Verkauf von Non Performing Loans (NPL). Kleine Kreditinstitute im Spannungsfeld zwischen Kreditrisikomanagement und Imageschaden


Studienarbeit, 2008
74 Seiten, Note: 88 Punkte

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Problemstellung
1.3 Ziel und Gang dieser Arbeit

2. Verkauf von Non Performing Loans
2.1 Definition von Non Performing Loans
2.2 Marktentwicklung, Ausblick
2.3 Motive für kleine Institute
2.4 Realisierbarkeit einer NPL Transaktion für kleine Banken
2.4.1 Größengesichtspunkte
2.4.2 Kostengesichtspunkte
2.5 Ausgewählte rechtliche Aspekte
2.5.1 Bankgeheimnis, Amtsträgerschaft und Datenschutz
2.5.2 Übertragung von Grundschulden
2.6 Zusammenfassung

3. Außenwirkung (Empirie)
3.1 Öffentliche Wahrnehmung von NPL-Transaktionen
3.2 Definition des Begriffs „Image“
3.3 Grundlagen der empirischen Untersuchung
3.3.1 Wahl des Themenschwerpunktes
3.3.2 Durchführung der empirischen Untersuchung
3.4 Auswertung der empirischen Untersuchung
3.4.1 Kundenerfahrungen mit einer Kreditaufnahme
3.4.2 Bekanntheitsgrad des Finanzinstruments Forderungsverkauf
3.4.3 Vollständige Kenntnisnahme AGB
3.4.4 Akzeptanz einer Syndizierungsklausel in den Kreditverträgen
3.4.5 Datenweitergabe
3.4.6 Erhöhung des Zinssatzes als Alternative
3.4.7 Kreditabschluss bei anderer Bank - Wechsel der Bankverbindung
3.4.8 Bessere Betreuung
3.4.9 Kundeninformation über eine durchgeführte Transaktion
3.4.10 Auswirkungen auf das Image
3.4.11 Statistische Angaben
3.5 Zusammenfassung

4. Fazit, Handlungsempfehlungen und Alternativen zum NPL-Verkauf
4.1 Fazit und Handlungsempfehlungen
4.2 Alternativen zum NPL-Verkauf
4.2.1 Outsourcing
4.2.2 Bad Bank
4.2.3 Inkasso

5. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Anlagen
I. Bekannt gewordene NPL-Tansaktionen – Übersicht
II. Internet-Fragebogen: Verkauf von notleidenden Krediten
III. Auswertungsergebnisse der Empirie
IV. Aussagen der Befragten zum Imageverlust
V. Auszug aus den Kreditbedingungen der Eurohypo AG
VI. Auszug aus den Kreditbedingungen der Hypothekenbank in Essen AG
VII. Auszug aus den Kreditbedingungen der Commerzbank AG
VIII. Auszug aus den Kreditbedingungen der Hamburger Sparkasse AG
IX. Argumentationshilfe DSGV
X. Kommunikation zum Forderungsverkauf – Sparkasse Südholstein
XI. Kommunikation zum Forderungsverkauf – Hamburger Sparkasse
XII. Marktanteile im deutschen Bankenmarkt nach Geschäftsvolumen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Marktteilnehmer NPL-Markt in Deutschland

Abbildung 2:Kenntnis Kreditverkauf nach Berufsgruppen

Abbildung 3: Kenntnis Kreditverkauf nach Kreditnutzung

Abbildung 4: Akzeptanz Syndizierungsklausel nach Berufsgruppen

Abbildung 5: Akzeptanz der Datenweitergabe - Akzeptanz Klausel

Abbildung 6: Kreditnutzung - Akzeptanz Zinsaufschlag

Abbildung 7: Vollständiger Wechsel der Bank - Akzeptanz Klausel

Abbildung 8: Bankwechsel nach Kreditart

Abbildung 9: Bessere Betreuung der Kunden

Abbildung 10: Kommunikationsweg für NPL-Transaktion

Abbildung 11: Auswirkungen auf das Image

Abbildung 12: Hauptbankverbindung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Ausgangssituation

