Intersektionaler Feminismus. Die Thematisierung spezifischer Dimensionen sozialer Ungleichheit verschiedener Autor*innen


Hausarbeit, 2020

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kimberlé Crenshaw: Black feminism

3. Intersektionalität im deutschsprachigen Raum

4. Intersektionalität als Buzzword: Begriffskritik oder neue Möglichkeiten?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der einst von der bürgerlichen, weißen, westlichen Frauenbewegung formulierte Anspruch, alle Frauen zu repräsentieren, hat entscheidende Risse bekommen. Die Erkenntnis, dass die Lebensrealität und die Erfahrungen von Frauen nicht allein durch das Geschlecht, sondern auch durch andere soziale Platzanweiser geprägt werden, scheint mittlerweile ein Allgemeinplatz zu sein.“ (Lutz et al. 2013: 18)

Bei diesem Zitat weisen Lutz et al. auf eine veränderte Sichtweise in feministischen Strömungen hin. So erscheine es bei der Betrachtung von Lebenserfahrungen nicht ausreichend, bei Frauen nur das Geschlecht als einzige Ungleichheitsdimension heranzuziehen. Lutz et al. sprechen von anderen Platzanweisern, die sozial verortet seien.

Doch welche Ungleichheitsdimensionen greifen hierbei und inwiefern sind diese miteinander verwoben? Welche Autor*innen thematisieren welche spezifischen Dimensionen sozialer Ungleichheit?

Der Anspruch dieser Arbeit ist es, diese Dimensionen und ihre Verschränkungen herauszuarbeiten. Bei der Beschäftigung mit der Thematik sozialer Ungleichheit, gewinnt der Begriff „Intersektionalität“ zunehmend an Bedeutung. Doch was genau verbirgt sich hinter der Begrifflichkeit?

In Bezug auf Intersektionalität wird das Zusammenwirken verschiedener Dimensionen thematisiert, um Differenz- und Ungleichheitslagen zu markieren. Als wichtigste Dimensionen gelten dabei „race“1, Geschlecht und Klasse. Diese Triade wird im wissenschaftlichen und politischen Kontext am häufigsten aufgegriffen (vgl. Purtschert/ Meyer 2010: 130). Somit besteht die Möglichkeit, die Verschränkung von Rassismus, Sexismus und Klassismus gezielter zu erforschen. Ganz und Hausotter thematisieren die zweifache Bedeutung des Begriffs „Intersektionalität“: So werde damit einerseits der Forschungsgegenstand, also die Interdependenzen von Dimensionen sozialer Ungleichheit, fokussiert.

Andererseits werde dabei auch die Methodik, die zur Erfassung der Dimensionen benötigt wird, herangezogen (vgl. Ganz/ Hausotter 2019: 390).

Die Ursprünge der Intersektionalitätsdiskurse lassen sich zunächst von den Analysen der Schwarzen2 Frauenrechtsbewegung, die in den USA stattfindet, herleiten. Der Schwarze Feminismus ist dabei nicht als eine homogene Strömung zu verstehen (vgl. Lutz et al. 2013: 10). Jedoch wird in dieser Arbeit zum besseren Verständnis auf die Begrifflichkeit zurückgegriffen. Weiterhin kann trotz der vielen verschiedenen Essays zum Thema Intersektionalität in dieser Arbeit aufgrund der begrenzten Seitenanzahl nur ein Bruchteil angeschnitten werden. Dabei werden die aus Sicht der Autorin prägnanten Positionen und Strömungen herausgearbeitet.

Das Wort „Intersektionalität“ wird erstmalig im Jahr 1989 von der Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw in ihrem Essay „Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics” verwendet. Daher ist dieses Werk für diese Arbeit sehr relevant. Ferner werden die Historie und andere Positionen innerhalb des „Black Feminism“ skizziert.

Anschließend erfolgt eine Betrachtung des Intersektionalitätsansatzes im deutschsprachigen Raum, bei der primär der Mehrebenenansatz von Nina Degele und Gabriele Winkler beleuchtet wird. Sie plädieren für eine Erweiterung der Ungleichheitsdimensionen und bemängeln, dass beispielsweise Körperverhältnisse keine Eingliederung und somit keine genauere Betrachtung erfahren. Mithilfe intersektionaler Ansätze solle der Richtung, soziale Ungleichheiten gegeneinander auszuspielen, entgegen gewirkt werden. Bei der Analyse von Ungleichheiten nur eine Dimension wie beispielsweise Klassen heranzuziehen, negierelaut Degele und Winkler die komplexen Zusammenhänge verschiedener Dimensionen. Gender Studies untersuchen hierbei vor allem Ungleichheiten in Bezug auf die Dimension Geschlecht, Postcolonial Studies beschäftigen sich primär mit „race“, Queer Studies setzen sich mit Sexualität auseinander und Disability Studies thematisieren Behinderung. Die Wirkungen der Unterdrückungsdimensionen werden dabei nicht einfach addiert, sondern können gleichzeitig auftreten, sich interdependent verstärken oder abschwächen (vgl. Degele/ Winkler 2011: 70 f.).

