Fake News. Besonderheiten und Herausforderungen für das Individuum in Zeiten der Corona-Krise


Hausarbeit, 2020

21 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Leitfaden

2 Fake News
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Manipulation und Ursachen
2.3 Publikation

3 Folgen für das Individuum

4 Informationskompetenz und externe Instrumente
4.1 Begriffsbestimmung
4.2 Verifizierung in der Corona Krise
4.3 Externe Hilfsmittel

5 Fazit
5.1 Bewusste Selbstverantwortung – Wie leicht lasse ich mich beeinflussen?

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Meistgenutzte Informationsquelle der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2019

Abkürzungsverzeichnis

COVID-19 Corona Virus Disease 2019

MMS Miracle Mineral Solution

FDA Food and Drug Administration (Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten)

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Einnahme von Methanol soll wirkungsvoll Corona-Viren bekämpfen und junge Menschen sind vor COVID-19 nicht gefährdet.

Diese Aussagen stimmen nicht mit der Faktenlage überein und sind Falschinformationen aus unseren Medien. Der Steckbrief des Robert-Koch-Instituts zu COVID-19 beleuchtet wesentliche epidemiologische und Public Health-relevante Aspekte des SARS-CoV-2-Erregers und schließt Risiken bei Jugendlichen und Kindern mit ein.1 Die Darstellung, dass Methanol eine gesundheitsfördernde Wirkung per Einnahme haben soll, ist ebenfalls frei erfunden. 728 Iraner sind zwischen dem 20. Februar und dem 7. April durch eine Methanol Vergiftung ums Leben gekommen.2 Im Zuge der COVID-19-Epidemie und dann Pandemie beeinflussen Medienlügen unsere Gesellschaft maßgeblich.

Wir haben es in diesem Moment allerdings nicht nur mit der COVID-19-Pandemie zu tun, sondern auch mit einer weltweiten “Infodemie”, bei der durch Fehlinformationen, die sich in den sozialen Medien viral verbreiten, auf der ganzen Welt Menschenleben gefährdet werden.3

Wie können sich Personen vor diesen Falschinformationen schützen? Darum soll es in dieser Arbeit gehen und die damit verbundenen Herausforderungen gegenüber Fake News herausgearbeitet werden.

1.2 Zielsetzung und Leitfaden

Zunächst soll der Begriff Fake News präzisiert werden, sowie die Ursachen, der Manipulationseffekt und der heutige Medienkonsum aufgezeigt werden. Im nächsten Schritt werden die Folgen während der Pandemiekrise für das Individuum betrachtet, ehe es um die Informationskompetenz und Verifizierung von Fakten geht. Das Fazit liefert die Selbstverantwortung im Umgang mit Informationen.

2 Fake News

2.1 Begriffsbestimmung

Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht nachfolgende Definition für Fake News:

„Fake-News […] sind also gefälschte Nachrichten. Mit reißerischen Schlagzeilen, gefälschten Bildern und Behauptungen werden so Lügen und Propaganda verbreitet. Fake News erwecken den Eindruck, dass es sich um echte Nachrichten handelt.“ 4

Grundsätzlich lassen sich Falschinformationen nach drei Eigenschaften gliedern: 5

1. Eine Aussage oder die Darstellung eines Ereignisses wird in der Form eines journalistischen Beitrags präsentiert.
2. Die Aussage oder Darstellung stimmt nicht mit der Faktenlage überein.
3. Die Aussage oder Darstellung wurde bewusst erfunden oder verfälscht, um politische oder kommerzielle Ziele zu erreichen.

Die Formen verbreiten sich, weil Leser dem Verfasser oder Medium vertrauen, ohne dabei die Faktenlage zu prüfen. In Bezug auf die neuartige Krankheit verbreiten sich Unwahrheiten, pseudowissenschaftliche Gesundheitstipps und Verschwörungstheorien zu allen Aspekten des Virus. 6 Diese findet man als Textnachricht oder in anderen Fällen werden Bilder oder Videos manipuliert. Woher stammen diese Fake News und welchen Zweck haben sie?

2.2 Manipulation und Ursachen

Die Corona-Krise ist für unsere Gesellschaft mit vielen Unsicherheiten behaftet, da niemand weiß wie die Pandemie sich weiterentwickeln wird. Die Informationslücken bieten einen guten Nährboden für Gerüchtebildung und -weitergabe. Shibutani (Shibutani, 1966) definiert diese als improvisierte Informationen, die in unsicheren Zeiten als Füller der Lücken fungieren. Menschen suchen nach Antworten und Lösungen in dieser unwägbaren Zeit und haben dann den Wunsch, ihre Informationen zu teilen, um anderen zu helfen.

