Die Satzgliedlehre im deutschen Grammatikunterricht. Aufbereitung, Umsetzung und Problematik


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die Satzglieder
2.1 Subjekt
2.2 Objekt
2.2.2 Dativobjekt
2.2.3 Genitivobjekt
2.2.4 Präpositionalobjekt
2.3 Adverbial
2.4 Prädikat
2.5 Attribut

3 Satzgliedlehre in der Schule
3.1 Kernlehrplan
3.2 Umsetzung
3.3 Probleme und Kritik

4 Fazit

5 Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Der Deutschunterricht begleitet alle Schüler*innen als Haupt- und Pflichtfach unumgänglich durch ihre Schullaufbahn. Mit diesem einher geht der Grammatik­unterricht, der bei vielen Schüler*innen unbeliebt ist und lästig erscheint, da es oftmals die Muttersprache ist oder trockene Grammatikregeln als langweilig emp­funden werden. Überwiegend erinnern sich Schüler*innen an formale und abs­trakte Grammatikstunden ohne direkten Lernzuwachs für den Einzelnen oder die Einzelne. Auch Lehrkräfte arbeiten überwiegend diesen Teil des Unterrichtsstof­fes nur oberflächlich ab. Wenn es gegen Ende des Schuljahres zeitlich knapp wird, ist es häufig der Grammatikteil, der dann hinten überfällt. Dabei ist der Grammatikunterricht auf lange Sicht für alle Menschen, egal ob die Mutterspra­che deutsch ist oder nicht, von Bedeutung, da er uns zu Sicherheit in verbaler und schriftlicher Kommunikation verhilft. Darüber hinaus ist ein korrektes Deutsch nicht nur im Berufsleben eine wichtige Voraussetzung, sondern unteranderem auch über unsere gesellschaftliche Stellung entscheidend.

Als Bestandteil des deutschen Grammatikunterrichts ist im Kernlehrplan unteran­derem die Satzgliedlehre festgehalten. Diese soll das Thema dieser Hausarbeit darstellen. Um das Untersuchungsgebiet überschaubar zu halten, wird sich auf die zweite bis vierte Klasse der Grundschule beschränkt.

Für das allgemeine Verständnis über den historischen Kontext der Satzglieder, folgt ein kurzer Überblick: Die bis heute geltende Satzgliedkonzeption stammt von Karl-Ferdinand Becker und geht ins 19. Jahrhundert zurück. Becker, welcher den Satz als Gedankenausdruck sah und somit die Satzanalyse als Analyse der Gedanken verstand, gilt bis heute als fundiert (vgl. Welke 2007: 245). Er unter­scheidet diese Satzglieder: Subjekt, Prädikat, Objekt und Adverbiale. Damit er­hielt diese Theorie Einzug in die Schul- und Gebrauchsgrammatik (vgl. Linke / Nussbaumer / Portmann 2004: 81). In diesem Zuge werden zuerst die Satzglieder genannt und an Beispielen ihre wesentlichen Merkmale verdeutlicht und erklärt. Dazu werden einschlägige Literaturen von Dürscheid, Pittner und Berman heran­gezogen.

Das untergeordnete Thema der Arbeit stellt den Schulbezug dar. Genauer geht es um die Vermittlung der Satzglieder in der Grundschule. Es soll einerseits beleuch­tet werden, was der Kernlehrplan in Bezug auf die Satzgliedlehre von Leh- rer*innen und von Schüler*innen verlangt, welche Ziele und Kompetenzen das Bildungsministerium vorschreibt und in welchem Umfang dieser grammatische Aspekt im schulischen Kontext bearbeitet wird. Andererseits soll es um die kon­krete Umsetzung dieser Vorgaben gehen. Dafür werden gängige Schulbücher ver­glichen, Aufgaben untersucht und Unterrichtsmethoden hinterfragt. Abschließend werden Probleme, die aus den Untersuchungen hervorgehen, benannt und gege­benenfalls kommentiert.

Die Arbeit wird mit einem Fazit geschlossen, welches die Ergebnisse zusammen­fasst. Darüber hinaus wird ein Ausblick gegeben, der Vorschläge zur Verbesse­rung der Satzgliedlehre im schulischen Kontext enthält.

2 Einführung in die Satzglieder

Dieses Kapitel dient dazu, einen Überblick über die Satzglieder zu geben. Deswe­gen werden diese genannt, ihre Funktionen erklärt sowie anhand von Beispielen erläutert.

Über die Wortarten kommt man zu den Satzgliedern, die auch syntaktische Funk­tionen genannt werden. Ein Satzglied kann aus beliebig vielen Wörtern bestehen und kann in fünf verschiedenen Funktionen auftreten. Diese sind: Subjekt, Objekt, Adverbial, Prädikativ und Attribut. Weiterhin gliedern sie einen Satz und können anhand verschiedener Fragen und Proben erkannt werden. Sie sind in sich zu­sammenhängende Teile, die ohne miteinander verknüpft zu sein, nur der Teil ei­nes Ganzen sind. Auf die verschiedenen Tests, die es gibt, um Satzglieder zu prü­fen, wird in dieser Arbeit nicht in ausführlicher Form eingegangen.

