Die Weltentstehung nach Aristoteles „De Caelo“ und dessen Kritik am platonischen „Timaios“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:

2. Aristoteles Idee der Weltentstehung in „De Caelo“
2.1. Werk und Bedeutung
2.2. Eine Zusammenfassung von Aristoteles Werk „De Caelo“

3. Gegenüberstellung der Theorien zur Weltentstehung bei Aristoteles und Platon
3.1. Die Weltentstehung im platonischen „Timaios“
3.2. Aristoteles Kritik am platonischen „Timaios“

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

Primärliteratur

Sekundärliteratur

1. Einleitung:

Die Entstehung der Welt ist bis heute noch eine bedeutende Frage in der Wissenschaft. Ist sie entstanden oder unentstanden? Ist sie vergänglich oder unvergänglich? Fragen, die auch in der heutigen Zeit noch relevant und sowohl in der Physik als auch in der Philosophie kontrovers diskutiert werden. Auch in der Antike war die Frage nach der Weltentstehung allgegenwertig. Viele Philosophen, Mathematiker und Physiker haben versucht ihre Sicht der Entstehung der Welt aufzuzeichnen und zu erörtern. Zur damaligen Zeit trieb viele Wissenschaftler auch die Frage um, ob die Welt eine Scheibe oder eine Kugel sei. Eine Frage, die heutzutage geklärt ist, aber dennoch damals kontrovers diskutiert wurde.

Aristoteles war es, der als erster die These aufstellte, die Welt sei eine Kugel, keine Scheibe. In seinem Werk „De Caelo“, auf Deutsch „Über den Himmel“, behandelt der Philosoph in vier Büchern den Aufbau des Kosmos. Hier werden sowohl astronomische Theorien, als auch Aspekte der Erde, wie zum Beispiel die Entstehung der Elemente erörtert.

In dieser wissenschaftlichen Arbeit geht es um die Frage nach Aristoteles Auffassung der Weltentstehung. Wie kam laut Aristoteles unsere Welt zustande? Ist sie immerwährend oder vergänglich? Nach einer Zusammenfassung des Hauptwerkes „De Caelo“ im zweiten Kapitel werde ich im dritten Kapitel des Hauptteiles auf die Weltentstehung nach Platon in dessen Werk „Timaios“ eingehen und die beiden Werke gegenüberstellen. Aristoteles versucht in „De Caelo“ umfangreich die Theorie des Platon zu widerlegen und äußerte scharfe Kritik an dessen Weltbild. Ist diese berechtigt? Liegt Aristoteles mit seiner Theorie richtig? Diese Fragen werden ich im Schlussteil dieser wissenschaftlichen Arbeit in Bezugnahme von Kommentaren zu diesem Thema beantworten.

2. Aristoteles Idee der Weltentstehung in „De Caelo“

2.1. Werk und Bedeutung

Aristoteles lebte zwischen 384 bis 322 v. Chr., war einer der größten Philosophen in der Antike und Schüler des Platon an dessen „Akademie“.1

Die Entwicklung der Wissenschaft beeinflusste Aristoteles wie nur wenige vor und nach ihm. In unterschiedlichsten Sparten der Philosophie (unter Anderem Logik, Psychologie, Politik) verfasste Aristoteles bedeutsame Werke und deckte somit ein großes Wissensgebiet ab.2

Aristoteles Schrift „De Caelo“ heißt auf Deutsch „Über den Himmel“ und ist eine Kosmologie3, welche sich mit der Funktionsweise des Kosmos beschäftigt. Für Aristoteles ist der Kosmos ein „Gebäude aus Himmel und Erde und den darin enthaltenen Wesenheiten.“ (Aristoteles, Über die Welt, 391b 9)

Dieses Werk des Aristoteles war damals ein Meilenstein auf dem Weg der Menschheit zu einem relativ wirklichkeitsnahen Verständnis der Naturwissenschaften. Er hat die Ideen und Prinzipien, die in Griechenland über die Jahre entwickelt worden waren, neu durchdacht und verschriftlicht. „De Caelo“ stellt in vier Büchern das astronomische Weltbild des Aristoteles dar. In den Büchern I und II werden die Himmelskörper und das fünfte Element, der Äther, sowie die Kreisbewegung der Sphären erklärt. Die Bücher III und IV behandeln die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft.

