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Ist Genmanipulation am Menschen moralisch vertretbar?

Ethische Fragen zur Anwendung von CRISPR-Technologie

Titel: Ist Genmanipulation am Menschen moralisch vertretbar?

Bachelorarbeit , 2019 , 49 Seiten , Note: 1,8

Autor:in: Christian Nehl (Autor:in)

Biologie - Sonstige Themen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Bachelorthesis beschäftigt sich mit der CRISPR-Technologie, die in der Alltagssprache unter dem Begriff der Gen-Schere bekannt wurde. Die Effizienz dieser neuen Technologie ermöglicht präzise genetische Eingriffe in Lebewesen. Insbesondere steht hier die Anwendung am menschlichen Genom im Vordergrund. Diskutiert wird, inwiefern deontologische Argumente (Kant/Habermas) und utilitaristische Argumente (Singer/Savulescu) unter Einbezug der Technikfolgenabschätzung einen Eingriff ins humane Genom aus ethischer Sicht erlauben oder verbieten. Ausgangspunkt der Thesis ist die Bekanntgabe des Forschers Jiankui He, dass in China im Jahr 2018 genmodifizierte Zwillinge zur Welt kamen, die mittels der CRISPS-Technologie gegen das HI-Virus immun gemacht wurden.

In den letzten Jahren ist der Begriff CRISPR/cas9 sowohl in den geisteswissenschaftlichen, als auch in den öffentlichen Diskurs eingedrungen. Aber was genau beschreibt dieser Begriff eigentlich? Um diese Frage zu beantworten, empfiehlt es sich, einen Blick auf den hauptsächlich damit in Verbindung gebrachten Anwendungsbereich der CRISPR-Technologie zu werfen: Das genome editing, oder zu Deutsch die Genomeditierung. Hierunter ist die zielgerichtete Manipulation des Erbguts bei Lebewesen zu verstehen, die in lebenden Zellen vorgenommen wird und somit eine Modifikation der DNA bewusst durch menschliches Eingreifen ermöglicht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist die CRISPR-Technologie?

3 Ethische Positionen

3.1 Definition der kategorischen Argumentationen

3.1.1 Deontologischer Ansatz

3.1.2 Ansatz der Diskursethik

3.2 Definition der konsequentialistischen Argumentationen

3.2.1 Ansatz der utilitaristischen Argumentation

3.2.2 Ansatz des Präferenzutilitarismus

4 Ethische Diskussion zur CRISPR-Technologie

4.1 Individuum und Gesellschaft

4.2 Natürlichkeit

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die ethischen Implikationen von Keimbahninterventionen am Menschen am konkreten Beispiel der CRISPR-Technologie. Basierend auf dem Fall der in China geborenen, genetisch veränderten Zwillinge wird die Forschungsfrage beantwortet, inwieweit sich pro- und contra-Argumente aus kategorischen sowie konsequentialistischen ethischen Positionen ableiten und bewerten lassen.

  • Grundlagen der CRISPR-Technologie und des Genome Editings
  • Gegenüberstellung deontologischer und diskursethischer Positionen
  • Analyse utilitaristischer und präferenzutilitaristischer Argumentationsstränge
  • Diskussion des Einflusses von Keimbahnmanipulationen auf Individuum und Gesellschaft
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Natürlichkeit und der Menschenwürde

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Deontologischer Ansatz

Die Deontologie respektive die deontologische Ethik (griechisch: δέον (deon) das Erforderliche, das Gesollte, die Pflicht) bezeichnet eine ethische Position, in der die Beurteilung von Handlungen nicht (allein) nach ihren Konsequenzen erfolgt. Es treten hierbei intrinsische Motivationen in den Vordergrund der Beurteilung von Handlungen.

Die Deontologie wird auch als Pflichtethik definiert (Knoepffler, 2010: 49), da sie sich an vorgegebene Rahmenbedingungen respektive Grundüberzeugungen orientiert, denen sich die handelnden Personen grundsätzlich und aus innerer Überzeugung verpflichten. Dies können allgemein philosophische Postulate sein sowie religiöse Weltanschauungen/Dogmen. Gesellschaftlich-rechtliche Aspekte wie bspw. die Verfassung eines Staates (in Deutschland: das Grundgesetz) können hierunter ebenfalls gezählt werden.

