Innerhalb der Arbeit wird geklärt, was unter dem Begriff der Redaktion verstanden wird und was die Anglizismen Newsdesk und Newsroom exakt bedeuten. Ein geschichtlicher Abriss führt die Entstehung der Ressorts in den Zeitungsredaktionen vor Augen. Danach wird auf die theoretische Grundlage, besonders die Managementlehre, näher eingegangen. Ausgehend von den theoretischen Zusammenhängen zeigt eine kurze Betrachtung der konträren Arbeitsweise in deutschen und großbritannischen Redaktionen die praktische Seite von Redaktionsorganisation auf. Anschließend verdeutlichen verschiedene Beispiele wie Umstrukturierungen in Redaktionen aussehen können. In seinem Artikel „Über den Hochverrat“ schreibt Innenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung Heribert Prantl: „So kehrt der Journalismus zurück zu den marktschreierischen Ursprüngen auf den Marktplätzen des Mittelalters. Es besteht wie noch nie seit 1945 die Gefahr, dass der deutsche Journalismus verflacht und verdummt, weil der Renditedruck steigt, weil an die Stelle von sach- und fachkundigen Journalisten Produktionsassistenten für Multimedia gesetzt werden, wieselflinke Generalisten, die von allem wenig und von nichts richtig was verstehen.“ Damit verurteilt Prantl die zunehmende Affinität diverser deutscher Verleger in ihren Redaktionen Newsdesks zu installieren, an denen einstige Qualitätsjournalisten zu Multimedia-Fachmännern verkommen, weshalb die Qualität des Journalismus enorm leidet. Auch hält die „technische Innovation“ Newsdesk vornehmlich dort Einzug, wo Journalisten entlassen und durch Kollegen ersetzt werden, die keine tarifliche Bezahlung erhalten. Die Skepsis gegenüber dieser Entwicklung ist groß und vor dem Hintergrund von Verlusten auf dem Anzeigen- und Lesermarkt bestimmt gerechtfertigt. In den Redaktionen müssen neue Redaktionsmodelle dafür sorgen, dass die Zeitung gegenüber den elektronischen Medien konkurrenzfähig bleibt und ihr Alleinstellungsmerkmal – den großen Vorteil Hintergründe ausführlich zu beleuchten sowie Überregionales, Regionales und Lokales miteinander zu verknüpfen – weiter stärkt.
Inhaltsverzeichnis
1. DARSTELLUNG DER THEMATIK
2. BEGRIFFSDEFINITIONEN
2.1 REDAKTION
2.2 NEWSDESK
2.3 NEWSROOM
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
3.1 WIE AUS SPARTEN DIE KLASSISCHEN RESSORTS WURDEN
3.2 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN ZUR ZEITUNGSREDAKTION
3.2.1 THEORIE UND EMPIRIE
3.2.2 MIKROEBENE: DIE BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE MANAGEMENTLEHRE
4. PRAKTISCHE UMSETZUNG
4.1 VERGLEICH: DEUTSCHLAND – ENGLAND
4.2 NEUE FORMEN: NEWSDESK, NEWSROOM, CROSSMEDIALES ARBEITEN
4.2.1 MOTIVE FÜR DEN NEWSDESK
4.2.2 IN WELCHEN RESSORTS DEUTSCHLANDS JOURNALISTEN ARBEITEN
4.2.3 BANDBREITE NEUER REDAKTIONSMODELLE
5. JOURNALISTISCHE QUALITÄT IN JEDEM FALL
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der redaktionellen Organisationsstrukturen von klassischen Ressortmodellen hin zu modernen Formen wie dem Newsdesk und dem Newsroom. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob diese Umstrukturierungen journalistische Qualität sichern oder primär ökonomischen Sparmaßnahmen dienen.
- Entwicklung und historischer Wandel der klassischen Ressortstruktur.
- Theoretische Fundierung der Redaktionsorganisation durch Managementlehre.
- Gegenüberstellung journalistischer Arbeitsweisen in Deutschland und England.
- Analyse der Beweggründe für die Implementierung von Newsdesks.
- Diskussion der Auswirkungen auf die journalistische Qualität und das Rollenverständnis von Redakteuren.
