Gebrauch der alten und neuen Rechtschreibung


Hausarbeit, 2018

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

Inhalt

1. Einleitung

2. s, ss, ß – Die amtlichen Regeln vor und nach der Rechtschreibreform
2.1 Die alte Rechtschreibung
2.2 Die neue Rechtschreibung
2.3 Konsequenzen der Neuregelung

3. Studie: Die Verwendung von Doppel-s und ß von Personen unterschiedlichen Alters
3.1 Aufbau der Studie
3.2 Ergebnis der Studie
3.3 Das Ergebnis im Kontext bekannter Studien
3.4 Reflexion des Studienaufbaus und der -durchführung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema alte und neue Rechtschreibung. Anhand eines Diktats wird untersucht, inwiefern Schreiber unterschiedlichen Alters das Doppel - s oder ß in Wörtern nutzen, deren Schreibweise sich in alter und neuer Rechtschreibung unterscheidet. Bei den Probanden handelt es sich um zwei Personengruppen mit einer Größe von je fünf Erwachsenen. Beide Gruppen haben das Gymnasium besucht. Die Probanden der einen Gruppe haben in der Schule die alte Rechtschreibung gelernt und mussten als Erwachsene umlernen. Die Probanden der anderen Gruppe haben bereits in der Schule die neue Rechtschreibung erlernt, die mit der Rechtschreibreform 1996 eingeführt wurde. Es soll untersucht werden, ob Schreiber, die erst im Erwachsenenalter die neue Rechtschreibung erlernt haben, diese ebenso erfolgreich oder nicht erfolgreich anwenden wie Schreiber, die mit der neuen Rechtschreibung aufgewachsen sind.

Die Ergebnisse der hier durchgeführten Studie sollen anschließend mit bereits vorliegenden Studien zum Thema Rechtschreibung im Kontext der Rechtschreibreform verglichen werden. Genannt seien hier vor allem die „Vergleichende[n] Studien zu Rechtschreibleistungen in Schülertexten vor und nach der Rechtschreibreform“ von Uwe Grund1 sowie eine äquivalente Studie von Harald Marx2. Diese Studien vergleichen allerdings Daten von zwei Schülergruppen miteinander, anstatt – wie in dieser Arbeit – jüngere mit älteren Erwachsenen. Die Umstände der Studien unterscheiden sich also, weshalb die Ergebnisse nicht direkt miteinander vergleichbar sind. Jedoch lassen sich auf Grundlage der vorliegenden Studienergebnisse Aussagen über Tendenzen sowie Abweichungen von diesen Tendenzen treffen.

Zunächst soll in dieser Arbeit ein Überblick über die amtlichen Regeln „[Z]ur Schreibung mit Eszett (ß)“3 vor und nach der Rechtschreibreform gegeben werden. Es soll herausgearbeitet werden, welche Ziele der Rechtschreibreform zugrunde lagen. Im Zuge dessen soll in einer Gegenüberstellung der alten und neuen Rechtschreibung auch beleuchtet werden, welche Anforderungen die jeweilige Schreibweise an die Schreiber gestellt hat bzw. stellt. Vor diesem Hintergrund soll abschließend geklärt werden, ob die Maßnahmen der Rechtschreibreform als sinnvoll eingestuft werden können. Für die Beantwortung dieser Frage wird Bezug auf die Ergebnisse hier durchgeführten Studie und vergleichbarer Studien genommen.

