Der Einfluss von Priming auf das Konsumentenverhalten. Konzepte und Methoden des Neuromarketings


Seminararbeit, 2020

25 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Gedächtnis
2.1.1 Gedächtnissysteme
2.1.2 Das explizite Gedächtnis
2.1.3 Das implizite Gedächtnis
2.2 Priming
2.2.1 Historischer Überblick
2.2.2 Begriffserklärung: Priming
2.2.3 Stimulus Onset Asynchrony

3 Methodik
3.1 Arten vom Priming
3.1.1 Direktes und indirektes Priming
3.1.2 Phonologisches und orthographisches Priming
3.1.3 Semantisches Priming
3.2 Priming-Techniken
3.2.1 Konzeptuelles Priming
3.2.2 Prozedurales Priming
3.2.3 Sequenzielles Priming
3.2.4 Konsumentenverhalten lenken durch Priming

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Klassifikation des Gedächtnisses

Abbildung 2: Verknüpfungen im menschlichen Gedächtnis

Einleitung

Marketing besteht schon seit einem geraumen Zeitraum nicht mehr aus den klassischen Werbe- und Vermarktungsmethoden, die sich über die Jahre hinweg etabliert hatten. Heutzutage tragen viele Bereiche der Neurowissenschaft dazu bei, Wahrnehmung und Werbewirkung von Produkten und Dienstleistung zu verstärken und dem Kunden auf eine Vielzahl von Arten nahezubringen. Mittlerweile ist somit von Neuromarketing die Rede. Mithilfe von Neuromarketing können verschiedene Konzepte und Maßnahmen ausgearbeitet werden, die auf traditionell betriebswirtschaftlicher Ebene aufgrund des Mangels der nötigen Aufmerksamkeit auf diese Bereiche gar nicht zu Stande gekommen wären. Unterbewusste Gefühle, Erfahrungen und Emotionen des Kunden sind Schlüsselkomponenten des Neuromarketings und zeichnen sich als wesentliche Werbeträger aus.1

Laut Gernsheimer et al. (2009) ist eines der wichtigsten Instrumente, das Teil dieser Maßnahmen ist, das sogenannte Priming, was auch das primäre Thema dieser Seminararbeit darstellt.

Im Laufe der folgenden Kapitel möchte ich sowohl auf das Priming als solches, als auch auf das menschliche Gedächtnis näher eingehen. Theoretische Grundlagen, die den Anfang der Arbeit bilden, liefern zu beiden Themenbereichen eine fundierte Basis, die sich über Begriffserklärungen, sowie geschichtliche Hintergründe erstreckt. Der Fokus der Arbeit liegt jedoch auf den verschiedenen Arten von Priming, Priming-Techniken und den Auswirkungen von Priming auf das Konsumentenverhalten.

Da viele unserer Handlungen ohne unsere Wahrnehmung völlig unterbewusst und autark ablaufen2, ist es wichtig, diese Prozesse zu verstehen und genauer zu definieren. Trotz vieler theoretischen Ausführungen in dieser Arbeit wird schnell klar, dass sich alle Modelle auf marktwirtschaftliche Maßnahmen übertragen lassen und somit Anwendung finden.

1 Theoretische Grundlagen

1.1 Gedächtnis

Laut der Definition von Häcker und Stapf (2004), ist das Gedächtnis als Phänomen anzusehen, welches sich darin äußert, dass unter den verschiedenen Abläufen des Bewusstseins solche sind, die man als Nachwirkung früherer Prozesse ansehen kann (z. B. Emotionen). Das Individuum erlebt diese Prozesse wiederum mit der Erkenntnis, dass es sich bei den Eindrücken um bereits Erlebtes handelt.3 Andere Definitionen gehen noch einen Schritt weiter und besagen, dass unsere Persönlichkeit, kulturelle Identität sowie der Sinn unseres Lebens in unseren Erinnerungen enthalten ist und wir dadurch geformt und beeinflusst werden, auch wenn wir uns nicht an besagte Eindrücke erinnern können.4

