Der Aufbau der Roten Armee Fraktion und das ideologische Postulat der Kollektivität


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Aufbau und Organisation der RAF
2.1.1. Die Gründung der RAF
2.1.2. Die Ausbildung
2.1.3. Das Mini-Handbuch der Stadtguerilla
2.1.4. Der Aufbau der Logistik
2.2. Die RAF in Haft
2.2.1. Das „info“
2.2.2. Die Anwälte
2.2.3. Sprengstoff und Schusswaffen

3. Die reale Umsetzung des ideologischen Postulats der Kollektivität

4. Bibliographie

1. Einleitung

Die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren, nicht nur in Deutschland, überschattet vom linken Terrorismus. Die in der BRD agierende Rote Armee Fraktion, kurz RAF, entstand aus der Studentenbewegung der Sechziger Jahre und sah sich als kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla. Bis zu ihrer Selbstauflösung im Jahr 1998 war sie für den Tod von mehr als 30 Menschen verantwortlich.

Die folgende Arbeit wird sich mit der so genannten „1. Generation“ der RAF, genauer mit dem Aufbau ihrer Logistik und der Struktur, befassen. Ins Auge gefasst werden in diesem Zusammenhang die Ereignisse seit ihrer Gründung am 14. Mai 1970 bis zur „Mai-Offensive“ 1972. In dieser Zeit entwickelte und organisierte sich die RAF, nach den Vorgaben des brasilianischen Guerilla-Führers Carlos Marighella, zu einer schlagkräftigen Stadtguerilla.

Weiterhin findet das Wirken der Führungsriege um Andreas Baader aus dem Gefängnis in Stuttgart-Stammheim heraus Beachtung. Hier schaffte es die RAF mit Hilfe ihrer Anwälte ein gut organisiertes Informationssystem für die RAF-Häftlinge in der ganzen Republik und die in Freiheit verbliebenen Mitglieder dieser terroristischen Vereinigung zu schaffen.

Im Schluss wird die Frage geklärt, inwieweit die tatsächliche Struktur und Entscheidungsfindung der RAF dem von ihr verbreiteten ideologischen Postulat der Kollektivität entsprach.

Zum Thema Rote Armee Fraktion existiert ein schier unendliche Zahl von Publikationen. Einen guten kompakten Gesamtüberblick liefert zum Beispiel Klaus Pfliegers „Die Rote Armee Fraktion“. Genauere Einblicke bieten jedoch Stefan Austs „Der Baader-Meinhof-Komplex“, Butz Peters „Tödlicher Irrtum, Die Geschichte der RAF“ und das von Wolfgang Kraushaar herausgegebene zweibändige Werk „Die RAF und der linke Terrorismus“. Alle drei sind mit Sicherheit als Standardwerke zum Phänomen RAF zu betrachten, auch wenn „Der Baader-Meinhof-Komplex“ kein wissenschaftliches Buch im herkömmlichen Sinne darstellt. Das vom niederländischen RAF-Anwalt veröffentlichte Buch „das info. Die Briefe der Gefangenen der RAF aus der Diskussion 1973 bis 1977“ zeigt zwar anschaulich das Funktionieren des „info“. Jedoch ist die Sammlung der Briefe, aufgrund der Tatsache, dass diese von Mitgliedern der RAF selbst zusammengestellt und teilweise auch gekürzt wurden, mit Vorsicht zu genießen und kritisch zu betrachten. Letztendlich bleibt Uta Demes „Die Binnenstruktur der RAF“ zu erwähnen, dass sich bei der Klärung der Fragestellung als sehr hilfreich erwies.

2. Hauptteil

2.1. Aufbau und Organisation der RAF

2.1.1. Die Gründung der RAF

Als Geburtsstunde der RAF gilt gemeinhin der 14. Mai 1970 – der Tag der Befreiung Andreas Baaders durch Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und einige andere Protagonisten[1].

Baader war zuvor bei dem Versuch mit Hilfe des V-Mann des Verfassungsschutzes Peter Urbach – auch als „S-Bahn-Peter“ bekannt - Waffen zu besorgen, verhaftet worden. Der hatte Horst Mahler und Andreas Baader berichtet, dass auf einem Friedhof im Berliner Bezirk Neukölln Waffen und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg vergraben seien. Bei der Rückkehr von der „Friedhofstour“ am 4. April 1970 wurde Baader nach einer Verfolgungsjagd in Richtung Ost-Berlin von der Polizei gefasst. Diese hatte vom Verfassungsschutz einen entsprechenden Tipp bekommen. Der wiederum bekam seine Infos von Urbach, welcher in der linken Szene schon länger als Spitzel galt. Mahler wusste von diesen Verdächtigungen und wurde von Bekannten vor dem Treffen explizit darauf hingewiesen, schlug diese Warnungen aber offensichtlich in den Wind.[2]

Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Horst Mahler setzten nun alle Hebel in Bewegung, um Andreas Baader schnellst möglich zu befreien. Mahler gaukelte dem zuständigen Leiter der Justizvollzugsanstalt Tegel vor, Baader und Meinhof schrieben an einem gemeinsamen Buch. Die erforderliche Literatur stünde nur im Zentralinstitut für Sozialfragen in Berlin-Dahlem zur Verfügung und nur Baader könne die Auswahl der Literatur treffen. Nach einigem Zögern gab der Chef der Haftanstalt grünes Licht und bestimmte den 14. Mai 1970 als Termin. Alsbald begann die Gruppe um Ensslin und Co. mit den Vorbereitungen für die anstehende Befreiung.[3]