Allen Anschauungen gemeinsam ist, dass sie als übergeordnete (oder auch als übersinnlich empfundene) Kategorien einen Leitfaden zur Handlungsweise bzw. -absicht der Subjekte vorgeben, wodurch von anderen als auch von den handelnden Personen selbst ein Verstoß gegen diesen Leitfaden negativ und ein Handeln im Sinne dieses Leitfadens als positiv beurteilt werden kann (vgl. Hardt 2019: 87). In moralischen Kategorien ausgedrückt hieße dies: Eine Handlung ist als gut zu bezeichnen, wenn sie nach den Grundsätzen des Handlungsrahmens erfolgt und als schlecht zu beurteilen, wenn sie von den gesetzten Richtlinien abweicht bzw. dagegen verstößt. Es kommt in der Betrachtung der deontologischen Ethik somit nicht auf die Folgen der Handlung an, sondern auf die intrinsische Motivation der Handelnden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den wissenschaftlichen Aufschrei infolge der ersten CRISPR-veränderten Geburten und führt in die moralische Debatte über Keimbahninterventionen ein.

2 Was ist die CRISPR-Technologie?: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise der Genschere und deren historische Entwicklung von der Entdeckung bei Bakterien bis zur Anwendung am menschlichen Embryo.

3 Ethische Positionen: Hier werden die philosophischen Grundlagen der deontologischen, diskursethischen, utilitaristischen und präferenzutilitaristischen Ansätze detailliert definiert.

4 Ethische Diskussion zur CRISPR-Technologie: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Positionen mit dem konkreten Fall der Keimbahnintervention und analysiert Spannungsfelder wie gesellschaftliche Eugenik-Ängste, Autonomie und das Konzept der Natürlichkeit.

5 Fazit: Das Fazit bewertet die ethischen Ansätze und kommt zu dem Schluss, dass kategorische Argumente im Hinblick auf das untersuchte Experiment eine ethische Ablehnung stützen.

Schlüsselwörter

CRISPR-Technologie, Keimbahnintervention, Genschere, Deontologie, Utilitarismus, Präferenzutilitarismus, Bioethik, Genome Editing, Menschenwürde, Enhancement, Gentechnik, Habermas, Peter Singer, Gattungsethik, Naturverständnis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die ethischen Herausforderungen und moralischen Fragestellungen, die sich aus der Anwendung der CRISPR-Technologie zur Keimbahnmanipulation am Menschen ergeben.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder umfassen die Technikfolgenabschätzung, die philosophische Einordnung in verschiedene Ethikströmungen sowie die Auswirkungen auf individuelle Autonomie und gesellschaftliche Strukturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Fall der ersten genetisch veränderten Kinder (CRISPR-Babies) anhand klassischer und moderner ethischer Positionen kritisch zu reflektieren und eine fundierte ethische Einordnung vorzunehmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturgestützte, ethisch-philosophische Analyse, die verschiedene moraltheoretische Argumentationsstränge auf ein konkretes Fallbeispiel anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl kategorische (deontologische und diskursethische) als auch konsequentialistische (utilitaristische) Positionen definiert und anschließend zur Bewertung des konkreten Experiments von Jiankui He herangezogen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie CRISPR-Technologie, Keimbahnintervention, Deontologie, Utilitarismus und Bioethik definieren.

Inwiefern spielt der Begriff der "Gattungsethik" bei Habermas eine Rolle?

Er dient als kritischer Gegenentwurf zur genetischen Manipulation, da Habermas davor warnt, dass pränatale Eingriffe das natürliche Selbstverständnis des Menschen als autonomes Gattungswesen gefährden.

Wie unterscheidet sich der Präferenzutilitarismus nach Singer vom klassischen Utilitarismus?

Während der klassische Utilitarismus primär auf die Lust-Leid-Bilanz fokussiert, stellt der Präferenzutilitarismus die maximale Erfüllung individueller Interessen und Wünsche in den Mittelpunkt der moralischen Bewertung.

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Details

Titel
Ist Genmanipulation am Menschen moralisch vertretbar?
Untertitel
Ethische Fragen zur Anwendung von CRISPR-Technologie
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,8
Autor
Christian Nehl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
49
Katalognummer
V946300
ISBN (eBook)
9783346284655
ISBN (Buch)
9783346284662
Sprache
Deutsch
Schlagworte
genmanipulation menschen ethische fragen anwendung crispr-technologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christian Nehl (Autor:in), 2019, Ist Genmanipulation am Menschen moralisch vertretbar?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/946300
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Leseprobe aus  49  Seiten
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