Das lyrische Werk von Konrad von Würzburg


Hausarbeit, 2006

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Eine thematische Einführung

2. Ein biografischer Exkurs

3. Das Œuvre Konrads von Würzburg

4. Die lyrischen Dichtungen Konrads von Würzburg
4.1. Die Lieder
4.2. Die Sprüche
4.3. Die Leichs
4.4. Die Sangspruchdichtung „Die Klage der Kunst“

5. Die Schlussbetrachtung

6. Das Literaturverzeichnis
6.1. Die Primärliteratur
6.2. Die Sekundärliteratur

1. Eine thematische Einführung

Ich möchte mich in dieser Hausarbeit mit dem mittelhochdeutschen Autor Konrad von Würzburg beschäftigen und dabei der Betrachtung seines lyrischen Werkes besondere Beachtung schenken. Dieses Vorhaben begründet sich in der Absicht, weniger eine monografische Abhandlung anzufertigen, was ferner den Rahmen dieser Hauptseminararbeit sprengen würde, als vielmehr die literarische Vielseitigkeit dieses Dichters und die Leistung seines umfangreichen lyrischen Werkes zu akzentuieren. Dass Letzteres in der Tat beachtens- und anerkennenswert ist, verdeutlicht ein Ausspruch des gemeinhin als sehr kritisch geltenden Sprach- und Literaturwissenschaftlers Jacob Grimm, welcher Konrad mit den Worten würdigt, er sei „vielleicht unsrer Sprache am meisten Meister gewesen“1.

Dem Anspruch des Seminars „Sangspruchdichtung“ genügend möchte ich das Hauptaugenmerk sowohl auf die Sprüche als auch auf die Lieder und Leichs von Konrad von Würzburg richten. Darüber hinaus wird die Sangspruchdichtung „Die Klage der Kunst“ einer näheren Untersuchung unterzogen. Dieses Gedicht erscheint mir insofern von großem Interesse, als es in formaler Hinsicht und auch thematisch gesehen eine Sonderstellung in der mittelhochdeutschen Literaturlandschaft jener Zeit einnimmt.2 Da Konrad von Würzburg vor allem als Epiker bekannt ist, soll jedoch vorweg das Konradsche Gesamtwerk thematisiert werden.

Den Rahmen der folgenden Ausführungen bildet zum einen ein biografischer Exkurs, der einen kurzen Einblick in das Leben des Autors gewährt. Tatsächlich bietet sich ein kurzes biografisches Resümee an, denn Konrads Vita ist verhältnismäßig gut greifbar. So lässt sich vor allem die letzte Lebensphase anhand von Texthinweisen und urkundlichen Erwähnungen hinreichend dokumentieren.3 Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, dass trotz oder gerade wegen der Fülle an urkundlichen und

chronikalischen Informationen über Konrad von Würzburg Ungereimtheiten und Kontroversen zutage treten, die der literaturhistorischen Forschung natürlich nur förderlich sein können. So sind sich die Philologen uneins, wann beispielsweise das Geburtsjahr des Dichters festzulegen sei. Aus diesem Grund kann die nachfolgende Abhandlung keineswegs den Anspruch auf Unwiderlegbarkeit der genannten Daten und Fakten erheben.

Abschließend möchte ich in meiner Schlussbetrachtung Resümee ziehen und dabei dem Bild von Konrad von Würzburg in der philologischen Forschung nachgehen. So ist dieser Aspekt insbesondere vor dem Hintergrund der älteren Forschungsmeinung interessant, Konrad sei lediglich dem Epigonentum verbunden.4

2. Ein biografischer Exkurs

Konrad von Würzburg wird vermutlich zwischen 1215 und 1230 in Würzburg geboren.5 Die mainfränkische Herkunft leitet sich insbesondere aus dem Beinamen ab, der in vielen seiner Werke genannt wird.6 Entsprechend heißt es zum Beispiel in der Versnovelle „Der Welt Lohn“: „/Von Wirzeburc ich Cuonrât/“7