Aus diesen Auslegungen geht hervor, dass unser Gedächtnis weit mehr als nur ein Datenspeicher ist und unser Handeln und Denken aktiv von den verarbeiteten Informationen beeinflusst wird. Damit es für den Menschen möglich ist, erlangtes Wissen nutzen zu können, sind drei verschiedene mentale Abläufe notwendig.5 Die Umformung bzw. Verschlüsselung von Informationen in spezifische Sequenzen, sowie räumliche Konfigurationen oder semantische Beziehungen werden als Enkodierung verstanden.6 Dies entsteht laut den Psychologen Hewstone, Jonas und Stroebe (2002) durch das Verknüpfen, bzw. das Verbinden von bereits bestehenden Kenntnissen mit neu erlangtem Wissen. Selektierte Reize von außen werden erkannt und mittels der innerlichen Informationsverarbeitung in die vorhandenen Strukturen mit eingearbeitet.7

Umso höher die Affinität zwischen den neuen und den bereits gespeicherten Informationen ist, desto einfacher werden neu wahrgenommene Reize verarbeitet.8 Das Speichern von zuvor enkodierten Informationen über einen langen Zeitraum hinweg wird als zweiter Prozess der Informationsverarbeitung gesehen.9 Das Hervorrufen enkodierter und gespeicherter Informationen ist der dritte Gedächtnisprozess, der als Abruf betitelt wird.10

Es ist wichtig nicht außer Acht zu lassen, dass die abgerufenen Daten verändert sein können, da es sich hierbei lediglich um die Reaktivierung eines Erlebniseindrucks handelt (Engramm).11 Mit dem Abruf wird ein neues neuronales Netz mit Eigenschaften des alten Engramms und mit Teilen von Erinnerungen an andere Erfahrungen, sowie mit Einflüssen von der gegenwärtigen Geistesverfassung rekonstruiert.12 Die drei Phasen sind somit also getrennte Gedächtnisprozesse zu verstehen, welche jedoch eine hohe Form der Interaktion mit einander vorweisen.13 Die sogenannte Enkodierspezifität besagt, dass die Erinnerungsleistung verbessert wird, wenn die Kodierungsbedingungen den Abrufanforderungen entsprechen, was in zahlreichen Studien untersucht und belegt wurde.14

Als Beispiel hierfür dient ein Experiment beschrieben von Balch und Lewis (1996), das mithilfe von Musik belegt hat, dass sich die Gedächtnisleistung der Probanden stark erhöht, wenn das Zeitmaß der Hintergrundmusik beim Prozess der Enkodierung sowie beim Abruf gleichgeblieben ist. Das Gegenstück hierzu wird als Kontextschock bezeichnet, der dann auftritt, wenn man beispielsweise Schwierigkeiten damit hat, eine Person einem Kontext zuzuordnen.15 Ein passendes Beispiel hierfür ist die Begegnung mit jemandem auf einer Veranstaltung, den man zwar kennt, aber die Begegnung, aufgrund der unüblichen Umgebung, nicht dem eigentlichen Kontext zuordnen kann. Nach Überlegung fällt einem auf, dass es sich bei der besagten Person um den Briefträger handelt, den das Gedächtnis jedoch nicht mit Veranstaltungen in Verbindung bringt, weshalb es beim Abruf schwer fällt eine Verknüpfung herzustellen.16

1.1.1 Gedächtnissysteme

Unter einem Gedächtnissystem versteht man die Zusammensetzung von verschiedenen Gruppen aus Gehirnarealen, sowie Prozessen, die ihre Aufgaben auf die Speicherung und das Abrufen von Informationen fokussiert haben.17 Eingehende Informationen werden anhand der Reihenfolge ihrer Aufnahme für die Systeme verschlüsselt (kodiert und enkodiert).18 Eine Information kann in mehreren Systemen zeitgleich abgelegt werden, da die Speicherung meistens parallel Erfolg.19 Gedächtnisinhalte werden in implizit (unbewusst) und explizit (bewusst) unterteilt. Weitere Begriffe, die diese Differenzierung beschreiben, sind prozedural und deklarativ, sowie Verhaltens- und Wissensgedächtnis.20 Die Begriffe versuchen einen Unterschied zwischen dem Wissen als solches und dem Faktor, dass wir Kenntnis von etwas haben, da wir es bereits verarbeitet haben, zu schaffen.21

Im Bereich des deklarativen Gedächtnisses ist laut Squire (2009) von sprachbasierter Information die Rede. Im prozeduralen Gedächtnis hingegen sind die Informationen nicht sprachbasiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Klassifikation des Gedächtnisses

Quelle: Birbaumer/Schmidt (1999), S. 566

1.1.2 Das explizite Gedächtnis

Im expliziten Gedächtnis verarbeitet unser Gehirn Dinge wie beispielsweise Fakten, aber auch wesentliche Ereignisse die uns widerfahren sind.22 Wir haben die Möglichkeit dieses Wissen zu verbalisieren (auszusprechen), zu visualisieren und auf andere Art und Weise bekannt zu geben oder zum Ausdruck zu bringen.23 Lukesch (2001) definiert für das explizite Gedächtnis eine weitere Bezeichnung, das Wissensgedächtnis, das sich laut ihm wiederum in episodisches und semantisches Wissen unterteilen lässt.