Im Vorwege der Studienarbeit haben wir in unterschiedlichen Quellen nach dem Begriff Kredit­verkauf gesucht. Dabei haben wir insbesondere festgestellt, dass immer wieder folgende Aussa­gen mit dem Wort „Kreditverkauf“ in Verbindung gebracht werden: „Wie Banken Kunden los werden“, „Wie Banken ihre Kunden verkaufen“, „Heuschreckenplage“, „unseriös“, „Schuldner müssen Kreditverkauf schlucken“ und nicht zuletzt „(Häuslebauer fühlen sich) verraten und ver­kauft“[1]. Diese Assoziationen werden dabei in der Regel mit dem Verkauf von notleidenden Krediten in Verbindung gebracht. Des Weiteren finden sich im Internet Artikel und Werbebot­schaften diverser Anwaltskanzleien, die den von einem Forderungsverkauf betroffenen Kunden rechtlichen Beistand anbieten[2].

Auch bekannte Verbraucherschutzsendungen haben sich bereits mit diesem Thema beschäftigt und tragen ihren Anteil dazu bei, dass sich Banken, die solche Kreditverkäufe getätigt haben, zu­meist schnell öffentlicher Kritik ausgesetzt sehen.

Es deutet sich an, dass der Verkauf von notleidenden Krediten, in der Öffentlichkeit und somit von den Bankkunden negativ aufgenommen wird und sich Banken, die solche Transaktionen durchführen, zunehmend mit undifferenzierter und einseitiger Presse auseinandersetzen müssen.

Andererseits sind wir bei unserer Literatursuche auch auf ein Interview mit Bernd Knobloch, ehemaliger Vorstand der Eurohypo, gestoßen, der sich zu Verkäufen von Non Performing Loans – im weiteren Verlauf der Studienarbeit auch NPL genannt - wie folgt äußerte:

„Imageeinbußen […] gab es durch den Verkauf nicht. Die Kunden die sich im NPL-Portfolio befanden, sind nicht mehr Zielkunden der Eurohypo. Somit möchten wir mit diesen Kunden ohnehin keine Geschäfte mehr machen. Aus diesem Grund kann man diese Kundenbeziehung auch schnellst möglichst mit diesem Schritt beenden – und das noch profitabel. Außerdem spie­len Soft Skills bei uns eine untergeordnete Rolle, denn wir können unsere Strategie ja nicht nach den Wünschen anderer ausrichten[3].“

Dieses Statement macht deutlich, dass für die großen Institute mögliche Imageeinbußen vermut­lich aufgrund ihrer Marktgröße kaum eine Rolle spielen und die wirtschaftlichen Vorteile eines Kreditverkaufs überwiegen.

Insbesondere vor dem Hintergrund geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen, verstärktem Wettbewerb, erhöhtem Kostendruck, zunehmender Kreditausfälle und Margenrückgängen ist es für Banken zwingend erforderlich, ein effizientes Problemkreditmanagement zu unterhalten. Und was liegt da näher, als sich von unprofitablen Problemkrediten zu trennen.

1.2 Problemstellung

Aber wie sieht es mit den kleinen Kreditinstituten aus? Gerade in Deutschland gibt es durch das 3-Säulen-System eine Vielzahl kleinerer, regionaler Institute. Auch diese Banken, hauptsächlich Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen, haben mit den vorgenannten Rahmenbedingun­gen zu kämpfen und stehen somit vor den gleichen wirtschaftlichen Herausforderungen wie ihre großen Mitbewerber.

