Im Rahmen dieser Arbeit werde ich aus zeitlichen Gründen ausschließlich auf die motorische Entwicklung der Heranwachsenden eingehen. Anhand eines anfänglichen Theorieteils und nachfolgender Interviews soll der Einfluss der veränderten Lebensbedingungen auf die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen präzisierter dargestellt werden.
Mittwochvormittag, 10:30 Uhr, irgendwo in Deutschland – die Schulklingel ertönt und läutet das Ende der großen Pause ein. Vielen Schülern wird jetzt ganz mulmig zumute, denn Sport steht mal wieder auf dem Stundenplan. Einigen dämmert schon, was sie nun erwarten wird: Den Ausdauerlauf werden sie nach wenigen Metern erschöpft und nach Luft winselnd abbrechen, beim Turnen werden sie sich mit Mühe und Not über die Geräte quälen, und im abschließenden Ballspiel will sie mal wieder keiner in die Mannschaft wählen.
Was früher noch als Ausnahme galt – scheint heute bittere Realität zu sein – traut man der aktuellen Berichterstattung zahlreicher Medien. Das Fernsehen berichtet vom „Verschwinden der Sinne“ (N3, Reinhard Kahl), in den Zeitungen wird von der „Generation Grobmotorik“ (Süddeutsche Zeitung 02.07.2002), der „kranken Generation“ (TV Hören und Sehen), von „Medienfreaks und Körperwracks“ oder der „Generation von Weichlingen, Schlaffis und Stubenhockern“ gesprochen. Der Zustand der heutigen Heranwachsenden wird als „fett und krank“ (Spiegel Special 4/1997) und „früh angeknackst“ (Die Zeit 2/1997) tituliert. Der motorische Entwicklungs- und Leistungsstand der jetzigen Kinder und Jugendlichen – so auch das Ergebnis vieler wissenschaftlicher Studien und Schuleingangsuntersuchungen hat besorgniserregende Formen angenommen – sogar „unsere Volksgesundheit ist in Gefahr“ , denn gesundheitliche Probleme wie Übergewicht, Adipositas oder Diabetes seien stark auf dem Vormarsch. Noch nie gab es so viele motorische Störungen und Bewegungsdefizite bei Kindern wie heute. Sie werden immer ungelenker – sie verlieren auf dramatische Weise die Fähigkeit, ihren Körper zu beherrschen und Bewegungen zu koordinieren, schon grundlegende kindliche Fertigkeiten wie das Rückwärtsgehen, das Klettern oder das Balancieren seien heute mittlerweile nicht mehr selbstverständlich, beschreiben unter anderem zahlreiche Medien über den schlechten körperlichen Zustand der Heranwachsenden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Forschungsfrage
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Kindheit im Wandel
2.1 Geschichte der Kindheit
2.2 Kindheit heute
2.2.1 Veränderungen der familialen Lebenswelt
2.2.2 Veränderungen der räumlich- soziale Lebenswelt
2.2.3 Veränderungen der medial- kommerzielle Lebenswelt
2.2.3.1 Fernsehen
2.2.3.2 Computer
2.2.3.3 Sonstige
2.3 Bedeutung der Bewegung für die kindliche Entwicklung
2.4 Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung
2.5 Folgen des Wandels – Sichtweisen der Kindheitsforschung
2.5.1 Die pessimistische Sichtweise – das Kind als Objekt
2.5.2 Die optimistischere Sichtweise – das Kind als Subjekt
3. Empirischer Teil
3.1 Forschungsansatz
3.2 Auswahl der Methode
3.3 Datenerhebung
3.4 Datenauswertung
4. Darstellung der Ergebnisse
4.1 Veränderte Leistungsfähigkeit
4.1.1 Spitzenkönner
4.1.2 Bewegungsmangel
4.2 Verbesserte Leistungsfähigkeit
4.2.1 Geschlechtsspezifische Unterschiede
4.2.2 Vereinssport
4.3 Ursachen
4.3.1 Familiale Einflüsse
4.3.2 Räumlich- soziale Einflüsse
4.3.3 Mediale Einflüsse
4.4 Angepasster Sportunterricht
4.4.1 Motivation
4.5 Maßnahmen und Konzeptionen
4.5.1 Institutioneller Ebene
4.5.2 Elternhaus
5. Diskussion
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss moderner Lebensbedingungen auf die motorische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das primäre Ziel ist es, mittels eines Theorieteils und Experteninterviews zu analysieren, ob eine reduzierte motorische Leistungsfähigkeit existiert, welche Rolle mediale und räumliche Faktoren spielen und welche Maßnahmen zur Gegensteuerung ergriffen werden können.
