Postmoderne Architektur

Am Beispiel des Mönchengladbacher Museums von Hans Hollein


Seminararbeit, 2007

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Die Postmoderne
1.1 Der Begriff der Postmoderne
1.2 Postmoderne Architektur
1.2.1 Entstehung postmoderner Architektur als Reaktion auf die Moderne?...
1.2.2 Sprachliche Pluralität nach Charles Jencks
1.2.3 Fiktion nach Heinrich Klotz
2. Die Postmoderne am Beispiel Hans Holleins
2.1 Museum Mönchengladbach
2.2. Bauwerk ist wieder Kunstwerk
2.3 Architekturlandschaften

III. Fazit

Verzeichnisse

I. Einleitung

Der Mittelmäßige liebt nur das Leichtdefinierbare. Das Problem wohlformiert, analysiert und gelöst. Aber Architektur ist nicht nur das Lösen von Problemen.

Architektur ist eine Feststellung.

Hans Hollein, ARCHITEKTUR- INHALT UND FORM (1964)[1]

Vielleicht waren es nostalgische Gedanken, entsprungen aus der Sehnsucht nach Wärme und Schönheit? Vielleicht war es einfach an der Zeit etwas zu ändern? Die Architekturlandschaft, die wir vor uns sahen, farb- und schmucklos, mit all ihren scharfen Kanten, schnitt uns in die Augen.

Die Gebäudeklötze, wie Kometen vom Himmel gefallen, wahllos in die Welt gesetzt, ohne Achtung vor ihrer Umwelt, der natürlichen Landschaft um sie herum.

„Das Wort »Fassade« ist uns zum Begriff der Vortäuschung und des Falschen geworden.

Doch mit dieser modernen Moral der Vereinfachung und der Rückführung der Architektur auf die elementaren und primären Formen ging einher, daß unsere Städte zu einer Ansammlung glatter Kästen wurden, denen man schließlich nur noch ihre leistungsstarke Zweckmäßigkeit als Raumcontainer ansah. Und um uns breitet sich der Ozean der Monotonie aus.“[2]

Dies war der Zeitpunkt an dem die Postmoderne ihren Einzug in die Architektur erhielt. Die Rückbesinnung zum Menschen, seinen Bedürfnissen und seiner Umwelt trifft in den 1970er und 80er Jahren auf immer größer werdende Resonanz.

Der 1934 in Wien geborene Architekt Hans Hollein gehört zu den bekanntesten Vertretern der postmodernen Architektur. Das Abteimuseum in Mönchengladbach ist einer seiner innovativsten Beiträge zur Architektur der Gegenwart. Mit diesem Bau prägte er in den 80er Jahren den Begriff der Architekturlandschaft und der Collage. Bei Hollein kommt es zu einer Verschränkung dieser beiden Begriffe. Zum einem hat der Bau den Ansprüchen postmoderner Forderungen zu genügen, was zu einem collageartigen Gefüge an unterschiedlichen Architektursprachen führt. Zum anderen soll er seiner Umwelt gerecht werden und sich integrativ in die ihn umgebende architektonische Landschaft einfügen. Dies kann zu einer „Verlandschaftlichung“ der Architektur selbst führen.

Im Rahmen dieser Proseminarsarbeit soll herausgearbeitet werden, inwieweit Hans Holleins Museumsbau in Mönchengladbach den postmodernen Werten gerecht wird. Aufgrund des Unfangs der Arbeit wird nur auf die äußerlichen Elemente des Baus eingegangen. Für ein besseres Verständnis und um eine Basis für die Analyse dieses Bauwerks zu haben, werde ich im ersten Kapitel kurz auf den Begriff der Postmoderne, sowie auf seine Bedeutung für die Architektur eingehen und die theoretischen Ansätze von Charles Jencks und Heinrich Klotz erwähnen.

II. Hauptteil

1. Die Postmoderne

1.1 Der Begriff der Postmoderne

Der Begriff der Postmoderne wurde erstmals im Jahre 1870 verwendet. Diesem ersten Erscheinen, hier als Aufforderung durch den englischen Salonmaler John Watkins Chapmann[3] zu einer postmodernen Malerei, was in dem damaligen Kontext soviel hieß wie „moderner als die damals zeitgenössische Kunst“, sollten noch einige folgenloser Nennungen folgen.

Rudolf Pannwitz erwähnte in seinem Text „Die Krise der europäischen Kultur“ von 1917 den Begriff der Postmoderne im Zusammenhang mit dem postmodernen Menschen, sozusagen eine Wiederaufnahme des die Moderne überwindenden Übermenschen nach Nietzsche.[4]