Der britische Astrophysiker Stephan Hawking verweist in seinem Werk unter dem deutschen Titel „Eine kurze Geschichte der Zeit“ den Leser bereits von den ersten Seiten an auf die aristotelische Schrift „De Caelo“.4

Im Gegensatz zu vielen anderen Philosophen vor ihm stellt Aristoteles seiner Schrift „De Caelo“ keine Kosmologie voran. Er beschreibt vor seiner Erklärung des Universums nicht wie dieses entstanden ist. Aristoteles verwendet viel Zeit darauf zu beweisen, dass das Universum weder einen Anfang, noch ein Ende hat, sondern ein räumlich endliches, aber zeitlich unendliches Konstrukt ist, welches bereits schon immer existiert hat und auch niemals vergehen kann. Den Begriff „Welt“ versteht Aristoteles ganz allgemein als das, was wir heute als „Universum“ bezeichnen.

Eine historisch besondere Wichtigkeit für Aristoteles Werk „De Caelo“ ist Platons Dialog „Timaios“. Laut Leggatt ist die Kosmologie Platons in „Timaios sogar so wichtig für Aristoteles, dass „De Caelo“ als seine „Antwort“ darauf betrachtet werden müsse.5 Hierzu komme ich aber nochmals in Kapitel 3.2., wo ich die Kritik des Aristoteles gegenüber dem platonischen „Timaios“ erläutere.

2.2. Eine Zusammenfassung von Aristoteles Werk „De Caelo“

Den Beginn von „De Caelo“ widmet Aristoteles der Hervorhebung der Vollkommenheit des Universums. Danach spricht er in A 2-4 über die ersten Körper und seine Eigenschaften, bis er schließlich zur Begrenztheit des Universums kommt. Aristoteles behandelt die Frage, ob die Ausdehnung des Universums begrenzt oder unbegrenzt sei. Im Laufe der weiteren Kapitel A5-7 versucht Aristoteles die Begrenztheit des Universums in zwei Untersuchungen nachzuweisen. Aristoteles wies die Unmöglichkeit der Existenz eines unbegrenzten Körpers nach und widerlegte somit die unter Anderem von Anaxagoras vertretene These der Existenz unzähliger Welten.

Kapitel A 8-9 handelt von dem Beweis der Einmaligkeit des Kosmos. Aristoteles ist – wie Platon auch – von der Einmaligkeit des Kosmos überzeugt.

Im Kapitel A10 legt Aristoteles die Ewigkeit der Welt fest. Hiermit widersetzt er sich einer größeren Gruppe von Philosophen, die ebenso wie Platon von der Vergänglichkeit der Welt überzeugt sind. Aristoteles ist sich der Originalität seiner Thesen bewusst, da er weiß, dass er der erste Philosoph ist, der die Ewigkeit der Welt behauptet. Alle Denker halten die Welt für entstanden (De Caelo, 298 b 14 ff.)

Lediglich die Auffassung über die Vergänglichkeit geht hier mit der Meinung der anderen Philosophen auseinander. Die einen sind der Auffassung, die Welt sei zwar entstanden, doch unvergänglich. Andere bezeichnen die Welt als entstanden, aber vergänglich. Wiederum andere halten einen Wechsel von Entstehungen und Untergängen des Universums für naheliegend. Auf die Widerlegung der Theorie, dass die Welt entstanden, aber unvergänglich sei, gehe ich im dritten Kapitel genauer ein. Hier vergleiche ich die Theorie aus Platons „Timaios“ mit der des Aristoteles und erläutere Aristoteles Kritik zu Platons Weltanschauung.

Folgende Theorien bezüglich des Entstehens der Welt sind von Aristoteles formuliert worden:

1. Aristoteles weist in seinen Untersuchungen zuerst auf die Eleaten hin, welche die Meinung vertreten, dass nichts wirklich geboren werden oder sterben könne. Somit sei sowohl das Entstehen, als auch das Vergehen nichts als trügerische Erscheinungen. Aristoteles sieht den Fehler der Eleaten darin, zwei vollkommen eigenständige Disziplinen miteinander zu kombinieren und damit auch zu verfälschen. Die Eleaten haben in dieser Theorie physikalischen Dingen Eigenschaften zugeschrieben, die allerdings nur allein den Gegenständen des Denkens zukommen.6
2. Die Welt sei entstanden, es gibt aber einige Dinge, die ewig Bestand hätten.
3. Alles entsteht und fließt, mit Ausnahme von einem einzigen Substrat, aus dessen Veränderungen alle anderen Dinge hervorgingen.

3. Gegenüberstellung der Theorien zur Weltentstehung bei Aristoteles und Platon

3.1. Die Weltentstehung im platonischen „Timaios“

Platon lebte zwischen 428/427 v. Chr. bis 348/347 v. Chr. in Athen und war ein antiker griechischer Philosoph. Als Schüles des Sokrates machte er diesen zum Hauptprotagonisten seiner Dialoge. Sein Spätwerk „Timaios“ ist ein fiktives Gespräch zwischen Sokrates, Kritias, dem Philosophen Timaios von Kokroi und dem Politiker Hermokrates von Syrakus.

Der Hauptteil des Dialogs beinhaltet die große kosmologische Rede des Timaios. Am Anfang wird eine deutliche Kurzfassung der platonischen Ideenlehre dargestellt. Sie bezieht sich auf den strukturellen Unterschied zwischen „Sein“ und „Werden“ und auf die verschiedenen Erkenntnisweisen, durch welche diese erfasst und determiniert werden (Tim. 27c – 29d).

Entsprechend der Ideenlehre sind zwei prinzipiell verschiedenen Bereiche zu unterscheiden: Einerseits das Sein (Tim. 52c 5-6), welches immer ist, stets sich selbst gleich, und nicht dem Entstehen und Vergehen unterliegt. Es wird durch das reine Denken erfasst. Andererseits ist das Werden, das dauernd entsteht und sich ständig verändert. Es ist niemals ein wahres Sein, und ist durch bloßes Meinen zu vermuten (Tim. 27d 6 – 28a 4). Die Frage, die der Vortragende selbst zweimal (Tim. 27c 4 ff. 28b ff) als wichtigstes Problem an den Anfang seiner Untersuchung stellt: ob die Welt geworden sei oder nicht.

[...]


1 Vgl. Shields, Aristotle, in: The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2008 Edition), Edward N. Zalta (ed.), URL = <http://plato.stanford.edu/archives/win2008/entries/aristotle/>.

2 Vgl. Leggatt, „Introduction“, in: On The Heavens I & II, Warminster 1995, S. 5.

3 Vgl. Leggatt., op. cit., S. 37.

4 Vgl. S. Hawking, Eine kurze Geschichte der Zeit [Orig.-Tit.: A Brief History of Time: From the Big Bang to Black Holes], dt. Übers. V. H. Kober, Reinbek bei Hamburg 1997, S.12: „Schon 340 v.Chr. brachte der griechische Philosoph Aristoteles in seiner Schrift „Vom Himmel“ zwei gute Argumente für seine Überzeugung vor, dass die Erde keine flache Scheibe, sondern kugelförmig sei. Erstens verwies er auf seine Erkenntnisse über die Mondfinsternis. Sie werde, schrieb er, dadurch verursacht, dass die Erde zwischen Sonnen und Mond trete. Der Erdschatten auf dem Mond sei immer rund, also müsse die Erde eine Kugel sein. Wäre sie eine Scheibe, hätte der Schatten eine längliche, elliptische Form, es sei denn, die Mondfinsternis träte immer nur dann ein, wenn sich die Sonne direkt unter dem Mittelpunkt der Scheibe befände. Zweitens wussten die Griechen von ihren Reisen her, dass der Polarstern im Süden niedriger am Himmel erscheint als in nördlichen Regionen. (...) Aus der unterschiedlichen Position des Polarsterns für Beobachter in Ägypten und Griechenland glaubte Aristoteles sogar den Erdumfang errechnen zu können. Er kam auf 400.000 Stadien.“

5 Vgl. Leggatt, op. cit. S. 18.

6 Vgl. Kommentar von Alberto Jori, Akademie Verlag GmbH, Berlin, 2009, S. 174.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Weltentstehung nach Aristoteles „De Caelo“ und dessen Kritik am platonischen „Timaios“
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (FB 05: Philosophie und Philologie)
Veranstaltung
Weltanfang als philosophischer Topos
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V944597
ISBN (eBook)
9783346286314
ISBN (Buch)
9783346286321
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, De Caelo, Timaios, Platon, Weltanfang, Weltentstehung
Arbeit zitieren
Sabrina Wirth (Autor), 2018, Die Weltentstehung nach Aristoteles „De Caelo“ und dessen Kritik am platonischen „Timaios“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/944597

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