2.1 Subjekt

Das Subjekt kann durch die Wortarten Nomen, Numerale, Artikel oder Pronomen gebildet werden. Außerdem ist das Subjekt die häufigste Ergänzung des Verbes und „das Topik, der Gegenstand der Satzaussage“ (Dürscheid 2012: 32). Es steht im Nominativ und ist mit wer oder was? zu erfragen. Eine syntaktische Eigen­schaft des Subjekts ist die Kongruenz mit dem finiten Verb, also dem konjugier­ten Verb, in Person und Numerus (vgl. Pittner/Berman, 2015: 36). Subjekte treten in den meisten Sätzen auf, allerdings nicht in Infinitivsätzen. Im Nominativ ist es so, dass das Subjekt nicht vom Verb regiert wird, sondern verbformabhängig ist. Das ist auch in Beispiel (1) der Fall, da das Subjekt mit dem finiten Verb spielt auftritt. Demnach ist Henrieke das Subjekt des Satzes.

(1) Henrieke spielt Fußball Wer spielt Fußball?

2.2 Objekt

Beim Objekt muss zwischen verschiedenen Objekten differenziert werden. Es gibt Akkusativobjekte, Dativobjekte, Genitivobjekte und Präpositionalobjekte. „Das Objekt ist immer Zielpunkt des verbalen Geschehens“ (Dürscheid 2012: 36) und wird in Bezug auf den Kasus vom Verb oder vom Adjektiv bestimmt.

2.2.1 Akkusativobjekt

Das Akkusativobjekt ist am bekanntesten und wird auch direktes Objekt genannt, weil es immer den direkt betroffenen Mitspieler der Handlung beschreibt. Man fragt mit wen oder was nach dem Akkusativobj ekt.

(2) David malt ein Bild. Wen oder was malt David?

Aus der Frage ergibt sich das Akkusativobjekt ein Bild. Hier wird deutlich, dass ein Objekt auch mehr als ein Wort beinhalten kann. Darüber hinaus hat das Akku­sativobjekt die syntaktische Funktion, „dass es beim Passivieren zum Subjekt werden kann“ (Pittner / Berman 2015: 36).

(3) a. Er wirft den Ball.
b. Der Ball wird von ihm geworfen.

2.2.2 Dativobjekt

Das Dativobjekt wird auch indirektes Objekt genannt. Es beschreibt den nur un­mittelbar betroffenen Mitspieler der Handlung, häufig ist das eine Person und sel­tener ein Gegenstand oder eine Sache. Mit wem oder was? fragt man nach diesem Objekt.

(4) Ich gebe dir ein Geschenk Wem gibst du ein Geschenk?

In Beispiel (4) ist dir das Dativobjekt. Aber auch in diesem Fall kann das Dativ­objekt zum Subjekt werden, dies ist der Fall beim sogenannten Rezipientenpassiv, das mit kriegen und bekommen gebildet wird.

(5) a. Ich schenkte dir etwas.
b. Du bekamst etwas von mir geschenkt.

Nun ist Du nicht mehr das Dativobjekt, sondern das Subjekt des Satzes (5) b.

2.2.3 Genitivobjekt

Das Genitivobjekt, ist das am seltensten verwendete Objekt. Das Fragewort lautet wessen.

(6) Das Haus der Großeltern Wessen Haus?
(7) Das Haus von den Großeltern.

Demnach ist das Genitivobjekt der Großeltern. Allerdings werden Sätze wie in Beispiel (7) in der gesprochenen Sprache oft umgangen oder mit anderen Kon­struktionen verwendet.

(8) a. Wir gedenken unserer Oma.
b. Wir gedenken an Oma.

Wie Beispiel (8) b. zeigt, wird aus dem Genitivobjekt ein Präpositionalobjekt, dass im Gesprochenen deutlich geläufiger ist.

2.2.4 Präpositionalobjekt

Die letzte Objektart ist das Präpositionalobjekt. Hier wird kein Kasus, sondern eine Präposition, ebenfalls vom Verb, regiert. Das Besondere ist, dass man hier nicht mit einem bestimmten Fragewort arbeiten kann, sondern immer nach der geforderten Präposition fragen muss (vgl. Pittner / Berman 2015: 37).

(9) Murat wartet auf Hannah. Worauf wartet Murat?

Auf Hannah ist in diesem Beispiel das Präpositionalobjekt.