Vergangene Ereignisse, die uns in unserem Leben widerfahren sind, finden sich im episodischen Gedächtnis wieder, woraus die Bezeichnung autobiographisches Gedächtnis resultiert.24 Erinnerungen aus dem episodischen Gedächtnis haben einen genauen Bezug zu einem gewissen Kontext oder einer persönlichen Erfahrung und haben sich aus dieser entwickelt (Bsp.: Todestag der Eltern).25 Daten, die keinen festen Zusammenhang mit einem spezifischen Ort und Zeitraum haben, sind im semantischen Gedächtnis gespeichert und beinhalten Dinge wie Regeln, Konzepte und Bedeutungen.26 Als gutes Beispiel hierfür dienen Mathematikaufgaben in der Schule, bei denen keine Notwendigkeit besteht, sie auf ein bestimmtes früheres Ereignis abzustimmen.27

Die Differenzierungen zwischen episodischen und semantischen Informationen sind jedoch nicht so groß wie erwartet. Dies resultiert aus der Tatsache, dass semantisches Wissen oft auf bestimmten Erfahrungen beruht. Katzen verabscheuen Wasser, Hunde wiederum empfinden genau das Gegenteil. Dies ist dem semantischen Wissen zuzuordnen, jedoch auch auf genaue Ereignisse zurückzuführen (wenn bspw. die eigene Katze baden vermeidet und der Hund nicht genug davon bekommen kann).28

1.1.3 Das implizite Gedächtnis

Das implizite Gedächtnis zeichnet sich dadurch aus, dass wir nicht bewusst wahrnehmen, dass wir über unterbewusstes, abrufbares Wissen verfügen.29 Sind bestimmte Gedächtnisinhalte nicht durch spezifische Tests nachweisbar sondern lediglich durch das Absolvieren von Aufgaben, handelt es sich um Wissen, das der impliziten Kategorie zugeordnet werden kann.30 Viele stimmen dem zu und sind ebenfalls der Ansicht, dass das Bilden und das Abrufen nicht absolut abhängig vom Bewusstsein oder von kognitiven Prozessen sind.31

Abb. 1 veranschaulicht, dass das implizite (prozedural) Gedächtnis aus Fertigkeiten und Gewohnheiten, instrumentellem Konditionieren, nicht- assoziativem Lernen, sowie Priming besteht.32 Laut Seel (2000) dient das implizite Gedächtnis als Speicher für Kenntnisse über Verhaltensmuster und kognitive Sequenzen, die in verschiedenen Entscheidungen in unserem Leben zum Tragen kommen.33

Ein treffendes Beispiel für das implizite Gedächtnis ist das Schreiben auf einer Tastatur, das geübten Personen möglich ist, auch wenn sie die genaue Anordnung der verschiedenen Tasten nicht ohne das Anschauen einer Tastatur beschreiben könnten.34 Als weiteres Beispiel eignet sich die Fähigkeit ein Fahrrad zu fahren, das uns möglich ist, auch wenn wir den Balanceakt bzw. die erlernte Fähigkeit das Rad zu fahren nicht erklären können.35 Somit ist der Zugang zu besagtem Wissen trotz Umsetzung der darauf beruhenden Fähigkeiten nicht bewusst möglich.36

