Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt in Deutschland


Hausarbeit, 2020

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Zielsetzung
1.3 Methodische Vorgehensweise

2. Begriffserläuterungen
2.1 Demografischer Wandel
2.1.1 Geburtenrate
2.1.2 Lebenserwartung
2.1.3 Migration
2.2 Entwicklung und Trends der Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Zuwanderung
2.3 Alter und Altern

3. Personalmanagement im demografischen Wandel
3.1 Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
3.2 Konsequenzen für die Unternehmen

4. Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland bis 2060
4.1 Annahmen
4.2 Ergebnisse

5. Auswirkungen der Zuwanderung für die Arbeitsmärkte
5.1 Löst Zuwanderung die demografischen Herausforderungen?
5.2 Demografieorientiertes Recruiting

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Modell ,Das Haus der Arbeitsfähigkeit‘

1. Einleitung

Eine abnehmende Geburtenziffer und eine zugleich ansteigende Lebenserwartung stellen Auswirkungen des demografischen Wandels dar. Dies hat zur Folge, dass sich die Gesamtbevölkerung in Deutschland zukünftig reduzieren wird und sich das durchschnittliche Bevölkerungsalter erhöht.

Auch der Arbeitsmarkt wird durch die demografischen Veränderungen und eine alternde Erwerbsbevölkerung beeinflusst werden.1 Als schleichender Prozess wird der demografische Wandel zukünftig die Nachfrage sowie das Angebot an Fachkräften dynamisch stark verändern.2 Zwar steigt die Bevölkerung in Deutschland durch starke Zuwanderungen und hohe Nettomigrationen stetig an, doch führt der daraus resultierende Bevölkerungsanstieg keine Veränderung der demografischen Entwicklung herbei.

Die Alterung der Bevölkerung stellt damit auch zukünftig Herausforderungen an die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft. Rekordzuwanderungen wie im Jahr 2015 haben eine Flüchtlingsintegration nicht nur in die Gesellschaft, sondern auch in den Arbeitsmarkt zur Folge.3 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden das generische Maskulinum verwendet. Soweit es für die Aussage erforderlich ist, ist die ausschließliche Verwendung der männlichen Form als geschlechtsunabhängig zu betrachten.

1.1 Aufbau der Arbeit

Im Folgenden werden zunächst die begrifflichen Grundlagen dargestellt und definiert. Darunter zählen neben dem demografischen Wandel die Entwicklung und Trends der Geburtenhäufigkeit, die Lebenserwartung und Zuwanderung sowie das Altern und Alter. Anschließend wird ein Überblick über das Personalmanagement im demografischen Wandel gegeben. Dabei werden die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Konsequenzen für Unternehmen noch einmal differenziert betrachtet. Im vierten Kapitel der vorliegenden Arbeit werden die zukünftigen Veränderungen in der Größe sowie in der Altersstruktur der Bevölkerung beschrieben, die mittels Bevölkerungsvorausberechnungen dargestellt werden. Im letzten Teil der Arbeit werden die Auswirkungen der Zuwanderung auf die Arbeitsmärkte untersucht sowie die Fragestellung, ob die Zuwanderung die demografischen Herausforderungen lösen wird, abschließend diskutiert.

1.2 Zielsetzung

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, den demografischen Wandel darzustellen sowie die Abhängigkeit von bestimmten Faktoren und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt herauszuarbeiten. Da die künftige Entwicklung der Bevölkerung für den demografischen Wandel eine wichtige Rolle spielt, wird die Bevölkerungsvorausberechnung unter Berücksichtigung bestimmter Annahmen für Deutschland bis zum Jahr 2050 ebenfalls miteinbezogen. Auch die Auswirkungen der Zuwanderung auf die Arbeitsmärkte dürfen nicht vernachlässigt werden, weshalb diese in der vorliegenden Arbeit beschrieben und fokussiert werden. In der gesamten Arbeit dient Deutschland als Beispielland.

