Ein Versuch der Erläuterung der Hegel’schen Begriffe. Die "Phänomenologie des Geistes" und dessen erstes Kapitel "Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Meinen"


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

1 Einführu

2 Wer war Hege

3 Der Idealismus.
3.1 Grundlegendes zum Idealismus
3.2 Hegels Idealismus inAbgrenzung zu Kant, Fichte und Schelling

4 Die Hegel'sche Dialekt
4.1 Die dialektische Methode

5 Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Mein
5.1 Die sinnliche Gewissheit
5.2 Das Diese
5.3 Das Meinen

6 Fazit

1 Einführung

„Als Hegel auf dem Totenbette lag, sagte er: "Nur einer hat mich verstanden", aber gleich darauf fügte er verdrießlich hinzu: "Und der hat mich auch nicht verstanden." - Heinrich Heine

Vor dem Hintergrund dieser Aussage werde ich im Folgenden den Versuch wagen, mich mit Hegels „Phänomenologie des Geistes“ auseinanderzusetzen. Mein Ziel ist, möglichst Klarheit über die Grundannahmen Hegels zu erlangen, indem ich in dieser Arbeit die grundlegenden Begriffe und darauffolgend das erste Kapitel „Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Meinen“ betrachten werde. Im ersten Schritt werde ich seine Biographie kurz darlegen, um im weiteren Verlauf Bezug auf die Strömung des Idealismus zu nehmen, um begreifen zu können, inwiefern Hegel sich von anderen Vertretern des Idealismus abgrenzt. Im nächsten Schritt sollen die Hegel'schen Begrifflichkeiten deutlich gemacht werden und als Grundlage für die anschließende Analyse des ersten Kapitels der „Phänomenologie des Geistes dienen“. Ich erhoffe mir von meiner Forschungsarbeit eine Übersicht über seine Grundthesen wie auch ein Verständnis über Hegels Vorgehen und Methode. Zudem halte ich es ebenso für eine wissenschaftliche Errungenschaft, herauszufinden, was ich an der Hegel'schen Philosophie gerade nicht verstehe, um meine persönlichen Lernziele nach dieser Arbeit konkretisieren zu können.1 2

2 Wer war Hegel?

Hegels Laufbahn beginnt in seiner Jugend, in der er die Schulbildung des Tübinger Stifts genossen hatte. Dort trifft er auf seine Weggefährten Hölderlin und Schelling, dessen Beiträge ihm noch hilfreich sein solltem. Nach Beendigung der Schule lässt er sich in Jena nieder, um dort sein Studium der Theologie aufzunehmen. Unter großem Einfluss von Schelling gelingt es ihm, seine ersten Schriften zu verfassen, darunter auch seine bekannte „Differenzschrift“, in der er Schelling abgrenzend zu Fichte und Kant diskutierte. Im weiteren Verlauf trifft Hegel auf Goethe, der ihm als Schirmherr seine Unterstützung bereitstellt. Im Zuge der französischen Revolution und kriegerischen Auseinandersetzungen in Preußen verlässt Hegel schließlich Jena und lässt sich in Bamberg, später Nürnberg nieder. Dort vervollständigt er die „Phänomenologie des Geistes“ wie auch sein Werk „Wissenschaft der Logik“3. Nach einigen Lehrjahren tritt er in den Dienst Preußens als Staatsphilosoph und gerät in die Blüte seines Erfolges, in der er in Konfrontation mit Schleiermacher, einem seiner größten Widersprecher, als auch Schopenhauer gerät.4 Hegel zieht sich schließlich in das Umland Berlins zurück, um der Cholera zu entkommen, stirbt jedoch einige Zeit später nach Rückkunft an einer Magenerkrankung5.

3 Der Idealismus

In diesem Kapitel soll dargelegt werden, wodurch sich der Idealismus auszeichnet und wie er sich von anderen philosophischen Strömungen der Zeit abgrenzt. Daraufhin werde ich analysieren, inwiefern sich die unterschiedlichen Interpretationen des Idealismus anhand von Schelling, Fichte und Hegel differenzieren.

