Die Notwendigkeit von verbesserten Kreditrisikosteuerungsinstrumenten vor dem Hintergrund sich stetig verändernder, gesetzlicher Rahmenbedingungen setzt die Kreditinstitute unter Handlungsdruck. Daher hat sich der Verkauf von NPL in den vergangenen Jahren zu einem etablierten und mittlerweile standardisierten Finanzinstrument im Bereich des Kreditrisikomanagements sowohl für die Großbanken als auch für die kleinen Kreditinstitute entwickelt.
In den letzten Monaten häufen sich allerdings negative Berichterstattungen zu diesen Portfolioverkäufen. Die aktuelle Medienlandschaft und die Kunden könnten NPL unterdessen auch mit „Nicht Präferierte Lösung“ übersetzen. Daraus resultiert zunehmend ein Spannungsfeld zwischen der erforderlichen Bereinigung der Kreditportfolien und der ablehnenden Haltung in der Öffentlichkeit, wie das Beispiel einer NPL-Transaktion der Sparkasse Südholstein aus dem Jahre 2006 zeigt.
In unserer Studienarbeit möchten wir neben den betriebswirtschaftlichen Aspekten speziell die Außenwirkung dieses Instruments untersuchen und richten dabei unser Augenmerk auf die kleinen Kreditinstitute.
Zunächst haben wir geprüft, ob der Verkauf von notleidenden Forderungen für kleine Kreditinstitute betriebswirtschaftlich sinnvoll und aus Größen- und Kostengesichtspunkten überhaupt durchführbar ist. Anschließend haben wir im Rahmen unserer Empirie Bankkunden institutsübergreifend nach ihrer Meinung zu NPL-Verkäufen befragt und die Aussagen ausgewertet. Unsere Erkenntnisse aus den beiden gebildeten Schwerpunkten haben wir zusammengeführt und hieraus eine Handlungsempfehlung für kleine Institute unter Berücksichtigung von drei Alternativen entwickelt.
Erster Schritt in diese Richtung ist - neben offener Kommunikation - die institutsübergreifende Verwendung von Syndizierungsklauseln, die Differenzierung verschiedener Kreditverträge über Zinsaufschläge und die Schaffung verbindlicher, rechtlicher Rahmenbedingungen. Diese und weitere Maßnahmen werden in den nächsten Jahren zu einer Normalisierung des Umgangs mit Forderungsverkäufen führen, so dass dieses Finanzinstrument auch für kleine Kreditinstitute zum Risikomanagement verwendet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Problemstellung
1.3 Ziel und Gang dieser Arbeit
2. Verkauf von Non Performing Loans
2.1 Definition von Non Performing Loans
2.2 Marktentwicklung, Ausblick
2.3 Motive für kleine Institute
2.4 Realisierbarkeit einer NPL Transaktion für kleine Banken
2.4.1 Größengesichtspunkte
2.4.2 Kostengesichtspunkte
2.5 Ausgewählte rechtliche Aspekte
2.5.1 Bankgeheimnis, Amtsträgerschaft und Datenschutz
2.5.2 Übertragung von Grundschulden
2.6 Zusammenfassung
3. Außenwirkung (Empirie)
3.1 Öffentliche Wahrnehmung von NPL-Transaktionen
3.2 Definition des Begriffs „Image“
3.3 Grundlagen der empirischen Untersuchung
3.3.1 Wahl des Themenschwerpunktes
3.3.2 Durchführung der empirischen Untersuchung
3.4 Auswertung der empirischen Untersuchung
3.4.1 Kundenerfahrungen mit einer Kreditaufnahme
3.4.2 Bekanntheitsgrad des Finanzinstruments Forderungsverkauf
3.4.3 Vollständige Kenntnisnahme AGB
3.4.4 Akzeptanz einer Syndizierungsklausel in den Kreditverträgen
3.4.5 Datenweitergabe
3.4.6 Erhöhung des Zinssatzes als Alternative
3.4.7 Kreditabschluss bei anderer Bank - Wechsel der Bankverbindung
3.4.8 Bessere Betreuung
3.4.9 Kundeninformation über eine durchgeführte Transaktion
3.4.10 Auswirkungen auf das Image
3.4.11 Statistische Angaben
3.5 Zusammenfassung
4. Fazit, Handlungsempfehlungen und Alternativen zum NPL-Verkauf
4.1 Fazit und Handlungsempfehlungen
4.2 Alternativen zum NPL-Verkauf
4.2.1 Outsourcing
4.2.2 Bad Bank
4.2.3 Inkasso
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit und die öffentliche Wahrnehmung von Verkäufen notleidender Kredite (Non Performing Loans, NPL) speziell für kleine, regionale Kreditinstitute in Deutschland. Ziel ist es, Möglichkeiten für diese Banken aufzuzeigen, trotz des negativen Images von Kreditverkäufen in der Öffentlichkeit, effizientes Problemkreditmanagement zu betreiben und Kundenbeziehungen zu wahren.
