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Das Pygmalion-Motiv in Hoffmanns "Der Sandmann" und Poes "Ligeia". Die Augen als Spiegel oder Abgrund

Titel: Das Pygmalion-Motiv in Hoffmanns "Der Sandmann" und Poes "Ligeia". Die Augen als Spiegel oder Abgrund

Seminararbeit , 2020 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Maxim Braun (Autor:in)

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Anhand des Pygmalion-Mythos, auf der Basis des Textes aus den Metamorphosen von Ovid, und zwei romantischen Texten aus unterschiedlichen literarischen Kontexten – Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann und Ligeia von Edgar Allan Poe – soll im Folgenden die romantische Aktualisierung des Pygmalion-Stoffes, mit speziellem Fokus auf das Motiv der Augen, verdeutlicht werden. Des Weiteren gilt es herauszuarbeiten, wie der Mythos in den Erzählungen verwendet und verändert wird, und was aus ihm entsteht. Schließlich handelt es sich um einen Mythos mit kunsttheoretischen Überlegungen, welche in den angesprochenen Texten eine ebenso große Rolle spielen sollten.
Wenn man das Wort Mythos hört, könnte mancher meinen, es handle sich um einen Begriff aus antiker Vorzeit, der in einer modernen Welt keine Relevanz mehr haben könne. Während erstere Annahme richtig ist, und es sich bei Mythen tatsächlich um Phänomene handelt, die aus einer antiken Tradition hervorgegangen sind, lässt sich nicht so einfach sagen, dass Mythen keine Aktualität mehr besitzen. Mythen zeichnen sich nämlich gerade durch eine gewisse Zeitlosigkeit aus. Sie sind nicht bloß verblasste Dokumente einer vorwissenschaftlichen Epoche, sondern nehmen in vielfacher Hinsicht auch noch Einfluss auf unsere heutige Welt. Man kann sagen, sie wurden nie von der Wissenschaft abgelöst, nur wurde ihr Anspruch ein anderer. Besaßen die Mythen der Antike zu ihren Entstehungszeiten noch einen vermeintlichen Wahrheitsanspruch, ist das heute sicherlich seltener der Fall – auch wenn man es nicht für ausgeschlossen halten sollte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Der Mythos heute und in der Literatur der Romantik

2. Ovids Pygmalion-Mythos und seine Grundmotive

3. Konzepte romantischer Künstlerfiguren

4. Der Sandmann – Ein vielseitiges Nachtstück

4.1 Der Pygmalion-Mythos in der Verlebendigung der Automate

4.2 Die Augen als Spiegel der Seele

4.3 Der Künstler zwischen Innen und Außen

5. Ligeia – Tod und Wiederauferstehung der schönen Frau

5.1 Der Pygmalion-Mythos in der Wiederbelebung von den Toten

5.2 Die Augen als Abgrund

5.3 Der Künstler als Verdammter

6. Fazit – Zwei pessimistische Künstlerbilder

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Aktualisierung des antiken Pygmalion-Mythos in den romantischen Erzählungen "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann und "Ligeia" von Edgar Allan Poe, mit einem besonderen Fokus auf das Motiv der Augen und die damit verbundenen kunsttheoretischen Reflexionen über das Künstlerbild.

  • Romantische Transformation des antiken Pygmalion-Stoffes
  • Die Rolle der Augen als Spiegel der Innerlichkeit oder unergründlicher Abgrund
  • Kritik an der Technologisierung und der Produktion künstlicher Menschen
  • Die Figur des Künstlers als gescheiterter Außenseiter zwischen Realität und Imagination
  • Verhältnis von romantischem Ideal, Identitätsverlust und Wahnsinn

Auszug aus dem Buch

4.2 Die Augen als Spiegel der Seele

Ein entscheidendes Motiv in Der Sandmann stellen die Augen dar. In der Kindheit Nathanaels ist die Angst vor dem Sandmann dadurch begründet, dass dieser angeblich die Augen der Kinder stiehlt. In der Laborszene schreit Nathanael entsetzt auf, als Coppelius sagt „Augen her, Augen her!“, daraufhin greift der Advokat den Jungen:

„Nun haben wir Augen – Augen – ein schön Paar Kinderaugen.“ So flüsterte Coppelius, und griff mit den Fäusten glutrote Körner aus der Flamme, die er mir in die Augen streuen wollte.

Es gehört also zu den Grundängsten des Protagonisten, seine Augen zu verlieren, sei es durch die Fantasie des Sandmanns oder durch den real existierenden Coppelius, welcher den Sandmann für ihn verkörpert. Und später sind es die Augen Olimpias, die den Protagonisten anziehen und, nachdem sie herausgerissen wurden, wieder ins Entsetzen stürzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Mythos heute und in der Literatur der Romantik: Das Kapitel erläutert die anhaltende Relevanz mythischer Erzählungen und deren spezifische Bedeutung innerhalb der romantischen Epoche.

2. Ovids Pygmalion-Mythos und seine Grundmotive: Hier werden die wesentlichen Elemente des antiken Mythos analysiert, insbesondere die Rolle Pygmalions als Künstler und Außenseiter.

3. Konzepte romantischer Künstlerfiguren: Dieser Abschnitt beleuchtet das negative Weltbild der späten Schwarzen Romantik und die damit einhergehende Entfremdung der Künstlerfigur.

4. Der Sandmann – Ein vielseitiges Nachtstück: Untersuchung von E.T.A. Hoffmanns Erzählung im Hinblick auf Automatenmotive, das Motiv der Augen sowie Nathanaels Identitätsaufspaltung.

5. Ligeia – Tod und Wiederauferstehung der schönen Frau: Analyse von Edgar Allan Poes Text, wobei Ligeia als Projektionsfläche eines männlichen Ideals und der Erzähler als schöpferischer, aber wahnsinniger Künstler betrachtet wird.

6. Fazit – Zwei pessimistische Künstlerbilder: Zusammenfassende Betrachtung der Verbindung von Kunst und Realität, die in beiden Werken letztlich im Wahnsinn und Identitätsverlust des Künstlers endet.

Schlüsselwörter

Pygmalion-Mythos, Romantik, E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Der Sandmann, Ligeia, Augenmotiv, Künstlertum, Automaten, Imagination, Identität, Wahnsinn, Selbstauflösung, Schwarze Romantik, Kunsttheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Rezeption und Transformation des antiken Pygmalion-Mythos in zwei zentralen Texten der Schwarzen Romantik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten gehören das Künstlerbild, die Funktion der Augen als Motiv, die Problematik künstlicher Intelligenz bzw. Automaten und das Scheitern des Subjekts an der Realität.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hoffmann und Poe den Pygmalion-Stoff nutzen, um kunsttheoretische Überlegungen zur Veräußerlichung von Innerlichkeit und zur destruktiven Kraft der Imagination zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Vergleich der Texte untereinander und ihre Einordnung in den geistesgeschichtlichen Kontext der Romantik vornimmt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Textanalyse von "Der Sandmann" und "Ligeia", wobei jeweils die Aspekte der Automatenbelebung, des Blicks und der Künstleridentität untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt von Begriffen wie Pygmalion-Mythos, Künstlertum, Identitätsverlust, Imagination und der kritischen Auseinandersetzung mit der Romantik.

Warum spielt die Figur der Olimpia in "Der Sandmann" eine so zentrale Rolle für das Künstlerverständnis?

Olimpia fungiert als leere Projektionsfläche für Nathanaels Fantasien; ihre Belebung verdeutlicht den Prozess, in dem der Künstler sein Inneres in die Außenwelt projiziert, was letztlich in den Wahnsinn führt.

Inwiefern ist der Erzähler in "Ligeia" als "Verdammter" zu verstehen?

Sein verzweifelter Versuch, sein verstorbenes Ideal Ligeia durch die lebende Rowena zu rekreieren, wird als hyprider Akt eines Künstlers gedeutet, der an der Realität scheitert und sich in seinem eigenen Wahnsinn auflöst.

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Details

Titel
Das Pygmalion-Motiv in Hoffmanns "Der Sandmann" und Poes "Ligeia". Die Augen als Spiegel oder Abgrund
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Germanistik)
Note
1,0
Autor
Maxim Braun (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V945564
ISBN (eBook)
9783346283535
ISBN (Buch)
9783346283542
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hoffmann Sandmann Pygmalion Poe Ligeia Mythos Kunst Literatur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Maxim Braun (Autor:in), 2020, Das Pygmalion-Motiv in Hoffmanns "Der Sandmann" und Poes "Ligeia". Die Augen als Spiegel oder Abgrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/945564
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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