1.2 Priming

1.2.1 Historischer Überblick

Die ersten Ansätze der Priming-Forschung finden sich in der von Hebbs (1949) verfassten Arbeit über die sogenannte internale mentale Repräsentation.37 Grundstein des Aufnehmens neuer Informationen war für Hebbs die Korrelation verschiedener Nervenzellen, die er als eine aus sich selbst entwickelnde Wiederholung neuronaler Aktivität bezeichnete.38 Das Verständnis dieser Zusammenhänge darf nicht außer Acht gelassen werden und ist ein essenzieller Bestandteil der Erläuterung von Priming.39 Der amerikanische Psychologe Karl Lashley (1950) hat die von Hebbs verfasste Arbeit erweitert und die These aufgestellt, dass es absolut notwendig ist, sich alle Teile eines normal gesprochenen Satzes bis zum Ende zu merken, um diesen letztendlich zu verstehen. Bargh (2006) hat diese mentalen Konzepte als Schnittstellen zwischen dem Geist und dem, was wir wahrnehmen (unsere Welt) definiert. Der Ursprung des Begriffs ist ebenfalls auf Lashley zurückzuführen, der damit die vorbereitende Funktion des Denkens erklärt hat.40 Die bei der Kommunikation auftretenden schnellen Abläufe von aufeinanderfolgenden Antwortsequenzen sind ein Feld mit dem sich Lashley intensiv beschäftigt hat.41 Er argumentierte, dass es eine Art Vermittlungszustand geben muss, der zwischen dem Willensakt oder der Absicht und der Produktion des beabsichtigten Verhaltens eingreift und die Handlung in die richtige serielle Abfolge bringt, was er wiederum als die Vorbereitung der Reaktion ansah.42

Der Psychologe Storms (1958) war mit dieser Ansicht jedoch nicht komplett einverstanden und hat das erste wissenschaftliche Experiment zu dieser Thematik durchgeführt. Das Experiment beinhaltete die Aufgabe, Wörter frei zu verknüpfen, die auf eine Reihe von verschiedenen Stimuli folgten. Eine Probandengruppe hat zuvor eine Liste mit Begriffen erhalten, die als Gedächtnistraining auswendig zu lernen war, die andere Gruppe nicht. Der Versuch resultierte in der Verdeutlichung der Tatsache, dass Versuchsteilnehmer, die zuvor auf die Begriffsliste Zugriff hatten, besagte Begriffe auch häufiger bei der freien Begriffsassoziation nutzen. Dieser Effekt wurde von Storms (1958) in seinen Versuchsberichten erwähnt, jedoch hatte er keine Erklärung dafür, wieso er eintritt. Segal und Cofer (1960) bezeichneten daraufhin als Erste mit dem Begriff „Priming“ den Effekt der Wahrscheinlichkeit, dass in einer Aufgabe verwendete Konzepte, in einer nachfolgenden nicht verwandten Aufgabe, erneut genutzt werden.43

William James (1890) hat sich mit Theorien befasst, welche besagen, dass es ausreichend ist über bestimmte Verhaltensmuster nachzudenken, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, diesen Mustern tatsächlich zu folgen.44 Er bezeichnete dieses Phänomen als die direkte Verbindung zwischen Gedanken und der mentalen Repräsentation von Verhaltensmustern.45 Laut James hat der Mensch ebenfalls eine Neigung dazu, gewisse Verhaltensmuster nachzumachen, die eine Verknüpfung zwischen Gedanken und gedanklicher Verhaltensübertragung voraussetzt.46 Diese Theorie wurde weiterentwickelt und so dargelegt, dass die soziale Wahrnehmung, hier definiert als die Aktivierung einer Wahrnehmungsrepräsentation, sich direkt auf das Sozialverhalten auswirkt. Wahrnehmungen von Verhalten werden oft in Reaktionen umgesetzt (kurzgesagt, man tut oft das, was man andere tun sieht).47

Zu der Thematik der Verhaltensnachahmung wurden von Bargh und Chartrand (1999) weitere Experimente durchgeführt. Der Versuchsaufbau war wie folgt: Ein Mitarbeiter der Studie wurde angewiesen, mit dem Fuß zu wippen oder sein Gesicht zu berühren. Als Ergebnis hat man erwartet, dass die Teilnehmer der Studie das ihnen präsentierte Verhalten adaptieren würden, was sich im Laufe der Versuche auch eindeutig belegen ließ. Bei häufigem Gesicht berühren zeigten auch die getesteten Experimentteilnehmer eine Neigung dazu, eher ihr Gesicht anzufassen als mit dem Fuß zu wippen. Umgekehrt war dies selbstverständlich auch der Fall.48 Es ist jedoch wichtig anzumerken, dass Priming nicht nur im Bereich der Verhaltensnachahmung eintritt. Es gibt eine Vielzahl von Bereichen in denen Priming zum Tragen kommt. Der Priming-Effekt ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, ohne den viele Abläufe nicht so reibungslos ablaufen würden. Selbstverständlich ist das für den Menschen meistens ein unterbewusstes Ereignis auf, das keinen Einfluss genommen wird. Auf einige dieser Bereiche werde ich in den weiteren Kapiteln näher eingehen und einige Priming-Techniken sowie verschiedene Priming-Arten näher erläutern.

