte therapeutische Prozess kritisch hinterfragt, wobei Stärken und Schwächen der gewählten Vorgehensweise sowie die Bedeutung der Reflexion für die professionelle Entwicklung diskutiert werden.
6 Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung von Clinical Reasoning zusammen und plädiert für eine stärkere Verankerung dieser Thematik in der physiotherapeutischen Ausbildung.
Schlüsselwörter
Clinical Reasoning, Prozess, Prozedurales Reasoning, Konditionales Reasoning, Kognition, Metakognition, Physiotherapie, ICF, Fallbeispiel, Entscheidungsfindung, Lumbago, Reflexion, Therapeutische Kompetenz, Mustererkennung, Hypothesenbildung
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Prozess des Clinical Reasonings im physiotherapeutischen Arbeitskontext und dessen Bedeutung für eine qualifizierte Behandlung.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Neben den theoretischen Grundlagen zu Kognition und Metakognition stehen die praktische Anwendung von Reasoning-Formen und die Reflexion therapeutischer Prozesse im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Relevanz der bewussten Anwendung von Clinical Reasoning Prozessen für Physiotherapeuten darzulegen und deren Mehrwert für den Therapieerfolg zu beleuchten.
Welche methodischen Ansätze werden verwendet?
Es wird eine Verknüpfung aus Literaturanalyse, der Darstellung eines konkreten Fallbeispiels nach dem ICF-Modell und der Reflexion über die angewendeten Reasoning-Strategien gewählt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung der Reasoning-Formen und deren spezifische Umsetzung bei einem Patienten mit Lumbago.
Durch welche Schlagwörter ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Clinical Reasoning, Prozedurales und Konditionales Reasoning, ICF, Kognition, Metakognition und Physiotherapie aus.
Warum wurde das ICF-Modell für den Fallbericht gewählt?
Das ICF-Modell dient der ganzheitlichen Erfassung des Klienten und schafft eine einheitliche Sprache, um komplexe Gesundheitsprobleme systematisch zu strukturieren.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Reflexionskapitel?
Die Autorin erkennt, dass trotz eines insgesamt erfolgreichen Behandlungsprozesses Aspekte wie die Ergonomie am Arbeitsplatz oder soziale Faktoren kritisch stärker hätten berücksichtigt werden müssen.
- Quote paper
- Neele Schwiethal (Author), 2018, Darstellung des Clinical Reasoning Prozesses. Prozedurales und konditionales Reasoning, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/943202