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Die Trägerschaft einer Kindertagesstätte durch die katholische Kirche

Von der unerträglichen Pflichtaufgabe zum innovativen Management

Title: Die Trägerschaft einer Kindertagesstätte durch die katholische Kirche

Diploma Thesis , 2004 , 90 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Armin Ruf (Author)

Theology - Practical Theology
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Summary Excerpt Details

Kindergärten sind eine gesellschaftlich akzeptierte Selbstverständlichkeit. Kirchlich und gesellschaftlich anerkannt ist heute, dass Kinder in unserer Gesellschaft in einem geteilten Sozialisationsfeld, als privat-familiales und öffentlich-institutionelles aufwachsen. Unter den Tageseinrichtungen nehmen die unter konfessioneller Trägerschaft geführten Tagesstätten eine bedeutende Stellung ein:
„So befanden sich Ende 2002 64% aller Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft…Von den insgesamt 23 610 Einrichtung in freier Trägerschaft waren 38 % in Trägerschaft des Deutschen Caritasverbands und anderer katholischer Träger (vor allem katholischer Kirchengemeinden).
Trotz der gesellschaftlich anerkannten Position und der Akzeptanz der Familien wird binnenkirchlich sehr wohl die Frage nach der Bedeutung der konfessionell geführten Kindertagesstätte gestellt. Relevante Diskussionspunkte sind dabei: Ist das katholische Profil überhaupt noch gefragt? Und wie kann ein katholisches Profil in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft umgesetzt werden? Können es sich die Diözesen und Kirchenstiftungen in Zukunft finanziell leisten, als Träger von Kindergärten aufzutreten? Mit diesen Fragen wurde ich in meiner Tätigkeit als Gemeindereferent in einer Pfarreiengemeinschaft (PG) konfrontiert.
Auf Grund der hohen Belastung durch die Leitungs- und Seelsorgeaufgaben in vier Pfarreien erwog der verantwortliche Priester der PG, die Trägerschaft der zwei kirchlichen Kindergärten abzugeben. Neben den finanziellen Belastungen für die Kirchenstiftung (bei zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen und Spendengeldern) war ein wichtiger Grund für diese Überlegungen des derzeitigen Umbaus, in welchem sich die Kirche befindet, und welcher einen Großteil der pastoralen Kräfte zu binden droht. Die darauf hin folgenden Diskussionen drehten sich immer wieder um die gleiche Punkte:
•Sind wir in unseren pastoralen Bemühungen nicht vorwiegend für katholische Kinder da oder auch für Kinder, die – gleich welcher Konfession – in unseren Kindergarten gehen?
•Leistet der Kindergarten denn wirklich einen Gemeindeaufbau, oder ist er nicht allein ein bloßes Dienstleistungsangebot, das nur kostet und nichts bringt?
•Sind die ‚Laienfrauen’ tatsächlich so gut geeignet wie früher die Ordensschwestern und wie lässt sich deren Kirchlichkeit überprüfen?
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die aktuelle Lebenssituation von Familien in Deutschland

1.1. Ökonomie

1.2. Rollenkomplexität

1.3. Multilokalität

1.4. Alltagszeit

1.5. Flexibilität

1.6. Kinderbetreuungsangebot

2. Anforderungen an katholische Kindertageseinrichtungen im 21. Jahrhundert

2.1. Marktorientierung

2.2. Kundenorientierung

2.3. Rückgang der Kirchensteuer

2.4. Finanzierungsmodelle

2.5. Pisa und Bayerischer Erziehungs- und Bildungsplan

2.6. Profil und Glaubensbezeugung

3. Die Position der katholischen Kirche in Deutschland

3.1. Weichenstellung des Konzils

3.2. Mitverantwortung für das Leben der Menschen und die Zukunft der Gesellschaft (Die Deutschen Bischöfe)

3.3. Innovation aus Tradition (KTK: Bundesverband katholischer Tageseinrichtungen für Kinder)

3.4. Ein klares Profil (KTK – Bayern)

3.5. Wo kleines Gross werden kann (Der Bischof von Augsburg)

4. Die Situation kirchlicher Träger von Kindertagesstätten

4.1. Kirche im Umbau

4.2. Drei Gespräche mit Priestern als Träger katholischer Kindertagesstätten

4.2.1. ‚Mitspracherecht ohne Verantwortung’

4.2.2. ‚Trägerschaft im Vorübergehen’

4.2.3. ‚Trägerschaft als Auftrag’

