Der Begriff Netzwerk ist in der heutigen Zeit omnipräsent. Aber kaum jemand weiß, was er eigentlich bedeutet. Auf der Suche nach einer brauchbaren Definition werden alltägliche Dinge und Geschehnisse - vom Computer bis zur Werbung - analysiert, die sich entweder selbst als Netzwerk bezeichnen oder aber als ein solches gesehen werden können. Das Ergebnis dieser Untersuchung, die sich bewußt mit den grundsätzlichen Schwierigkeiten der Findung von Definitionen (etwa willkürliche Festsetzung, übermäßige Abbildung von Zeitgeistattitüden) auseinandersetzt, ist eine allgemeine und dabei flexibel, sowie respezifizierbar gehaltene Definition von Netzwerk.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Methodik
3 Der Morgen
4 Das Telefongespräch
5 Der Netzwerkbegriff in der Werbung – das Beispiel TeleSon ‚Nullsensation‘
6 Fähigkeit zum networking – Notwendigkeit für moderne Arbeitnehmer ?!
7 Exkurs: Überlegungen zu einem System der Erfassung von Bekanntschaftsgraden in personenbezogenen (sozialen) Netzwerken
8 Computernetzwerke
9 Zusammenfassung und Definition
10 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine präzise Definition des unscharfen Begriffs „Netzwerk“ zu entwickeln. Anstatt sich ausschließlich auf theoretische Definitionen zu stützen, nutzt der Autor Beobachtungen alltäglicher Situationen, wie beispielsweise Telefonate oder Werbekampagnen, um die Eigenschaften und Bedingungen von Netzwerken induktiv abzuleiten und den Begriff für soziologische Kontexte zu schärfen.
- Phänomenologische Beobachtung von Netzwerken im Alltag
- Differenzierung zwischen Netzwerk, Netzstruktur und Computernetz
- Untersuchung von Kommunikationsstrukturen und Bekanntschaftsgraden
- Kritische Analyse des inflationären Netzwerkbegriffs in der modernen Arbeitswelt
Auszug aus dem Buch
4 Das Telefongespräch
Nachdem ich dann aus dem Badezimmer kam, rief ich Person A an, um zu erfahren wie weit die Planungen zum lange ins Auge gefassten Pokerabend gediegen waren. Schon während des Wählens dachte ich darüber nach, ob die technischen Aspekte des Telefonierens zu meinen Netzwerküberlegungen beitragen könnten. Im Nachhinein informierte ich mich darüber wie eigentlich ein Gespräch bei einem ISDN-Anschluss vermittelt wird. Zusammenfassend ist zu sagen, dass es mehrere hierarchische Ebenen der Vermittlung gibt (VE:A = Auslandsvermittlungsstelle, VE:F = Fernvermittlungsstelle, VE:O = Ortsvermittlungsstelle) (ENDE 2006:7). Da es sich um ein Ortsgespräch handelte, musste das Gespräch nur über die VE:O vermittelt werden. Die folgende Abbildung 1 zeigt eine Übersicht über den Aufbau der Vermittlungsstruktur.
Technisch gesehen nutze ich also eine Struktur ähnlich dem Stromnetz, wenn ich telefoniere. Dies ergibt sich aus der umfassenden Betrachtungsweise aller Vermittlungsstellen und Endgeräte nebst den möglichen Verbindungen. Anders sieht es bei der isolierten Betrachtung der Gesprächsteilnehmer aus. Dann sind Person A und ich, in dem Moment, als sie abhob eine Verbindung eingegangen in der nur wir beide existieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Der Autor thematisiert die konzeptionelle Unschärfe des Netzwerkbegriffs im Seminarzusammenhang und führt die methodische Herangehensweise ein, sich dem Begriff über die Beobachtung alltäglicher Situationen anzunähern.
2 Methodik: Es wird dargelegt, dass der Autor den eigenen Tagesablauf als Datenquelle nutzt, um Situationen als Netzwerke zu interpretieren, wobei der interpretative Charakter der Beobachtungen explizit als Teil des Erkenntnisprozesses hervorgehoben wird.
3 Der Morgen: Anhand des Beispiels der Stromversorgung und des Weckers wird verdeutlicht, dass Netzwerke eine bewusste Kommunikation und die Autonomie der Teilnehmer erfordern, was ein bloßes technisches System wie das Stromnetz abgrenzt.