Sender von Falschinformationen nutzen die Unsicherheit der Individuen für bewusst erfundene oder verfälschte Nachrichten, um deren Ziele, ob kommerziell oder politisch zu erreichen. Sie liefern einen alternativen Erklärungsansatz entgegen den offiziellen und öffentlich zugänglichen Informationen. Beispielsweise im Rahmen der Verschwörungstheorie werden angenommene Konspirationen für feindliche Personen oder Organisationen aktiv, die das Gute in der Welt untergraben möchten und zu zerstören suchen.7

Am Beispiel von angeblichem Schutz- und Heilmittel ist anzunehmen, dass Verfasser unbeabsichtigt aus der Motivation heraus, möglichst viele andere Individuen „schützen“ wollen und diese mit Fehlinformationen anstecken. Diese Art von Irrationalität wird durch unsere motivierte Wahrnehmung, die wechselseitige Beeinflussung von Motivation und Beurteilung erzeugt. Das Individuum wird durch Wünsche und subjektiven Einstellungen geleitet, statt objektiv und rational Informationen wahrzunehmen. Man spricht hier von einer kognitiven Verzerrung und von selektiver Wahrnehmung, dass das Denken eines Individuums irreführend leitet.8 Hinzu kann aus Forschungsbefunden abgeleitet werden, dass der empfundene Wahrheitsgehalt einer Nachricht, mit der Häufigkeit der Konfrontation steigt. Dieses Phänomen wird in der Psychologie Wahrheitseffekt genannt.9 Individuen werden damit vermehrt auf Social-Media-Kanäle konfrontiert. Auf Facebook wurden Aussagen, welche von Individuen zuvor schon gelesen oder gehört wurden, einen höheren Wahrheitsgehalt zugesprochen als unbekannte.10 In Anlehnung an DiFonzo und Bordia lassen sich Mechanismen von Gerüchten, wie folgt benennen:11

- Mehrdeutigkeit entgegenwirken: Aus dem Kommunikationsdiskurs über eine mehrdeutige Situation, beginnen Menschen einen Zusammenhang zu deuten und lassen hierdurch Gerüchte entstehen.
- Bedrohungen bewältigen: Ist das Wohlergehen oder das Selbstwertgefühl bedroht, geben Gerüchte die Möglichkeit zur Vermeidung oder Neutralisierung von anstehenden Bedrohungen.
- Unterhaltung: Gerüchte beleben ein Gespräch oder machen eine Kommunikation interessanter.
- Gruppennormen: Ein Gerücht verdeutlicht die Annahme von nicht akzeptablen Verhalten innerhalb einer Gruppe.
- Schaden zufügen: Durch das Weiterverbreiten von Annahmen kann man Personen und ganze Gruppen abwerten und diskreditieren.

Social Bots, welche Informationen im Internet duplizieren und streuen steigern hierdurch den erfundenen Wahrheitsgehalt. Es handelt sich um hochautomatisiert agierende Computerprogramme („Softwareroboter“), die im Internet selbständig Nutzerprofile anlegen und in unklarer Anzahl auf sozialen Plattformen verbreitet werden.12 Je öfter eine Information zu lesen, zu hören und zu fühlen ist, desto höher der gefühlte Wahrheitsgehalt. Individuen schließen sich den falschen Überzeugungen anderer an, da sich diese bei anderen bereits bewährt haben sollen.

Bei näherer Betrachtung von Wirkungsmechanismen von Fake News fällt auf, dass der Sender dieser Nachrichten gezielt Emotionen beim Empfänger erzeugen möchte. Hierbei sollen Gefühle wie Wut, Angst oder Mitgefühl angesprochen werden. Diese bleiben beim Nachrichtenempfänger länger im Gedächtnis als sachliche Fakten und versuchen durch den Inhalt das Individuum zu manipulieren.13 Die Verbreiter von Falschinformationen gehören verschwörungstheoretisch orientierte Gruppen und Personen, Antisemiten, Rechtsextremisten, Esoteriker, Impfgegner, Religionsvertreter, Geschäftemacher, einige Staatsregierungen und Staatsmedien, aber auch verunsicherte Einzelpersonen an.

Demgegenüber gibt es durch unsere Medien das Phänomen der Verharmlosung, welche nicht der journalistische Grundgedanke, der Aufklärung über relevante Informationen über die neue Krankheit publiziert. Harmlose Unterhaltungsberichterstattung, die als solches auch erkennbar ist, und das Individuum mit suggestiven Spekulationen konfrontieren und schlussendlich somit Aufmerksamkeit erwecken. Der Leser soll anhand reißerischer Überschriften zum Konsum auf die Plattform des Anbieters geködert werden, um wiederum im World Wide Web höherer Zugriffszahlen durch Aufrufen der Inhalte zu erzeugen. Schlussendlich erhält der Betreiber der Onlineplattformen hierdurch höhere Werbeeinnahmen durch Internetwerbung oder eine größere Marktbekanntheit. Das sogenannte „Clickbaiting“ ist hierbei kritisch zu beachten, da es die Aufmerksamkeit der Individuen in Krisenzeiten für den kommerziellen Zweck ausnutzt.

Wie werden heutzutage Informationen von Individuen konsumiert?

2.3 Publikation

Menschen konsumieren über klassische Medien wie Tageszeitungen, Radio oder Fernsehen - oder aber, wie in den letzten zwei Jahrzehnten merkbar angestiegen, über digitale Medien tagesaktuelle Nachrichten. Woher sich die deutsche Bevölkerung diese Informationen zieht, zeigt die nachfolgende Grafik. Statistisch wurde erwiesen, dass das soziale Umfeld eines Individuums und die Recherche im Internet das meistbenutzte Instrument zur Informationsquelle ist.