Allerdings stellt sich die Frage, ob für diese kleinen Institute ein Kreditverkauf im Hinblick auf ihre Größe ebenfalls wirtschaftlich interessant ist. Und wenn ja, können diese die öffentlich vor­getragenen Kundenbeschwerden ignorieren? Oder könnte ein Verkauf notleidender Kredite tat­sächlich das Image des Kreditinstitutes beeinträchtigen und damit zu einer Schädigung der ge­wachsenen Kundenbeziehungen führen?

Ist für diese Banken ein Verkauf von Non Performing Loans vor diesem Hintergrund überhaupt attraktiv und wie kann eine solche Transaktion mit möglichst geringer negativer Außenwirkung durchgeführt werden?

1.3 Ziel und Gang dieser Arbeit

Zunächst definieren wir den Begriff „Non Performing Loans“ (NPL).

Danach werden wir die bisherige Marktentwicklung für Portfolioverkäufe in Deutschland be­schreiben und auch auf mögliche zukünftige Entwicklungen hinweisen.

Des Weiteren erläutern wir die Motive kleiner Institute für eine NPL-Transaktion und prüfen unter Größen- und Kostengesichtspunkten, ob ein Kreditverkauf für kleine Institute durchführ­bar ist. Wir gehen dabei außerdem auf wesentliche rechtliche Fragestellungen ein. Insbesondere thematisieren wir das Bankgeheimnis sowie den Datenschutz und eine Problemstellung im Zu­sammenhang mit dem Verkauf immobilienbesicherter Forderungen.

Im nächsten Schritt werden wir die Außenwirkung eines Kreditverkaufes untersuchen und den Begriff „Image“ definieren. Hierfür haben wir im Rahmen der Empirie zufällig und instituts­unabhängig ausgewählte Bankkunden mit Hilfe eines Fragebogens um ihre Meinung zu einem Kreditverkauf gebeten. Die erhaltenen Fragebögen werten wir aus und erörtern unter anderem folgende Punkte: Wie stehen Kunden einem Kreditverkauf gegenüber? Mit welchen Kunden­reaktionen muss ein Kreditinstitut rechnen? Werden Kreditvereinbarungen, die bei Kreditab­schluss bereits die Zustimmung des Kunden zu einem Verkauf der Kredite beinhalten, vom Kunden akzeptiert?

Im weiteren Verlauf der Studienarbeit ziehen wir ein Fazit und zeigen Handlungsempfehlungen auf. Dabei bilden wir folgende Schwerpunkte:

Ist eine NPL-Transaktion für kleine Kreditinstitute wirtschaftlich sinnvoll? Kann ein solcher Kreditverkauf tatsächlich einen Imageschaden nach sich ziehen? Gibt es Möglichkeiten einem Imageschaden entgegenzuwirken oder ist es sinnvoller, Alternativen - wie Outsourcing, Bad Bank oder Inkasso - zum Kreditverkauf heranzuziehen?

Die Studienarbeit beenden wir mit einem Schlusswort.

2. Verkauf von Non Performing Loans

2.1 Definition von Non Performing Loans

In der Praxis versteht man unter dem Begriff „Non Performing Loans“ Kredite, bei denen der Kreditnehmer seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllt und es somit zu einem Ausfall des Kreditnehmers gekommen ist. Eine juristische Definition für Non Performing Loans gibt es bisher noch nicht, wird aber zunehmend, unter anderem auch seitens der Politik, gefordert. Häu­fig verwendete Synonyme sind „notleidende Forderungen“, Problemkredite“, „Distressed Debts“ oder “faule Kredite“.

In der Literatur findet sich beispielsweise folgende Auslegung:

„Not leidende Kredite sind Kredite, die nach der spezifischen Ausfalldefinition des Kreditinstitutes oder der allgemeinen Bankenaufsicht als leistungsgestört einzustufen sind[4].“

Ist der Kreditnehmer drei bis sechs Monate mit seinen Leistungen im Verzug, oder der Kredit gar seitens der Bank gekündigt, spricht man in der Regel von Non Performing Loans. Diese De­finition ist Grundlage für die nachfolgenden Ausführungen.