1.2.2 Begriffserklärung: Priming

Vorweg kann man direkt sagen, dass es keine eindeutige bzw. zutreffende Übersetzung für den Priming-Begriff gibt. Die Übersetzung „Vorwärmen“49 ist in diesem Fall sehr gut geeignet, da sie dem Wesentlichen am nächsten kommt. Die Kernaussage, das zur Verfügung stellen aller Begriffe, die mit einem Wort bzw. Bild in Verbindung gebracht werden, wird durch den Begriff passend widerspiegelt, was ebenfalls von Hörmann (1967) in seinem Werk „Psychologie der Sprache“ thematisiert wird.

Wahrgenommene Reize haben eine ausschlaggebende Wirkung auf die Verarbeitung nachfolgender Reize, jedoch nur wenn diese korrelieren.50 Prozesse dieser Art wurden ebenfalls als die sogenannte assoziative Aktivierung eingestuft.51 Priming wird im Marketing auch oft als die Manipulation von verschiedenen Verhaltensmustern verstanden.52 Minimal wahrgenommene Reize können bei wiederholtem Aufnehmen einfacher erkannt, verarbeitet und somit gespeichert werden.53 Alle Prozesse die notwendig sind, um diesen Punkt zu erreichen, laufen dabei implizit ab. Häufig sind nur kleinste Signale von Nöten, um besagte Verhaltensmuster (Verhaltensprogramme) zu aktivieren.54 Aus diesem Grund ist es wichtig sich vor Augen zu führen, dass unsere Wahrnehmung durch kleinste Codes oder Signale wesentlich beeinflusst und unser Verhalten signifikant gesteuert werden kann.55

1.2.3 Stimulus Onset Asynchrony

Ein grundlegender Begriff, der bei der Bearbeitung von Priming-Prozessen äußerst wichtig ist, ist der sogenannte Stimulus Onset Asynchrony, der mit SOA abgekürzt wird. Dieser bezeichnet die Zeitspanne zwischen dem Erscheinen des Stimulus und dem darauffolgenden Target-Stimulus.56 Laut Neely (1977) ist von automatischem Priming die Rede, wenn die Zeitspanne sehr gering ist (unter 500ms), wodurch man die Möglichkeit hat, Effekte von kontrollierten Prozessen auf Priming-Effekte auszuschließen. Eine Differenzierung zwischen strategischem und automatischem Priming ist durch die Veränderung des SOAs, möglich.

Da der Gebrauch von kurzen SOAs (150ms bis 300ms) in Verbindung mit relativ kurzen Reaktionszeiten (ca. 550ms), zu der Annahme führt, dass Latenzen, auf die Ziele zu reagieren in Abhängigkeit von ihrer Beziehung zum Priming automatische Prozesse widerspiegeln, die daher keiner bewussten Kontrolle unterliegen.57 Bei Reaktionszeiten, die sich über 750ms bewegen, spricht man von strategischem Priming. Um dies genauer zu erforschen wurde von Neely (1977) ein sogenanntes Worterkennungsexperiment durchgeführt, das sich mit der Variation von SOA-Zeitspannen beschäftigt. Die Aufgabe des Experiments bestand darin, verschiedene Buchstabenkombinationen als echtes Wort zu identifizieren.

Die Priming-Stimuli, die vor den Begriffen erschienen, waren in diesem Fall die Wörter „Body“ oder „Furniture“. Die darauffolgenden Target-Stimuli waren in Körperteile oder Möbelstücke kategorisiert. Jedoch bestand auch die Möglichkeit, dass ein Logatom (non-word/nicht-Wort) angezeigt wird. Man ist davon ausgegangen, dass durch die vorangegangen Priming-Stimuli bei einer kurzen SOA die Antwortgeschwindigkeit bei den zum Prime passenden Target-Stimuli erhöht sei (es wurde bspw. „Furniture“ gezeigt, also antwortet man bei einem Möbelstück schneller). Somit hat man mit automatischen Effekten gerechnet. Bei langen SOAs über 750ms war die Annahme, dass strategische Erwartungen auf das Antwortverhalten Einfluss nehmen.