1934 bezeichnet der Begriff eine zurückliegende, kurze Periode von 1905-1914 der hispo- amerikanischen Dichtung. Der Literaturwissenschaftler Frederico de Oniz begriff „Postmodernismo“ als eine Kritik am „Modernismo“. Dieser Rückschritt sollte in einer neuen übersteigerten Moderne enden. In den 40er Jahren taucht „post­modern“ in den USA in einem literaturtheoretischen Zusammenhang auf. Wiederum wird dort nur eine Phase der abendländischen Kultur betitelt. (Arnold Toynbees: A Study of History, 1947) Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Begriff in seiner sporadischen Verwendung mit den unterschiedlichsten Bedeutungen aufgeladen. An der „Initialzündung der heutigen Karriere des Begriffs“[5] waren maßgeblich Irving Howe und Henry Levin beteiligt. Ende der 50er Jahre bezogen die beiden den Begriff ausnahmslos auf die Literatur, allerdings war die Postmoderne noch immer negativ behaftet. Sie bezeichnet die Erschöpfungserscheinungen der Moderne. Der endgültige positivierende Wandel erfolgte letztendlich durch Howe und Levin selbst, Theoretiker wie Susan Sontag, Ihab Habib Hassan und Leslie Fiedler gaben dem Begriff Kontur und eine theoretische Basis. In seinem Aufsatz „Cross the boder- close the gap“ von 1969 spricht Fiedler davon die Grenze, die in der elitären Literatur der Moderne aufgebaut wurde zu öffnen. Der Künstler sollte nicht länger nur für die intellektuelle Oberschicht produzieren und von der Massengesellschaft getrennt werden.6 Gesellschaftliche und institutionelle Grenzen sollten mit Hilfe der postmodernen Literatur überschritten werden. Um diese Grenzüberschreitungen zu ermöglichen, musste sie sich einem ganzen Spektrum verschiedener Ausdrucksmöglichkeiten widmen. Welsch spricht von der „Mehrsprachigkeit als Königsweg der postmodernen Literatur“7, verschiedene Verfahrensweisen, die sich in ein und demselben Werk vereinen sollen.

1.2 Postmoderne Architektur

1.2.1 Entstehung postmoderner Architektur als Reaktion auf die Moderne?

Sie ist eine Architektur der Termiten, nicht die freier, denkender, fühlender Menschen. Diese Termitenhügel sind in der Tat gar keine Architektur. Deshalb müssen wir zu den Wurzeln der Architektur zurückgehen.

Deshalb: Zurück zur Architektur.

Hans Hollein, ZURÜCK ZUR ARCHITEKTUR (1962)

Auch wenn man mit der Postmoderne verstärkt den Sektor der Architektur verbindet, erhielt sie in diesem, nachdem sie auch hier den Weg über die „Negativvokabel“8 nehmen musste, erst spät Einzug. Galt der Begriff in den Literaturwissenschaften lediglich als Gestaltungs- und Theorieprinzip, übernahm er hier allerdings den Anspruch einer Epoche. Diese lässt sich jedoch schwerlich auf einen exakten Zeitrahmen festlegen, kann man selbst die Moderne, der sie ja nachfolgt, nicht als beendet betrachten. Die Architekturdiskussion griff jedoch auf andere Kulturbereiche über und entwickelte sich zu einem allgemein kritischen Begriff der Kulturanalyse der 1970er und 80er Jahre.9 Gleichzeitig ist es problematisch die Postmoderne als eine völlig neue Zeit aufzufassen, die sich von der Moderne und der Spätmoderne abgrenzt. Gegenwärtig wirken sowohl vormoderne, moderne und postmoderne Strömungen, nicht nur in der Architektur, sondern auch in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen.10

Der Architekten Robert Venturi propagierte als einer der ersten in seinem Aufsatz „Complexity and Contradiction“ von 1966 das Ende der klassischen Moderne. Er

kritisierte das zeitgenössische amerikanische Stadtbild, seelenlose Gebilde ohne erlebbare Dichte und menschliche Qualität (Jane Jacobs, 1961) und die Sprachlosigkeit moderne Architektur. Seine Forderung nach einer neuen erzählerischen Vielfalt, wieder aus Gebäuden lesen zu können, wurde von vielen weitern postmodernen Anhängern begrüßt.[6] Hauptvertreter der postmodernen Architektur waren, neben Venturi und Hollein, Robert Stern, James Stirling, Oswald Mathias Ungers, Aldo Rossi, und Charles Moore. Ihre Bauten verschlossen sich nicht der Moderne, eher setzten sie ihr ein „ja, aber“ entgegen und bauten sie aus. Zum reinen Funktionalismus fügten sie „narrative Inhalte“[7], erweiterten das Dienstleitungsspektrum des Gebäudes somit um Zitate und Verweise und wandten sich gegen die von der Moderne propagierte Abwendung von der Geschichte.[8] Mit der Wiederbelebung von Formen des Bildhaften und des Abbildhaften, des Ornaments und der Symbole wurde die Abstraktion der Moderne, reine Klarheit und Transparenz (dargestellt durch Materialen wie Glas und Stahl) verdrängt.

1.2.2 Sprachliche Pluralität nach Charles Jencks

Architektur ist kultisch, sie ist Mal, Symbol, Zeichen, Expression.

Architektur ist die Kontrolle der Körperwärme - schützende Behausung.

Architektur ist Bestimmung - Festlegung - des Raumes, Umwelt.

Architektur ist Konditionierung eines psychologischen Zustandes.