2.3 Adverbial

Das Adverbial ist klar vom Adverb abzugrenzen, da letzteres eine Wortart dar­stellt, während ersteres eine Satzgliedfunktion darstellt. Adverbiale beziehen sich auf das Verb oder auf den ganzen Satz. Des Weiteren können sie genauer in loka­le, temporale, modale und kausale und einige andere Adverbien unterteilt werden.

Ein Lokaladverbial bestimmt den Ort oder die Richtung des Geschehens genauer und kann durch die Fragewörter wo, woher und wohin erfragt werden.

(10) Siegrid fährt morgen nach Österreich. Wohin fährt Siegrid morgen? Nach Österreich ist damit das lokale Adverbial.

Neben dem Lokaladverbial, ist das Temporaladverbial mit das Häufigste. Es gibt Auskunft darüber, wie lang etwas dauert oder wann etwas stattfindet.

(11) Tim fährt morgen nach Österreich. Wann fährt Tim nach Österreich? Auf die Frage in Beispiel (11) lautet die Antwort morgen.

Darüber hinaus gibt es das Modaladverbial. Dieses informiert über die Art und Weise der Handlung und kann auf verschiedenen Wegen erfragt werden.

(12) Sigrid fährt mit dem Zug. Wie/Auf welche Weise fährt Sigrid?

Mit dem Zug ist im oben genannten Satz das Modaladverbial.

Das vierte Adverbial beschreibt den Grund einer Handlung oder Situation. Auch hier können unterschiedliche Fragen Aufschluss bringen.

(13) Weil es regnet, bleibt er drinnen. Warum/Weshalb bleibt er drinnen? Weil es regnet stellt in diesem Satz das kausale Adverbial dar. Darüber hinaus gibt es noch konditionale, finale und konzessive Adverbien, für die hier allerdings keine weiteren Beispiele angeführt werden.

2.4 Prädikat

Das Prädikat ist ein selbstständiges Satzglied, dem in einem engen Verständnis nur das Verb oder ein Verbkomplex zugeordnet werden kann. In einem weiteren Prädikatsbegriff kann es auch Objekte oder Adverbiale umfassen (vgl. Dürscheid 2012: 35). Es kann aber auch als Prädikatsteil aufgefasst werden. Es werden zwei Arten von Prädikativen unterschieden: Das Subjektprädikativ und das Objektprä­dikativ.

„Subjektprädikative treten in Kombination mit Kopulaverben [sein, werden, blei­ben] auf und bilden [...] das Prädikat“ (Pittner / Berman 2015: 39). Dabei werden immer subjektbezogene Informationen genannt.

(14) Dilek ist schön. (AdjektivP)
(15) Ich werde Lehrerin. (Nominativ-NP)
(16) Wir bleiben alle da. (AdverbP)

Dem gegenüber stehen die Objektprädikative, welche sich auf das Objekt bezie­hen.

(17) Ich halte sie für eine gute Ärztin. (Präposition-Nomen)
(18) Er betrachtete die Maßnahmen als ungeeignet. (Präposition-Adjektiv)

2.5 Attribut

Das Attribut ist kein eigenständiges Satzglied, sondern ein Satzgliedteil. Es wird in mancher Literatur deswegen vernachlässigt. Da es aber im Kernlehrplan des Ministeriums für Schule und Bildung NRW explizit aufgeführt ist, wird es hier kurz erwähnt. Attribute werden an Substantive oder an Adjektive beigefügt. Das ist bei jedem Satzglied, außer bei Prädikaten, möglich.

(19) große Frauen
(20) das Kissen auf dem Stuhl

In Beispiel (19) ist große ein Attribut, welches die Frauen genauer beschreibt. In Beispiel (20) ist auf dem Stuhl eine genauere Ortsbeschreibung.

3 Satzgliedlehre in der Schule

Im vorangegangenen Kapitel wurden alle Satzglieder erläutert und anhand von Beispielen verdeutlicht.

Nun stellt sich die Frage, wie Lehrkräfte diesen Stoff den Schüler*innen mög­lichst gewinnbringend und bestenfalls schülerorientiert beibringen können. Um dieser Frage nachzugehen wird im Folgenden untersucht, welche Anforderungen in Bezug auf die Satzgliedlehre an Lehrer*innen sowie Schüler*innen gestellt werden, wie Unterrichtsmaterialien, insbesondere die Schulbücher, aussehen kön­nen und wie das Ganze in der Umsetzung funktioniert, oder an welchen Stellen Probleme auftreten können. Abschließend werden diese Probleme in einem eige­nen Kapitel beleuchtet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Satzgliedlehre im deutschen Grammatikunterricht. Aufbereitung, Umsetzung und Problematik
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V946308
ISBN (eBook)
9783346286024
ISBN (Buch)
9783346286031
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Syntax Deutsch Germanistik Satzglieder Didaktik
Arbeit zitieren
Ina Müller (Autor), 2020, Die Satzgliedlehre im deutschen Grammatikunterricht. Aufbereitung, Umsetzung und Problematik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/946308

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