Das Atticus-Bild - Ein Vergleich anhand ausgewählter Textfunde


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
22 Seiten, Note: 5.5 (Schweiz)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

1 Einleitung

2 Übersetzung ausgewählter Textstellen der Atticus-Biographie
2.1 Ausgewählte Textstellen
2.2 Sachliche Erläuterungen

3 Beobachtungen zur Sprache

4 Vergleich des Atticus-Bildes von Nepos mit dem Bild Atticus’ von Cicero
4.1 Der Vergleich
4.2 Die Charakterisierung von Atticus
4.3 Die politische Haltung von Atticus
4.4 Der Umgang mit Freunden und Verwandten
4.5 Das Verhältnis zwischen Marcus Tullius Cicero und Titus Pomponius Atticus
4.6 Das Verhältnis zwischen Quintus Tullius Cicero und Titus Pomponius Atticus

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis
6.1 Ausgaben
6.2 Sekundärliteratur

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit soll eine Darstellung der Person Titus Pomponius Atticus sein. Dabei soll verglichen werden, wie der Mensch Atticus bei Cornelius Nepos charakterisiert wird, und welchen Eindruck von Atticus man aus der Korrespondenz zwischen Marcus Tullius Cicero und Titus Pomponius Atticus gewinnt. Da eine umfassende Erläuterung und Gegenüberstellung den Rahmen einer Proseminararbeit sprengen würde, basiert der Vergleich auf ausgewählten Aspekten.

Zunächst werden bestimmte Textstellen, welche die ausgewählten Gesichtspunkte illustrieren, übersetzt und wenn nötig erläutert. Es folgen einige Bemerkungen zur Sprache Nepos. Der Hauptteil der Arbeit besteht aus einem einführenden Kapitel zum Vergleich per se und den Erläuterungen anhand fünf prägender Themen.

Die verfügbare Literatur zu Cornelius Nepos und der Atticus-Vita im speziellen ist – im Vergleich zu anderen Autoren – noch nicht sehr zahlreich. Eine hilfreiche Einführung in das Gebiet bietet Joseph Geiger[1].[2]

2 Übersetzung ausgewählter Textstellen der Atticus-Biographie

Folgende Textstellen (cf. 2.1, p. 2) stammen aus der Atticus-Vita des Werkes “De Viris Illustribus“ von Cornelius Nepos. Sachliche Erläuterungen sowie die Diskussion allfälliger Konjekturen sind im Abschnitt 2.2, p. 4 zu finden.

Leider ist „De Viris Illustribus“ nicht vollständig erhalten. Alles, was heute mit Sicherheit gesagt werden kann, ist, dass es je ein Buch über römische und griechische Historiker beinhaltet sowie je ein Buch über fremde und römische Feldherren. Die Atticus-Vita ist im Buch über die römischen Historiker zu finden. Man vermutet, dass “De Viris Illustribus“ ursprünglich 16 bis 18 Bücher umfasst hat.

Die Atticus-Vita, die zu Lebzeiten Atticus publiziert worden ist (Abschnitte I bis XVIII), lässt sich grob in fünf thematische Blöcke einteilen[3]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1 Ausgewählte Textstellen

4,1 Huc ex Asia Sulla decedens cum venisset, quamdiu ibi fuit, secum habuit Pomponium, captus adulescentis et humanitate et doctrina. sic enim Graece loquebatur, ut Athenis natus videretur; tanta autem suavitas erat sermonis Latini, ut appareret in eo nativum quendam leporem esse, non ascitum.

4,1 Als Sulla, der aus Asien zurückkehrte, hierher kam, hatte, er solange er hier war, Pomponius bei sich, er war sowohl durch die Bildung als auch durch Kenntnisse des Jünglings gepackt. Denn er sprach so Griechisch, dass es schien, er sei als Athener geboren; Aber die Annehmlichkeit seiner lateinischen Gespräche war so gross, dass es schien, diese gewisse Anmut sei angeboren, nicht erlernt.

5,1 habebat avunculum Q. Caecilium, equitem Romanum, familiarem L. Luculli, divitem, difficillima natura: cuius sic asperitatem veritus est, ut, quem nemo ferre posset, huius sine offensione ad summam senectutem retinuerit benevolentiam. quo facto tulit pietatis fructum.

5,1 Er hatte einen Onkel, Quinuts Caecilius, einen römischen Ritter, verwandt mit Lucius Lucullus, reich, dieser war in Bezug auf sein Wesen sehr schwierig: So verehrte er die Barschheit dieses Onkels, den niemand ertragen konnte, dass er ohne diesen zu beleidigen das grösste Wohlwollen bis ins hohe Alter behielt. Durch dieses Verhalten trug er Früchte der Zurückhaltung.

5,3 erat nupta soror Attici Q. Tullio Ciceroni, easque nuptias M. Cicero conciliarat, cum quo a condiscipulatu vivebat coniunctissime, multo etiam familiarius quam cum Quinto, ut iudicari possit plus in amicitia valere similitudinem morum quam affinitatem.