Hans Hollein, ALLES IST ARCHITEKTUR (1967)

Nicht nur die Literatur der Moderne galt als elitär und intellektuell. Auch Architektur wurde nicht für die Masse gemacht. Erhebt die Postmoderne nun den Anspruch für jedermann zugänglich zu sein, entspricht sie mehr dem, was Architektur eigentlich ist- eine Kunst der Öffentlichkeit.[9] Sie wendet sich also, im Gegensatz zur Moderne, nicht in einer unverständlichen, abstrakten Universalsprachen an eine anonyme Masse. Vielmehr steht sie im Blickfeld einer definierten Allgemeinheit und soll diese direkt ansprechen. Charles Jencks formulierte dies folgendermaßen:

„In einigen wesentlichen Aspekten ist auch der Sinn eines solchen Gebäudes doppelt kodiert, da versucht wird, auf zwei Ebenen gleichzeitig Aussagen zu machen: für eine Minderheit von Architekten, eine Elite, die die subtilen Unterschiede einer sich schnell verändernden Sprache erkennt, und für die Bewohner, Nutzer oder Passanten, die es nur verstehen und sich daran erfreuen sollen.“[10]

In diesem Zitat finden sich gleich zwei Schlüsselbegriffe, die heraus gehoben werden müssen. Zum einen der doppelte Kode, zum anderen die Sprache.

Führte die Moderne mit ihrem „Internationalen Stil“ zu einer totalen

Funktionalisierung, die sich schweigend der daraus folgenden Uniformierung fügte, möchte die Postmoderne bewusst ihre Benutzer und Betrachter ansprechen. Bei unserer pluralistischen Gesellschaft bedeutet dies allerdings, dass möglichst viele verschiedene Benutzerebenen angesprochen werden müssen. Das wiederum kann nur durch eine mehrsprachige Architektur erfolgen.

Was genau bedeutet Sprache der Architektur? Der Betrachter kann regional typischen Bauweisen an der Form des Frontgebäudes erkennen, der Tourist aus New York erkennt den ihm bekannten internationalen Stil in einer angrenzenden Gartenanlage wieder. Beide können den Gebäudekomplex deuten, da er verschiedene Sprachen, also verschiede stilistische Merkmale vereint. Da es sich immer mindesten um eine Kombination von zwei Sprachen handeln muss, z.B. moderne und traditionelle, elitäre und populäre, internationale und regionale Aspekte, infolgedessen immer mindestens zwei Bevölkerungsschichten angesprochen werden, wie im oben genannten Zitat, der Architekt (elitär) und der Betrachter (populär), spricht Jencks von einer Doppelkodierung.

„Basierend auf modernen Konstruktionsmethoden und historischen Zitaten, auf elitären und populären Bedeutungen, sind diese Gebäude doppelt kodiert, eine Schlüsselfunktion der Postmodernen.“[11]

Die Verwendung verschiedener Architektursprachen führt zu einem collageartigen Ergebnis, das als künstlerischer Ausdruck unserer modernen Welt gedeutet werden kann. Die Gefahr dieser Collagetechnik ist jedoch ihr uneinheitliches Bild. Der Architekt verhindert bewusst eine Einheit. Die künstlerische Fähigkeit besteht darin trotz dieser Brechungen eine harmonische Wirkung zu erzielen.

[...]


[1] sämtliche Zitate zu Beginn der Kapitel sind aus Originaltexten Hans Holleins entnommen, siehe: http://www.hollein.com/index1.php?lang=de&l1ID=6, Stand 22. April 2007

[2] Klotz, Heinrich: Revision der Moderne. Postmoderne Architektur 1960-1980, München 1984, S.7.

[3] Welsch, Wolfgang: Unsere postmoderne Moderne, vierte Auflage. Berlin 1993, S.12.

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Postmodeme_Architektur 22. April 2007

[5] Welsch: Postmoderne Moderne, S.12.

[6] Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Postmodeme_Architektur 22. April 2007

[7] Klotz, Heinrich: Moderne und Postmoderne. Architektur der Gegenwart 1960-1980, Wiesbaden 1984, S.134.

[8] Hier ist Vorsicht geboten: Postmoderne ist nicht mit Historismus gleichzusetzen. Es handelt sich hier um Transformationsprozesse, auf die zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingegangen wird. Nachzulesen in: Welsch: Postmoderne Moderne, Kapitel I.2 S.17-18 und Kapitel IV.9 S.103-106.

[9] Vgl.: Welsch: Postmoderne Moderne, S.87.

[10] Jencks, Charles: Architektur heute, Stuttgart 1988, S.111.

[11] ebd. S.11.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Postmoderne Architektur
Untertitel
Am Beispiel des Mönchengladbacher Museums von Hans Hollein
Hochschule
Universität Konstanz  (Geisteswissenschaftliche Sektion)
Veranstaltung
Schlüsselwerke der modernen und zeitgenössischen Architektur
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V94620
ISBN (eBook)
9783640106851
ISBN (Buch)
9783640119295
Dateigröße
2056 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Postmoderne, Architektur, Schlüsselwerke, Architektur
Arbeit zitieren
Fleur Cannas (Autor), 2007, Postmoderne Architektur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94620

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