Über Konrads beginnende und mittlere Lebensphase ist bedauerlicherweise nicht viel bekannt.8 In der Heimat dichtet er wohl nur die Verserzählung „Der Schwanritter“, die auf Gesuch des Adelshauses Rieneck entsteht.9 Im Jahr 1257 oder 1258 verfasst der gewöhnlich nach Auftrag arbeitende Konrad, wahrscheinlich nunmehr am Niederrhein ansässig, die Lobpreisdichtung „Das Turnier von Nantes“ auf Geheiß oder Vermittlung des Grafen von Kleve sowie etwas später das Epos „Engelhard“.10

Konrads Sprache zeigt eine ostfränkische Färbung, die allerdings oftmals vom Alemannischen überdeckt ist.11 Seit den Sechzigerjahren des 13. Jahrhunderts findet der Autor seine Gönner und Auftraggeber in oberrheinischem Gefilde.12 In Straßburg dichtet er für den Dompropst Berthold von Tiersberg die Novelle „Heinrich von Kempten“ und wird in jenen Jahren in der distinguierten Baseler Spiegelgasse familiär sesshaft.13 Hier besitzt Konrad ein aus Steinen errichtetes Haus, was ihn als angesehenen und wohlhabenden Bürger der vor allem kulturell bedeutsamen Stadt Basel auszeichnet.14 Diese soziale Stellung wird ihm durch seine dichterische Kunst und die Nähe zu Mäzenen zuteil,15 welche desgleichen zur bemittelten und kulturell aufgeschlossenen Oberschicht gehören. Gönner des unvollendeten Romans „Der Trojanerkrieg“ ist zum Beispiel der Domkantor Dietrich an dem Orte.16 Womöglich am 31. August 1287 verstirbt Konrad in Basel aus bisher nicht geklärten Gründen17 und findet hier seine letzte Ruhestätte. In den Annalen wird er häufig mit den respektvollen Titeln „magister“ oder mhd. „meister“ bedacht, die ihn als gelehrten Berufsdichter ausweisen. Tatsächlich verrät sein Œuvre ein hohes Maß an Bildung. So ist er der lateinischen und später der französischen Sprache mächtig und verfügt über eine umfassende Literaturkenntnis. Doch Konrad ist nach eigenem Bekunden nicht adlig.18 In Spruch 32 äußert er sich bezüglich seines Standesverhältnisses: „/wære ich edel, [...]/“19

Diese Aussage verwundert in Anbetracht seines Baseler Hausbesitzes in der Nachbarschaft von Domherren und Beamten des Domstiftes. In den Straßburger Quellen wird er als „vagus“ im Sinne von „fahrender Sänger“ bezeichnet, was

Konrads Sesshaftigkeit und exponierte Stellung in Basel prinzipiell widerspricht.20 Als großes Vorbild gilt nach eigener Aussage der Epiker Gottfried von Straßburg,21 den er beispielsweise in der renommierten Mariendichtung „Die Goldene Schmiede“ preist:

„/von Strazburc meister Gotfrit,/der als ein wæher houbetsmit/guldin getihte worhte./“22

Die Meistersinger des 15. bis 18. Jahrhunderts rühmen Konrad indes als einen der Zwölf alten Meister des Meistergesanges.23

Nachdem in der vorhergehenden Darstellung über das Leben Konrads von Würzburg bereits einige Aspekte seines literarischen Schaffens angeklungen sind, möchte ich mich nunmehr en détail dem Gesamtwerk des mittelhochdeutschen Autors nähern und infolgedessen auch auf seine epische Dichtung blicken.

3. Das Œuvre Konrads von Würzburg

Konrad von Würzburg, dessen Dichtungen teilweise nur singulär tradiert sind24 und nicht selten auf französisch- oder lateinischsprachigen Vorlagen basieren,25 ist ebenso produktiv wie vielseitig gewesen. Sein Œuvre umfasst annähernd 86.100 Verse, wobei man davon ausgeht, dass einige seiner Werke nicht überliefert wurden. Etwa 2.200 Verse sind dem lyrischen und circa 83.900 Verse dem epischen Genre zuzuordnen. In rund 85% der Reimpaardichtungen benennt Konrad einen Klienten, wodurch diese als Auftragswerke identifiziert werden können. Infolgedessen ist Reinhard Bleck zuzustimmen, der durch die mittelalterliche Dichtung in erster Linie öffentliche Funktionen erfüllt sieht. So sind einige epische Werke

