Die ersten Sprachdokumente des Italienischen und Friaulischen


Hausarbeit, 2008

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Die ersten Sprachdokumente des Italienischen
1. Indovinello veronese
2. Placiti cassinesi
3. Formula di confessione umbra
4. Ritmo laurenziano
5. Cantico di frate Sole

C. Die ersten Sprachdokumente des Friaulischen
1. Como tradir pensasti, o dona, may
2. Piruç myò doç inculurit
3. Biello dumlo di valor

D. Schlussbetrachtung

E. Literaturangaben
1. Bibliographie
2. Webographie

A. Einleitung

Wie der Titel dieser Arbeit schon besagt, beschäftigt sie sich mit den ersten Sprachdokumenten des Italienischen und des Friaulischen.

Bereits ab dem 9. Jahrhundert bezeugen volkssprachliche Einsprengsel in zumeist juristischen Texten die Existenz des Sprechitalienischen. Die italienische Literatur setzt jedoch streng genommen bereits Ende des 12. Jahrhunderts ein, doch nur wenige Texte aus dieser Zeit sind lückenhaft überliefert. Hierbei kann man den Ritmo laurenziano, auf 1115-1180 datiert, nennen.[1]

„Wie alle romanischen Sprachen ist auch das Friaulische Fortsetzer des gesprochenen Lateins, erste schriftliche Zeugnisse dieser Sprache stammen aus dem 13. Jahrhundert, wobei die Sprache selbst noch einige Jahrhunderte älter ist. 1303 wurde sie erstmal durch keinen geringeren als Dante Alighieri erwähnt.“[2] Erste literarische Fragmente stammen aus dem 14. Jahrhundert und Ende des 18. Jahrhunderts kam es zur Entstehung einer Literatursprache, in der von nun an zahlreiche schriftliche Dokumente verfasst wurden.[3]

B. Die ersten Sprachdokumente des Italienischen

1. Indovinello veronese

Das indovinello veronese wurde gegen Ende des 8. oder zu Beginn des 9. Jahrhunderts geschrieben. Es handelt sich hierbei um ein aus Spanien stammenden Gesetzbuch, das drei handgeschriebene Zeilen eines italienischen Schreibers aufweist. Das Rätsel wurde 1924 in Verona in einem Buch aus Toledo entdeckt. Da die Handschrift in Verona aufbewahrt wird, bezeichnet man diesen kurzen Text als indovinello veronese.[4] Die ersten beiden entschlüsselten Zeilen lauten:

Se pareba boves, alba pratalia araba,

albo versorio teneba, negro semen seminaba.

Laut Geckeler/Kattenbusch stammt dieses Rätsel aus dem Veneto, da Worttypen in der Form wie versorio noch heute in Norditalien verbreitet sind. Eigenheiten phonisch/morphologischer und lexikalischer Art sprechen für eine volkssprachliche Einordung, doch „die Meinung über den sprachlichen Charakter gehen weit auseinander: von italiano (volgare) über semivolgare bis hin zu latino (almeno fondamentalmente).“[5]

A. Petrucci und C. Romeo haben 1992 die Vermutung ausgesprochen, dass das Indovinello 731/732 in Pisa in das Buch eingetragen worden sei, da ein „Eintrag auf der Rückseite des Blattes, auf dessen Vorderseite sich das Indovinello befindet“[6], unzweifelhaft beweist, dass der Kodex sich um diese Zeit in Pisa befand. Die beiden Forscher haben diese Vermutung 1998 zurückgenommen und die Niederschrift auf den Zeitraum 760-780 datiert.[7]

2. Placiti cassinesi

Hierbei handelt es sich um vier Urteile aus den Jahren 960 und 963, „ in denen der Grundbesitz von Klöstern in Capua, Sessa Aurunca und Teano rechtskräftig bestätigt wird.“[8] Die von Zeugen vorgetragenen volkssprachlichen Schwörformeln sind im Wortlaut schriftlich wiedergegeben.

Die folgende Formel stammt aus Capua in Kampanien und wurde im März des Jahres 960 niedergeschrieben:

Sao ko kelle terre, per kelle fini qui ki contene, trenta anni le possette parte S(an)c(t)i Benedicti.

Erasmo Gàttolo veröffentlichte die Placiti cassinesi erstmals 1734 und klassifizierte diese Schwörformeln eindeutig als volkssprachlich. [9]

Eugeen Roegiest schreibt in seinem Buch Vers les sources des langues romanes über die Placiti cassinesi, dass sie «sont prononcées par un juge et répétées chaque fois par trois témoins, des clercs qui confirment par là les possessions et le bornage des terres de monastères dépendant de l´abbaye de Monte Casino, un des plus grands centres culturels du Moyen Age, situé entre Rome et Naples. Les textes ont été rédigés en lingua volgare non pas parce que les lecteurs ne parleraient pas le latin, mais afin de se faire comprendre par l`auditoire.»[10]

[...]


[1] Vgl. Kapp, Volker: Italienische Literaturgeschichte. Metzler Verlag,1994. S.6f.

[2] Pagitz, Georg: Friaulisch Wort für Wort. Verlag Peter Rump, 2007. S.15.

[3] Ebenda. S.15.

[4] Vgl. H. Geckeler/D. Kattenbusch : Einführung in die italienische Sprachwissenschaft. S.142.

[5] Ebenda, S.143.

[6] Wunderli, P./Werlen, I./ Grünert, M. : Italia-Raetica-Gallica- studiua linguarum litterarum artiumque in honorem Ricarda Liver. Francke-Verlag, Tübingen und Basel, 2001. S.293.

[7] Ebenda, S.294.

[8] Ebenda, S.144.

[9] Ebenda, S.144f.

[10] Roegiest, Eugeen: Vers les sources des langues romanes. Acco, Leuven/ Voorburg, 2006.S.151.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die ersten Sprachdokumente des Italienischen und Friaulischen
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V94429
ISBN (eBook)
9783640128471
ISBN (Buch)
9783640212163
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachdokumente, Italienischen, Friaulischen
Arbeit zitieren
Lisa Helfer (Autor), 2008, Die ersten Sprachdokumente des Italienischen und Friaulischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94429

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