2. s, ss, ß – Die amtlichen Regeln vor und nach der Rechtschreibreform

2.1 Die alte Rechtschreibung

Die Regeln für die sogenannte4 alte Rechtschreibung existierten seit der zweiten Orthografiekonferenz im Jahr 1901, die die Vereinheitlichung der deutschen Rechtschreibung zum Ziel hatte. Mit Veröffentlichung der in der Konferenz verabschiedeten Regeln im Jahr 1902 wurden diese für alle Bundesländer des Deutschen Reichs verbindlich. Grundlage für die Konferenz und die verabschiedeten Regeln bildete das „Orthographische Wörterbuch“ von Konrad Duden. Es erschien in den folgenden Jahren mehrmals als weiterentwickelte Auflage, die zunehmend weniger Schreibvarianten zuließ. Im weiteren Verlauf gründeten sich diverse Arbeitskreise, die an einer Neuregelung der deutschen Orthografie arbeiteten, bis schließlich im Jahr 1992 der „Internationale Arbeitskreis für Orthographie“ einen Vorschlag zur Neuregelung vorlegte. Dieser diente als Grundlage für die dritten „Wiener Gespräche“ im Jahr 1994, in denen sich die Verantwortlichen auf ein neues amtliches Regelwerk einigten, welches 1996 in Kraft trat.

In dieser Arbeit sollen lediglich die Regelungen für die Schreibung von Wörtern mit ß und Doppel-s betrachtet werden. In der alten Rechtschreibung gab es für die Schreibung mit ß zwei Regeln:

3. ßwird nach langen Vokalen und Diphthongen geschrieben, z.B. die Straße, mäßig, der Fuß usw.
4. ßwird nach Vokalen geschrieben, wenn kein weiterer Vokal folgt, z.B. der Fluß, das Faß, das Maß etc.

Das Doppel-s fand nur zwischen zwei Vokalen Verwendung, unter der zusätzlichen Bedingung, dass der erste Vokal kurz gesprochen wird.5

2.2 Die neue Rechtschreibung

Die neue Rechtschreibung wird bereits kurz nach deren Verabschiedung 1996 in vielen deutschen Bundesländern an den Schulen eingeführt. Es wurde eine neunjährige Übergangsfrist bestimmt, in der Altschreibungen in den Schulen weiterhin toleriert wurden. Letztendlich verlängerte sich diese Übergangsfrist um weitere zwei Jahre, sodass die neue Rechtschreibung erst ab dem 1. August 2007 für deutsche Schulen endgültig verbindlich wurde.

Die Regeln bezüglich der Schreibung von Wörtern mit ß änderten sich im Zuge der Rechtschreibreform wie folgt: ß wird weiterhin nach langen Vokalen, und ausschließlich nach lang gesprochenen Diphthongen geschrieben, jedoch nicht mehr nach kurz gesprochenen Diphthongen oder im Anschluss an einen Kurzvokal. Der amtliche Regeltext lautet wie folgt: „Für das scharfe (stimmlose) [s] nach langem Vokal oder Diphthong schreibt man ß, wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt.“6 Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die zweite Regel der alten Rechtschreibung7 außer Kraft gesetzt wird. Die betroffenen Wörter werden nun mit Doppel-s anstatt mit ß geschrieben.8

Eine Ausnahme von dieser Regelung bilden einige Wörter mit Auslautverhärtung, die nicht mit Doppel-s, sondern weiterhin mit nur einem s geschrieben werden, wie z.B. „ Haus, […], Maus, Preis “.9

2.3 Konsequenzen der Neuregelung

Diese unter 2.2 beschriebene Neuregelung hat Konsequenzen, die im Folgenden dargelegt werden sollen. Die Regel, dass nach Kurzvokalen fortan Doppel-s statt ß geschrieben wird, kommt dem Stammprinzip zugute. Vor der Rechtschreibreform wurde z.B. * Kuß - Küsse geschrieben. Mit der neuen Rechtschreibung wird die starke Markierung der Pluralform aufgehoben, indem der Singular durch das Doppel-s dem Plural angeglichen wird: Kuss - Küsse.10

Die neue Doppel-s- bzw. ß -Regelung lässt sich nun auch mit dem Lautprinzip vereinbaren: Unterschiedlich gesprochene Wörter werden nun auch schriftlich unterschiedlich realisiert. Nach alter Rechtschreibung wurden * Fluß und Fuß gleichermaßen mit ß realisiert, obwohl der vorangehende Vokal einmal kurz und einmal lang gesprochen wird. Nach der neuen Regelung wird Fluss und Fuß geschrieben, sodass der lautliche Unterschied sich nun auch auf graphematischer Ebene wiederspiegelt.11