- Wirtschaftliche Motivation für NPL-Transaktionen in kleinen Banken
- Rechtliche Rahmenbedingungen, insbesondere Datenschutz und Bankgeheimnis
- Empirische Analyse der Kundeneinstellung zu Kreditverkäufen
- Kommunikationsstrategien zur Vermeidung von Reputationsschäden
- Alternative Ansätze wie Outsourcing, Bad Banks und Inkasso
Auszug aus dem Buch
1.1 Ausgangssituation
Im Vorwege der Studienarbeit haben wir in unterschiedlichen Quellen nach dem Begriff Kreditverkauf gesucht. Dabei haben wir insbesondere festgestellt, dass immer wieder folgende Aussagen mit dem Wort „Kreditverkauf“ in Verbindung gebracht werden: „Wie Banken Kunden los werden“, „Wie Banken ihre Kunden verkaufen“, „Heuschreckenplage“, „unseriös“, „Schuldner müssen Kreditverkauf schlucken“ und nicht zuletzt „(Häuslebauer fühlen sich) verraten und verkauft“. Diese Assoziationen werden dabei in der Regel mit dem Verkauf von notleidenden Krediten in Verbindung gebracht. Des Weiteren finden sich im Internet Artikel und Werbebotschaften diverser Anwaltskanzleien, die den von einem Forderungsverkauf betroffenen Kunden rechtlichen Beistand anbieten.
Auch bekannte Verbraucherschutzsendungen haben sich bereits mit diesem Thema beschäftigt und tragen ihren Anteil dazu bei, dass sich Banken, die solche Kreditverkäufe getätigt haben, zumeist schnell öffentlicher Kritik ausgesetzt sehen.
Es deutet sich an, dass der Verkauf von notleidenden Krediten, in der Öffentlichkeit und somit von den Bankkunden negativ aufgenommen wird und sich Banken, die solche Transaktionen durchführen, zunehmend mit undifferenzierter und einseitiger Presse auseinandersetzen müssen.
Andererseits sind wir bei unserer Literatursuche auch auf ein Interview mit Bernd Knobloch, ehemaliger Vorstand der Eurohypo, gestoßen, der sich zu Verkäufen von Non Performing Loans – im weiteren Verlauf der Studienarbeit auch NPL genannt - wie folgt äußerte:
„Imageeinbußen […] gab es durch den Verkauf nicht. Die Kunden die sich im NPL-Portfolio befanden, sind nicht mehr Zielkunden der Eurohypo. Somit möchten wir mit diesen Kunden ohnehin keine Geschäfte mehr machen. Aus diesem Grund kann man diese Kundenbeziehung auch schnellst möglichst mit diesem Schritt beenden – und das noch profitabel. Außerdem spielen Soft Skills bei uns eine untergeordnete Rolle, denn wir können unsere Strategie ja nicht nach den Wünschen anderer ausrichten.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Kreditverkäufe in der Öffentlichkeit stark negativ assoziiert werden, während sie aus Sicht von Großbanken ein notwendiges Instrument zur Bereinigung der Portfolien darstellen.