1.3 Methodische Vorgehensweise

Das Verfassen dieser Arbeit erfolgte mit der Methodik der Literaturrecherche. Neben der Literaturrecherche über den FOM-Online-Campus wurden darüber hinaus die Bibliothekssuchmaschine ‚opac‘ der Ruhr-Universität, die Literaturrecherche über Google und Onlinesuchmaschinen wie (https://www.digibib.net/Digibib) sowie Google Books (https://books.google.de) verwendet. Als Suchbegriffe dienten unter anderem ‚Demografischer Wandel‘, ‚Geburtenrate‘, ‚Lebenserwartung‘, ‚Migration‘, ‚Personalmanagement‘, ‚Arbeitsmarkt‘, ‚Bevölkerungsentwicklung‘, ‚Altersstruktur‘, ‚Recruiting‘ sowie Kombinationen aus den verschiedenen Stichworten. Verschiedene statistische Informationen wurden über das Portal bezogen und liegen dieser Arbeit zugrunde. Neben Publikationen wurden desWeiteren Artikel und Berichte aus verschiedenen Zeitschriften sowie Fachzeitschriften herangezogen.

2. Begriffserläuterungen

In diesem Kapitel erfolgen Definitionen und Erläuterungen wichtiger Begriffe, die mit dem demografischen Wandel im Zusammenhang stehen. Die Veränderungen und Auswirkungen dieser Trends, die die Gesellschaft derzeit erfährt, werden unter Berücksichtigung der Ergebnisse verschiedener Studien dargestellt.

2.1 Demografischer Wandel

Unter dem Begriff des ,demografischen Wandels‘ lassen sich verschiedene Trends zusammenfassen, die zu einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur eines Landes führen.4 So steigt zum Beispiel durch einen höheren Lebensstandard und eine gute Gesundheitsversorgung die Lebenserwartung der Bevölkerung. Neben einem zunehmenden Lebensalter kommt es durch einen Geburtenrückgang zur gleichzeitigen Alterung der Gesellschaft.5

Zukünftig wird es daher durch ein konstant niedriges Geburtenniveau einerseits viele Alte und Alternde und andererseits wenige Geburten sowie geburtenstarke jüngere Jahrgänge geben.6 Mit der Gesamtbevölkerung altert ebenso die Erwerbsbevölkerung im Land. Zwar steigt das Durchschnittsalter der Belegschaft, doch fehlen durch die Entwicklung der Geburtenrate immer mehr Nachwuchskräfte. Dies zeigt, dass der demografische Wandel auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die betriebliche Arbeitswelt hat und diese Bereiche entsprechend ebenfalls beeinflussen wird.7

Eine weitere Ursache demografischer Veränderungen ist das Wachstum nationaler und internationaler Mobilität. Trotz des Zuwanderungsüberschusses überwiegend junger Menschen in den letzten Jahren ist das Durchschnittsalter in Deutschland im selben Zeitraum gestiegen. Während es im Jahr 2011 auf 100 Personen im Alter zwischen 20 bis 64 Jahren insgesamt 34 Personen mit einem Alter ab 65 Jahren gab, betrug die Anzahl dieser Altersgruppe im Jahr 2015 bereits 35 Personen.8 Als Folge dieser Trends wird sich in Deutschland nicht nur die Altersstruktur weiter verschieben, sondern auch die Bevölkerungsherkunft vielfältiger werden.9

Die Bevölkerungspyramide, die die Bevölkerung entsprechend ihres Alters und Geschlechts gliedert und grafisch darstellt, gleicht nicht mehr einer Tanne, bei der im Jahr 1990 die jüngere Generation im Alter von 20 bis 35 Jahren die Basis bildete. Stattdessen ähnelt die Bevölkerungspyramide inzwischen einer Urne, die zwar immer noch von dieser Altersgruppe dominiert wird, doch hat diese Personengruppe mittlerweile ein höheres Erwerbsleben erreicht und wird in absehbarer Zeit in den Ruhestand treten.10 Mit der Demografiepolitik der Bundesregierung sollen Rahmenbedingungen für die Erhöhung des Wohlstandes und die Verbesserung der Lebensqualität geschaffen werden.11

2.1.1 Geburtenrate

Die Geburtenrate, auch ,zusammengefasste Geburtenziffer der Kalenderjahre‘ genannt, ist eine aktuell verfügbare Kennzahl zur Charakterisierung des Geburtenverhaltens von Frauen im betrachteten Kalenderjahr. Das Geburtenverhalten wird unter Berücksichtigung der altersspezifischen Geburtenziffern, die jedes einzelne Altersjahr zwischen 15 bis 49 Jahren messen, bestimmt. Bei der altersspezifischen Geburtenziffer wird die Anzahl an geborenen Kindern gleichaltriger Mütter in das Verhältnis zur Anzahl aller Mütter dieses Alters gesetzt.12 Die Geburtenrate nennt unter Berücksichtigung des Geburtenverhaltens aller Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren des ausgewählten Kalenderjahres die durchschnittliche Anzahl an Kindern, die eine Frau in ihrem Leben gebärt. Damit wird bei der Geburtenrate das Geburtenverhalten aller Frauen auf eine Frau adaptiert.13

