Exegese von Jeremia 1,4-10 („Die Berufung“)


Quellenexegese, 2008

28 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auswahl der Übersetzung sowie Begriffserklärungen

3. Aufbau und Entstehung des Buches

4. Textkritik

5. Literarkritik

6. Formgeschichte

7. Redaktionsgeschichte

8. Zusammenfassung: die Bedeutung des Textes im Gesamtrahmen der Schrift von Jeremia

I Literaturverzeichnis

II Anhang: Das Jeremiabuch – Übersicht

1. Einleitung

In meiner Exegese beschäftige ich mich mit der Berufung von Jeremia (Jer 1,4-10). Ich habe mich für einen Text aus dem Alten Testament (AT) entschieden, da ich mich derzeitig mit dem AT beschäftige. Jeremias starkes Bewusstsein seiner Berufung interessiert mich.

2. Auswahl der Übersetzung sowie Begriffserklärungen

Ich führe zuerst die Übersetzung der Lutherbibel, 1984, der Zürcher, 1955 sowie eine Übersetzung der Septuaginta (LXX) und der rev. Elberfelderbibel 1993 auf. Dann werde ich Wörter, Wendungen und Sätze vergleichen, wobei ich den Vergleich jeweils zur rev. Elberfelderbibel mache.

Übersetzungen „Jeremias Berufung“

Luther

4 Und des HERRN Wort geschah zu mir:
5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.
6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.
7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.
8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.
10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreissen und einreissen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Zürcher 1955

4 Und es erging an mich das Wort des Herrn:
5 Noch ehe ich dich bildete im Mutterleib, habe ich dich erwählt; ehe du aus dem Schosse hervorgingst, habe ich dich geweiht: zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.
6 Da sprach ich: Ach, Herr, mein Gott, ich verstehe ja nicht zu reden; ich bin noch zu jung.
7 Aber der Herr antwortete mir: Sage nicht „Ich bin noch zu jung“, sondern zu allen, zu denen ich dich sende, wirst du gehen, und alles, was ich dir gebiete, wirst du reden.
8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, dich zu erretten, spricht der Herr.
9 Und der Herr streckte seine Hand aus und berührte meinen Mund. Und er sprach zu mir: Damit lege ich meine Worte in deinen Mund.
10 Siehe, ich setze dich heute über die Völker und über die Königreiche, auszureissen und niederzureissen, zu verderben und zu zerstören, zu pflanzen und aufzubauen.

LXX (Septuaginta)

4 και εγενετο λογος κυριου προς με λεγων
5 προ του με πλασαι σε εν κοιλια επισταμαι σε και προ του σε εξελθειν εκ μητρας ηγιακα σε προφητην εις εθνη τεθεικα σε
6 και ειπα ω δεσποτα κυριε ιδου ουκ επισταμαι λαλειν οτι νεωτερος εγω ειμι
7 και ειπεν κυριος προς με μη λεγε οτι νεωτερος εγω ειμι οτι προς παντας ους εαν εξαποστειλω σε πορευση και κατα παντα οσα εαν εντειλωμαι σοι λαλησεις
8 μη φοβηθης απο προσωπου αυτων οτι μετα σου εγω ειμι του εξαιρεισθαι σε λεγει κυριος
9 και εξετεινεν κυριος την χειρα αυτου προς με και ηψατο του στοματος μου και ειπεν κυριος προς με ιδου δεδωκα τους λογους μου εις το στομα σου
10 ιδου κατεστακα σε σημερον επι εθνη και βασιλειας εκριζουν και κατασκαπτειν και απολλυειν και ανοικοδομειν και καταφυτευειν

Übersetzung

4 Und das Wort des Herrn geschah mir, sagend:
5 Bevor ich dich geschaffen im Mutterleibe, kannte ich dich bereits und bevor du herausgekommen bist aus der Gebärmutter, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestellt.
6 Und ich sagte: Ach, Herr Herr, siehe ich verstehe nicht zu sprechen, denn ich bin unerfahren.
7 Aber der Herr sprach zu mir: Sage nicht „unerfahren bin ich“, denn zu allen, zu denen ich dich auch aussende, wirst du gehen und alles, was immer ich befehle, wirst du sagen.
8 Fürchte dich nicht vor Augen derer, denn mit dir bin ich, um dich zu erretten.
9 Und der Herr streckte aus seine Hand zu mir und er berührte meinen Mund und der Herr sagte zu mir: “Siehe, ich lege die meinigen Worte in den deinen Mund“
10 Siehe, ich setze dich heute ein über Völker und Königreiche, um zu entwurzeln und niederzureissen und zu verderben und wieder aufzubauen und zu pflanzen
Rev. Elberfelder 1993
4 Und das Wort des HERRN geschah zu mir so:
5 Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt; zum Propheten für die Nationen habe ich dich eingesetzt.
6 Da sagte ich: Ach, Herr, HERR! Siehe, ich verstehe nicht zu reden, denn ich bin zu jung.
7 Da sprach der HERR zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung. Denn zu allen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebiete, sollst du reden.
8 Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn ich bin mit dir, um dich zu retten, spricht der HERR.
9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an, und der HERR sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.
10 Siehe, ich bestelle dich an diesem Tag über die Nationen und über die Königreiche bestellt, um auszureißen und niederzureißen, zugrunde zu richten und abzubrechen, um zu bauen und zu pflanzen.