Abbildung 1: Meistgenutzte Informationsquelle der Bevölkerung in Deutschland im Jahr 2019

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statista, lfD Allensbach, Juli 2019

„Falsche Informationen lassen sich nicht auf einen bestimmten Raum oder eine bestimmte Zeit festlegen. Auch außerhalb der sozialen und alternativen Medien gibt es sie.“14

Historisch rückblickend gilt - gefälschte Nachrichten waren und sind in allen unseren etablierten Medien parallel zu finden. Vor allem alternative Medienportale und in sozialen Medien häufen sich die Veröffentlichung von Narrativen. Beispielsweise waren 7 von 10 der erfolgreichsten Artikel über Angela Merkel auf Facebook falsch.15

Demgegenüber gibt es auch unzählige Beispiele anderer berichteten Falschinformationen. Im Februar 2003 sprach der damalige US-Außenminister Powell vor dem UN-Sicherheitsrat über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen und die daraus resultierende Bedrohung der Welt. Die vermeintlichen Beweise stellten sich hinterher als ein Musterbeispiel für gefälschte Bilder und Behauptungen zu Propagandazwecken heraus.16

In den Wochen der COVID-19-bedingten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verzeichnete die Medienindustrie eine enorme Nachfrage nach Unterhaltungs- und Informationsinhalten. Laut repräsentativen Erhebungen informierten sich 41 Prozent der Befragten während des Lockdowns stärker als zuvor über neue alternative Informationsangebote. Individuen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren lagen hierbei bei 69 Prozent.17 Durch unsere digitale Welt ist es möglich geworden, Informationen an ein nennenswert großes Publikum, ohne immens technischen Aufwand zu senden. Nachrichtenorganisationen, welche aus der klassischen Perspektive der Massenmedien durch professionelle Journalisten fungierten, sind für die Verbreitung nicht mehr zwingend von Nöten. Die Aufgabenrolle zu prägen, welche Themen, Ereignisse, Argumente und Meinungen selektiert, verarbeitet, vermittelt und somit öffentlich relevant werden, wird nunmehr mit Laien öffentlich geteilt. Ein Überhang an Informationen und Nachrichten ist hierdurch entstanden. Dieser Zugang zur Informationenverarbeitung und -verbreitung bietet eine größere Teilhabe an der Mediengesellschaft, jedoch ist es gleichermaßen eine größere Gefahr für die journalistische und inhaltliche Qualität der Informationen in unserer digitalen Welt. Die Fülle der Informationsverbreitung, ohne basierter Faktenlage beeinträchtigen das Verhalten der Individuen.

Welche Folgen ergeben sich in Einbezug der neuartigen Krankheit hierdurch?

3 Folgen für das Individuum

Im nachfolgenden werden Fallbeispiele von Desinformation aufgezeigt, welche seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie in unseren Medien aufgetreten sind.

Am 16. März 2020 wurde von einem Facebook-Nutzer behauptet, dass das regelmäßiges Wassertrinken oder Gurgeln mit warmem Wasser, Essig oder Salz als effektiv schützend gegen das Virus ist.

Abbildung 2: Facebook-Post vom 16. März 2020

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Screenshot vom 20. März 2020, CORRECTIV)

Der Beitrag wurde am 20. März 2020 bereits 17.200 Mal geteilt und wurde von Dr. Achim Jerg, Internist vom Uniklinikum Ulm widerlegt.

Das nächste kritische Beispiel ist exemplarisch für die Unterhaltungsberichterstattung. Eine Dystopie mit reißerischer Überschrift, welche eine Liste von spekulativen Annahmen über die Entwicklung der Wirtschaft vertritt.

Abbildung 3: Die Welt-Startseite vom 21. März 2020

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Screenshot Die Welt-Startseite vom 21.3.2020

[...]


1 (Robert-Koch-Institut, 2020)

2 (Aljazeera, 2020)

3 (Avaaz, 2020)

4 (Bildung, 2020)

5 (Appel & Doser, 2019)

6 (Anon., 2020)

7 (Bale, 2007)

8 (Kunda, 1990)

9 (Dechene, et al., 2010)

10 (Ulrich, 2017)

11 (DiFonzo & Bordia, 2007)

12 (Kind, et al., 2017)

13 (Beck, 2014)

14 (Sonnenberg, 2018)

15 (Schmehl, 2017)

16 (faz, 2005)

17 (Deloitte, 2020)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Fake News. Besonderheiten und Herausforderungen für das Individuum in Zeiten der Corona-Krise
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Wissenschaftliches Arbeiten
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
21
Katalognummer
V945761
ISBN (eBook)
9783346282040
ISBN (Buch)
9783346282057
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fake, news, besonderheiten, herausforderungen, individuum, zeiten, corona-krise
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Fake News. Besonderheiten und Herausforderungen für das Individuum in Zeiten der Corona-Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/945761

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