Das Experiment konnte nachweisen, dass wenn Prime-Stimulus und Target-Stimulus der gleichen Wortkategorie zugehörig sind (in diesem Fall Körperteile oder Möbel), ist es bei kurzen SOAs einfacher, die Begriffe einander zuzuordnen. Überbegriffe im Bereich der langen SOAs waren für das Antwortverhalten hilfreich.58 Somit konnte durch das Experiment die These aufgestellt werden, dass für das Prüfen von automatischen Effekten kurze SOAs genutzt werden sollten, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.59

[...]


1 Gernsheimer/Raab/Schindler (2009), S 1 ff.

2 Gernsheimer/Raab/Schindler (2009), S 168 ff.

3 Häcker/Stapf (2004), S. 342

4 Antoniadis/Durlach/Emilien/Maloteaux/Van der Linden (2004), S. 1

5 Birk/Erll/Neumann/Nünning/Schmidt (2004), S. 65

6 Birbaumer/Schmidt (1999), S. 570

7 Birk/Erll/Neumann/Nünning/Schmidt (2004), S. 65

8 Windisch/Zoßeder (2006), S. 27

9 Birk/Erll/Neumann/Nünning/Schmidt (2004), S. 65

10 Birk/Erll/Neumann/Nünning/Schmidt (2004), S. 65

11 Birk/Erll/Neumann/Nünning/Schmidt (2004), S.11

12 Birk/Erll/Neumann/Nünning/Schmidt (2004), S.11

13 Gerrig/Zimbardo (2004), S. 298

14 Antoniadis/Durlach/Emilien/Maloteaux/Van der Linden (2004) S. 12

15 Gerrig/Zimbardo (2004), S. 246

16 Gerrig/Zimbardo (2004), S. 246

17 Birbaumer/Schmidt (1999), S. 566

18 Ebd.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Ebd.

22 Birbaumer/Schmidt (1999), S. 566

23 McNamara/Timothy (2005), S.17

24 Birbaumer/Schmidt (1999), S. 566

25 Wessells (1994), S. 250

26 Birbaumer/Schmidt (1999), S. 566

27 Wessells (1994), S. 250

28 Wessells (1994), S. 251

29 Anderson, 2001, S. 237

30 Häcker/Stapf, 2004, S. 434

31 Antoniadis/Durlach/Emilien/Maloteaux/Van der Linden (2004), S. 2

32 Antoniadis/Durlach/Emilien/Maloteaux/Van der Linden (2004), S. 2

33 Birbaumer/Schmidt (1999), S. 566

34 Birbaumer/Schmidt (1999), S. 566

35 Anderson, 2001, S. 237

36 Anderson, 2001, S. 233

37 Bargh/Chartrand (2000), S. 9

38 Donald (1993), S. 361

39 Bargh (2006), S. 147 ff.

40 Bargh/Burrows/Chen (1996), S.231 f.

41 Bargh/Chartrand (2000), S. 255

42 Bargh/Chartrand (2000), S. 255

43 Bargh/Chartrand (2000), S. 255

44 Bargh/Burrows/Chen (1996), S.231 f.

45 James (1890), S. 526

46 Bargh/Dijksterhuis (2001), S.1

47 Bargh/Dijksterhuis (2001), S.1

48 Bargh/Chartrand (1999), S. 896

49 Häcker/Stapf (2004), S. 729

50 Küchler (1991), S. 149

51 Häcker/Stapf (2004), S. 729

52 Gernsheimer/Raab/Schindler (2009), S. 223

53 Bielefeld (2012), S. 205

54 Held/Scheier (2012), 60 f.

55 Gernsheimer/Raab/Schindler (2009), S. 223

56 Glaser/Kihlstrom (2005), S.176

57 Glaser/Kihlstrom (2005), S.183

58 Bargh/Chartrand (2000), S. 273

59 Bargh/Chartrand (2000), S. 273

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss von Priming auf das Konsumentenverhalten. Konzepte und Methoden des Neuromarketings
Hochschule
Hochschule Ludwigshafen am Rhein
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
25
Katalognummer
V944610
ISBN (eBook)
9783346288769
ISBN (Buch)
9783346288776
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, priming, konsumentenverhalten, konzepte, methoden, neuromarketings
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Der Einfluss von Priming auf das Konsumentenverhalten. Konzepte und Methoden des Neuromarketings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/944610

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