Auszug aus dem Buch
3.1. Wie aus Sparten die klassischen Ressorts wurden
In den vergangenen Jahren erprobten Chefredakteure neue Ressortmodelle, besonders auch Teamarbeit. Damit versuchen sie festgefahrene Strukturen, die sich durch eine Spezialisierung der Ressorts seit ihrer Entstehung vor rund 100 Jahren bildeten, nach und nach aufzulösen, um den gewonnen Raum für Innovatives zu nutzen. Doch wie bildeten sich die klassischen Ressorts der Zeitungen in den vergangenen Jahrhunderten?
1605 erschien die erste europäische Zeitung: die Strassburger Relation. Nicht einmal 50 Jahre später erscheint die Leipziger Einkommende Zeitung sechs Mal die Woche als erste deutsche Tageszeitung. Damals erschien sie noch ohne redaktionellen Teil, sie war unstrukturiert, weder systematisch noch gegliedert, aber dennoch in gewisser Weise organisiert arbeitend. Korrespondenten waren rar zu dieser Zeit. Die Redaktion von Postmeistern und Buchdruckern bestand in erster Linie darin verschiedenste Zeitungen auf ihre Nachrichten hin zu untersuchen, Artikel auszuschneiden und wieder in Druck zu geben. Über Jahrhunderte war die Zeitung in ihrer Aufmachung nicht leserfreundlich gestaltet, was wohl an technischen Gegebenheiten gelegen haben muss und es gab keinerlei Einteilung – die aufgrund der spärlichen Nachrichten auch nicht notwendig war. Ab dem 18. Jahrhundert lassen sich erste Sparten in Zeitungen finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. DARSTELLUNG DER THEMATIK: Einführung in die Problematik des Strukturwandels deutscher Redaktionen unter dem Einfluss von Renditedruck und technischer Innovation.
2. BEGRIFFSDEFINITIONEN: Klärung der zentralen Fachbegriffe Redaktion, Newsdesk und Newsroom zur Schaffung einer einheitlichen Diskussionsbasis.
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Historischer Rückblick auf die Ressortbildung sowie theoretische Einordnung der Redaktionsorganisation durch betriebswirtschaftliche und journalistikwissenschaftliche Ansätze.
4. PRAKTISCHE UMSETZUNG: Analyse der Implementierung neuer Redaktionsmodelle unter Einbeziehung eines Vergleichs zwischen deutschen und englischen Arbeitsweisen.
5. JOURNALISTISCHE QUALITÄT IN JEDEM FALL: Resümee über den Einfluss der Strukturveränderungen auf die journalistische Arbeit und den Erhalt der publizistischen Qualität.
Schlüsselwörter
Redaktionsorganisation, Newsdesk, Newsroom, Journalismus, Ressortstruktur, Crossmedialität, Managementlehre, Arbeitsteilung, Qualitätsjournalismus, Redaktionskultur, Innovation, Medienwandel, Zeitungsredaktion, Organisationsmodelle, Funktionalorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Veränderung redaktioneller Organisationsstrukturen in Zeitungsredaktionen von traditionellen Sparten-Modellen hin zu modernen, crossmedialen Newsdesk-Systemen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Ressorts, die Anwendung betriebswirtschaftlicher Managementlehren auf Redaktionen sowie die Gegenüberstellung von deutschen und angelsächsischen Journalismusmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob die Einführung moderner Redaktionskonzepte wie Newsrooms tatsächlich zukunftsträchtige Innovationen sind oder primär der Verschleierung von Sparmaßnahmen dienen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie den Vergleich bestehender empirischer Studien und Organisationsmodelle aus der Journalismus- und Managementforschung.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, wie die Entstehung der Ressorts und Systemtheorien, sowie die praktische Analyse von Umstrukturierungen in deutschen Medienhäusern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wesentliche Begriffe sind Redaktionsorganisation, Newsdesk, Newsroom, Ressortautonomie, crossmediales Arbeiten und journalistische Qualität.
Wie unterscheidet sich die Arbeit eines deutschen Redakteurs von der eines englischen "Reporters"?
In Deutschland arbeiten Journalisten meist als Allrounder, während im angelsächsischen Modell eine starke funktionale Arbeitsteilung zwischen Recherchierenden (Reporter) und Redigierenden (Editor) herrscht.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Chefbalken" im Newsroom?
Der "Chefbalken" dient als Ort der Gesamtentscheidungsfindung, an dem sich Chefredakteure und Blattmacher versammeln, um die redaktionellen Leitlinien festzulegen.
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- Steffen Armbruster (Autor), 2008, Vom Ressort zum Newsdesk: Konzepte der Redaktionsorganisation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94637