Begriffserklärungen

1,4: Und das Wort des HERRN geschah zu mir so (rev. Elberfelder)

so

- Luther und Zürcher verzichten auf die adverbialische Bestimmung; LXX = sagend

1,5: Ehe ich dich im Mutterschoss bildete, habe ich dich erkannt , und ehe du aus dem Mutterleib hervorkommst, habe ich dich geheiligt und zum Propheten für die Nationen habe ich dich eingesetzt (rev. Elberfelder)

habe ich dich erkannt

- Luther: „ich kannte dich“; steht am Versanfang
- Zürcher: „habe ich dich erwählt“; es wird dargelegt, dass es sich um ein Akt Gottes handelt. Gott nimmt sich des Menschen an oder des Volkes Israels an. Das Geschöpf wird fürsorglich von Gott angenommen. Das vollständige Sichanvertrauen ist erkenntlich

habe ich dich geheiligt

- Luther: „sonderte dich aus“
- Zürcher: „habe ich dich geweiht“
- LXX: „habe ich dich geheiligt“

Nationen

- Nationen: Luther, Zürcher und LXX übersetzen es mit Völkern

habe ich dich eingesetzt

- Luther: „bestellte ich dich“
- Zürcher: „habe ich dich bestimmt“
- LXX: „habe ich dich bestellt“

1,6: Da sagte ich: Ach, Herr, HERR! Siehe, ich verstehe nicht zu reden, denn ich bin zu jung (rev. Elberfelder)

HERR!

- Luther: „Ach, Herr HERR“
- Zürcher: „Ach, Herr, mein Gott“
- LXX: „Ach, Herr, HERR“

denn

- Zürcher: „verstehe ja nicht zu reden“

zu jung

- Luther: „zu jung“
- Zürcher: „noch zu jung“
- LXX: „ bin unerfahren“

1,7: Da sprach der HERR zu mir: Sage nicht: Ich bin zu jung. Denn zu allen, zu denen ich dich sende, solltest du gehen, und alles, was ich dir gebiete, sollst du reden (rev. Elberfelder)

zu allen, zu denen

- Luther: „wohin“
- Zürcher: „zu allen, zu denen“
- LXX: „zu allen, zu denen“

reden

- Luther: „predigen“

1,8: Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn ich bin mit dir, um dich zu erretten , spricht der HERR (rev. Elberfelder)

ihnen!

- LXX: „vor Augen“

dich zu erretten

- Luther: „ und will dich retten“
- Zürcher: „dich zu retten“
- LXX: „um dich zu erretten“

1,9: Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an, und der HERR sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinem Mund (rev. Elberfelder)

HERR

- Luther keine spezielle Übersetzung
- Zürcher keine spezielle Übersetzung

Siehe

- Luther: „siehe“
- Zürcher: „damit“
- LXX: „siehe“

1,10 Siehe, ich bestellte dich an diesem Tag über die Nationen und über die Königreiche, um auszureissen und niederzureissen zugrunde zu richten und abzubrechen, um zu bauen und zu pflanzen (rev. Elberfelder)

Nationen

- Luther, Zürcher und LXX übersetzen es mit „Völker“

niederzureissen

- Luther: „einreissen“
- Zürcher: „niederreissen“
- LXX: „niederzureissen“

pflanzen

- Luther: vertauscht die Reihenfolge von „zerstören und verderben“
- Zürcher: vertauscht die Reihenfolge von „aufbauen und pflanzen“
- LXX: das destruktive Partizip ist nicht vorhanden

Rev. Elberfelder 1993

4 Und das Wort des HERRN geschah zu mir so:

Einsetzung ins Prophetenamt (Wortereignisformel)

5 Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und ehe du aus dem Mutterschoss hervorkamst, habe ich dich geheiligt; zum Propheten für die Nationen habe ich dich eingesetzt.

Einsetzung ins Prophetenamt (Erkenntnisformel und Einsetzungswörter)

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Exegese von Jeremia 1,4-10 („Die Berufung“)
Hochschule
Universität Bayreuth
Autor
Jahr
2008
Seiten
28
Katalognummer
V94344
ISBN (eBook)
9783640105366
ISBN (Buch)
9783640113804
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jeremia, Berufung“), Altes Testament, Theologie, Propheten
Arbeit zitieren
Franz Ludin (Autor), 2008, Exegese von Jeremia 1,4-10 („Die Berufung“), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94344

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