Im darauffolgenden Kapitel sollen weitere potenzielle Schwachpunkte des Ansatzes näher betrachtet werden, die mithilfe der Ansichten von Kathy Davis theoretisch fundiert sind. Dabei wird Intersektionalität als Buzzword, also als Schlagwort, diskutiert. Abschließend ist es die Zielsetzung dieser Arbeit, im Fazit die Fragestellung zu beantworten und die wichtigsten Erkenntnisse zusammenzufassen.

2. Kimberlé Crenshaw: Black feminism

Ende der 1960er Jahre entwickelte sich eine Schwarze feministische Strömung, die mit der zweiten Welle der Frauenbewegung in den USA einherging (vgl. Kelly 2019: 51). Vertreterinnen des „Black Communism“ beschäftigten sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Ausbeutung Schwarzer Arbeiterinnen. Die antikommunistischen Bewegungen in den USA verwehrten es Schwarzen Feministinnen jedoch, in den 1970er und 1980er Jahren darauf aufzubauen (vgl. Ganz/ Hausotter 2019 400).

In den 1980er zählte „All the Women Are White, All the Blacks Are Men, But Some of Us are Brave“ von Gloria T. Hull, das im Jahr 1982 in „The Feminist Press“ erschien, als eines der wenigen Bücher innerhalb der „Black women’s studies“ (vgl. Crenshaw 1989: 139). Die US-amerikanische Rechtswissenschaftlerin Kimberlé Crenshaw stützt sich in ihrem Essay zu Beginn auf das Buch von Hull. Crenshaw hat den Anspruch, eine „schwarzfeministische Kritik“ zu entwickeln, um die problematische Tendenz aufzuzeigen, „race“ und Geschlecht als sich zwei ausschließende Kategorien zu behandeln. Sie kritisiert, dass eine einachsige Betrachtungsweise der Ungleichheitsdimensionen im Antidiskriminierungsgesetz dominiert und sich weiterhin in feministischen Theorien und antirassistischer Politik widerspiegelt. Crenshaw fokussiert sich in ihrer Arbeit auf Schwarze Frauen, um die Mehrdimensionalität ihrer Erfahrungen aufzuzeigen. Diese stehtim Gegensatz zu der einachsigen Betrachtung, die die Erfahrungen von Schwarzen Frauen verzerrt (vgl. Crenshaw 1989: 139).

Crenshaw bedient sich der Begrifflichkeit „Intersection“, aus dem Englischen übersetzt „Kreuzung“, um auf die Überschneidung der Ungleichheitsachsen hinzuweisen (vgl. Weischer 2013: 386). Somit kann die Marginalisierung Schwarzer Frauen spezifiziert werden. Ursprünglich stammt der Begriff „Intersektionalität“ dementsprechend von Crenshaw (vgl. Ganz/ Hausotter 2019: 390).

Weiterhin knüpft sie an die aus dem Jahr 1851 entstandene, viel zitierte Rede „Ain´t I A Woman?” von Sojourner Truth, einer in die Sklaverei hineingeborenen Schwarzen Frau, an (vgl. Crenshaw 1989: 154). Vor der Rede versuchen ihr, weiße3 Frauen das Wort zu verbieten. Die Befürchtung der weißen Frauen ist es, dass Truth vom Frauenwahlrecht zur Sklavenbefreiung überleitet (vgl. Crenshaw 1989: 153). In der Rede betont Truth ihre eigene Arbeitsfähigkeit und widerlegt, dass Frauen schwächer sind als Männer. Weiterhin stellt sie sich die Frage, ob sie nicht als Frau gelte, da feministische Theorien zwar auf der einen Seite proklamieren, die Erfahrungen von Frauen widerzuspiegeln, auf der anderen Seite jedoch Schwarze Frauen kategorisch ausschließen (vgl. Crenshaw 1989: 154). Schwarze Frauen würden somit zu „weniger Frau“ gemacht und die Erfahrungen Schwarzer Frauen seien für „wahre Frauen“ bedeutungslos. Mit diesem Punkt wird dementsprechend nicht nur das Patriarchat angeprangert, sondern auch weiße Feministinnen, die ihre Privilegien nicht reflektieren und die die Historie Schwarzer Frauen für sich selbst beanspruchen (vgl. Crenshaw 1989: 153 f.).