Konrads nachweislich politische Dichtungen, die auf bestimmte Personen und Geschehnissen Bezug nehmen,26 was für die zeitliche Eingrenzung dieser Texte in das Œuvre wiederum von Vorteil ist. Der Entstehungszeitraum lässt sich aber nicht nur durch den realhistorischen Kontext, sondern – wenn vorhanden – auch durch urkundliche Belege der im Werk genannten Auftraggeber spezifizieren.27 Problematisch ist in diesem Zusammenhang die Datierung der lyrischen Dichtungen Konrads. Wie Rüdiger Brandt in seiner Abhandlung zu Konrad von Würzburg richtig bemerkt, entzieht sich die Majorität der sangbaren Dichtungen meist gattungsbedingt einer zeitlichen Einordnung durch historische oder sprachstilistische Kriterien.28

Generell ist man sich in der literaturhistorischen Forschung einig, dass die Verserzählungen „Das Herzmäre“, „Heinrich von Kempten“ und „Der Welt Lohn“ Frühwerke darstellen. Die Verslegenden „Silvester“, „Alexius“ und „Pantaleon“ fallen wohl in Konrads mittlere Lebensphase. Später entstehen vermutlich die Gedichte „Die Klage der Kunst“ sowie „Die Goldene Schmiede“ und zuletzt die Romane „Partonopier und Meliur“ und „Der Trojanerkrieg“.29

Für die Lokalisierung der Konradschen Werke stellt indes die Sprache ein wichtiges Indiz dar. So offenbart eine Vielzahl der Texte, die dialektalen Einflüssen im Allgemeinen nur geringfügig unterliegen, beispielsweise Alemannismen,30 wodurch fundierte Rückschlüsse auf mögliche Entstehungsorte im alemannischen Sprachraum gezogen werden können.

Ein grundsätzlicherer Gesichtspunkt ist die Verfasserschaft von Konrad. Für Texte, in denen er sich mit seinem Namenszug zu erkennen gibt, gilt die Autorschaft als bewiesen, auch wenn zeitgenössische Dichter ihr Werk durch Angabe eines bekannteren Namens hätten aufwerten können.31 Dichtungen ohne Selbstnennung, wie die meisten lyrischen Werke Konrads,32 können ihm lediglich anhand von

Mutmaßungen zugeschrieben werden. Brandt stellt hierbei nicht zu Unrecht fest, dass die Forschungslage auf diesem Gebiet zumindest bedenklich ist.33

Bevor ich im Anschluss auf die lyrischen Dichtungen von Konrad von Würzburg eingehe, muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass Konrad wahrscheinlich keinen seiner Texte mit einem Titel versehen hat. Die uns heute bekannten Überschriften sind folglich ausnahmslos kopistischen Ursprungs.34 Des Weiteren möchte ich darauf hinweisen, dass sich alle Stellenangaben, die nachfolgend im Zusammenhang mit Konrads lyrischen Dichtungen genannt werden, auf den dritten Band von Edward Schröders Textsammlung „Kleinere Dichtungen“ beziehen.

4. Die lyrischen Dichtungen Konrads von Würzburg

Konrad von Würzburg zählt zu den wenigen mittelhochdeutschen Autoren, die sich in der Kunst der Lied-, Spruch- und Leichdichtung gleichermaßen geübt haben.35 Die lyrischen Werke sind in der Manessischen Liederhandschrift (auch: Große Heidelberger Liederhandschrift, Liederhandschrift C), der Jenaer Liederhandschrift (auch: Liederhandschrift J) sowie in drei Pergamenthandschriften des 14. und vier Papierhandschriften des 15. Jahrhunderts tradiert. Die Überlieferung währte im Ganzen rund 200 Jahre und lokalisiert Regionen in Niederdeutschland und am Niederrhein sowie Gebiete in Südwestdeutschland, Bayern und der Schweiz.36

[...]


1 Ernst Thäler: Jacob und Wilhelm Grimm. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1981. S. 43.

2 vgl. Hartmut Kokott: Konrad von Würzburg. Ein Autor zwischen Auftrag und Autonomie. Stuttgart: S. Hirzel Verlag, 1989. S. 85.