- Motorische Entwicklung von Heranwachsenden
- Einfluss veränderter Lebensbedingungen (familial, räumlich, medial)
- Empirische Untersuchung mittels Experteninterviews
- Vergleich von "pessimistischer" und "optimistischer" Kindheitsforschung
- Maßnahmen zur Förderung motorischer Fähigkeiten
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Mittwochvormittag, 10:30 Uhr, irgendwo in Deutschland – die Schulklingel ertönt und läutet das Ende der großen Pause ein. Vielen Schülern wird jetzt ganz mulmig zumute, denn Sport steht mal wieder auf dem Stundenplan. Einigen dämmert schon, was sie nun erwarten wird: Den Ausdauerlauf werden sie nach wenigen Metern erschöpft und nach Luft winselnd abbrechen, beim Turnen werden sie sich mit Mühe und Not über die Geräte quälen, und im abschließenden Ballspiel will sie mal wieder keiner in die Mannschaft wählen.
Was früher noch als Ausnahme galt – scheint heute bittere Realität zu sein – traut man der aktuellen Berichterstattung zahlreicher Medien. Das Fernsehen berichtet vom „Verschwinden der Sinne“ (N3, Reinhard Kahl), in den Zeitungen wird von der „Generation Grobmotorik“ (Süddeutsche Zeitung 02.07.2002), der „kranken Generation“ (TV Hören und Sehen), von „Medienfreaks und Körperwracks“ oder der „Generation von Weichlingen, Schlaffis und Stubenhockern“ gesprochen. Der Zustand der heutigen Heranwachsenden wird als „fett und krank“ (Spiegel Special 4/1997) und „früh angeknackst“ (Die Zeit 2/1997) tituliert. Der motorische Entwicklungs- und Leistungsstand der jetzigen Kinder und Jugendlichen – so auch das Ergebnis vieler wissenschaftlicher Studien und Schuleingangsuntersuchungen hat besorgniserregende Formen angenommen – sogar „unsere Volksgesundheit ist in Gefahr“, denn gesundheitliche Probleme wie Übergewicht, Adipositas oder Diabetes seien stark auf dem Vormarsch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die motorische Entwicklung von Kindern ein und stellt die Problemstellung, die Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit vor.
2. Kindheit im Wandel: Das Kapitel behandelt den historischen Wandel des Kindheitsbegriffs sowie aktuelle Veränderungen in familialen, räumlichen und medialen Lebenswelten und deren Bedeutung für Bewegung und Spiel.
3. Empirischer Teil: Hier wird das qualitative Forschungsdesign der Arbeit erläutert, einschließlich der Expertenauswahl, der Methode der Experteninterviews sowie der Vorgehensweise bei der Datenerhebung und -auswertung.
4. Darstellung der Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Erkenntnisse aus den Interviews, unterteilt in die Kategorien Leistungsfähigkeit, Ursachen, Sportunterricht und Maßnahmen.
5. Diskussion: Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung werden kritisch reflektiert und in den Kontext der aktuellen Kindheitsforschung eingeordnet.
6. Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Arbeit und stellt fest, dass die motorische Entwicklung komplexen Einflussfaktoren unterliegt, die differenziert betrachtet werden müssen.
Schlüsselwörter
Kindheit, motorische Entwicklung, Bewegungsmangel, Mediatisierung, Lebensbedingungen, Experteninterview, Sportunterricht, Kindheitsforschung, Spielverhalten, Übergewicht, Sozialisation, motorische Leistungsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel der Kindheit in den letzten Jahrzehnten und analysiert, wie sich veränderte Lebensbedingungen auf die motorische Entwicklung von Heranwachsenden auswirken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einfluss von Medien, die Veränderung familialer und räumlicher Strukturen, die Bedeutung von Bewegung und Spiel sowie die Wahrnehmung motorischer Defizite durch Fachkräfte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob Experten eine reduzierte motorische Leistungsfähigkeit bestätigen können, welche Ursachen sie dafür sehen und welche Maßnahmen zur Entgegenwirkung sinnvoll sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden Experteninterviews mit Lehrkräften, einer Kindergärtnerin, einer Physiotherapeutin und einer Kinderärztin geführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abriss zum Kindheitsbegriff und zum Wandel der Lebenswelten, gefolgt vom empirischen Teil, in dem die Ergebnisse der Experteninterviews dargestellt und diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Kindheit, motorische Entwicklung, Bewegungsmangel, Mediatisierung, Lebensbedingungen und Experteninterview.
Wie bewerten die befragten Experten die motorische Leistungsfähigkeit?
Die Mehrheit der Experten beobachtet eine Verschlechterung, insbesondere in koordinativen Bereichen. Einige Experten relativieren dies jedoch und weisen darauf hin, dass die physischen Leistungsgrundlagen auch früher nicht flächendeckend exzellent waren.
Welche Rolle spielen Eltern bei der motorischen Entwicklung?
Die Experten betonen die hohe Vorbildfunktion der Eltern. Ein aktiver Lebensstil der Eltern korreliert häufig mit einer besseren motorischen Entwicklung der Kinder, wobei auch die Förderung durch spezielle Angebote in frühen Jahren entscheidend ist.
- Quote paper
- Marcus Lübben (Author), 2007, Veränderte Kindheit - veränderte Kinder? Diskussion über den Einfluss moderner Lebensbedingungen auf die Entwicklung von Heranwachsenden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94580