Antihelden bei Jim Jarmusch


Essay, 2007

12 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Down by law (1986)
1.1 Eine Einführung
1.2 Zusammenfassung des Films
1.3 Beleuchtung der Figur Roberto (Roberto Benigni)

2 Dead Man (1995)
2.1 Handlung
2.2 William Blake (Johnny Depp)

3 Gegenüberstellung der Figuren Roberto und William Blake

4 Schlusswort

Literaturverzeichnis

1 Down by law (1986)

1.1 Eine Einführung

„Ich finde es ziemlich komisch, dass man versucht, Delphine zu erforschen und ihre Sprache zu verstehen. Man sieht da einen Typen mit Millionen von Dollars an Computer - Equipment, und sie versuchen zu entschlüsseln, was die Delphine sagen. In der Zwischenzeit taucht ein Delphin auf und sagt auf Englisch:’ Ich will Fische.’ Sie lernen mühelos unsere Sprache, deshalb finde ich das seltsam. Wir suchen an den falschen Stellen nach Antworten.“[1]

In diesem Zitat von Jim Jarmusch spiegelt sich die etwas skurrile, humorvolle und irgendwie weltfremde Art seiner Filme wider. Er kam mit 17 nach New York um Literatur zu studieren, entdeckte seine Liebe zum Film in Paris und lebte diese nach seiner Rückkehr in den „Big Apple“ aus. Die Nähe zur literarischen Form und zur Musik sowie, dass er, als amerikanischer Regisseur, einen Gegenentwurf des typischen Hollywoodkinos darstellt und ein wichtiger Akteur des Independent – Kinos ist, sind Vorzüge, die ihn Auszeichnen.

Mit „Stranger than paradise“ (1984) und „Down by Law“ (1986) wurde die Bezeichnung „American Independent Cinema“ zu einem gebräuchlichen Terminus und Jim Jarmusch zu einem (bis heute unabhängigen) „Star-Regisseur“ stilisiert, dessen Filme Kultcharakter erlangten. Sein Ehrgeiz besteht darin, eine neue kinematographische Sprache zu schaffen, die von dem Weltkino zwischen Japan und Europa sowie dem klassischen Hollywood geprägt ist:

„Ich will eine Brücke zwischen diesen Polen finden, ohne eine Seite gegen die andere auszuspielen.“[2]

1.2 Zusammenfassung des Films

Jarmusch´ Filme sind gekennzeichnet durch Minimalismus, sie wirken „leergeräumt“, was aber nur dazu beiträgt, die wirklich wichtigen Dinge ins Blickfeld zu rücken. Durch die Reduzierung von Elementen in einer Szene, wird die Persönlichkeit der Figur betont. Sie ist Träger der eigentlichen Geschichte, die Figurenkonstellationen wiederum enthalten einen grossteil der Spannung und zeigen wie viele verschiedene Welten es in dieser einen doch gibt, wie viel mehr man durch „eine andere Sprache“ sagen kann. Ich möchte an dieser Stelle auch gleich auf das Thema des Fremd - seins verweisen, dass bei Jim Jarmusch´ Filmen immer eine große Rolle spielt und in„Down by Law“ durch Roberto Benigni eingebracht wird. Er spielt Roberto, einen Italiener der zu Jack (John Lurie) und Zack (Tom Waits) in eine Gefängniszelle gesperrt wird. Jack ist ein glückloser Gelegenheitszuhälter, den die Konkurrenz mit Hilfe einer Minderjährigen hinter Gitter befördert. Zack ist ein heruntergekommener Diskjockey. Für 1000 Dollar fährt er betrunken einen Jaguar durch die Stadt und die Polizei findet im Kofferraum einen Toten. Die beiden (Jack und Zack) bringen es fertig, in der engen, kahlen Zelle kein Wort miteinander zu reden. Sie können sich nicht leiden und sind außerdem viel zu „cool“ um ihren Ärger darüber, dass sie mehr oder weniger unverschuldet im Gefängnis sitzen, zu vergessen. In diese unkommunikative kalte Atmosphäre wird nun der lebensfrohe, quirlige, aber nur phrasenhaft englisch sprechende Roberto gesetzt. Von ihm denkt man, er sei ein armer naiver Tourist der sich in einem fremden Land hat etwas zu schulden kommen lassen, bis man erfährt, dass er jemanden im Streit mit einer Bowlingkugel ermordet hat. Roberto hat ein kleines Büchlein, in dem er alle Sprüche und Wörter, die er wieder verwenden will aufgeschrieben hat, aus dem er seine neue Sprache bezieht, die er zwar nicht immer richtig verwendet, aber dennoch sehr zutreffend gebraucht. Er sagt zum Beispiel, in der Zelle sei „not enough room to swing a cat“. Doch mit diesem Schwall aus Worten und Gesten bringt er Kommunikation und Spaß in die Zelle und mit seinem überraschenden Fluchtplan (den er aus einem Film bezieht) die Insassen aus dieser heraus. Der eigentliche Höhepunkt ist allerdings nicht die Flucht selbst, sondern die Freude über die Aussicht auszubrechen. Die drei beginnen, auf Robertos Initiative hin, im Kreis zu tanzen und zu singen: „I scream, you scream, we all scream for ice cream“.