2. Verkauf von Non Performing Loans: Das Kapitel definiert den Begriff NPL, analysiert die Marktentwicklung und prüft die wirtschaftlichen Motive sowie die rechtliche Umsetzbarkeit eines solchen Verkaufs speziell für kleinere Kreditinstitute.
3. Außenwirkung (Empirie): Hier werden die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung präsentiert, die das Image und die Kundenreaktionen auf Kreditverkäufe in den Mittelpunkt stellt, wobei eine überwiegend ablehnende Haltung der Kunden identifiziert wird.
4. Fazit, Handlungsempfehlungen und Alternativen zum NPL-Verkauf: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und schlägt strategische Kommunikationsmaßnahmen sowie Alternativen wie Outsourcing oder Inkasso vor, um die negativen Auswirkungen eines NPL-Verkaufs zu minimieren.
5. Schlusswort: Das Schlusswort betont, dass NPL-Verkäufe trotz ihrer wirtschaftlichen Nützlichkeit für kleine Institute nur nach sorgfältiger Analyse und begleitender, sensibler Kommunikation durchgeführt werden sollten.
Schlüsselwörter
Non Performing Loans, NPL-Transaktion, Forderungsverkauf, Bankgeheimnis, Image, Kundenloyalität, Syndizierungsklausel, Kreditrisikomanagement, Bad Bank, Outsourcing, Inkasso, Datenschutz, Bankenaufsicht, Problemkreditmanagement, Regionalbanken
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik des Verkaufs von notleidenden Krediten (Non Performing Loans) bei kleinen, regionalen Kreditinstituten in Deutschland und der damit verbundenen Außenwirkung.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Die zentralen Themenfelder sind die wirtschaftliche Notwendigkeit von NPL-Verkäufen, die rechtlichen Fragestellungen wie Bankgeheimnis und Datenschutz sowie der Einfluss dieser Transaktionen auf das Image der Banken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu klären, ob ein Kreditverkauf für kleine Institute wirtschaftlich sinnvoll ist und wie eine solche Transaktion ohne gravierende negative Folgen für das Image und die Kundenbeziehung durchgeführt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden neben der fundierten Literaturrecherche eine empirische Untersuchung mittels eines Online-Fragebogens bei Bankkunden durchgeführt, um deren Meinungen und Reaktionen zu eruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung für NPL-Verkäufe bei kleinen Banken, die Untersuchung rechtlicher Aspekte sowie eine detaillierte Auswertung der empirischen Daten hinsichtlich der Kundenakzeptanz.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Non Performing Loans, Forderungsverkauf, Bankgeheimnis, Kundenvertrauen, Imageverlust, Syndizierungsklausel und Krisenkommunikation charakterisieren.
Welche Rolle spielt das "Image" bei einem NPL-Verkauf für die Bank?
Das Image ist ein entscheidender Faktor, da Kunden bei Bekanntwerden eines Kreditverkaufs ihre Hausbankbeziehung in Frage stellen können, was insbesondere für regional verwurzelte Institute mit einem hohen Vertrauensanspruch gefährlich ist.
Wie lautet die zentrale Empfehlung der Autoren für die Banken?
Die Autoren empfehlen eine offene und proaktive Kommunikationsstrategie. Zudem sollten Banken idealerweise über Verbandsstrukturen einheitliche Standards bei der Vertragsgestaltung (Syndizierungsklauseln) anstreben, um den Prozess gesellschaftlich zu normalisieren.
Welche Alternativen zum direkten NPL-Verkauf werden im Dokument diskutiert?
Als Alternativen werden das Outsourcing des Forderungsmanagements an spezialisierte Dienstleister, die Bündelung notleidender Kredite in verbandseigenen "Bad Banks" sowie die Einschaltung von Inkassounternehmen aufgeführt.
- Citar trabajo
- M. Urbanietz (Autor), P. Radach (Autor), A. Sosnitza (Autor), 2008, Verkauf von Non Performing Loans (NPL). Kleine Kreditinstitute im Spannungsfeld zwischen Kreditrisikomanagement und Imageschaden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94385