Obwohl die Rechtschreibreform zum Ziel hatte, die geschriebene Sprache weiter zu vereinheitlichen und damit dem „intuitiven Schreibgefühl“12 der Schreiber entgegenzukommen, ergeben sich mit den neuen Regeln auch neue Schwierigkeiten. Dies fand Harald Marx in seiner Studie zur „Rechtschreibleistung vor und nach der Rechtschreibreform: Was ändert sich bei Grundschulkindern?“13 heraus. Hinsichtlich der Schreibung von Wörtern mit einer Auslautverhärtung des s-Lauts kommt es laut der Studie häufig zu Übergeneralisierungen: Die Schüler schreiben Doppel-s, wo sowohl nach alter, als auch nach neuer Rechtschreibung nur ein s geschrieben wird. Dies betrifft z.B. die schon in 2.2 genannten Wörter wie Haus, Maus, Preis, die demnach als * Hauss, *Mauss, *Preiss realisiert werden. Betroffen sind aber auch Wörter, die sowohl nach alter, als auch nach neuer Rechtschreibung mit ß geschrieben werden, z.B. Grüße, in der Studie realisiert als * Grüsse.14

Müller fasst die Schwierigkeiten, die sich für Schreiber aus den neuen Rechtschreibregeln ergeben, folgendermaßen zusammen:

Früher gab es nur zwei Möglichkeiten der stimmlosen und stimmhaften s -Schreibung, am Wortende und vor Konsonanten: s oder ß. Jetzt gibt es drei Möglichkeiten: s, ss, ß, und deswegen machen die Schüler zwangsläufig mehr Fehler.15

Gestützt werden die Erkenntnisse von Marx und Müller durch Uwe Grund, welcher in seinen „Vergleichende[n] Studien zu Rechtschreibleistungen in Schülertexten vor und nach der Rechtschreibreform“ zu dem gleichen Ergebnis kam: Bei der Schreibung des s-Lauts hätten sich Grund zufolge Fehler vermehrt.16

Ob diese Ergebnisse sich auch für erwachsene Schreiber feststellen lassen, soll anhand der folgenden Studie überprüft werden.

3. Studie: Die Verwendung von Doppel-s und ß von Personen unterschiedlichen Alters

Wie schon in der Einleitung beschrieben, soll in dieser Studie untersucht werden, inwiefern Schreiber unterschiedlichen Alters das Doppel-s oder ß in Wörtern nutzen, deren Schreibweise sich in alter und neuer Rechtschreibung unterscheidet. Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob Schreiber, die erst im Erwachsenenalter die neue Rechtschreibung erlernt haben, diese ebenso erfolgreich oder nicht erfolgreich anwenden wie Schreiber, die mit der neuen Rechtschreibung aufgewachsen sind. Der Aufbau der Studie wird im Folgenden erläutert.

3.1 Aufbau der Studie

Für die Studie wurden zwei Personengruppen mit jeweils fünf erwachsenen Probanden ausgewählt. Alle Studienteilnehmer haben in ihrer Schulzeit das Gymnasium oder ein Oberstufenzentrum besucht. Die Gruppe der jüngeren Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren hat die neue Rechtschreibung mithilfe von Lehrern in der Schule erlernt. Die Gruppe der älteren Erwachsenen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren hingegen hat die neue Rechtschreibung erst nach Abschluss ihrer Schullaufbahn selbstständig erlernt.

Beiden Gruppen wurde derselbe Text17 diktiert, welcher zum Zweck dieser Studie konstruiert wurde. Dieser sollte per Hand geschrieben werden, um Verfälschungen durch Autokorrekturprogramme zu vermeiden. Das Diktat besteht aus 10 Sätzen und beinhaltet 13 Wörter, die nach alter Rechtschreibung mit ß, und nach neuer Rechtschreibung mit Doppel-s geschrieben werden. Außerdem beinhalten vier Wörter ein stimmhaftes s am Wortende oder vor Konsonanten. Zwei Wörter werden sowohl nach alter, als auch nach neuer Rechtschreibung mit Doppel-s geschrieben.