5,3 Die Schwester des Atticus war mit Quintus Tullius Cicero verheiratet, Marcus Cicero vermittelte diese Heirat, weil er seit der gemeinsamen Schulzeit sehr verbunden mit ihm lebte, um vieles mehr freundschaftlicher als mit Quintus, so dass beurteilt werden kann, dass bei der Freundschaft die Gleichheit des Charakters mehr wert ist als die Verwandtschaft.

6,2 honores non petiit, cum ei paterent propter vel gratiam vel dignitatem: quod neque peti more maiorum neque capi possent conservatis legibus in tam effusi ambitus largitionibus neque <geri> e re publica sine periculo corruptis civitatis moribus.

6,2 Er strebte keine Ämter an, obwohl ihm diese entweder wegen dem Ansehen oder der Würde offenstanden: Weil bei so grossen Bestechungen für eine masslose Amtsbewerbung diese weder nach Sitte der Vorfahren erlangt, noch durch bewahrte Gesetze ergriffen, noch unter Berücksichtigung des Staates ohne Gefahr verwaltet werden konnten, nachdem die Sitten des Gemeinwesens verdorben worden waren.

6,5 qua in re non solum dignitati serviebat, sed etiam tranquillitati, cum suspiciones quoque vitaret criminum. quo fiebat ut eius observantia omnibus esset carior, cum eam officio, non timori neque spei attribui viderent.

6,5 Durch diese Sache diente er nicht nur der Würde, sondern auch der Ruhe, weil er auch Verdächtigungen bezüglich Verbrechen vermied. Dadurch geschah es, dass allen die Hochachtung dessen noch teurer war, weil sie sahen, dass diese Hochachtung der Dienstbarkeit, nicht der Angst oder Hoffnung zugeschrieben wurde.

15,1 mendacium neque dicebat neque pati poterat. itaque eius comitas non sine severitate erat neque gravitas sine facilitate, ut difficile esset intellectu, utrum eum amici magis vererentur an amarent. quidquid rogabatur, religiose promittebat, quod non liberalis, sed levis arbitrabatur polliceri quod praestare non posset.

15,1 Weder log er noch konnte er eine Lüge dulden. Daher war seine Fröhlichkeit nicht ohne Strenge und seine Würde nicht ohne Freundlichkeit, so dass es schwierig zu verstehen war, ob die Freunde diesen eher verehrten oder liebten. Um was auch immer er gebeten wurde, er versprach es gewissenhaft, weil er glaubte, dass es nicht grosszügig, sondern leichtsinnig sei zu versprechen, was man nicht leisten könne.

15,2 idem in tuendo, quod semel annuisset, tanta erat cura, ut non mandatam, sed suam rem videretur agere. numquam suscepti negotii eum pertaesum est: suam enim existimationem in ea re agi putabat, qua nihil habebat carius.

15,2 Beim Wahren der Interessen war es das Gleiche, welche Sache er einmal versprochen hatte, war von so grosser Sorgfalt, dass es schien, es sei nicht eine übergebene Angelegenheit, sondern dass er für seine Sache handle. Niemals war er der laufenden Geschäfte überdrüssig: Denn er glaubte, dass sein guter Ruf in Frage stehe, nichts war ihm teurer als dieser guter Ruf.

15,3 quo fiebat ut omnia Ciceronum, M. Catonis, Q. Hortensii, Auli Torquati, multorum praeterea equitum Romanorum negotia procuraret. ex quo iudicari poterat non inertia, sed iudicio fugisse rei publicae procurationem.

15,3 Dadurch geschah es, dass er alle Geschäfte der beiden Ciceros, von Marcus Cato, von Quintus Hortensius, von Aulus Torquatus und ausserdem von vielen anderen römischen Rittern verwaltete. Daraus kann beurteilt werden, dass er nicht durch Trägheit, sondern durch Urteilsvermögen die Verwaltung des Gemeinwesens gemieden hatte.

2.2 Sachliche Erläuterungen

4,1 In diesem Abschnitt sind keine Konjekturen zu diskutieren.

Lucius Cornelius Sulla lebte von 138 bis 78 v.Chr. In den Jahren 82 – 79 herrschte er als Diktator in Rom. Seine Rache an den Anhängern Marius’ war äusserst blutig und grausam (Stichwort Proskriptionen).

Mit ex Asia ist die Rückreise Sullas nach dem Mitrhidatischen Krieg nach Italien gemeint. Sie fällt in das Jahr 84 v.Chr, der Zeit nach dem Frieden von Dardanos. Eher unüblich (im Vergleich zu zeitgenössischen Charakterisierungen von Sulla) ist die positive Darstellung von Sulla.

Mit humanitas und doctrina werden zwei prägende Eigenschaften von Atticus angesprochen.

5,1 In diesem Abschnitt sind keine Konjekturen zu diskutieren.