5. Die theologische Präferenztheorie für eine Trägerschaft

5.1. Primat der Diakonie

5.2. Auftrag der katholischen Tageseinrichtungen

5.2.1. „Caritas Dei“: Grundlage einer theologische Präferenztheorie

5.2.1.1. Communio und Charismen

5.2.1.2. Abbild und Vergänglichkeit

5.2.1.3. Freiheit, Gerechtigkeit, Mitschöpferschaft

5.2.1.4. Spiritualität und Barmherzigkeit

5.2.1.5. Solidarität und Subsidiarität

5.2.1.6. Leid und Not, Gut und Böse

5.2.1.7. Sünde und Beziehungswirklichkeit

5.2.1.8. Leben teilen

5.2.1.9. Adressaten

6. Theologische Kriterien für die Bestimmung der Qualität katholischer Träger von Kindertageseinrichtungen

6.1. Trägerschaft als Dienstleistungsfunktion

6.2. Trägerschaft als partizipative Wahrnehmung von Leitungsfunktionen

6.3. Trägerschaft als anwaltliches Handeln

7. Innovationsschub durch Qualitätsentwicklungsprozesse

7.1. Leitbildformulierung im Rahmen des QM - Projekt (Caritasverband Augsburg)

7.1.1. Leitbild

7.1.2. Handbuch

7.2. Selbstevaluation (IFP Handbuch)

7.2.1. Elternbefragung

7.2.2. Auswertung

7.3. KTK- Gütesiegel

7.3.1. Qualitätsdimensionen

7.3.2. Qualitätsanforderungen

7.3.3. Nachweismöglichkeiten

7.3.4. Bewertungsfläche

8. Reflexion und Rückbesinnung

8.1. Der Kindergarten: „Auge der Pfarrei“

8.2. Die Tageseinrichtung: „Geschenk für die Familie“

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht die gegenwärtige Situation und Zukunft der katholischen Trägerschaft von Kindertageseinrichtungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und kirchlicher Umbruchprozesse. Ziel ist es, pastoraltheologische Begründungen und Qualitätskriterien für den Verbleib der Kirche in diesem Arbeitsfeld zu entwickeln, um die Trägerschaft als "innovatives Management" und aktiven Teil der Gemeindepastoral zu etablieren.

  • Aktuelle Lebenssituation von Familien in Deutschland (Ökonomie, Rollenkomplexität, Multilokalität).
  • Herausforderungen für kirchliche Träger im 21. Jahrhundert (Finanzdruck, Fachanforderungen, Profilschärfung).
  • Entwicklung einer "theologischen Präferenztheorie" auf Basis der "caritas Dei".
  • Praktische Implementierung von Qualitätsentwicklungsprozessen in Kindertagesstätten.
  • Reflexion des Auftrags kirchlicher Träger als Anwalt für Familien und Kinder.

Auszug aus dem Buch

Die Trägerschaft einer Kindertagesstätte durch die katholische Kirche: Von der unerträglichen Pflichtaufgabe zum innovativen Management

Kindergärten sind eine gesellschaftlich akzeptierte Selbstverständlichkeit. Kirchlich und gesellschaftlich anerkannt ist heute, dass Kinder in unserer Gesellschaft in einem geteilten Sozialisationsfeld, als privat-familiales und öffentlich-institutionelles aufwachsen. Unter den Tageseinrichtungen nehmen die unter konfessioneller Trägerschaft geführten Tagesstätten eine bedeutende Stellung ein:

„So befanden sich Ende 2002 64% aller Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft…Von den insgesamt 23 610 Einrichtung in freier Trägerschaft waren 38 % in Trägerschaft des Deutschen Caritasverbands und anderer katholischer Träger (vor allem katholischer Kirchengemeinden).1

Trotz der gesellschaftlich anerkannten Position und der Akzeptanz der Familien wird binnenkirchlich sehr wohl die Frage nach der Bedeutung der konfessionell geführten Kindertagesstätte gestellt. Relevante Diskussionspunkte sind dabei: Ist das katholische Profil überhaupt noch gefragt? Und wie kann ein katholisches Profil in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft umgesetzt werden? Können es sich die Diözesen und Kirchenstiftungen in Zukunft finanziell leisten, als Träger von Kindergärten aufzutreten? Mit diesen Fragen wurde ich in meiner Tätigkeit als Gemeindereferent in einer Pfarreiengemeinschaft (PG) konfrontiert.

Auf Grund der hohen Belastung durch die Leitungs- und Seelsorgeaufgaben in vier Pfarreien erwog der verantwortliche Priester der PG, die Trägerschaft der zwei kirchlichen Kindergärten abzugeben. Neben den finanziellen Belastungen für die Kirchenstiftung (bei zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen und Spendengeldern) war ein wichtiger Grund für diese Überlegungen des derzeitigen Umbaus, in welchem sich die Kirche befindet, und welcher einen Großteil der pastoralen Kräfte zu binden droht. Die darauf hin folgenden Diskussionen drehten sich immer wieder um die gleiche Punkte:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die aktuelle Lebenssituation von Familien in Deutschland: Analyse ökonomischer und gesellschaftlicher Faktoren wie Multilokalität und Zeitdruck, die den Druck auf Familien erhöhen.

