Das Phänomen Front National – eine Bestandsaufnahme
Der Front National gehört zu den zugkräftigsten rechten Parteien in Europa. Nach einigen Höhe- und Tiefpunkten hat sich die Partei mittlerweile etabliert. Im Vergleich mit anderen rechten Parteien erzielt sie schon lange große Erfolge. Unklar bleibt, was diese Partei im Gegensatz zu anderen rechten Parteien wählbar macht und ob es sich eigentlich um eine rechtspopulistische oder rechtsextreme Partei handelt. Die vorliegende Arbeit nimmt eine Bestandsaufnahme vor und zeigt, mit welcher Pro-grammatik der FN Wahlkampf macht und wie sich sein Elektorat zusammensetzt. Nach Erklärungsansätzen zu den Begriffen Rechtsextremismus und Rechtspopulis-mus wird klar, dass es sich um eine rechtsextreme Partei mit populistischem Image handelt, die vor allem durch die Mobilisierung enttäuschter Wähler durch Le Pen zum Erfolg gelangte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Front National – Eine Bestandsaufnahme
2.1. Wahlerfolge des Front National
2.2. Die Wählerschaft des Front National
2.3. Die Programmatik des Front National
3. Ansätze zur Begriffsbildung
3.1. (Rechts-) Extremismus
3.2. (Rechts-) Populismus
4. Einordnung des Front National
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Front National (FN) in Frankreich, um zu klären, welche Faktoren die Partei trotz ihrer rechtsextremen Ausrichtung für einen Teil der Wählerschaft attraktiv und wählbar machen. Dabei wird analysiert, wie sich das Elektorat zusammensetzt, welche inhaltliche Programmatik die Partei verfolgt und wie sie sich im wissenschaftlichen Diskurs zwischen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus einordnen lässt.
- Historische Entwicklung und Wahlerfolge des Front National
- Soziologische Analyse der Wählerbasis und regionale Schwerpunkte
- Methoden des Agenda-Setting und der inhaltlichen Programmatik
- Wissenschaftliche Definition und Abgrenzung von Rechtsextremismus und Rechtspopulismus
- Politische Einordnung der Rolle von Jean-Marie Le Pen
Auszug aus dem Buch
2.2. Die Wählerschaft des Front National
Nach Camus kommt dem FN in Frankreich die Rolle einer Antisystempartei zu. Durch die Bündelung der Wähler, die sich durch keine andere Partei vertreten fühlen, gewinnt er die Macht, das System zu blockieren. „Und zugleich erwirbt er genügend Autorität, um die Gruppen, deren Sprachrohr er ist, vor einer totalen Selbstaussperrung vom repräsentativen System zu bewahren und sie vom Weg illegaler und gewaltsamer Aktionen abzuhalten.“ (Camus 1998: 52). Wenn man nun danach fragt, wer denn diese unterrepräsentierten Gruppen sind, so wird zuerst die geographische Verortung deutlich. Schwerpunktgebiete des FN liegen vor allem im Osten einer imaginären Linie, die sich „von Le Havre über Valence bis nach Perpignan zieht“ (Loch 1991: 46).
Paris und dessen Umland, Elsass und Lothringen sowie der Mittelmeerstreifen `Provence-Alpes-Côte d´Azur´ können als rechte Bastionen bezeichnet werden. Da in den ländlichen westlichen Gebieten der „Demarkationslinie“ (Loch 1991: 48) kaum Erfolge des FN zu beobachten sind, kann durchaus gefolgert werden, dass das FN-Votum mit sozialen Faktoren zusammenhängt. Auch wenn die städtischen Ballungsgebiete des Südens teilweise andere Merkmale aufweisen als die Metropole Paris, so scheint das rechtsextreme Wählerpotential in Frankreich überwiegend im urbanen Umfeld angesiedelt zu sein. Betrachtet man die soziologische Zusammensetzung der Wählerbasis Le Pens seit den 1980er Jahren, so fällt auf, dass es sich von dem konservativer Parteien (überwiegend weiblich, älter als 50 Jahre, praktizierende Katholiken und geringer Anteil sozial unterer Schichten) stark unterscheidet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung zur Wählbarkeit des Front National vor und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit sowie die Verwendung des maskulinen Artikels für die Partei.