Als der Tag der vermeintlichen Literaturrecherche gekommen war, stürmten schließlich Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und einige andere Gruppenmitglieder das Zentralinstitut für Sozialfragen und überwältigten Baaders Bewacher. Sie gaben dabei mehrere Schüsse ab und verletzten den Institutsangestellten Georg Linke lebensgefährlich. Baader und seine Befreier flüchteten und lebten fortan im Untergrund. Dazu gehörte nun auch endgültig Ulrike Meinhof, die mit dem Sprung aus dem Fenster des Instituts ihre journalistische Karriere und ihre zwei Kinder für ein Leben in der Illegalität aufgab. Von nun an ist die Gruppe in der Öffentlichkeit als „Baader-Meinhof-Bande“ bekannt, intern bezeichnen sie sich als „Rote Armee Fraktion“.

Die Mitgliederzahl der RAF wird sich in den nächsten Wochen im Untergrund auf über 20 mehr als verdoppeln. Unter anderem werden Jan-Carl Raspe, das spätere Hungerstreik-Opfer Holger Meins und Brigitte Mohnhaupt dazu stoßen.[4]

Am 4. Juni 1970 veröffentlicht die RAF in einem Brief an die linke Zeitschrift Agit 883 dann auch ihre erste politische Erklärung mit dem Titel „Die Rote Armee aufbauen“. Darin erklären sie, dass „die Befreiung Baaders nur der Anfang ist“ und „die Revolution kein Osterspaziergang sein wird“. Die Rote Armee sei notwendig und werde aufgebaut, „um den Konflikt mit dem Staat auf die Spitze treiben zu können.“[5]

2.1.2. Die Ausbildung

Vier Wochen nach der Befreiung Baaders machten sich in den Medien Gerüchte breit, die „Baader-Meinhof-Bande“ sei in Syrien untergetaucht. Tatsächlich hatte eine erste Gruppe den West-Berliner Untergrund am 8.Juni 1970 verlassen und war auf dem Weg in den Nahen Osten, um in einem Camp der El Fatah[6] das Schießen zu lernen. Die Gruppe um Horst Mahler war mit dem „Transitbus“ und der S- oder U-Bahn unerkannt nach Ost-Berlin gefahren und flog anschließend von Schönefeld nach Beirut. Dort setzte sie der Zoll wegen Problemen mit den Einreise-Papieren erstmal fest. Mit Hilfe einiger Palästinenser gelang ihnen aber schließlich die Flucht nach Syrien.[7]

Eingefädelt wurde die Reise von Said Dudin, einem Berliner Studenten und Verbindungsmann zur El Fatah. Er hatte die Tickets im West-Berliner Reisebüro „Karim“ besorgt und flog als Kontaktmann mit. Nach etwa 10 Tagen kehrte Said Dudin nach Berlin zurück, im Gepäck ein Stapel gefälschter Pässe für Baader und die anderen in Berlin verbliebenen RAF-Mitglieder. Die zweite „Reise-Gruppe“, darunter Baader, Ensslin und Meinhof, begab sich am 21. Juni 1970 mit der U-Bahn von West-Berlin nach Schönefeld. Sie hatten sich die Haare gefärbt und als Araber verkleidet und kamen problemlos durch die Passkontrolle. Einen Tag später hatten sie die syrische Hauptstadt Damaskus erreicht. Doch gab es erneut Probleme bei der Einreise, die Syrier wollten die Deutschen nicht ins Land lassen. Dank der Verbindungen Said Dudins sollte jedoch auch dieses Problem schnell gelöst werden. Am Abend des 22. Juni trafen dann beide Gruppen im Camp der El Fatah in der Nähe der Stadt Amman wieder aufeinander. Die Ausbildung konnte beginnen.[8]

[...]


[1] Vgl. Backes, Uwe; Jesse, Eckhard: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik. Berlin 1993. S. 202.

[2] Peters, Butz: Tödlicher Irrtum. Die Geschichte der RAF. Frankfurt am Main 2007. S. 172 ff.

[3] Pflieger, Klaus: Die Rote Armee Fraktion - RAF. 14.5.1970 bis 20.4.1998. Baden-Baden 2004. S. 20.

[4] Pflieger: RAF. S 21.

[5] Rote Armee Fraktion: „Die Rote Armee aufbauen. Erklärung zur Befreiung Andreas Baaders vom 5. Juni 1970.“ In: ID-Verlag (Hrsg.): Rote Armee Fraktion. Texte und Materialien zur Geschichte der RAF. Berlin 1997. S. 24 ff.

[6] Die El Fatah ist ein militanter Arm der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO.

[7] Peters: Tödlicher Irrtum. S. 198.

[8] Aust, Stefan: Der Baader-Meinhof-Komplex. München 1998. S. 123 f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Aufbau der Roten Armee Fraktion und das ideologische Postulat der Kollektivität
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V94525
ISBN (eBook)
9783640103508
ISBN (Buch)
9783640112135
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aufbau, Roten, Armee, Fraktion, Postulat, Kollektivität
Arbeit zitieren
Martin Jürgen (Autor), 2008, Der Aufbau der Roten Armee Fraktion und das ideologische Postulat der Kollektivität , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94525

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