3.1 Grundlegendes zum Idealismus

Der Idealismus findet seinen Ursprung bereits in der Antike in der Ideenlehre Platons und findet seine konzeptuelle Weiterführung in Philosophen wie Berkeley oder Descartes und mündet schließlich im deutschen Idealismus unter Kant, Schelling, Fichte und weiteren: Die Grundannahme ist, dass der Geist die Wirklichkeit schafft, also dass außerhalb unserer geistigen Wahrnehmung keine Wirklichkeit existierte. Innerhalb des Idealismus finden sich unterschiedliche Strömungen, die nun im Folgenden unter Bezugnahme auf Hegel, Kant, Fichte und Schelling erläutert werden sollen.6

3.2 Hegels Idealismus in Abgrenzung zu Kant, Fichte und Schelling

Der deutsche Idealismus ist von dem Diskurs über das denkende Erkennen der Welt geprägt. Durch die verschiedenen Philosophen ergab sich innerhalb dieses Diskurses eine Vielzahl an theoretischen Ansätzen, die zu Beginn durch Kant folgendermaßen skizziert wurden: Kant vertritt, allgemein formuliert, die Auffassung, dass das, was wir wahrnehmen, lediglich subjektive Erkenntnis ist. Er schafft einen Dualismus zwischen der Welt, die wir in unseren Denkstrukturen wahrnehmen können und jener Welt, die jenseits unserer Fähigkeit zu erkennen liegt. Dabei besteht eine Abhängigkeit des Menschen in seiner Erfassung von dem „Ding an sich“7, etwas, das jenseits des Verstandes und des Wissens existiert. Denn die Vernunft erkennt schon apriori, also vor der Erfahrung Zusammenhänge, die augenscheinlich zu der Erkenntnis führen8. Kant zufolge müssen unter einer Kritik dieser Vernunft Widersprüche oder Antinomien enttarnt werden. Insofern lässt sich im Hinblick auf Kant von einem kritischen Idealismus 9 sprechen. Hegel unterstützt in dieser These den Aspekt, dass es in Form von Widersprüchen Grenzen des Erkennbaren in unserer Wahrnehmung gibt und hält es für eine Errungenschaft der Philosophie, widerspricht aber in dem Punkt, Antinomien aufzudecken. Hegel geht es, wie im späteren Verlauf dieser Arbeit aufgezeigt werden soll, gerade um diese Widersprüche 10. Fichte bekennt sich in seinem subjektiven Idealismus 11 gegen das von Kant geprägte „Ding an sich“ - für ihn scheint es unvereinbar mit der freiheitlichen Prägung des Idealismus eine Abhängigkeit des Ichs von Objekten herzustellen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen, das Ergebnis eines schöpferischen Prozesses unserer Selbst ist12. Dies ist im Kern die Grundidee des Idealismus: Alles, was wirklich ist, liegt in der Tat des Ichs. Fichte nennt auch all das, was sich vom Ich unterscheidet (Nicht-Ich) als Tat des Ichs durch die Konfrontation mit dem Fremden (Nicht-Ich) auf das Ich, was erst innerhalb dieser Begegnung seinen Gegensatz entwickelt und dadurch Ich oder Nicht-Ich darstellt.

Demnach existiert also nichts, außer dem Ich 13. Dieser Auffassung schließt sich auch Schelling an, fügt nun aber noch die „intellektuelle Anschauung“ hinzu, durch die nicht nur die Erkenntnis über das Ich möglich wird, sondern die absolute Erkenntnis der Welt.14 15 In diesem Schritt wird sich, wie noch konkreter analysiert werden soll, nicht nur das Ich im Prozess der Erkenntnis entwickeln, sondern die Natur ebenso als etwas werdendes verstandene. Das bedeutet, dass die Natur durch ihre Prozesse durch Polaritäten wie beispielsweise elektrische oder magnetische Anziehung und Abstoßung ein Antriebsmoment erfährt. So ist die Natur also im Prozess des Fortschritts durch Widersprüche auf dem Weg zur Geistwerdung, wodurch die Natur und der Geist dasselbe sind. Was Geist tatsächlich für Hegel bedeutet und worin das erwähnte Antriebsmoment liegt, wird in späteren Kapiteln vertieft. Es ist festzuhalten, dass sowohl Schelling als auch Fichte und Hegel den „Grund aller Wirklichkeit“ in dem „Absolute[n], [dem] Göttliche[n] als innerstes Prinzip des Lebens“ sehene Hegels Auffassung des Idealismus spaltet sich ferner als absoluter Idealismus ab: Seiner Anschauung zufolge ist das Absolute nicht mehr nur das Subjekt Ich wie bei Fichte, sondern ist allumfassend.16

4 Die Hegel’sche Dialektik

Im folgenden Kapitel werde ich die dialektische Methode kurz erklären. Um im weiteren Verlauf die Argumentation von Hegel zu verstehen, ist es unerlässlich im ersten Schritt die Dialektik zu begreifen, da diese die argumentative Grundlage für jede weitere Erklärung darstellt. Im folgenden Kapitel soll nun eine Auseinandersetzung mit den von Hegel verwendeten Begriffen geschehen. Diese sollen auch als Grundlage dafür dienen, im nächsten Teil das erste Kapitel der Phänomenologie des Geistes zu verstehen.

