Die Entwicklung des moralischen Urteils beim Kinde nach Jean Piaget


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

14 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Biographie

3 Piagets Lehre
3.1 Assimilation
3.2 Akkomodation
3.3 Äquilibration

4 Vier Hauptstadien der kognitiven Entwicklung
4.1 Sensu- motorische Intelligenz
4.2 Voroperatives anschauliches Denken
4.3 Konkret- operatorisches Denken
4.4 Formal- operatorisches Denken

5 Piagets Theorie der Moralentwicklung
5.1 Zum Begriff der Moral
5.2 Piagets Befunde

6 Zur Methode Piagets

7 Kritik an Piaget
7.1 Kritik zur kognitiven Entwicklung
7.2 Kritik zur Methode Piagets

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis, Internetverzeichnis

10 Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Jean Piaget

1. Einleitung

Jean Piaget ist einer der bedeutendsten Entwicklungspsychologen unserer Zeit. Der Schweizer Philosoph und Psychologe forschte auf dem Gebiet der Kinder- und Persön- lichkeitspsychologie. Auch heute noch wird über den Schweizer an Universitäten und Schulen gelehrt. Er entwickelte wichtige Entwicklungstheorien, die bis heute diskutiert aber auch teilweise kritisiert werden. Um ein vollständiges Bild von Jean Piaget zu bekommen beginne ich meine Hausarbeit mit seinem Lebenslauf. Nach einem kurzen Einblick in sein Leben fahre ich mit der Lehre des Kognitivismus und Konstruktivismus fort, um seinen Ausgangspunkt zu verdeutlichen. Seine Lehre wird durch drei wichtige Begriffe definiert, die bis heute bei Psychologen und Pädagogen aktuell sind. Die Begriffe heißen Assimilation, Akkomodation, Äquilibration und werden in Punkt 3.1 bis 3.3 kurz behandelt. In Kapitel 4 beschreibe ich eine der bekanntesten Theorien des Schweizers, die ´kognitiven Entwicklung´. Die kognitive Entwicklung nach Jean Piaget gliedert sich in vier Stadien, auf die ich anschließend ebenfalls eingehe.

Eine weitere Theorie von Piaget, die sehr publik wurde, ist die ´moralische Entwicklung´ bei Kindern. Um einen Einblick in die oft diskutierte und kritisierte Theorie zu bekommen, beleuchte ich den Begriff der Moral und die sog. ´drei Stadien´ der moralischen Entwicklung. Die vormoralische, heteronome und autonome Moral werden in Punkt 5.1 unter der Überschrift Piagets Befunde erläutert. Wie er zu seinen Befunden kam und welche Methoden er benutzte erkläre ich in Kapitel 6. Piaget bekam viel positives Feedback für seine Theorien über die kognitive und moralische Entwicklung. Jedoch im Laufe der Zeit gab es auch immer mehr Kritiker, die seine Annahmen für falsch oder überholt hielten. Über kritische Anmerkungen zu seinen Theorien werde ich in Kapitel 7 berichten. Mit dem Versuch ein Fazit zu ziehen, werden abschließend die Ansätze Jean Piagets noch einmal diskutiert und beurteilt werden. Meine eigene Meinung zu seinen Standpunkten wird dort auch zu finden sein.

2. Biographie

Jean Piaget wurde am 9. August 1896 im schweizerischen Neuchâtel als Sohn des Litera- turprofessors Arthur Piaget und seiner Frau Rebecca Jackson geboren. Er besuchte die Lateinschule in Neuschâtel und absolvierte sein Abitur. Schon früh in seiner Schulzeit in- teressierte sich Piaget für die Zoologie, mit der er sich beispielsweise durch Tierbeobach- tungen auseinandersetzte. Nach dem Schulabschluss studierte er Zoologie an der Universität Neuschâtel, wo er dann auch seinen Abschluss erreichte (vgl. http://www.rasscass.- de/templ/te_bio.php?PID=1329&RID=1, S.1).

Der Schweizer verfolgte weiter ein Studium in Psychologie und Philosophie in Zürich. In seinem Psychologiestudium beschäftigte er sich vor allem mit Kinderpsychologie und Erziehung. Schließlich siedelte er nach Paris, wo er den Forscher Binet und Simon traf, die sich mit der Konstruktion von Intelligenztests für Kinder beschäftigten. Hier entwickelte sich auch sein starkes Interesse an der Kinderforschung (vgl. ebd., S.1).

Später jedoch zog es ihn wieder in die Schweiz zurück, wo er dann auch bald Chef am psychologischen Institut von Genf wurde. Im Jahr 1935 heiratete er Valentine Chatenay. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. Sie waren ihm unter anderem geeignete Studienobjekte für seine wegweisenden Forschungen über die Entwicklung der Intelligenz von der Geburt bis zum Erstspracherwerb (vgl. ebd., S.1).In der Folgezeit absolvierte er einen wechselvollen Berufsweg. Er lehrte an den Universitäten Neuschâtel, Genf und Lausanne die Fächer Psychologie, Soziologie und Philosophie (vgl. ebd., S.1).

Ein Meilenstein setzte Piaget mit der englischen Übersetzung seines Lebenswerkes. Bekannt wurde der Schweizer besonders in den 60er und 70 er Jahren durch seine Lehre der kognitiven und der moralischen Entwicklung. Sein bedeutendstes Ergebnis in der Erkenntnistheorie betraf den Nachweis der spezifischen wissenschaftlichen Denkform des Kindes, das in erheblichem Unterschied zur Denkart von Erwachsenen steht (vgl. ebd., S.1).

Bis zu seinem Tod am 16. September 1980 in Genf hatte er 84 Jahre geforscht. Seine Be- obachtungen, Studien wie auch Bücher wurden mittlerweile in alle Kultursprachen übersetzt. Mehr als 30 Ehrendoktorwürden von Universitäten aller Welt wurden ihm überreicht (vgl. ebd., S.2).

3. Piagets Lehre

Seine Arbeit kann man dem Bereich des Kognitivismus und Konstruktivismus zuordnen. Seine Ergebnisse stehen im Gegensatz zu dem damals vorherrschenden Behaviorismus und der Psychoanalyse. Die letzten beiden Theorien gehen davon aus, dass der Organismus Befreiung von Stimulation und Erregung sucht und auch dementsprechend handelt, um sie zu beruhigen (z.B. Sigmund Freud) (vgl. Schmidt-Denter, 1996, S. 257).

Piaget sagt jedoch, dass der Säugling bereits in den ersten Lebenstagen den Reiz sucht. Wenn er zu einer Handlung fähig ist, ist er bemüht, sie auch auszuführen. Seiner Lehre nach wird von der Tendenz des Subjekts ausgegangen. Dies bedeutet, dass er sich gegenüber der dinglichen und sozialen Welt aktiv aneignend verhält. Seine Welt, sein Denken und sein Wissen wird selbst konstruiert (vgl. ebd., S. 257). Die Aktivität steht sozusagen im Mittelpunkt und nicht wie beim Behaviorismus die Passivität der Entwicklung. Im Zu- sammenhang mit seiner Lehre und seinem Stufenmodell spricht Piaget von Assimilation und Akkomodation.

3.1 Assimilation

„Assimilation bedeutet die Aufnahme des Gegenstandes in ein geistiges Schema. Unter einem Schema sind grundlegende kognitive Strukturen zu verstehen, mit deren Hilfe Gegenstände, Ereignisse, Menschen und deren Beziehungen zueinander organisiert werden "(ebd., S.257). Übersetzen könnte man dies mit dem Begriff der Einverleibung.

3.2 Akkomodation

"Akkomodation beinhaltet eine Anpassung der Schemata an die Objekte"(ebd.,S.257). Diese Schemata werden verändert, um neuen Erfahrungen gerecht zu werden.

3.3 Äquilibration

Alle menschlichen Aktivitäten entstehen aus einem Zusammenspiel von Assimilation und Akkomodation. Es findet also eine Einverleibung von Äußerem in subjektive Schemata bei gleichzeitiger Anpassung der Schemata an das Einverleibte statt. Eine reine Akkomodation oder Assimilation ist nicht möglich. Den Wechsel der Einverleibung und der Anpassung nennt man Äquilibration (vgl. ebd., S. 257).

Äquilibration heißt „Finden vom Gleichgewicht“. Ein Gleichgewicht der beiden Prozesse muss gefunden werden, damit Entwicklung nicht auf einer Stufe stehen bleibt (vgl. ebd., S. 257).

4. Vier Hauptstadien der kognitiven Entwicklung

Piaget unterscheidet vier Hauptstadien der kognitiven Entwicklung.

4.1 Sensu-motorische Intelligenz (0-2 Jahren)

In dieser Phase setzt sich das Kleinkind zum ersten Mal auf einer intelligenten Weise mit der Umwelt auseinander. Es sieht nicht nur Dinge, sondern greift auch danach (z.B. nach einem Glöckchen). Weitere wichtige Lernprozesse nach Piaget sind unter anderem auch die `Objektpermanenz` und die ´Symbolhandlung´. Objektpermanenz bedeutet, dass Objekte auch dann weiter existieren, wenn man sie nicht mehr wahrnimmt (vgl. Schmidt-Denter, 1996, S. 257).

Ein Beispiel wird es verdeutlichen: Ein Vater versteckt ein Glas unter einem Kissen. Das Glas ist in dem Fall nicht weg, denn es wurde nur versteckt. In dieser Phase begreift das Kleinkind, dass man Gegenstände verschwinden lassen kann, jedoch mit dem Wissen, dass sie noch existieren.

Die Symbolhandlung ist ein Prozess des Modelllernens. Der Vater zeigt dem Kind wie man eine Streichholzschachtel öffnen und schließen kann. Das Kind beobachtet es, macht es sich zum eigenen Bestandteil und streckt beispielsweise seine Zunge rein und raus. (vgl. www.psychologie.unizh.ch/genpsy/lehre/ws99_00/skript/Piaget, S. 3)

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Details

Titel
Die Entwicklung des moralischen Urteils beim Kinde nach Jean Piaget
Hochschule
Universität Augsburg  (Philosophisch-Sozialwissenschaftliche-Fakultät)
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V94369
ISBN (eBook)
9783640128433
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Urteils, Kinde, Jean, Piaget
Arbeit zitieren
Regina Arendt (Autor), 2006, Die Entwicklung des moralischen Urteils beim Kinde nach Jean Piaget, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94369

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