Bei der Literaturrecherche für die Arbeit ist es auffallend, dass die Rede von sehr vielen Autor*innen zitiert wird. So gehöre laut Crenshaw „Ain’t I a Woman?“ in feministischen Diskursen zum Standardwerk (vgl. Crenshaw 1989: 153). Auch in anderen wissenschaftlichen Bereichen wie beispielsweise der Sozialen Arbeit referiert Leiprecht über die Rede (vgl. Leiprecht 2012: 18). Wichtig zu erwähnen ist dabei jedoch laut Kelly, dass Truth weder lesen noch schreiben konnte und ihre Rede nur von Personen vor Ort mitgeschrieben wurde. Es gibt keine Aufzeichnung, die ihre Worte exakt wiedergibt. Daher könnten in den Replikationen durchaus Fehler oder Veränderungen des Gesagten vorhanden sein (vgl. Kelly 2019: 10).

Schwarze Feministinnen kritisieren am bürgerlichen, weißen Feminismus vor allem, die Unterdrückungserlebnisse weißer Frauen der Mittelschicht in den Fokus zu rücken. Damit werden unter anderem auch die Erfahrungen Schwarzer Frauen negiert (vgl. Lutz 2013: 10 f.). Es muss bei der Betrachtung des Feminismus mit einem weißen Hintergrund thematisiert werden, dass dieser für Schwarze Frauen nicht nur einen geringen Wert hat, sondern diesen sogar schwächt. Wenn weiße Frauen als und für Frauen sprechen, werden Schwarze Frauen exkludiert (vgl. Crenshaw 1989: 154). So musste sich auch Emma Watson der Kritik stellen, als weiße Feministin mit anderen Lebenserfahrungen als Schwarze Frauen universal für alle Frauen zu sprechen und ihre Privilegien nicht zu reflektieren (vgl. Bienert 2018). Auch im akademischen Bereich werden Schwarze Frauen oft noch von weißen Frauen ignoriert (vgl. Kelly 2019: 65).

Laut Crenshaw würden Schwarze Frauen in manchen Fällen von feministischen Theorien und antirassistischer Politik ausgeschlossen, da diese nicht die Verschränkung von „race“ und Geschlecht thematisieren. Diese Problematik könne jedoch nicht lediglich dadurch aufgehoben werden, dass Schwarze Frauen in eine analytische Struktur einbezogen werden, die bereits etabliert ist. Damit die Erfahrungen und Anliegen Schwarzer Frauen in feministischen Theorien und antirassistischer Politik berücksichtigt werden, müsse ein Umdenken stattfinden. Dazu bedarf es einer Umgestaltung des gesamten Rahmens, der ursprünglich dazu diente, die Erfahrungen von Frauen auf der einen Seite und den Erfahrungen Schwarzer Personen auf der anderen Seite in konkrete politische Forderungen zu übersetzen (vgl. Crenshaw 1989: 140). Eine Intention des „Black Feminism“ ist es, zurückzuweisen, dass bestimmte Diskriminierungsformen gegenüber anderen priorisiert werden. Es wird dabei nicht nur darauf hingearbeitet, Zugang zu Herrschaftsbeziehungen für marginalisierte Gruppen zu erhalten. Das Ziel ist es vielmehr, institutionelle Veränderungen herbeizuführen (vgl. Sterling 2015: 96 f.).

Um sich des Problems der Verschränkung verschiedener Ungleichheitsdimensionen anzunähern, führt Crenshaw unter anderem die Ungleichbehandlung Schwarzer Frauen vor Gericht auf. Als empirisches Beispiel dient der Konzern „General Motors“, der vor dem Jahr 19644 keine Schwarzen Frauen einstellte und im Jahr 1970 im Zuge einer Entlassungswelle Schwarzen Frauen kündigte. Die darauffolgende Klage wurde vor dem Hintergrund einer Diskriminierung aufgrund von „race“ oder Geschlecht überprüft; eine Kombination der beiden Dimensionen wurde vor Gericht abgelehnt. Das Gericht hielt fest, dass „General Motors“ vor 1964 sehr wohl Frauen einstellte, aus welchem Grund keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts vorliegen kann. Bei den Frauen handelte es sich jedoch ausnahmslos um weiße (!) Frauen, was jedoch seitens des Gerichts nicht weiter beachtet wurde. Auch eine Klage wegen rassistischer Diskriminierung wurde abgelehnt. Eine Diskriminierung konnte laut Gericht nicht nachgewiesen werden (vgl. Crenshaw 1989: 141 f.).