3 vgl. Reinhard Bleck: Überlegungen zur Entstehungssituation der Werke Konrads von Würzburg, in denen kein Auftraggeber genannt wird. Wien: Verlag Karl M. Halosar, 1987. S. 4.

4 vgl. Rüdiger Brandt: Konrad von Würzburg. Kleinere epische Werke. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2000. S. 72.

5 vgl. Rüdiger Brandt: Konrad von Würzburg. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1987. S. 64.

6 vgl. Bleck 1987. S. 8-9.

7 Konrad von Würzburg: Kleinere Dichtungen. Bd. 1. Der Welt Lohn. Das Herzmäre. Heinrich von Kempten. Herausgegeben von Edward Schröder. Mit einem Nachwort von Ludwig Wolff. 10. Auflage, unverändert mit Textverbesserungen. Berlin: Weidmann, 1968. S. 11. V. 271.

8 vgl. Bleck 1987. S. 4.

9 vgl. Brandt 2000. S. 37.

10 vgl. Brandt 2000. S. 42.

11 vgl. Brandt 1987. S. 67.

12 vgl. Kokott 1989. S. 13.

13 vgl. Helmut de Boor: Die deutsche Literatur im späten Mittelalter. Teil 1. 1250-1350. 5. Auflage. Neubearbeitet von Johannes Janota. In: Helmut de Boor/Richard Newald: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 3. Teil 1. München: C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, 1997. S. 28.

14 vgl. Inge Leipold: Die Auftraggeber und Gönner Konrads von Würzburg. Versuch einer Theorie der „Literatur als soziales Handeln“. Göppingen: Verlag Alfred Kümmerle, 1976. S. 11.

15 vgl. Bleck 1987. S. 5.

16 vgl. Boor: Die deutsche Literatur im späten Mittelalter. Teil 1. 1250-1350. In: Boor/Newald 1997. S. 28.

17 Es wird im Allgemeinen angenommen, dass Konrad an einer ansteckenden Krankheit gestorben ist. (vgl. Bleck 1987. S. 7.)

18 vgl. Brandt 2000. S. 15-16.

19 Konrad von Würzburg: Kleinere Dichtungen. Bd. 3. Die Klage der Kunst. Leiche, Lieder und Sprüche. Herausgegeben von Edward Schröder. Mit einem Nachwort von Ludwig Wolff. 4. Auflage, unveränderter Nachdruck mit Berichtigungen und Verbesserungen. Dublin, Zürich: Weidmann, 1970. S. 61. V. 189.

20 vgl. Brandt 2000. S. 16-17.

21 vgl. Boor: Die deutsche Literatur im späten Mittelalter. Teil 1. 1250-1350. In: Boor/Newald 1997. S. 407.

22 Konrad von Würzburg: Die Goldene Schmiede des Konrad von Würzburg. Herausgegeben von Edward Schröder. 2. und unveränderte Auflage. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht, 1969. S. 4. V. 97-99.

23 vgl. Brandt 1987. S. 213.

24 vgl. Bleck 1987. S. 1.

25 vgl. Bleck 1987. S. 15-17.

26 vgl. Bleck 1987. S. 1.

27 vgl. Bleck 1987. S. 15.

28 vgl. Brandt 1987. S. 69.

29 vgl. Brandt 1987. S. 67-68.

30 vgl. Bleck 1987. S. 12-13.

31 vgl. Brandt 1987. S. 219.

32 vgl. Brandt 1987. S. 66.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Das lyrische Werk von Konrad von Würzburg
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
26
Katalognummer
V94469
ISBN (eBook)
9783640106493
ISBN (Buch)
9783640119202
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mittelhochdeutsch, Konrad, von, Würzburg, lyrisch, Werk, Sprüche, Lieder, Leich, Leichs, Sangspruchdichtung, Spruchdichtung, Klage, Kunst, Epik, Gesamtwerk, Leben, Dichter, Lyrik
Arbeit zitieren
Michael Möllmann (Autor), 2006, Das lyrische Werk von Konrad von Würzburg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94469

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das lyrische Werk von Konrad von Würzburg



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden