Machen Institutionen einen Unterschied? Die Effekte von War Time Institutions auf das Ende innerstaatlicher Konflikte


Hausarbeit, 2020

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. ZUSAMMENFASSUNG

II. EINLEITUNG

III. QUANTITATIVE FALLSTUDIE
1. THEORETISCHER RAHMEN UND OPERATIONALISIERUNG
1.1 Definition und Operationalisierung Rebel governance
1.2. Definition & Operationalisierung outcome
1.2.1 Das Non-State Actors in Armed Conflict Dataset
1.2.2 OUTCOME-lNDIKATOREN
2. METHODIK
2.1 Rebel governance
2.2 Outcome
2.3 Rebel governance outcome
3. ERGEBNISSE
3.1 Allgemein
3.2 Outcome rebelocracies
3.3 Outcome aliocracies
4. DISKUSSION

IV. QUALITATIVE FALLSTUDIE
1. Theorie
2. Methodik und Fallauswahl
3. Falluntersuchung
3.1 Die Khmer-Rouge (1970-1975)
3.2 Organasi Papua Merdeka (1965-1969)
3.3 TIBET (1950-1959)
3.4. FMLN (1980-1991)

V. FAZITUNDDISKUSSION

VI. APPENDIX:

VII. ABBILDUNGSVERZEICHNIS

VIII. LITERATURVERZEICHNIS

I. Zusammenfassung

Die Forschung fokussiert sich bei den innerstaatlichen Gewaltkonflikten vor allem auf die Fak­toren, welche das Handeln der beteiligten Akteure bestimmen. Seit einigen Jahren werden dabei auch verstärkt die Effekte von Institutionen in den Blick genommen. Dabei existieren verschie­dene Ansätze um Rebel Governance zu konzeptualisieren und erklären. Arjonas Typologie kon- zeptualisiert war time institutions anhand von zwei Fragen: Existiert ein social contract zwi­schen Bevölkerung und Rebellen und wie stark greifen Letztere in lokale Angelegenheit ein. Auf Basis dieser Typologie wird in der Arbeit untersucht, welchen Effekt war time institutions auf das Ende von innerstaatlichen Gewaltkonflikten haben und welche Eigenschaften dies er­klären können. Im ersten Teil der Arbeit werden 56 Rebellengruppen identifiziert und anhand der Typologie von Arjona kategorisiert. Anschließend wird mit Hilfe von Fallstudien unter­sucht, wie sich die Ausprägungen der Gruppe auf das Konfliktende auswirken. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Eigenschaften von war time institutions die Ergebnisse des ersten Teils erklären können. Auf der Basis der Theorie von Arjona wird argumentiert, dass das Konfliktende eher zugunsten der Rebellen ausfälltje effektiver und legitimer die Bevölkerung diejeweilige Rebelleninstitution wahrnimmt. Im Ergebnis wird argumentiert, dass Rebellen mit einem mittleren Niveau von rebel governance höhere Erfolgsaussichten haben, wenn sie effek­tive und legitime Institutionen etablieren.

II. Einleitung

Bürgerkriege beschäftigen seit Jahrzehnten Forscher und Praktiker gleichermaßen aufgrund der hohen Anzahl und tiefgreifenden Effekte auf die Gesellschaften, in denen sie vorkommen (Arjona et al. 2015: 1) . Bürgerkriege können dabei definiert werden als „battle for control between a government and its competitors over civilians and the territory upon which they re­side“ (Arjona et al. 2015: 1). Einen hohen Stellenwert hat dabei die Untersuchung der Motiva­tionen von Akteuren. Arjona (2014b) weistjedoch daraufhin, dass auch Institutionen wichtige Effekte auf das Verhalten von Akteuren in Bürgerkriegen haben. Sie argumentiert, dass staat­liche Institutionen in Bürgerkriegen oft zerstört werden. Dieses Vakuum werde allerdings re­gelmäßig von war time institutions gefüllt, welche Rebellengruppen die Kontrolle und Herr­schaft über die Gebiete signifikant erleichtere. Sie unterscheidet dabei drei Formen von war time institutions, die sich hinsichtlich dem social contract zwischen Bevölkerung und Rebel­lengruppe und dem Grad der politischen Intervention der Gruppe in die lokalen Angelegenhei­ten unterscheiden (Arjona 2014b: 1361 f.). Für Praxis und Forschung stellt sich daraus u.a. die Frage, wie diese unterschiedlichen Ausprägungen von Institutionen das Verhältnis zwischen Regierung und Rebellen beeinflussen. Wenn Institutionen das Verhalten der Akteure beeinflus­sen, ist eine Analyse praktisch und wissenschaftlich relevant. Bestimmte Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen könnten beispielweise bei einigen Gruppen besonders ef­fektiv, bei anderen sogar kontraproduktiv sein (Arjona 2014b: 1383).

Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, wie war time institutions im Sinne Arjonas das Ende von innerstaatlichen Gewaltkonflikten beeinflussen.

Welchen Effekt haben war time institutions auf das outcome von Bürgerkriegen und welche Eigenschaften können dies erklären?

Entsprechend der Forschungsfrage gliedert sich die Arbeit in zwei Teile. Im ersten Teil wird mithilfe einer deskriptiv-statistischen Fallstudie das Verhältnis zwischen war time institutions und Konfliktoutcomes untersucht. Dazu wird auf Basis von Arjonas Typologie ein Datensatz angelegt. Insgesamt 56 Gruppen werden hinsichtlich ihrer war time institutions klassifiziert auf ihr outcome hin untersucht. Im zweiten Teil der Arbeit wird untersucht, welche Eigenschaften von war time institutions die Ergebnisse des ersten Teils erklären können. Basierend auf Arjona (2014b) wird argumentiert, dass die Effektivität und Legitimität der etablierten Rebelleninsti­tutionen das Konfliktende für die Rebellengruppe positiv beeinflussen. Im dritten Teil werden die Ergebnisse zusammengefasst und diskutiert.

III. QuantitativeFallstudie

1. Theoretischer Rahmen und Operationalisierung

1.1 Definition und Operationalisierung Rebel governance

Rebel governance lässt sich als politische Strategie von Rebellion definieren, in welcher Rebel­len politische Organisationen benutzen, um Beziehungen zur Zivilbevölkerung aufbauen und verwalten. In der Praxis kann rebel governance verschiedene Formen annehmen (Huang 2016: 51 f.,Weinstein2007: 164)

Arjona (2014b) stellt bei ihrer Konzeptualisierung auf die Form der social order ab. Anders als Weinstein, stellt sie auf die Form der Handlung ab, wie die Rebellengruppen mit der Bevölke­rung interagiert (Arjona et al. 2015: 3). Social order entsteht, wenn eine predictability in Kriegsgebieten durch institutionelle Arrangements sichergestellt ist. War time social order ist demnach gekennzeichnet durch ein “set of rules that structure human interaction in a given community during wartime, allowing for that predictability to exist” (Arjona 2014b: 1374).1 An- ders als Weinstein sind für sie jedoch zwei Kriterien ausschlaggebend für das Vorhandensein von social order:

1. Das Vorhandensein eines social contract zwischen Rebellen und Bevölkerung
2. Das Ausmaß der Intervention in lokale Angelegenheiten

Ein social contract liegt für Arjona vor, wenn Rebellen und Bevölkerung sich an bestimmte Verhaltensregeln halten. Diese müssen sich notwendigerweise schriftlich kodifiziert sein, son­dern lediglich erkennbar durchgesetzt werden, um das Vorhandensein von Ordnung zu indizie­ren.2 Ebenfalls anders als bei Weinstein muss der social contract auch nicht legitim sein. In diesem kontraktualistischen Verständnis kommt es lediglich auf die Formulierung von Verhal­tensregeln an (Arjona 2016: 22).

Das zweite Kriterium ist für Arjona der Grad der Intervention der Rebellengruppen in die lokalen Angelegenheiten der Bevölkerung. Eine breite Intervention liegt für Arjona vor, wenn die Rebellengruppen über Besteuerung und die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung in die Belange der Bevölkerung eingreifen, z.B. in die Wirtschaft oder das Privatleben. In sol­chen rebelocracies werden die Rebellen zu de facto Herrschern über die Bevölkerung (Arjona 2014a: 5). Minimale Intervention liegt folglich vor, wenn Rebellen lediglich zur Aufrechterhal­tung ihres Gewaltmonopols in lokale Angelegenheiten eingreifen und dafür unter Umständen Kompensationen verlangen. In solchen aliocracies verbleibt die Regelung des Alltags bei lo­kalen Akteuren (Arjona 2014b: 1375). Abbildung 1 fasst die Typologie zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Insgesamt argumentiert Arjona: „(...) rebelocracy is more likely to emerge in a situation where military competition is low, the armed group does not face major discipline problems, and preexisting local institutions are of low quality.“ (Arjona2016: 173)

Arjona (2014b) weist hinsichtlich der Operationalisierung daraufhin, dass die Formen der rebel governance lokal variieren und parallele Institutionen vor Ort existieren können. Un­tersuchungseinheit ist die Rebellengruppe als Ganzes zum Zeitpunkt ihrer höchsten Wirkmäch­tigkeit. Wirkmächtig ist die Gruppe, wenn sie von der Regierung des Landes als emstzuneh­mende Bedrohung wahrgenommen wird, d.h. die Regierung Maßnahmen zu ihrer Besiegung einleitet. Diese können u.a. militärische Maßnahmen wie auch etwa Wiederaufbau oder die Etablierung von Wahlen umfassen. Eine aliocracy wird im Rahmen dieser Arbeit angenommen, wenn die Rebellengruppe im Wesentlichen Sicherheit und Ordnung garantiert und die Bevölkerung eine Form der Gegenleistung erbringt. Indikatoren für ersteres sind etwa die Etab­lierung eigener Gesetzeshüter, die nach erkennbaren Mustern vorgehen sowie die Ahndung von Straftaten wie Raub oder Vergewaltigung durch die Rebellen. Die Gegenleistung muss in er­kennbarem Zusammenhang mit der Rolle als Sicherheitsgarant stehen. Sie kann etwa die Form von regelmäßigen Steuern, aber auch sporadischen Abgaben von Geld, Essen oder Gütern be­stehen. Entscheidend ist hier, dass die Leistung grundsätzlich der ganzen Gruppe vor Ort zu­gutekommt. Eine rebelocracy liegt vor, wenn die Gruppe Regeln etabliert, die deutlich über die einer aliocracy hinausgehen. Dies kann die Etablierung einer eigenen Gerichtsbarkeit genauso umfassen, wie den Aufbau eines Gesundheits- oder Bildungssystems (Arjona 2014a: 15 f.).

Zur Identifizierung dieser Faktoren wird das Rebel Governance Dataset (RGD) verwendet (Huang 2016). In diesem Datenset sind alle Fälle von rebel governance zwischen 1950 und 2006 zusammengefasst, in denen Rebellenstaaten ein bestimmtes Niveau an governance er­reichten. Es umfasst 127 Bürgerkriegsfälle.3 Er fasst wird dabei nur die Hauptrebellengruppen in den Konflikten mittels Sekundäranalyse. Huang (2016) operationalisiert dabei rebel gover­nance anhand der Ressourcenquelle der jeweiligen Gruppe und dem Grad des state building. Letzteres soll die Frage erfassen, „(.--) how rebel groups attemp to govern civilians through wartime institutions” (Huang 2016: 56). Die Variable govern beschreibt dabei die Art und An­zahl der errichteten Rebelleninstitutionen.

Sie kann elf mögliche auf einer Skala annehmen (Huang 2016: 60):

1: Exekutive
2: Legislative oder regionale Räte
3: Gerichte oder andere Rechtssysteme
4: Ziviles Steuersystem
5: VerpflichtenderBoykott des staatlichen Steuersystems
6: Polizeikräfte
7: Bildungssystem
8: Gesundheitssystem
9: Humanitäre Hilfe
10: Medien und Propaganda
11: Außenpolitik

Für diese Arbeit wird eine aliocracy grundsätzlich einschließlich des Werts 5 angenommen. Gruppen mit einem Wert von 7 oder höher werden im Rahmen dieser Arbeit als rebelocracy qualifiziert. Zweifel können bestehen hinsichtlich der Fälle 2, 3 und 6. In diesen Fällen wird eine aliocracy angenommen, wenn die regionalen Strukturen im Wesentlichen von den Rebellen übernommen werden. Etabliert eine Gruppe jedoch etwa ein eigenes neues Rechts­system, wird von einer rebelocracy ausgegangen. In der verfügbaren Fassung des RGD werden die goverw-Werte auf einer Skala von 0 bis 3 als govern (reduced) zusammengefasst (S. Appendix 2 sowie Huang 2016: 196). Für diese Arbeit werden daher die govern (reduced)- Werte verwendet.

1.2. Definition & Operationalisierung outcome

1.2.1 Das Non-State Actors in Armed Conflict Dataset

Eine Auseinandersetzung mit civil war outcomes erfordert zunächst eine allgemeinere Diskus­sion der beteiligten Akteure und ihres Verhältnisses zueinander. Theorien über gewalttätige zivile Konflikte fokussieren sich häufig dabei darauf, wie Regierung und Opposition strategisch miteinander und mit der Bevölkerung als Ganzes interagieren (Cunningham et al. 2013b: 518). Das „Non-State Actors in Armed Conflict Dataset“ (NSA) bietet hierfür verschiedene Daten (Cunningham et al. 2013b, 2013a). Es erweitert das UCDP/PRIO Armed Conflict Dataset und umfasst alle innerstaatlichen bewaffneten Konflikte zwischen 1945 und 2011. Ein internal ar­med conflict muss dabei fünf allgemeine Kriterien erfüllen. Der Konflikt muss

(1) „involve the government of the state,
(2) take place primarily within the state,
(3) involve organized opposition forces,
(4) be fought over either control of the government or territory and
(5) generate 25 battle deaths in a calendar year.” (Cunningham et al. 2013b: 519).

Das NSA strukturiert dabei mithilfe des UCDP Dyadic Dataset und des UCDP/PRIO Armed Conflict Datasets so, dass die Untersuchungseinheit eine Staat-Rebellengruppe Dyade darstellt. Im Datenset finden sich Veränderungen in den Charakteristika der Rebellengruppe über Zeit hinweg. So wird etwa ein neuer dyadischer Konflikt angenommen, wenn der Konflikt für mehr als zwei Jahre unter 25 Kampftote pro Jahr fällt. Die Autoren nehmen einen neuen Eintrag für eine Gruppe vor, wenn sich die Charakteristika der Gruppe entscheidend ändern. Erhält eine Gruppe beispielsweise ausländische Unterstützung und verliert sie, wird eine Zeitperiode an­gelegt. Ein Eintrag bedeutet umgekehrt, dass sich in diesem Zeitraum die Charakteristika der Gruppe nicht wesentlich verändert haben (Cunningham et al. 2013b: 519 f. ).

1.2.2 Outcome-Indikatoren

Der erste Teil der NSA-Indikatoren misst Attribute der Rebellengruppe, meist relativ im Ver­hältnis zur Regierung (etwa Truppenstärke oder Konfliktbeginn). Im zweiten Teil der Indika­toren werden die transnationalen Dimensionen des Konflikts gemessen, etwa ob die Regierung oder Rebellen ausländische Unterstützung erhielten und in welcher Form (Cunningham et al. 2013b). Die Variablen type.of.termination und victory.side messen den Ausgang eines dyadischen Konflikts. Entsprechend des UCDP Conflict Termination Data unterscheiden die Autoren grundsätzlich neun Formen von Konfliktbeendigungen:

1: Peace agreement
2: Ceasefire agreement with conflict regulation
3: Ceasefire Agreement
4: Victory
5: No or Low Activity
6: Other
6.1: Dyad ended when groups combined to form a new group (ex. Guatemala)
7: End of anti-colonial conflict
NA: Conflict not terminated

Die Autoren fassenjedoch die Typen 1 bis 3 aus nicht näher genannten Gründen zu einem Typ 1 im NSA zusammen (s. Kreutz 2010: 2 f.). Im Falle eines Konfliktsiegers (Typ 4) weist vic- tory.side die Siegerseite aus. Die Variable ist 1 codiert, sofern die Regierung siegte. “[T]he government side (...) manages to comprehensively defeat or eliminate the opposition, who may succumb to the power of the other through capitulation or public announcement.” (Kreutz 2010: 3). Im Falle eines Rebellensieges nimmt die Variable den Wert 2 an (Cunningham et al. 2012b: 8). Ein Rebellensieg liegt vor, wenn „(.--) the rebel side (...) manages to oust the gov­ernment, or comprehensively defeat or eliminate the opposition, who may succumb to the power of the other through capitulation or public announcement” (Kreutz 2010: 3). No or Low Activity umfasst Fälle, in denen die Rebellengruppe zwar weiter agieren kann, der Konflikt jedoch unter 25 Tote pro Jahr fällt. Die Gründe hierfür werden in der Regel weder im NSA- noch im UCDP-Datensatz erfasst. Oft handelt es sich um Fälle, in denen staatliche counterin- surgency-Maßnahmen erfolgreich sind oder eine strategische Umorientierung der Gruppen zu weniger gewalttätigen Methoden stattfand (Kreutz 2010: 3, Cunningham et al. 2009: 587).