Die Grenze zu so genannten „Sub Performing Loans“ ist dabei fließend. Hierbei handelt es sich um Kredite, bei denen der Kreditnehmer zwar noch Zahlungen erbringt, aber nicht mehr in der vertraglich vereinbarten Höhe. Ferner gehören hierzu Kredite, bei denen der Kreditnehmer mit einzelnen Raten in Verzug ist.

Der Vollständigkeit halber seien auch die „Performing Loans“ erwähnt. Damit werden alle Kre­dite bezeichnet, die regelmäßig in vertragskonformer Weise bedient werden und keine Leistungs­störungen aufweisen.

Diese Kredite werden in unterschiedlich ausgerichteten Portfolien gebündelt und dadurch han­delbar, so dass Non Performing Loans in Form einer NPL-Transaktion verkauft werden können.

2.2 Marktentwicklung, Ausblick

Die ersten Transaktionen von NPL-Krediten wurden in den Vereinigten Staaten durchgeführt. Durch die Savings & Loans Krise[5], bei der das den deutschen Sparkassen vergleichbare System mit 1600 Instituten in den 1980ern zusammengebrochen ist, wurde es notwendig, erhebliche Kreditvolumina (ca. 800 Mrd. EUR) handelbar zu machen. Die dafür gegründete Resolution Trust Corporation bündelte die vorhandenen Aktiva der betroffenen Banken und schaffte eine Struktur zum Verkauf von Kreditforderungen. Diese Erfahrungen konnten in den 1990er Jahren in Asien genutzt werden, da im Rahmen der Asienkrise insolvente Kreditinstitute durch Portfo­lioverkäufe abgewickelt wurden[6]. Ende der 90er bildete sich in Europa der erste Markt für ver­gleichbare Transaktionen in Italien. Auslöser hierfür war ein neues Gesetz für die Abschreibung von Verlusten aus notleidenden Forderungen. Weitere Märkte sind in Frankreich und Großbri­tannien entstanden, bis 2003 auch Deutschland in den Fokus der weltweit operierenden Investo­ren gelangte[7]. Die Deutsche Bank, einziger deutscher Global Player am Bankenmarkt, war sog­leich an den ersten beiden Transaktionen in 2003 beteiligt, allerdings nicht als Verkäufer, sondern als deutscher Investor - ganz entgegen dem dann folgenden Trend, der fast ausschließlich von angloamerikanischen Investoren geprägt ist. Die Deutsche Bank kaufte dabei der DEKA Bank, einem Institut der Sparkassenfinanzgruppe, und der Dresdner Bank Institutional Restructuring Unit (IRU) jeweils ein Portfolio ab[8]. In den folgenden Transaktionen treten zumeist ausländische Investoren als Käufer für die NPL-Portfolien auf, darunter beispielsweise die Unternehmen Goldman Sachs, Lone Star und J.P. Morgan. Dabei werden bisher hauptsächlich mit Immobilien besicherte Kreditportfolien gehandelt, bei denen die Investoren versuchen, insbesondere durch eine schnelle Abwicklung der Kredite in Verbindung mit einer stringenten Verwertung der vor­handenen Sicherheiten die geplanten Renditen zu erzielen. Dies und das konsequentere Vorgehen der Investoren bzw. der beauftragten Servicer mit ihren neu erworbenen Kunden führen dazu, dass sich aktuell die öffentlichen Beschwerden über diese Kreditverkäufe häufen.

Nachdem bisher primär Immobilienkredite gehandelt wurden, prognostiziert nunmehr die Deutsche Bank, dass zukünftig vermehrt Unternehmenskredite verkauft werden. Dies ist auch bereits dem Wirtschaftsverband für Stahl- und Metallverarbeitung aufgefallen. Der Hauptge­schäftsführer Andreas Möhlenkamp äußerte sich dazu folgendermaßen: „Wir sehen, dass es In­vestoren gibt für Firmenkredite, die sich darüber in Familienunternehmen einkaufen wollen[9].“ Die weit reichenden Konsequenzen dieser Verkäufe auf die betroffenen Unternehmen wollen wir in unserer Studienarbeit nicht primär diskutieren, es sei aber erwähnt, dass der vermehrte Verkauf von Firmenkrediten zukünftig durchaus denkbar ist.