Wird die Anzahl an Geburten der Jahre 2010 bis 2018 in Deutschland betrachtet, so ist erkennbar, dass die Geburtenziffer seit 2012 steigt. Hiervon ausgenommen ist das Jahr 2018, in dem nach sechs Jahren erstmals wieder ein Rückgang an Geburten verzeichnet wurde. So kam es im Jahr 2018 zu 787.523 Lebendgeborenen.14 Damit setzt sich der Geburtenanstieg in Deutschland fort, lässt das Land im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ins Mittelfeld rücken und erreicht folglich die höchste Geburtenziffer seit 1973.15

Wird das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes betrachtet, so lässt sich feststellen, dass immer mehr Frauen in Deutschland ihr erstes Kind mit mindestens 30 Jahren gebären. Damit hat sich der Zeitpunkt der Geburt um ungefähr dreieinhalb bis fünfeinhalb Jahre im Vergleich zum Jahr 1991 nach hinten verschoben. Im Jahr 2017 stieg die Anzahl der ausländischen, erstgebärenden Mütter mit 23,4 % auf ein Rekordhoch.16 Die zusammengefasste Geburtenziffer nach Kalenderjahren betrug in Deutschland im Jahr 2018 1,57 Kinder je Frau. Die Entwicklung der Geburtenziffer hat einen entscheidenden Einfluss auf den demografischen Wandel.17

2.1.2 Lebenserwartung

Mit der Lebenserwartung werden gleichzeitig die Sterblichkeitsverhältnisse einer Bevölkerung aus den Sterbetafeln dargestellt.18 Die durchschnittliche Anzahl an Lebensjahren eines Neugeborenen kann mit der Methodik der Lebenserwartung bei Geburt bestimmt werden. Zur Ermittlung finden verschiedene altersspezifische Mortalitätsraten wie zum Beispiel die Kindersterblichkeit Berücksichtigung. Da die tatsächlichen altersspezifischen Mortalitätsraten einer Geburtengeneration – einer Gruppe von Personen, die im selben Zeitraum geboren wurden – nicht definiert werden können, kann die tatsächliche Lebenserwartung von dem zuvor ermittelten Wert abweichen. So kam es in den letzten Jahrzehnten zu einem Rückgang der altersspezifischen Moralitätsraten, was zu einem Anstieg der Lebensdauer führte. Unter anderem haben eine gesündere Lebensweise, bessere Bildung und Arbeitsbedingungen sowie Fortschritte bei der gesundheitlichen Versorgung einen entscheidenden Einfluss auf diese Kennzahl.19

Mit der Lebenserwartung, einem hypothetischen Wert, wird Auskunft über die voraussichtliche Lebensdauer einer Person gegeben, wenn sich an den im Betrachtungszeitraum vorliegenden Verhältnissen nichts ändern würde (Periodensterbetafel) oder die Veränderungstrends im Betrachtungszeitraum auch zukünftig fortbestehen würden (Kohortensterbetafel).20

Gemäß einer Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 05.11.2019 beträgt die Lebenserwartung neugeborener Mädchen aktuell 83,3 Jahre und die neugeborener Jungen 78,5 Jahre. Die Differenz der Lebenserwartung zwischen den beiden Geschlechtern liegt demnach bei 4,8 Jahren und steigt im Vergleich zu den Vorjahren kontinuierlich an.21 Wird die Lebenserwartung beider Geschlechter in Deutschland mit etwa 200 anderen Ländern verglichen, so belegt die Lebenserwartung eines Mannes bei Geburt Platz 32 und die Lebenserwartung einer Frau bei Geburt Platz 30.22