Somit ist ein Großteil der Fehlerquellen, die bei Schreibungen mit s, ss oder ß auftreten können, im Text enthalten. Nicht enthalten sind Wörter, die nach alter und neuer Rechtschreibung mit ß nach langem Vokal geschrieben werden.18

3.2 Ergebnis der Studie

Als Ergebnis lässt sich Folgendes festhalten: Auf die jüngeren Erwachsenen entfallen insgesamt fünf Falschschreibungen. Davon wurden drei Wörter statt mit Doppel-s mit ß geschrieben. Dies betrifft Bänderriss, Abriss und blass, realisiert als * Bänderriß, * Abriß und * blaß. Diese drei Falschschreibungen sind auf denselben Probanden zurückzuführen. Außerdem wurden zwei Wörter mit Doppel-s statt einfachem s geschrieben. Dies betrifft das (als Relativpronomen nach Komma) und verspeist, realisiert als * dass und * verspeisst. Diese Wörter haben zwei unterschiedliche Personen falsch geschrieben. In der Kategorie der Wörter, die sowohl nach alter, als auch nach neuer Rechtschreibung mit Doppel-s geschrieben werden, traten in der Gruppe der jüngeren Erwachsenen keine Fehler auf. Insgesamt haben drei von fünf jüngeren Erwachsenen Rechtschreibfehler in den hier betrachteten Kategorien gemacht.

[...]


1 vgl. Grund, Uwe: Vergleichende Studien zu Rechtschreibleistungen in Schülertexten vor und nach der Rechtschreibreform. Erste Ergebnisse und Desiderate der Forschung. Stuttgart 2008. <http://rechtschreibung.com/Forum/Dateien/Grund_Vortragstext_FDS.pdf>. Datum des Zugriffs: 21.09.2018.

2 vgl. Marx, Harald: Rechtschreibleistung vor und nach der Rechtschreibreform: Was ändert sich bei Grundschulkindern? Zitiert nach: Frank Müller: ß. Ein Buchstabe wird vermisst. Frankfurt am Main 2008, S. 71-74.

3 vgl. Gallmann, Peter, Sitta, Horst: Duden. Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung. Duden-Taschenbücher. Bd. 26. Mannheim 1996, S. 76f.

4 Bei der historischen Darstellung in 2.1 und 2.2 wird zurückgegriffen auf folgende Literatur: Art.: Wichtige Stationen aus der Geschichte der deutschen Orthografie (mit besonderer Berücksichtigung des Dudens). In: Duden. Die deutsche Rechtschreibung. Hrsg. von der Dudenredaktion. Bd. 1. Mannheim 2010, S. 149-153.

5 vgl. Gallmann, Sitta 1996: S. 76.

6 vgl. Gallmann, Sitta 1996: S. 104, §25.

7 siehe 2.1

8 vgl. Gallmann, Sitta 1996: S. 76.

9 vgl. ebd.: S. 104, §25.

10 vgl. ebd.

11 vgl. ebd.: S. 77.

12 vgl. Müller 2008: S. 71.

13 vgl. ebd.: S. 72.

14 vgl. ebd.

15 vgl. ebd.: S. 71.

16 vgl. Grund 2008: S. 2.

17 siehe Anhang

18 Der Aufbau der Studie wird in einem späteren Kapitel reflektiert.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Gebrauch der alten und neuen Rechtschreibung
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V946270
ISBN (eBook)
9783346312327
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Graphematik Hausarbeit, Rechtschreibung Hausarbeit, Studie Linguistik, Rechtschreibreform Hausarbeit, Rechtschreibreform Studie, alte Rechtschreibung, neue Rechtschreibung, Linguistik Hausarbeit
Arbeit zitieren
Katharina Strauß (Autor), 2018, Gebrauch der alten und neuen Rechtschreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/946270

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