Die meisten Stimmen gehen von einem weiteren Wachstum des rechtlich noch kaum geregelten Marktes für NPL in Deutschland aus, auch wenn der große Berg an Non Performing Loans ge­mäß Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank 2006[10] abgebaut ist und die Risikofreude derzeit durch die Sub Prime Krise gebremst wird.

Die großen Kreditinstitute sind zwischenzeitlich für den Handel von Krediten aufgestellt. Im Hinblick auf die konjunkturelle Entwicklung, den zunehmenden Wettbewerb unter Banken, die daraus resultierenden gesunkenen Margen sowie die geänderten gesetzlichen Rahmenbedin­gungen zur Eigenkapitalunterlegung lässt sich dieses Finanzinstrument wohl kaum umgehen und wird somit auch in Zukunft bestehen bleiben.

Des Weiteren ruft die zunehmende Erfahrung der Kreditinstitute aus Kreditverkäufen erste Standardisierungen hervor, beispielsweise bei der Preisfindung, beim Vertragswerk der Transak­tion oder bei der Gestaltung der Kreditverträge für die Endkunden. So wird ein solcher NPL-Verkauf auch für kleinere Kreditinstitute wirtschaftlich attraktiver. Einige von ihnen haben be­reits eine NPL-Transaktion abgewickelt, beispielsweise 2004 - als Vorreiter - die Niederschlesi­sche Sparkasse in Görlitz[11] und 2006 die Sparkasse Südholstein[12] mit einer recht öffentlichkeitswirksamen Transaktion. Diesen Trend hin zu kleineren Instituten bestätigt auch Jörg Olbing, Geschäftsführer der AssetGate Real Estate Services, die sich auf Servicedienstleistungen im NPL-Geschäft spezialisiert hat: „Die Bereitschaft Kreditportfolios abzugeben, ist auch bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehr groß, besonders wenn es sich um Forderungen außerhalb des Geschäftsgebiets handelt.”[13] Nachfolgend ein kurzer Überblick über die aktuelle Struktur der Marktteilnehmer am deutschen NPL-Markt:

Abbildung 1: Marktteilnehmer NPL-Markt in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Somit machen Genossenschaftsbanken und Sparkassen insgesamt bereits 25% der Markteilnehmer aus und das Potenzial des öffentlich-rechtlichen Sektors ist groß: Schätzungen zufolge haben die Institute erst etwa drei Prozent ihrer Problemkredite verkauft. Nach SGK-Berechnungen bemisst sich das potenzielle, zum Verkauf stehende Volumen auf 50 bis 70 Mrd. Euro[14].

2.3 Motive für kleine Institute

Die konjunkturelle Situation der letzten Jahre ist einer der wesentlichen Gründe für hohe Bestände an notleidenden Krediten in den Portfolien der Banken. Während die Großbanken ihre Bestände inzwischen großteils bereinigt haben, besteht das Problem bei kleinen Instituten weiterhin unverändert. Die Strukturschwäche einiger Regionen wirkt sich außerdem belastend auf die Kreditstruktur der ortansässigen Institute aus.

Gerade in den regionalen Banken hat sich erst langsam eine verstärkte Risikosensibilität und in dem Zusammenhang eine risikoadjustierte Bepreisung der Kredite durchgesetzt. Unter Anderem führte dieses Vorgehen zu einer insgesamt schwachen Gewinnsituation und im internationalen Vergleich zu einer geringen Eigenkapitalrentabilität der Banken[15]. Vermutlich trug gerade die regionale Verbundenheit und bei Sparkassen der öffentliche Auftrag zu einer vergleichsweise weichen Risikopolitik bei.