2.1.3 Migration

Der Begriff ,Migration‘ hat einen lateinischen Ursprung und wurde durch den zunehmenden Gebrauch des englischen Wortes ‚migration‘ geprägt. Migration bedeutet ,Wanderung‘, ,wegziehen‘ beziehungsweise ,wandern‘. Darunter werden in den Sozialwissenschaften Personen- und Gruppenbewegungen verstanden, die ihren Wohnort dauerhaft wechseln. Des Weiteren werden als Migranten in der statistischen Erfassung der internationalen Migration Personen registriert, die ihren Wohnsitz mindestens für einen Zeitraum eines Jahres in ein anderes Land verlegen. Damit die räumliche Bewegung als Migration betrachtet werden kann, ist die Verlegung des Wohnortes in eine andere politische Wohngemeinde erforderlich.23

Gründe für eine Migration nach Deutschland sind unter anderem die berufliche Perspektive und wirtschaftliche Situation im Herkunftsland, die Zukunftschancen sowie das Interesse, ein neues Land kennenzulernen.24

Als ,Erwerbsmigranten‘ werden Ausländer aus Nicht-EU-Staaten bezeichnet, die entweder eine befristete Aufenthaltserlaubnis oder eine unbefristete Niederlassungserlaubnis aufweisen. Diese Titel dienen dem Zweck der Erwerbstätigkeit. Für Ausländer aus EU-Mitgliedsstaaten und Drittstaaten mit anderen Aufenthaltstiteln, wie zum Beispiel dem Titel als ,anerkannter Flüchtling‘, besteht ebenfalls teilweiser Zugang zum Arbeitsmarkt.

Im Jahr 2018 stieg die Zahl der im Ausländerzentralregister erfassten Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 2,7 % auf 10,9 Millionen an. Die jährliche Wachstumsrate der Personen aus Nicht-EU-Staaten, die einen Aufenthaltstitel zum Zwecke der Erwerbstätigkeit besaßen, betrug Ende 2018 erneut über 20 % und erreichte damit einen Wert von 266.000. Das Durchschnittsalter dieser Personengruppe beträgt 35 Jahre.25

2.2 Entwicklung und Trends der Geburtenhäufigkeit, Lebenserwartung und Zuwanderung

In den letzten Jahren hat sich die Geburtensituation in Deutschland auf einem niedrigen Niveau gehalten.26 Während die Geburtenrate des Jahrgangs 1968 mit rund 1,49 Kindern je Frau am geringsten ist, zeigt eine Prognose, dass Frauen ab dem Geburtsjahrgang 1970 wieder mehr Kinder gebären. Während die im Jahr 1973 geborenen Frauen rund 1,56 Kinder zur Welt bringen, kommt es für die nachfolgenden Jahrgänge bis 1980 wieder zu einem Anstieg der Geburtenrate mit rund 1,6 Kindern. Damit scheint der Rückgang der zuletzt endgültig genannten Kinderzahl je Frau der letzten Jahrzehnte unterbrochen.27 Doch verdeutlicht diese Geburtenrate, dass zukünftig eine deutlich kleinere Kindergeneration der Elterngeneration folgen wird und damit in den nächsten Jahrzehnten auch die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter abnehmen wird.28 Hinzu kommt, dass Frauen inzwischen erst in einem späteren Lebensabschnitt Kinder bekommen.29 Zu erwähnen ist, dass die tatsächliche Kinderzahl der Jahrgänge ab 1976 noch nicht endgültig bestimmt werden kann, da diese Jahrgänge ihre fertile Lebensphase noch nicht beendet haben. Prognosen zufolge wird erwartet, dass die Geburtenrate in Deutschland in den nächsten Jahren weiter sinken wird und damit ein Geburtenrückgang ausgelöst wird.30

Die Lebenserwartung ist seit über 50 Jahren kontinuierlich gestiegen und hat seit 1960 bei Männern um rund 10,8 Jahre und bei Frauen durchschnittlich um 10,4 Jahre zugenommen.31 Wird die Lebenserwartung Neugeborener des Jahres 1960 mit der des Jahres 2017 verglichen, so ist diese um 11,5 Jahre gestiegen.32 Mit der besseren körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit im Alter hat sich gleichzeitig auch die Anzahl der gesunden Jahre erhöht. Es wird erwartet, dass die Lebenserwartung auch in Zukunft weiter steigen wird.33 Die sinkende Geburtenrate seit Ende des Babybooms der Jahrgänge 1946 bis 1964 ist einer der Gründe für die älter werdende Bevölkerung.34 Zudem hat der Rückgang der Sterblichkeit der Generationen im gehobenen Alter eine Auswirkung auf die seit dem Jahr 1970 monatlich steigende Lebenserwartung beider Geschlechter.35

Die Weltbevölkerung umfasst aktuell 7,7 Milliarden Menschen und wird nach Hochrechnungen der Vereinten Nationen im Jahr 2050 9,7 Milliarden Menschen betragen.36 Dabei wird besonders in den Entwicklungsländern die Bevölkerungszahl steigen und der Trend, aus ländlichen Regionen in die Städte abzuwandern, besonders in diesen Ländern spürbar sein.37 Zu einem Höhepunkt der grenzüberschreitenden Wanderungen Deutschlands kam es erstmals im Jahr 1992 mit rund 1,5 Millionen Menschen.38 Seit dem Jahr 2011 wächst der Wanderungssaldo in Deutschland. Im Jahr 2015 kam es mit mehr als 1,1 Millionen Menschen zu einem außergewöhnlich hohen Wanderungsgewinn mit größtenteils Schutzsuchenden. Diese Personengruppe mit einem überwiegend jüngeren Altersanteil wird nach einer Integrationsphase in den nächsten Jahren nach und nach in den Arbeitsmarkt treten und erhöht damit die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter.39 Die Migrationsentwicklungen der letzten Jahre haben kurz- und mittelfristig Konsequenzen hinsichtlich der Entwicklung der Bevölkerungsgröße. Fest steht, dass sich der Wanderungssaldo des Jahres 2015 für die Zukunft nicht fortschreiben lässt.40 Prognosen der demografischen Migrationsentwicklungen sind mit Unsicherheiten verbunden, was bereits hohe Schwankungen der Wanderungssalden in der Vergangenheit zeigen.41

2.3 Alter und Altern

Die einzelnen Entwicklungsstadien eines Individuums zwischen Geburt und Tod werden mit dem biologischen Alter definiert.42 Das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung betrug zum Ende des Jahres 2015 45 Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr stieg es damit um zwei weitere Monate an.43 Im europäischen Vergleich liegt das Durchschnittsalter bei rund 41,9 Jahren, was verdeutlicht, dass die Bevölkerung in Deutschland diesen Wert deutlich überschreitet. Die Verschiebung der Alterszusammensetzung der Gesamtbevölkerung ist eine Folge der demografischen Alterung.

Unter dem Begriff ,Altern‘ wird das „zunehmende quantitative Gewicht der älteren Altersgruppen in der Gesamtbevölkerung verstanden“44. Der Prozess des Alterns beschreibt dabei die zeitgebundene Entwicklung und Veränderung physischer und psychischer Eigenschaften eines Individuums. Unter diesen Eigenschaften sind zum Beispiel die Reaktionsfähigkeit, Antriebsstärke oder -schwäche, Motorik und Sinnestätigkeit zu verstehen.45 Im Jahr 2013 machte die Altersgruppe der 20- bis 64-Jährigen mit 61 Prozent den größten Teil der Bevölkerung in Deutschland aus und jede fünfte Person war 65 Jahre alt oder älter.

Seit 1990 kommt es in kurzen Zeitabschnitten immer wieder zu Veränderungen der Anteile der einzelnen Altersgruppen. So ist die Altersgruppe der unter 20-Jährigen und die der 20- bis 64-Jährigen um 3,4 beziehungsweise 2,4 Prozentpunkte gesunken, im Gegenzug jedoch die Altersgruppe ab 65 Jahren um 5,9 Prozentpunkte gestiegen.46 Dies zeigt auf, dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland in den letzten Jahren im europäischen Vergleich deutlich angestiegen und die Bevölkerung älter geworden ist. Die Verschiebung der Altersstruktur hat gleichzeitig auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Durch eine für diesen ungünstigere Altersstruktur reduziert sich zugleich der Anteil der nachrückenden Erwerbspersonen, die den Unternehmen zur Verfügung stehen.47

[...]


1 Vgl. Weimer, S. et al., Demographischer Wandel und Zukunft der Erwerbsarbeit am Standort Deutschland, 2001, S. 25 ff.

2 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Fortschrittsbericht 2017 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung, 2017, S. 8 ff.

3 Vgl. Deschermeier, P., Einfluss der Zuwanderung auf die demographische Entwicklung in Deutschland, 2016, S. 30 ff.

4 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 6.

5 Vgl. Loos, J., Lebenslanges Lernen im demographischen Wandel, 2017, S. 3.

6 Vgl . Lippe-Heinrich A., Personalentwicklung in der digitalisierten Arbeitswelt, 2019, S. 65.

7 Vgl. Weimer, S. et al., Demographischer Wandel und Zukunft der Erwerbsarbeit am Standort Deutschland, 2001, S. 25 ff.

8 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 6.

9 Vgl. Adenauer, S., Leistungsfähigkeit im Betrieb, 2015, S. 10.; Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 6.

10 Vgl. Statistisches Bundesamt, Bevölkerung im Wandel, 2019, S. 11.

11 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 5 ff.

12 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/ Tabellen/geburtenziffer.html.

13 Vgl. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/geburten-in-deutschland-frauen-bekommen-spaeter-kinder-16366188.html.

14 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/ Tabellen/lebendgeborene-differenz.html.

15 Vgl. https://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/geburtenrate-in-deutschland-steigt-hoechste-geburtenziffer-seit-1973-a-1200246.html.

16 Vgl. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schneller-schlau/kind-oder-porsche-alles-ueber-bildungsgrad-und-kosten-16344840.html.

17 Vgl. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schneller-schlau/kind-oder-porsche-alles-ueber-bildungsgrad-und-kosten-16344840.html.

18 Vgl. https://www.bib.bund.de/DE/Fakten/Sterblichkeit/Lebenserwartung.html.

19 Vgl. OECD, Die OECD in Zahlen und Fakten, 2016, S. 202.

20 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aspekte/demografie-lebenserwartung.html.

21 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/11/PD19_427_12621.html.

22 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis), Sterbetafel 2016/2018, Methoden- und Ergebnisbericht zur laufenden Berechnung von Periodensterbetafeln für Deutschland und die Bundesländer, 2019, S. 23.

23 Vgl. Han, P., Soziologie der Migration, 2016, S. 5 f.

24 Vgl. Ekert, S. et al., Werdegang internationaler Fachkräfte und ihr Mehrwert für KMU, 2014, S. 50 ff.

25 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/04/PD19_149_12521.html.

26 Vgl. Pötzsch, O., Geburtenentwicklung, 2013, S. 11 ff.

27 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, 2017, S. 4.

28 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Fortschrittsbericht 2017 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung, 2017, S. 14.

29 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 16.

30 Vgl. Pötzsch, O., Geburtenentwicklung, 2013, S. 18.

31 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 6.

32 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Fortschrittsbericht 2017 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung, 2017, S. 14.

33 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 6

34 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Fortschrittsbericht 2017 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung, 2017, S. 14.

35 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S. 17.

36 Vgl. https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/uno-zahlen-2050-werden-9-7-milliarden-auf-der-erde-leben-a-1272874.html.

37 Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Bevölkerungsdynamik und Entwicklungszusammenarbeit, 2014, S. 1 ff.

38 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Wachstum und Demografie im internationalen Vergleich, 2015, S. 10 ff.

39 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Fortschrittsbericht 2017 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung, 2017, S. 14 f.

40 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, 2017, S. 4 f.

41 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Fortschrittsbericht 2017 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung, 2017, S. 16.

42 Vgl. Kohli, M., Alter und Altern der Gesellschaft, 2001, S. 1 f.

43 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2017/06/PD17_197_12411.html.

44 Kohli, M., Alter und Altern der Gesellschaft, 2001, S. 1 f.

45 Vgl. Nagel-Jachmann, I., Alter und Altern in der Belegschaft, 2016, S. 12.

46 Vgl. Bundesministerium des Innern, Jedes Alter zählt, o. A., S.20 ff.

47 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jungend, Bevölkerungsorientierte Familienpolitik – ein Wachstumsfaktor, 2004, S. 6 f.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt in Deutschland
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
25
Katalognummer
V943618
ISBN (eBook)
9783346277879
ISBN (Buch)
9783346277886
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demografischer Wandel, Demografie Deutschland, Bevölkerungsentwicklung, Demografieorientiertes Recruiting, Zuwanderung, Arbeitsmarkt, Geburtenrate, Lebenserwartung, Migration, Personalmanagement, Wandel, Fachkräftebedarf, Handlungsempfehlungen, Arbeitsstruktur
Arbeit zitieren
Janina Hahn (Autor), 2020, Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Arbeitsmarkt in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/943618

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