2. Der Front National – Eine Bestandsaufnahme: Dieses Kapitel liefert einen historischen Überblick über die Parteientwicklung, analysiert die Wahlerfolge seit den 1980er Jahren, das soziale Profil der Wählerschaft und die inhaltliche Programmatik inklusive der Le-Pen-Strategie.
3. Ansätze zur Begriffsbildung: Hier werden die theoretischen Grundlagen für die Begriffe (Rechts-) Extremismus und (Rechts-) Populismus erarbeitet, um eine wissenschaftliche Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
4. Einordnung des Front National: Dieses Kapitel führt die empirischen Befunde mit den theoretischen Begriffsdefinitionen zusammen und ordnet den FN als rechtsextreme Partei mit populistischer Fassade ein.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und wirft einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Partei, insbesondere im Hinblick auf die Nachfolgefrage nach Le Pen.
Schlüsselwörter
Front National, Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Jean-Marie Le Pen, französische Politik, Antisystempartei, Wahlverhalten, Parteiprogramm, Agenda-Setting, nationale Präferenz, Wählerklientel, Radikale Rechte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des französischen Front National als rechtsextreme Partei, die trotz ihrer ideologischen Ausrichtung in der Lage ist, signifikante Wahlerfolge zu erzielen und als wählbare Partei wahrgenommen zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Parteientwicklung seit 1972, die soziologische Zusammensetzung des Elektorats, die politische Programmatik und die theoretische Unterscheidung von Populismus und Extremismus.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, was den Front National unter Jean-Marie Le Pen zu einer scheinbar wählbaren Partei macht und wie seine politische Identität zwischen populistischem Image und rechtsextremem Kern einzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Bestandsaufnahme, die auf der Analyse von Wahldaten, Parteimanifesten, Aussagen führender Politiker sowie der Auswertung bestehender Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische und empirische Bestandsaufnahme der Partei sowie in eine theoretische Fundierung der Begriffe Rechtsextremismus und Rechtspopulismus, die abschließend kombiniert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Front National selbst sind Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Le Pen, das französische Wahlsystem und die soziale Zusammensetzung der Wählerschaft die prägenden Begriffe.
Warum unterscheidet der Autor zwischen der Bezeichnung "der Front National" und "die Front National"?
Der Autor entscheidet sich konsequent für den maskulinen Gebrauch ("der Front National"), um sich an den im Französischen üblichen Sprachgebrauch anzulehnen, merkt jedoch an, dass dies in der Literatur uneinheitlich gehandhabt wird.
Wie erklärt die Arbeit den Erfolg des Front National bei bestimmten Wählergruppen?
Der Erfolg wird durch die gezielte Mobilisierung von enttäuschten Wählern, das Aufgreifen tagesaktueller Sorgen wie Immigration und Unsicherheit sowie durch die taktische Inszenierung Le Pens als "Anwalt der kleinen Leute" erklärt.
Welche Rolle spielt die Person Jean-Marie Le Pen?
Le Pen wird als zentrale Führungsperson identifiziert, die durch seine eigene Biografie und ein autoritäres Führungsverständnis die Partei prägt und als "Outsider" gegenüber dem etablierten politischen System auftritt.
Welche Gefahr sieht der Autor in der Reaktion der anderen Parteien auf den FN?
Der Autor warnt davor, dass etablierte Parteien durch das Aufgreifen der Themen des Front National dessen Agenda legitimieren und ihm damit unfreiwillig zu mehr politischem Einfluss verhelfen, anstatt seine Positionen argumentativ zu entkräften.
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- Politikwissenschaftler B.A. Sebastian Feyock (Author), 2005, Das Phänomen Front National - eine Bestandsaufnahme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94487