Des Weiteren führt ein hoher Bestand an ertragslosen Risikoaktiva aufgrund der eingeführten Basel-II-Richtlinien, die in Deutschland durch MaRisk umgesetzt werden, zu einer höheren Eigenkapitalunterlegung[16]. Somit entsteht für viele Banken Handlungsbedarf, zumal sich das aus dem Verkauf der Aktiva freigesetzte Kapital ertragreicher verwenden lässt. Auch die vermehrte regelmäßige Überprüfung durch die Bankenaufsicht für entsprechende Risikoaktiva kann gemäß MaRisk – Säule II durch den Verkauf von notleidenden Krediten verringert werden.

Zudem entledigt sich die Bank durch den Verkauf teilweise ihrer belastenden Kreditrisiken und verbessert damit die Portfoliostruktur. Dies wiederum führt zu einem verbesserten Rating des Institutes, welches die Refinanzierungskosten und damit die Ertragslage der Bank[17] beeinflusst. Insbesondere Sparkassen stehen nach dem Wegfall der Gewährträgerhaftung vor der Herausforderung, ein gutes Rating zu erreichen, um sich auch in Zukunft günstig zu refinanzieren.

Des Weiteren führt der Verkauf zu einer Verstetigung der Ertragslage, da sich die Gesamtrisiko-situation der Bank reduziert. Folglich müssen zukünftig keine weiteren Abschreibungen auf diese notleidenden Forderungen kompensiert werden.

Für das Jahr der Transaktion ergibt sich durch den geflossenen Kaufpreis zudem ein Liquiditätszuschuss für das verkaufende Institut, allerdings müssen hierfür ggf. Preisabschläge auf das Portfolio in Kauf genommen werden[18]. Hierauf gehen wir unter Punkt 0 Kostengesichtspunkte noch gesondert ein.

Ein weiteres Motiv für eine NPL-Transaktion liegt in den frei werdenden Ressourcen. Die Kapitalressource wurde dabei bereits angesprochen. Zudem wird aber auch mit der Bearbeitung der Problemkredite gebundenes, hoch qualifiziertes Personal frei und steht für Aufgaben in Kernkompetenzbereichen des Kreditinstitutes zur Verfügung[19]. Der positive Effekt der freiwerdenden Personalressource ist bei kleinen Instituten jedoch wohl eher gering. Allerdings sollten sich gerade diese Institute fragen, ob die Abwicklung von notleidenden Krediten für ihr Haus eine Kernkompetenz darstellt. Denn falls nicht, ist gerade für sie ein Portfolioverkauf oder gar das Outsourcing des Workouts (vgl. Punkt 4.2.1) der Kredite eine interessante Option.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle auch auf die Einführung der IFRS (International Financial Reporting Standards) hingewiesen. Der wesentliche Unterschied zu der Bilanzierung nach HGB liegt in der von den IFRS geforderten „Fair Value“ Betrachtung. In Bezug auf die NPL-Transaktion bedeutet dies, dass der Verkauf im Jahre ihrer Durchführung zwar zu außerordentlichen Bewertungsabschlägen und Buchverlusten führen kann, diese aber wohl bei Erstanwendung der IFRS ebenfalls nicht zu vermeiden sind[20]. Vertieft werden wir auf diese Thematik nicht eingehen, da die IFRS zunächst nur für den Konzernabschluss kapitalmarktorientierter Unternehmen vorgesehen sind. Ein Großteil der kleinen Kreditinstitute muss zum einen keinen Konzernabschluss erstellen und ist zum anderen nicht kapitalmarktorientiert und somit von der Umstellung auf IFRS zunächst nicht betroffen[21].