Es geht nun durch die gefährlichen Sümpfe Louisianas, wo die drei Stadtmenschen von Bluthunden verfolgt und von Krokodilen bedroht werden. Eine Hütte und ein Boot finden sich, doch nach langer Fahrt im Kreis sinkt es. Die drei sind so weit wie vorher. Zack und Jack streiten sich wieder. Jeder will seinen eigenen Weg gehen, doch sehen sie sich bald wieder vereint bei Roberto am Lagerfeuer mit einem Kaninchen am Spieß. Rettender Ort ist, einer Oase gleich, eine kleine Imbissstube, die von der Italienerin Nicoletta bewirtschaftet wird. Durch Zufall ist sie daran geraten, und nichts ist ihr willkommener als ein Landsmann, der sich sofort wie zu Hause fühlt und bleibt. Jack und Zack gehen getrennte Wege.

1.3 Beleuchtung der Figur Roberto (Roberto Benigni)

Obwohl es in diesem Film keine Hauptfigur, keinen Helden gibt, fällt das Hauptaugenmerk auf Roberto. Nicht nur, dass er sich durch seine expressive Art von den andern beiden abhebt, er verzaubert die triste Welt, in der Jack und Zack leben, was ihn automatisch hervorhebt.

Er, dem eigentlich die Rolle des Außenseiters zufallen sollte, da er aus einem anderen Land kommt, die Sprache nicht richtig beherrscht und in eine feindselige Umwelt eintaucht, schafft es als Übermittler zu fungieren. Als Übermittler von all dem, was den beiden als hoffnungslose Fälle abgestempelten Zelleninsassen fehlt. Der gesamte Film wird durch die Figur des Roberto in eine komödiantische und märchenhafte Atmosphäre übergeleitet.

Dies gelingt, da er in seiner ganz eigenen Welt lebt, die durch Gefühle bestimmt ist. Die Gabe, aus jeder Situation das Beste zu machen und auch die schlimmsten Schicksalsschlägen mit Humor zu nehmen rettet die drei Hauptakteure. Sowohl der Ausbruch aus der Zelle als auch aus ihren beklemmenden Verhaltensmustern (was Jack und Zack betrifft) gelingt. In einem Interview mit Geoff Andrew zitiert Jim Jarmusch Oscar Wilde: „Das Leben ist viel zu wichtig, um ernst genommen zu werden.“[3] Der humorvolle Aspekt ist Jarmusch in seinen Filmen sehr wichtig und es wirkt, als wolle uns die Figur des Roberto in Down by Law zeigen, wie einfach das Leben sein kann, wenn man darüber lachen kann. Ein weiteres Zitat, das ich hier einbringen möchte ist zwar aus einem andern Jarmusch Film, aber ersten spricht es für das „Lebensgefühl“ seiner Filme und zweitens drückt es sehr gut Robertos Einstellung aus. Es kommt in Ghost Dog vor und ist aus dem japanischen Text „Hagakure“ und darin heißt es, dass wichtige Dinge leicht und unbedeutende Dinge schwer genommen werden sollten. Es bezieht sich dahingehend auf Roberto, dass er mit dem Totschlag, den er verübt hat und der daraus resultierenden Verhaftung weniger Probleme zu haben scheint, als mit der Ablehnung der beiden Männer mit denen er sich eine Zelle teilen muss. Auch dass der Fluchtplan, der ironischer weise aus einem Film entlehnt ist, tatsächlich angewandt wird und funktioniert, spricht für die Unbesorgtheit des Italieners. Und es scheint, als würde seine Sicht der Welt von dieser auf ihn zurückreflektiert. Wie in einem Märchen schafft er es mit seinen Verbrüderten durch den dunklen Wald bis er zur Prinzessin gelangt, die schon sehnsüchtig auf ihn wartet. Bezeichnend also auch das Ende: Jack und Zack, die beiden typisch amerikanischen Unterwelt - Milieu Protagonisten, die zwar fassungslos über Robertos Glück sind, aber ihre Umgebung immer noch mit verbunden Augen sehen gehen einsam auseinander. Ihnen ist bisher nichts in den „Schoß gefallen“ und so wird es vermutlich auch bleiben. Während hingegen ihr vergnügter Begleiter das Glück gefunden hat. Er hat die Liebe seines Lebens entdeckt, da er das Leben liebt.

[...]


[1] Aurich, Rolf/Stephan Reinecke(Hg.), Jim Jarmusch.Berlin:Bertz,2001, S.28f

[2] Eue, Ralph, „Off-Beat Heroes“, Jim Jarmusch, Aurich/Reinecke, S.50.

[3] Aurich/Reinecke, „ Jim Jarmusch“, S. 13

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Details

Titel
Antihelden bei Jim Jarmusch
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2007
Seiten
12
Katalognummer
V94433
ISBN (eBook)
9783640128501
Dateigröße
356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Antihelden, Jarmusch
Arbeit zitieren
Gloria Höckner (Autor), 2007, Antihelden bei Jim Jarmusch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94433

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