2. Anforderungen an katholische Kindertageseinrichtungen im 21. Jahrhundert: Untersuchung der Notwendigkeit einer Profilschärfung und Marktorientierung angesichts veränderter Rahmenbedingungen.

3. Die Position der katholischen Kirche in Deutschland: Darstellung offizieller kirchenpolitischer Positionen und Konzilsbeschlüsse zur Rolle kirchlicher Kitas.

4. Die Situation kirchlicher Träger von Kindertagesstätten: Empirische Einblicke in den Priesteralltag und die Herausforderungen der Trägerschaft in Pfarreiengemeinschaften.

5. Die theologische Präferenztheorie für eine Trägerschaft: Entwurf einer pastoraltheologischen Basis zur theologischen Fundierung der Trägerschaft.

6. Theologische Kriterien für die Bestimmung der Qualität katholischer Träger von Kindertageseinrichtungen: Definition von Qualitätsmerkmalen wie Dienstleistung und Partizipation.

7. Innovationsschub durch Qualitätsentwicklungsprozesse: Vorstellung konkreter Verfahren wie Leitbildformulierung, Selbstevaluation und KTK-Gütesiegel.

8. Reflexion und Rückbesinnung: Zusammenfassende Betrachtung der Trägerschaft als pastorales Kerngeschäft und "Geschenk" für Familien.

Schlüsselwörter

Katholische Kindertageseinrichtungen, Trägerschaft, Pfarreiengemeinschaft, Pastoraltheologie, Caritas Dei, Qualitätsmanagement, Familienorientierung, Gemeindepastoral, Diakonie, Bildung, Erziehung, Kindorientierung, Glaubensbezeugung, Kirchenstiftung, Trägerqualität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Trägerschaft von Kindertagesstätten durch die katholische Kirche und hinterfragt, wie diese Aufgabe in Zeiten des kirchlichen Umbruchs und finanzieller Engpässe als diakonischer Auftrag bewahrt und innovativ gestaltet werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Arbeit verbindet gesellschaftssoziologische Analysen zur Situation von Familien mit theologischen Überlegungen zur Trägerschaft sowie praxisorientierten Ansätzen aus dem Qualitätsmanagement in Kitas.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Argumente und Diskussionsgrundlagen zu liefern, um den Verbleib der Kirche in der Trägerschaft von Kindergärten als unverzichtbaren Bestandteil der Gemeindepastoral zu legitimieren und mit theologischen Kriterien zu qualifizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Der Autor nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse (theologische und kirchenpolitische Dokumente) und qualitativer Forschung durch Experten-Gespräche mit Priestern sowie Selbstevaluationen in verschiedenen Kindertagesstätten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Situationsanalyse, den Entwurf einer theologischen "Präferenztheorie" auf Basis der Liebe Gottes (caritas Dei) und die Vorstellung konkreter Qualitätsinstrumente für die Trägerarbeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind: Katholische Kindertageseinrichtungen, Trägerschaft, Pastoraltheologie, Caritas Dei, Qualitätsmanagement und Gemeindepastoral.

Welche Rolle spielt die "caritas Dei" in der Argumentation des Autors?

Sie dient als theologisches Fundament, um das Handeln in Kindertagesstätten nicht als bloßes Dienstleistungsangebot zu begreifen, sondern als Ausdruck der Liebe Gottes, die sich im Dienst am Menschen (Diakonie) konkretisiert.

Wie bewertet der Autor die Frustration der Priester bei der Trägerrolle?

Der Autor zeigt Verständnis für den hohen Zeitdruck, plädiert jedoch für einen Perspektivwechsel: Anstatt die Trägerschaft als Last abzustoßen, sollte sie durch partizipative Managementstrukturen und eine Einbindung der Pfarrgemeinde als bereicherndes pastorales Feld begriffen werden.

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Details

Title
Die Trägerschaft einer Kindertagesstätte durch die katholische Kirche
Subtitle
Von der unerträglichen Pflichtaufgabe zum innovativen Management
College
University of Augsburg
Grade
1,0
Author
Armin Ruf (Author)
Publication Year
2004
Pages
90
Catalog Number
V94446
ISBN (eBook)
9783640106363
ISBN (Book)
9783640116300
Language
German
Tags
Trägerschaft Kindertagesstätte Kirche
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Armin Ruf (Author), 2004, Die Trägerschaft einer Kindertagesstätte durch die katholische Kirche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94446
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