2.4 Realisierbarkeit einer NPL Transaktion für kleine Banken

Zusammenfassend betrachtet gibt es diverse Gründe, die für die Durchführung einer NPL-Transaktion auch bei kleinen Instituten sprechen. Die Frage, die sich uns nunmehr stellt, ist, ob diese Portfolioverkäufe aus Größen- und Kostengesichtspunkten auch für kleine Institute umsetzbar sind.

2.4.1 Größengesichtspunkte

Eine wesentliche Schwierigkeit für kleinere Kreditinstitute war gerade in den Anfängen des deutschen NPL-Marktes die Größenklasse der Portfolien. Die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien (ehemals Niederschlesische Sparkasse in Görlitz), die in 2004 als erste Sparkasse eine öffentlich kommunizierte NPL-Transaktion[22] zur Reduzierung ihrer kritischen Kreditforderungen durchführte, verfügte 2003 über eine Bilanzsumme von 1,3 Mrd. EUR.[23] Diese Bilanzsumme hat sich bis 2006 durch eine Fusion nun zwar auf 2,3 Mrd. EUR[24] fast verdoppelt, ist aber mit einer großen Privatbank, wie der Commerzbank mit einer Bilanzsumme von 608 Mrd. EUR[25], nicht zu vergleichen. Diese Sparkasse hat bereits 2004 ein verhältnismäßig kleines Portfolio mit einem Volumen von 95 Mio. EUR[26] an Lone Star verkauft.

Für kleine Institute ergab sich bisher das Problem, häufig kein Portfolio in dieser Größenordnung zusammenstellen zu können. Durch die zunehmende Standardisierung für den Verkauf von Forderungen sinkt das erforderliche Volumen für Transaktionen allerdings stetig, so dass zwischenzeitlich Transaktionsvolumina bereits ab 10 Mio. EUR[27] interessant sind.

Beispielsweise bietet das amerikanische Unternehmen DebtX[28] auch für den deutschen NPL- Markt eine Internetauktionsplattform an, über diese Plattform werden alle für die Transaktion erforderlichen Dokumente anonymisiert und in standardisierter Form bereitgestellt werden, damit sich ein potenzieller Investor schnell einen Überblick über das zum Verkauf stehende Portfolio verschaffen kann. Die Transaktionsvolumina konnten dadurch soweit gesenkt werden, dass sogar Einzelforderungen bis 1 Mio. Dollar[29] verkauft werden können. Ein weiterer Vorteil dieser Plattform ist, dass sich durch die Standardisierung die Abwicklungszeiten für solche Transaktionen je nach Volumen bis auf sechs Wochen verkürzen lassen[30].

Vor diesem Hintergrund stellt inzwischen das Transaktionsvolumen auch für kleine Kreditinstitute kein Hindernis mehr für die Durchführung eines NPL-Verkaufs dar.

2.4.2 Kostengesichtspunkte

Die Betreuung leistungsgestörter Kredite erfordert für Kreditinstitute einen hohen Zeit- und Personalaufwand. Dies führt zusammen mit den Kapitalkosten für das gebundene Eigenkapital zu dauerhaft unverhältnismäßig hohem Aufwand für ein letztlich renditeloses Kreditgeschäft. Andererseits fällt auch für den Kreditverkauf ein einmaliger Transaktionsaufwand an, der die Ertragslage belastet.

Durch die zunehmende Standardisierung von Portfolioverkäufen in Deutschland lassen sich diese Transaktionen aber mittlerweile kostengünstiger abwickeln als noch vor einigen Jahren. Spezialisierte Beratungsfirmen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, verbandseigene Unternehmen oder Internetplattformen bieten bereits eine standardisierte Abwicklung dieser Kreditverkäufe an. Hohe Kosten, beispielsweise für eine Rechtsberatung im Zuge individueller Vertragsgestaltung für einen solchen Kaufvertrag, sind nicht mehr zwingend erforderlich. Andererseits wollen auch die Beratungsgesellschaften ein entsprechendes Beratungsentgelt erhalten. Hier muss jedes Institut individuell prüfen, ob es wirtschaftlicher ist, den Kreditverkauf eigenständig durchzuführen oder eine spezialisierte Beratungsgesellschaft zur Unterstützung für den Kreditverkauf in Anspruch zu nehmen.

[...]


[1] Siehe www.google.de, Suchanfrage vom 18.11.2007

[2] siehe ebenda

[3] Koch/Löhr/Rapp, 2005, S.131

[4] Froitzheim/Lotz, 2006, S.37

[5] Vgl. ebenda S.13

[6] Vgl. Ernst & Young (Hrsg.), Global Non Performing Loans Report, 2006, S. 3

[7] Vgl. Schalast, Aktuelle Entwicklungen des deutschen NPL-Markts, NPL Forum 16.05.2007,S.2-4

[8] Vgl. Froitzheim/Lotz, NPLs in Deutschland, 2006, S.29

[9] Vgl., o.V., Handelsblatt, Kreditverkauf beschäftigt Bundestag, 21.06.2007

[10] Vgl. Finanzstabiliätsbericht der Bundesbank, 2006, S.43

[11] Vgl. Froitzheim/Lotz, NPLs in Deutschland, 2006, S. 30

[12] Vgl. Burgmayer, Andreas, Faule Kunden an Fonds verkauft, 09.02.2007

[13] Vgl. Siems, Silke, Bankenpartner, „NPL Verkauf auch bei kleinen Instituten beliebt, Ausg. 06/2006, S. 32

[14] Vgl. Luttmer, Nina, FTD, Sparkassen bündeln Problemkredite, 8.6.2007

[15] Vgl. Froitzheim/Lotz, NPLs in Deutschland, 2006, S.56

[16] Vgl. Wiedenhofer, Non Performing Loans, 2006, S.13

[17] Vgl. Froitzheim/Lotz, NPLs in Deutschland, 2006, S. 57

[18] Vgl. ebenda S. 57

[19] Vgl. Siems, Bankenpartner, Konzepte für notleidende Kredite, S.16

[20] Vgl. NPL, Wiedenhofer, 2006, S.13

[21] Vgl. Bankfachwirt- Lernmaterial der IHK, Bankbetriebswirtschaft, 2006, S.6

[22] Vgl. Weber, True Sale, 2005, S.82

[23] Vgl. Foitzheim/Lotz, NPLs in Deutschland, 2006, S.27

[24] Vgl. www.sparkasse-oberlausitz-niederschlesien.de, Abfrage am 17.12.2007

[25] Jahresabschluss Commerzbank AG 2006

[26] Vgl. Anlage I

[27] Vgl. Schalast, Aktuelle Entwicklungen des deutschen NPL-Markts, NPL Forum 16.05.2007, S.4

[28] Vgl. www.debtx.com, Abfrage am 17.12.2007

[29] Vgl. Siems, Silke, Bankenpartner, „NPL Verkauf auch bei kleinen Instituten beliebt, Ausg. 06/2006, S. 33

[30] Vgl. ebenda, S. 33

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Details

Titel
Verkauf von Non Performing Loans (NPL). Kleine Kreditinstitute im Spannungsfeld zwischen Kreditrisikomanagement und Imageschaden
Veranstaltung
Diplom-Bankbetriebswirt
Note
88 Punkte
Autoren
Jahr
2008
Seiten
74
Katalognummer
V94385
ISBN (eBook)
9783640104833
ISBN (Buch)
9783640124688
Dateigröße
879 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verkauf, Performing, Loans, Diplom-Bankbetriebswirt
Arbeit zitieren
M. Urbanietz (Autor)P. Radach (Autor)A. Sosnitza (Autor), 2008, Verkauf von Non Performing Loans (NPL). Kleine Kreditinstitute im Spannungsfeld zwischen Kreditrisikomanagement und Imageschaden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94385

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