4 Das Telefongespräch: Durch die Analyse von Telefonaten und Dreierkonferenzen wird der Übergang von einer bloßen technischen Struktur zu einem sozialen Netzwerk aufgezeigt, in dem Teilnehmer gezielt Verbindungen herstellen und nutzen.
5 Der Netzwerkbegriff in der Werbung – das Beispiel TeleSon ‚Nullsensation‘: Der Autor untersucht die werbliche Instrumentalisierung des Begriffs Netzwerk und leitet daraus ab, dass Netzwerke grundsätzlich erweiterbar sind und eine freiwillige, vorteilsorientierte Teilnahme erfordern.
6 Fähigkeit zum networking – Notwendigkeit für moderne Arbeitnehmer ?!: Anhand eines Stellenangebots wird die moderne Anforderung zum „Networking“ reflektiert und festgestellt, dass innerhalb von Netzwerken unterschiedliche Aktivitätsgrade der Teilnehmer existieren.
7 Exkurs: Überlegungen zu einem System der Erfassung von Bekanntschaftsgraden in personenbezogenen (sozialen) Netzwerken: Der Autor diskutiert die Problematik der quantitativen Erfassung von Bekanntschaftsgraden und zieht historische sowie parabelhafte Beispiele heran, um Indikatoren für Verbindungsstärken zu finden.
8 Computernetzwerke: Es wird die Unterscheidung zwischen „Netzstruktur“ (physische Verbindung) und einem echten Netzwerk (durch Kommunikation geprägtes Gefüge) geschärft, wobei Computernetze aufgrund der Abhängigkeit vom Menschen als Sonderform diskutiert werden.
9 Zusammenfassung und Definition: Basierend auf den vorangegangenen Kapiteln wird eine zusammenfassende Definition erarbeitet, die Netzwerk als freiwilligen, kommunikativen Zusammenschluss mit variabler Teilnehmerzahl beschreibt.
10 Schlussbetrachtung: Der Autor resümiert den Forschungsprozess und reflektiert über die Schwierigkeit, einen gesellschaftlich so inflationär gebrauchten Begriff exakt und gleichzeitig flexibel zu definieren.
Schlüsselwörter
Netzwerk, Netzwerkbegriff, Netzstruktur, Soziologie, Kommunikation, Alltag, Bekanntschaftsgrad, Telefonie, Computernetzwerk, Freiwilligkeit, Interaktion, Theoriebildung, qualitative Netzwerkanalyse, soziale Bindung, Networking.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer theoretischen Annäherung an den unscharfen Begriff „Netzwerk“ durch die Beobachtung alltäglicher Lebenssituationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Netzwerken, die Abgrenzung zu technischen Strukturen (Netzstrukturen) sowie die Untersuchung sozialer Verbindungen und deren Intensität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Begriff „Netzwerk“ durch eine induktive Methode aus dem Alltag heraus zu schärfen und eine präzise, soziologisch taugliche Definition zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine phänomenologische Beobachtungsmethode, bei der Situationen des eigenen Alltags (z.B. Telefonieren, Werbung) als Ausgangspunkt für die Begriffsdefinition dienen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Alltagsszenarien wie das Telefonieren, die Nutzung von Werbeangeboten und die Reflexion über berufliche „Networking“-Anforderungen, um Eigenschaften von Netzwerken abzuleiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Netzwerk, Netzstruktur, Kommunikation, Freiwilligkeit, Bekanntschaftsgrad und soziale Interaktion.
Warum unterscheidet der Autor zwischen Netzwerk und Netzstruktur?
Der Autor differenziert, da eine bloße physische Verbindung (wie bei Kabeln in einem PC) noch keine Kommunikation darstellt, welche jedoch eine notwendige Bedingung für ein echtes Netzwerk ist.
Welche Rolle spielt die Kommunikation für die Netzwerkbildung?
Kommunikation ist laut Arbeit das konstituierende Element, das aus einer starren technischen Struktur (Netzstruktur) erst ein lebendiges, veränderbares Netzwerk macht.
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- Henning Mertens (Author), 2008, Was ist ein Netzwerk? Versuch einer Annäherung an diesen unscharfen Begriff durch die Beobachtung von Alltäglichem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94551