Quintus Caecilius ist ein Verwandter mütterlicherseits von Atticus. Glaub man Cicero, zählt er zu den schlimmsten Wucherern seiner Zeit[4].

Lucius Lucullus war der Sieger über Mithridates im dritten mithridatischen Krieg. „Das Verhältnis zu Lucullus (familiaris) ist nicht genau umschrieben, wird sich aber auf eine finanzielle Sachverwalterrolle beziehen.“[5]

Die Erbschaft fällt ins Jahr 58 v.Chr.

5,3 In diesem Abschnitt sind keine Konjekturen zu diskutieren.

Quintus Tullius Cicero ist der Bruder des berühmten Marcus Tullius Cicero. Seine Ehe mit der Schwester von Atticus ist 68 v.Chr. geschlossen worden, im Jahr

44.v.Chr. ist sie geschieden worden.

6,2 Auf Zeile 28 schlägt die Handschrift A possent vor, die Handschrift L posset. Da sich dieses Prädikat auf honores bezieht, ist possent vorzuziehen.

Die von Lambinus vorgeschlagene Ergänzung <geri> auf Zeile 29 ist einerseits von der Parallelität des Satzbaus (neque + Infinitiv Passiv), andererseits vom Verständnis her sinnvoll und daher anzunehmen.

Ebenfalls auf Zeile 29 gibt es eine Unstimmigkeit zwischen Handschrift L und A. Da corruptis inhaltlich mehr Sinn macht, ist hier dem Herausgeber Marshall zu folgen und die Variante corptis der Handschrift A zu verwerfen.

6,5 Handschrift L schlägt attribui, Handschrift A tribui vor (Zeile 7). Rein inhaltlich machen beide Varianten Sinn, daher kann die ursprüngliche Lesart nicht mit letzter Sicherheit bestimmt werden. qua in re bezieht sich auf den gesamten letzten Abschnitt.

Mit tranquilitas wird ein Grundprinzip der epikuräischen Philosophie genannt.

suspiciones: Gewisse römische Magistraten haben ihre Ämter zur persönlichen Bereicherung missbraucht. Seit dem Jahr 149 v.Chr. soll dies durch die Repetundengerichtshöfe verhindert werden. suspiciones bezeichnet solche Verdächtigungen der persönlichen Bereicherung.

15,1 In diesem Abschnitt sind keine Konjekturen zu diskutieren.

15,2 Hier stellt sich auf Zeile 21 die Frage, ob der ursprüngliche Text in tuendo, tenendo oder nitendo lautet. Da nitendo inhaltlich keinen Sinn ergibt, ist diese Konjektur zu verwerfen. Auch die Konjektur von Fleckeisen, tenendo, vermag nicht zu überzeugen. Daher ist in tuendo zu wählen.

15,3 Gemäss ! wird Cato auf Zeile 25 M.Catonis genannt, die Handschriften A und L verwenden Catonis Marci. In Anbetracht der Parallelität ist hier M.Catonis vorzuziehen. Denn auch bei Quintus Hortenisus und Aulus Torquatus wird zunächst der Vornamen genannt.

Zu Marcus Tullius Cicero und Quintus Tullius Cicero, cf. 4.5, p. 15 und 4.6, p. 17.

Marcus Porcius Cato Uticensis war der Urenkel von Cato Maior. Seinen Beinamen hat er bekommen, weil er sich nach dem Untergang der Republik in Utica das Leben genommen hat (46 v.Chr). In der Kaiserzeit wird er zur Idealgestalt des echten stoischen Republikaners.

Vor der Zeit Ciceros ist Quintus Hortenius (114 – 50 v.Chr.) der berühmteste Redner Roms[6]. Als Cicero im Jahr 63 Konsul ist, sind sich die beiden näher gekommen. Dank der Bemühungen von Atticus hat diese Freundschaft auch die Exiljahre von Cicero überstanden.

[...]


[1] cf. Geiger, J. (1985).

[2] Sämtliche Textstellen folgen Nepos, C. (1991).

[3] cf. Nepos, C. (1968), p. 60.

[4] cf. dazu Abschnitt 4.5, p. 15.

[5] Nepos, C. (1994), p. 575.

[6] cf. Cancik, H., Schneider, H. (1999), Sp. 825sq.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Atticus-Bild - Ein Vergleich anhand ausgewählter Textfunde
Hochschule
Universität Bern  (Klassische Philologie)
Veranstaltung
Seminar über Nepos
Note
5.5 (Schweiz)
Autor
Jahr
2002
Seiten
22
Katalognummer
V9446
ISBN (eBook)
9783638161473
ISBN (Buch)
9783638641036
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Note entspricht 1,5 nach deutscher Bewertung.
Schlagworte
Atticus, Nepos, Biographie, Vita
Arbeit zitieren
Alexandra Zaugg (Autor), 2002, Das Atticus-Bild - Ein Vergleich anhand ausgewählter Textfunde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9446

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