4.1 Die dialektische Methode

Im vorigen Kapitel war bereits die Rede von dem gewissen Antriebsmoment oder der „Triebfeder“, die Hegels Gedanken zu Entwicklung des Geistes innewohnt: Er nennt diese Dialektik. Wie bereits oben erwähnt, sieht Hegel im Gegensatz zu Kant kein Hindernis in Antinomien, sondern hält diese sogar für essenziell. So ist die Annahme, dass alles, was ist, mit sich identisch ist zwar richtig, jedoch ist der Umkehrschluss aus dieser Feststellung, dass etwas, das mit sich selbst identisch ist, sich von anderem unterscheidet. So gibt es also Dinge, die unabhängig von dem eigenen Sein stattfinden. Diese Dinge sind durch ihre Unabhängigkeit an sich ein Ding, „seine Wahrheit und sein Wesen ist in ihm verschlossen“. Wenn das eigene Sein mit diesem Ding in Relation steht, ist es aus der Perspektive des eigenen Seins nicht mehr an sich: Es wird zu dem, als was es dem eigenen Sein erscheint (Für-andere-Sein). Dieser Gegensatz führt ferner nun zu einem Gewinn an Erkenntnis: Da nun das Gegensätzliche in Relation zu dem Ding an sich steht, bildet sich eine Einheit zwischen Subjekt und Objekt. Somit negiert sich im ersten Schritt das An-sich-Sein durch das Für-andere-Sein, welche seine Negation im An- Sich-Sein findet. Dies mündet schließlich in die Zusammenführung jener beiden Aspekte und bildet eine Einheit, die in ihrer neuen Form eine Wissensbereicherung darstellt. Dieser Prozess endet aber nicht an jenem Punkt, sondern ist vielmehr ein sich immer wiederholendes Schema, was sich bis zu der vollkommenen Vereinheitlichung von An- Sich-Sein und Für-Andere-Sein vergegenwärtigt. Insbesondere der Aspekt der Negation wird dem Teilkapitel „Das Diese“ genauer erläutert.

5 Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Meinen

Die Phänomenologie des Geistes soll darlegen, wie sich der Geist in einem Prozess zu dem Absoluten entwickelt.17 Hegel unterteilt diesen Prozess in drei Teilaspekte, I. „Die sinnliche Gewissheit oder das Diese und das Meinen“, II. „Die Wahrnehmung oder das Ding und die Täuschung“ und III. “Kraft und Verstand, Erscheinung und übersinnliche Welt“. In dieser Hausarbeit werde ich mich nur auf das erste Kapitel beziehen und im Folgenden versuchen, dieses näher zu erläutern.

[...]


1 Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, Phönomenologie des Geistes. 2017. S. 27

2 Ebd. S.28

3 Ebd. S.29

4 Ebd. S.33

5 Ebd. S34

6 Metzler Lexikon Philosophie. Online Zugriff 21.01.2020, 13:46, https ://www.spektrum.de/lexikon/philosophie/idealismus/922

7 Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, Phänomenologie des Geistes. 2017. S. 20

8 Jason Baehr: A priori/ a posteriori. In: Encyclopedia of Philosophy https://www.iep.utm.edu/apriori/

9 Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, Phänomenologie des Geistes. 2017. S. 20

10 Schädelbach, Herbert 2013: Georg Wilhelm Friedrich Hegel zur Einführung

11 Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, Phänomenologie des Geistes. 2017. S. 20

12 Ebd.

13 Schädelbach, Herbert 2013: Georg Wilhelm Friedrich Hegel zur Einführung S.34

14 Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, Phänomenologie des Geistes. 2017. S. 21

15 Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, Phänomenologie des Geistes. 2017. S. 22

16 Schädelbach, Herbert: Georg Wilhelm Friedrich Hegel zur Einführung 2013 S.37/38

17 Ralf Ludwig, Hegel für Anfänger, Phänomenologie des Geistes. 2017. S. 23

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Ein Versuch der Erläuterung der Hegel’schen Begriffe. Die "Phänomenologie des Geistes" und dessen erstes Kapitel "Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Meinen"
Hochschule
Αριστοτέλειο Πανεπιστήμιο Θεσσαλονίκης - Thessaloniki
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V946289
ISBN (eBook)
9783346285928
ISBN (Buch)
9783346285935
Sprache
Deutsch
Schlagworte
versuch, erläuterung, hegel’schen, begriffe, phänomenologie, geistes, kapitel, gewißheit, diese, meinen
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Ein Versuch der Erläuterung der Hegel’schen Begriffe. Die "Phänomenologie des Geistes" und dessen erstes Kapitel "Die sinnliche Gewißheit oder das Diese und das Meinen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/946289

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