Weiterhin hält Crenshaw fest, dass Vergewaltigungsgesetze im Allgemeinen nicht die männliche Kontrolle über die weibliche Sexualität widerspiegeln, sondern vielmehr die Regulierung der weißen weiblichen Sexualität durch weiße Männer (vgl. Crenshaw 1989: 157).

Crenshaw resümiert: „Race and sex, moreover, become significant only when they operate to explicitly disadvantage the victims; because the privileging of whiteness or maleness is implicit, it is generally not perceived at all.” (Crenshaw 1989: 151). Daher ist es naheliegend, dass soziologische Diskurse die Wirkungsweisen von Ungleichheiten und Privilegien aufgreifen und reflektieren.

Intersektionalität als Metapher für die Diskriminierungen Schwarzer Frauen wird fortan nicht nur in politisch-aktivistischen Strömungen diskutiert, sondern auch im wissenschaftlichen Kontext. Eine Begriffsprägung fand erst statt, nachdem sich bereits ein Theoriegerüst entwickelte. Historisch betrachtet begann eine Verortung der Theorieentwicklung erst in sozialen Bewegungen, danach im akademischen Bereich (vgl. Ganz/ Hausotter 2019: 390). Der Begriff verbreitete sich im Bereich der Politik und Forschungsfeldern sehr schnell. Andere Begrifflichkeiten, die ebenso auf die Verflechtung von Ungleichheitsdimensionen verweisen, erfuhren keine so starke weltweite Verwendung. Als Beispiele für weitere Begrifflichkeiten sind unter anderem „interlocking systems of oppression“ von Patricia Hill Collins, „racialized boundaries“ von Floya Anthias und Nira Yuval-Davis und „multiple jeopardies“ von Deborah King anzuführen (vgl. Lutz et al. 2013: 13).

Während sich Crenshaw auf Verstöße im rechtlichen Bereich konzentriert, erörtert Collins die sozialen Strukturen im nichtrechtlichen Bereich, die aber die gleichen Folgen erzeugen. Collins sagt dabei aus, dass soziale Strukturen geformt werden, um Macht über „People of Color“ zu haben (vgl. Hurtado 2020: 161 f.). Intersektionalität habe sich laut Collins aus der Anerkennung gebildet, dass Ungleichheit nicht erklärt und erst recht nicht durch einseitige Rahmungen durch „race“ oder Geschlecht herausgefordert werden kann. Unterdrückungen auf der Makroebene seien miteinander verflochten und beeinflussen Individuen aus unterschiedlichen Klassen- und „race“-Intersektionen (vgl. Collins 2000; zit. n. Hurtado 2020: 162).

Abschließend lässt sich festhalten, dass Kimberlé Crenshaw zwar als erste Person den Begriff „Intersektionalität“ verbreitet. Jedoch wird schon vorher die Marginalisierung Schwarzer Frauen in feministischen Diskursen kritisiert. Die Triade „race“/ „gender“/ „class“ wird somit zum neuen Leitspruch innerhalb der Frauenforschung, um verschiedene Unterdrückungsdimensionen und mehrfache Identitäten anzusprechen (vgl. Davis 2008: 72 f.).

3. Intersektionalität im deutschsprachigen Raum

Im Gegensatz zu den USA fand die Debatte über Intersektionalität in Europa deutlich später statt. So wurde der Diskurs in den USA bereits in den 1980er maßgeblich durch Crenshaw beeinflusst, während ein europäisches Bewusstsein zum Thema Intersektionalität erst nach der Jahrtausendwende entstand (vgl. Lutz 2013: 15). Diese Verzögerung basiere laut Knapp auf einem allgemein späteren Feminismus im deutschsprachigen Raum im Gegensatz zum US-amerikanischen. Die Ursache sieht Knapp vor allem in der Sprache verortet. Der deutschsprachige akademische Markt sei groß genug, um sich nicht zwingend auf äußere Einflüsse zu stützen. Weiterhin sei die Relevanz, angloamerikanische Diskussionen einzubeziehen von Disziplin zu Disziplin sehr unterschiedlich. Außerdem lasse sich eine Verschiebung der Bedeutungen aller Dimensionen, die primär herangezogen werden („race“, „class“, „gender“), feststellen; dabei vor allem bei den Begriffen „race“ und „class“. So spreche laut Knapp im US-amerikanischen Raum die Bezeichnung „class“ die verschiedenen Positionierungen innerhalb der Gesellschaft an, während die deutsche Begrifflichkeit „Klasse“ an marxistische Denkweisen innerhalb der Ungleichheitsforschung geknüpft sei (vgl. Knapp 2012: 414). Wie bereits in dieser Arbeit deutlich wurde, verweist auch Knapp auf die Herausforderungen in Bezug auf den Begriff „race“, der im deutschen Sprachgebrauch als „Rasse“ zu Problematiken führt (vgl. Knapp 2012: 416).