2. Methodik

Der erste Teil der Fragestellung wird mithilfe deskriptiver Statistik sowie Fallstudien durchge­führt. Dabei wird in drei Schritten vorgegangen. Zunächst werden anhand des theoretischen Rahmens mit dem RGD jeweils 28 rebelocracies und aliocracies identifiziert. Im zweiten Schritt wird diesen Gruppen mithilfe des NSA ein outcome zugeordnet, bevor im dritten Schritt diese Zuordnung deskriptiv statistisch untersucht wird. Zur Identifizierung der Rebellengrup­pen wird ein eigenes Datenset kodiert, welches auf NSA und RGD basiert (Appendix 1) Der Datensatz ist in vier Teile gegliedert, welche dem Aufbau der Untersuchung entsprechen. Eine detaillierte Codebook ist in Appendix 2 zu finden.

2.1 Rebelgovernance

Der Datensatz umfasst 56 Rebellengruppen (jeweils 28 rebelocracies und aliocracies). Auf­grund des Rahmens der Arbeit bildet die ganze Gruppe in ihrer dyadischen Beziehung zurje- weiligen Konfliktregierung die Untersuchungseinheit. Entsprechend des NSA wird ein Unter­suchungszeitraum für die Gruppe bestimmt, der mindestens ein Jahr betragen muss. Die Grup­pen müssen sowohl im NSA als auch im RGD vertreten sein (vgl. Appendix 2). Mithilfe des RGD wird der Grad an state building erfasst. Gruppen mit einem reduzierten goverw-Wert von 0 oder 1 werden als aliocracy gezählt. Dementsprechend stellen Gruppen mit Werten von 2 oder höher rebelocracies dar. Eine Ausnahme von diesem Vorgehen wird für die UNITA in Angola gemacht. Während die Gruppe im RGD auf drei Perioden aufgeteilt ist, sind es im NSA fünf. Da die Perioden aber unmittelbar aneinander anschließen, erscheint es sinnvoll, sie zu einer Periode zusammenzufassen. Im Falle von govern wird daher der Mittelwert der drei RGD- Perioden (2, 1 und 0) verwendet und somit eine aliocracy angenommen.

2.2 Outcome

Den identifizierten Gruppen wird mithilfe des NSA ein Konfliktoutcome zugeordnet. In fünf Fällen wurde eine Form von cease fire agreement geschlossen (Wert 2 und 3 entsprechend NSA). Diese Werte wurde im Datensatz eingetragen, werden in der Untersuchung jedoch als peace agreement zusammengefasst (Wert 1). Jede zweite Rebellengruppe wurde mittels Fall­studien auf eventuelle Kodierungsfehler überprüft. Zum Abschluss wird der Status der Gruppe in Spalte H zusammengefasst. Er ist 1 im Falle von rebelocracies und 0 bei aliocracies.

2.3 Rebel governance outcome

Der dritte Teil des Datensatzes fasst die Zusammenhänge aus Teil 1 und 2 zusammen. Es wird gezählt, wie viele Gruppen welches Konfliktoutcome am Ende aufwiesen. Der Wert nimmt 1 an, wenn das entsprechende outcome am Ende auftrat und 0, falls nicht.

3. Ergebnisse

3.1 Allgemein

Der Datensatz erfasst insgesamt 56 Rebellengruppen in 43 Ländern (Abbildung 2). Angola, Äthiopien, die Demokratische Republik Kongo, Georgien, Indonesien, Liberia, Nicaragua, Russland (inklusive Sowjetunion), Sri Lanka und der Sudan sind mit mindestens zwei Rebel­lengruppen im Datensatz kodiert.

[...]


1 Eine war zone nimmt Arjona dort an, wo zumindest ein nicht-staatlicher Akteur eine dauerhafte Präsenz hat (Arjona 2016: 22).

2 Liegt ein social contract nicht vor, spricht Arjona (2014b) von disorder (s. hierzu: Arjona 2014b: 1374-1376, 2016: 27).

3 Erfasst werden dabei Bürgerkriege, in denen mindestens 1000 Todesopfer in den ersten drei Jahren oder dauer­hafte Gewalttätigkeiten mit mindestens 500 Toten in einem Drei-Jahres-Zeitraum auftraten (Huang 2016: 55)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Machen Institutionen einen Unterschied? Die Effekte von War Time Institutions auf das Ende innerstaatlicher Konflikte
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
24
Katalognummer
V945731
ISBN (eBook)
9783346282170
ISBN (Buch)
9783346282187
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rebellen, Innerstaatliche Konflikt, Gewalt, Regierung, GOVERNANCE, CHINA, Kambodscha, Philippinen
Arbeit zitieren
Julian Klose (Autor:in), 2020, Machen Institutionen einen Unterschied? Die Effekte von War Time Institutions auf das Ende innerstaatlicher Konflikte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/945731

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