Welche Ungleichheitsdimensionen greifen im Feminismus und inwiefern sind diese miteinander verwoben? Welche Autor*innen thematisieren welche spezifischen Dimensionen sozialer Ungleichheit?
Der Anspruch dieser Arbeit ist es, diese Dimensionen und ihre Verschränkungen herauszuarbeiten. Bei der Beschäftigung mit der Thematik sozialer Ungleichheit, gewinnt der Begriff „Intersektionalität“ zunehmend an Bedeutung. Doch was genau verbirgt sich hinter der Begrifflichkeit?
In Bezug auf Intersektionalität wird das Zusammenwirken verschiedener Dimensionen thematisiert, um Differenz- und Ungleichheitslagen zu markieren. Als wichtigste Dimensionen gelten dabei „race“ , Geschlecht und Klasse. Diese Triade wird im wissenschaftlichen und politischen Kontext am häufigsten aufgegriffen. Somit besteht die Möglichkeit, die Verschränkung von Rassismus, Sexismus und Klassismus gezielter zu erforschen. Ganz und Hausotter thematisieren die zweifache Bedeutung des Begriffs „Intersektionalität“: So werde damit einerseits der Forschungsgegenstand, also die Interdependenzen von Dimensionen sozialer Ungleichheit, fokussiert. Andererseits werde dabei auch die Methodik, die zur Erfassung der Dimensionen benötigt wird, herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kimberlé Crenshaw: Black feminism
3. Intersektionalität im deutschsprachigen Raum
4. Intersektionalität als Buzzword: Begriffskritik oder neue Möglichkeiten?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, den Begriff des intersektionalen Feminismus sowie die damit verbundenen Ungleichheitsdimensionen und deren Verschränkungen theoretisch aufzuarbeiten, um ein besseres Verständnis für die Marginalisierung von Frauen zu schaffen.
- Historische Herleitung des Begriffs aus dem Black Feminism und den Analysen von Kimberlé Crenshaw.
- Analyse des Intersektionalitätsansatzes im deutschsprachigen Raum unter besonderer Berücksichtigung des Mehrebenenmodells von Degele und Winkler.
- Diskussion der theoretischen Verortung und der Kritik an Intersektionalität als „Buzzword“.
- Untersuchung der Bedeutung von Körperverhältnissen und Machtstrukturen in intersektionalen Analysen.
Auszug aus dem Buch
2. Kimberlé Crenshaw: Black feminism
Ende der 1960er Jahre entwickelte sich eine Schwarze feministische Strömung, die mit der zweiten Welle der Frauenbewegung in den USA einherging (vgl. Kelly 2019: 51). Vertreterinnen des „Black Communism“ beschäftigten sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Ausbeutung Schwarzer Arbeiterinnen. Die antikommunistischen Bewegungen in den USA verwehrten es Schwarzen Feministinnen jedoch, in den 1970er und 1980er Jahren darauf aufzubauen (vgl. Ganz/ Hausotter 2019 400).
In den 1980er zählte „All the Women Are White, All the Blacks Are Men, But Some of Us are Brave“ von Gloria T. Hull, das im Jahr 1982 in „The Feminist Press“ erschien, als eines der wenigen Bücher innerhalb der „Black women’s studies“ (vgl. Crenshaw 1989: 139). Die US-amerikanische Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw stützt sich in ihrem Essay zu Beginn auf das Buch von Hull. Crenshaw hat den Anspruch, eine „schwarzfeministische Kritik“ zu entwickeln, um die problematische Tendenz aufzuzeigen, „race“ und Geschlecht als sich zwei ausschließende Kategorien zu behandeln. Sie kritisiert, dass eine einachsige Betrachtungsweise der Ungleichheitsdimensionen im Antidiskriminierungsgesetz dominiert und sich weiterhin in feministischen Theorien und antirassistischer Politik widerspiegelt. Crenshaw fokussiert sich in ihrer Arbeit auf Schwarze Frauen, um die Mehrdimensionalität ihrer Erfahrungen aufzuzeigen. Diese steht im Gegensatz zu der einachsigen Betrachtung, die die Erfahrungen von Schwarzen Frauen verzerrt (vgl. Crenshaw 1989: 139).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass die Lebensrealitäten von Frauen durch mehr als nur das Geschlecht geprägt sind, und etabliert den intersektionalen Ansatz als notwendiges Analysewerkzeug.
2. Kimberlé Crenshaw: Black feminism: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge der Intersektionalitätsdebatte im Black Feminism und die Pionierarbeit von Kimberlé Crenshaw bei der Aufdeckung mehrdimensionaler Diskriminierung.
3. Intersektionalität im deutschsprachigen Raum: Hier wird der Transfer und die spezifische Adaption des Intersektionalitätsbegriffs in den deutschsprachigen wissenschaftlichen Diskurs sowie der Mehrebenenansatz von Degele und Winkler beleuchtet.
4. Intersektionalität als Buzzword: Begriffskritik oder neue Möglichkeiten?: Das Kapitel diskutiert kontroverse theoretische Sichtweisen auf Intersektionalität, insbesondere die Frage, ob deren Vagheit ein Mangel oder eine Stärke für die feministische Forschung darstellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Bedeutung von Intersektionalität für die Analyse sozialer Ungleichheit zusammen und gibt einen Ausblick auf deren weiteren Einsatz.
Schlüsselwörter
Intersektionalität, Black Feminism, Ungleichheitsdimensionen, Kimberlé Crenshaw, Mehrebenenansatz, Feministische Theorie, race, Geschlecht, Klasse, Diskriminierung, Machtverhältnisse, Soziale Ungleichheit, Bodyismus, Feminismus, Gesellschaftstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Begriff „intersektionaler Feminismus“, dessen historische Genese und die Bedeutung dieses Konzepts für die wissenschaftliche Analyse sozialer Ungleichheiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen der Black Feminism, der Transfer intersektionaler Ansätze in den deutschsprachigen Raum, der Mehrebenenansatz von Degele und Winkler sowie die methodische Kritik am Konzept der Intersektionalität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Verschränkung verschiedener Ungleichheitsdimensionen (wie „race“, Geschlecht und Klasse) herauszuarbeiten und zu verdeutlichen, wie diese die Lebensrealitäten von Frauen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen Literaturbericht, der verschiedene wissenschaftliche Positionen und Theorien analysiert und in einen Kontext zueinander stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Ursprünge des Begriffs durch Crenshaw, die Rezeption im deutschsprachigen Raum und eine kritische Auseinandersetzung mit Intersektionalität als theoretisches Konzept.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Intersektionalität, Black Feminism, soziale Ungleichheit, Machtverhältnisse und feministische Theorie geprägt.
Welche Bedeutung hat das „General Motors“-Beispiel für die Argumentation?
Das Fallbeispiel dient zur Illustration, wie rechtliche Antidiskriminierungsinstrumente an der einachsigen Betrachtung scheitern, da sie nicht in der Lage sind, die Verschränkung von „race“ und Geschlecht bei der Benachteiligung Schwarzer Frauen zu erfassen.
Warum wird der Begriff „Bodyismus“ in die Analyse einbezogen?
„Bodyismus“ wird eingeführt, um den Körper als eine zusätzliche, eigenständige Strukturdimension der Ungleichheit zu markieren, bei der körperliche Merkmale und Leistungsanforderungen über Ressourcenverteilung entscheiden.
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- Friederike Wünsch (Author), 2020, Intersektionaler Feminismus. Die Thematisierung spezifischer Dimensionen sozialer Ungleichheit verschiedener Autor*innen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/945524