In der Sozialforschung im deutschsprachigen Raum findet Intersektionalität primär Anklang in den Gender Studies. Ganz und Hausotter führen überdies an, dass der Begriff nicht nur in den sozialwissenschaftlichen Fachbereichen, sondern auch in anderen Disziplinen aufgegriffen wird. Als Beispiel wird Katharina Walgenbach in dem Bereich der Erziehungswissenschaften genannt (vgl. Ganz/ Hausotter 2019: 390 f.)

Ganz und Hausotter beziehen sich in ihrer Ausarbeitung zum Thema Intersektionalität auf drei verschiedene Monographien, und zwar die von Collins/Bilge, Bronner/Paulus und Meyer. Intersektionalität wird dabei in allen Arbeiten als „gesellschaftskritisches Konzept“ (Ganz/ Hausotter 2019: 391) verstanden. Dabei werden bei der Betrachtung auch Macht- und Herrschaftsverhältnisse eingegliedert (vgl. Ganz/ Hausotter 2019: 391). Kathrin Meyer ist im deutschsprachigen Raum mit ihrem Werk „Theorien der Intersektionalität zur Einführung“ eine wichtige Vertreterin, die sich auf Theorien aus den USA und Deutschland fokussiert. Dabei zieht sie als Kontrastpunkte Großbritannien und Frankreich heran (vgl. Ganz/ Hausotter 2019: 392). Collins und Bilge stellen Intersektionalität als Perspektive mit viel Potenzial vor, anstatt verschiedene Ansätze zu diskutieren. Die Ausarbeitung von Bronner und Paulus konzentriert sich auf die Disziplin Soziale Arbeit. Ganz und Hausotter kritisieren, dass bei dem Ansatz von Bronner und Paulus keine Separierung zwischen der eigenen dargestellten Perspektive, bereits vorhandener Theorien der Intersektionalität und Gesellschaftstheorien im Allgemeinen vorliegt. Dabei wird vor allem die fehlende Differenzierung zwischen dem eigenen Ansatz und dem der intersektionalen Mehrebenenanalysen negativ betont (vgl. Ganz/ Hausotter 2019: 392). Auf den Ansatz der intersektionalen Mehrebenenanalysen von Winker und Degele wird im Folgenden näher eingegangen.

[...]


1 In dieser Arbeit wird der Begriff „race“ in der englischen Fassung beibehalten und nicht ins Deutsche übersetzt, da der „Rassebegriff“ nicht sozial, sondern biologisch und daher rassistisch kategorisiert wird (vgl. Kelly 2019: 15).

2 In Anlehnung an Kelly wird die Großschreibung des Adjektivs auch bei dieser Arbeit übernommen, um rassistische Fremdbezeichnungen abzulösen (vgl. Kelly 2019: 16).

3 In Anlehnung an Kelly wird auch in dieser Arbeit die kursive Schreibweise übernommen. Weiß wird hierbei als analytische Kategorie verstanden, die auf unterdrückende Machtrelationen hinweist (vgl. Kelly 2019: 16).

4 In diesem Jahr wurde der Civil Rights Act of 1964 durchgesetzt. Dieser beendete die Segregation in öffentlichen Plätzen und verbot die Diskriminierung aufgrund von „race“ und beim Einstellungsverfahren (vgl. Aiken et al. 2013:388)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Intersektionaler Feminismus. Die Thematisierung spezifischer Dimensionen sozialer Ungleichheit verschiedener Autor*innen
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
24
Katalognummer
V945524
ISBN (eBook)
9783346283955
ISBN (Buch)
9783346283962
Sprache
Deutsch
Schlagworte
intersektionaler, feminismus, thematisierung, dimensionen, ungleichheit, autor*innen
Arbeit zitieren
Friederike Wünsch (Autor:in), 2020, Intersektionaler Feminismus. Die Thematisierung spezifischer Dimensionen sozialer Ungleichheit verschiedener Autor*innen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/945524

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