Die Bezeichnung Buntmetall umfasst üblicherweise alle legierungsfähigen Metalle außer Eisen und den Edelmetallen Gold und Silber. Dies sind in erster Linie Kupfer und die Kupferlegierungen Bronze und Messing, aber auch Blei, Zinn und deren Legierungen. Während Kupfer und Kupferlegierungen in rötlichen und rotgoldenen Farben auftreten, sind Blei und Zinn weiß bis grau und um einiges weicher. Gemeinsam ist diesen Metallen ein ansprechendes glänzendes Aussehen und dass man sie mit den im Mittelalter verfügbaren Mitteln und Verfahren gut verarbeiten und gestalten konnte. Außerdem waren diese Metalle billiger als Edelmetalle,die sie häufig kopieren sollten. Hierin mögen die Gründe dafür gelegen haben,dass Buntmetalle ab dem 10. Jh. immer beliebter wurden und sich zu einem der wichtigsten Werkstoffe überhaupt entwickelten. Aus Buntmetall bestanden neben Großgegenständen wie Grapen oder Leuchter auch viele Kleinteile wie Schnallen, Buch- und Möbelbeschläge, Pferdegeschirrteile, Hausrat, Toilettengerät sowie Fibeln und weitere Trachtbestandteile. Die Herstellung dieser Kleinteile ist Thema der vorliegenden Arbeit.
Forschungsstand
Für die kleinen Buntmetallfunde der mittelalterlichen Städte, die Tätigkeiten der Produzenten und ihre Werkstätten hat sich die archäologische Forschung lange Zeit nur wenig interessiert. Lediglich H. Drescher hat sich ab den 1970er Jahren intensiv mit den Herstellungsmethoden des vor- und frühgeschichtlichen Metallhandwerks beschäftigt. Seine richtungweisenden Arbeiten, in denen er Versuchsergebnisse, genaue Kenntnis der historischen Quellen und seine immense praktische Erfahrung verband, behandeln jedoch hauptsächlich die Herstellung von Großgeräten.
Die ersten mir bekannten Arbeiten, die sich mit kleinen Buntmetallfunden befassen, sind zwei unpublizierte Abschlussarbeiten aus den 1990er Jahren. Die Magisterarbeit von Th. Liebert behandelt die Buntmetallfunde der Burg Plesse, und J. Matthies beschäftigt sich in seiner Diplomarbeit mit den mittelalterlichen Metallfunden aus der Altstadt von Magdeburg. Inwieweit sich Liebert mit den Herstellungstechniken auseinandersetzt, konnte ich nicht feststellen, da mir die Arbeit nicht zugänglich war. Die Arbeit über Magdeburg besteht aus einer umfangreichen Fundaufnahme mit zeitlicher und typologischer Einordnung der Fundstücke, die Herstellungsmethoden werden jedoch nicht thematisiert.
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Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
Forschungsstand
Problemstellung und Vorgehensweise
Verwendete Quellen
Themeneingrenzung
1. ROHSTOFFE
VERWENDETE METALLE
REINES KUPFER
Gewinnung/Verhüttung
Herkunftsorte
LEGIERUNGEN
Bronze
Messing
Bezug fertiger Legierungen oder Halbzeuge
ALTMETALL
WEITERE BENÖTIGTE METALLE
PROBIEREN UND SCHEIDEN
NATURWISSENSCHAFTLICHE BESTIMMUNG VON METALLEN
WAAGEN UND GEWICHTE
WEITERE ROHSTOFFE
2. DIE WERKSTATT
ÖFEN
Eingetiefte ovale und birnenförmige Schmelzöfen
Rechteckige mit Steinplatten ausgekleidete Ofengruben
Öfen mit geschlossenem Ofenraum und Blasebalg
Windöfen
Schachtöfen
WERKSTÄTTEN
DER ARBEITSPLATZ NACH THEOPHILUS
LAGE DER WERKSTATT IN DER STADT
3. HERSTELLUNGSMETHODEN
3. A. GUSS VON ROH- UND FERTIGTEILEN
GUSSTIEGEL
GUSSVERFAHREN
1. Guss von Barren
2. Guss von nachzuschmiedenden Rohteilen
3. Formguss
a. Wachsausschmelzverfahren
b. Guss in wiederverwendbaren Formen
ANZEICHEN FÜR GUSS AN METALLGEGENSTÄNDEN
3. B. WEITERVERARBEITUNG GEGOSSENER ROHTEILE
WERKZEUG
Werkzeuge für verschiedene Tätigkeiten
VERSÄUBERN
FEILEN
KALTVERFORMUNG
Hämmern und Treiben
Hämmer und Ambosse
Blech Hämmern
Treiben
Schmieden
Pressen und Prägen
Pressen in Matrizen oder auf Patrizen
Prägen
Draht ziehen
Zieheisen oder Nageleisen?
Blech und Draht biegen
Drehen
Trennen
Schneiden
Durchschlagen
Sägen
Bohren
VERBINDEN VON EINZELBESTANDTEILEN
Hartlöten
Weichlöten
Vernieten
Kupfer- oder Messings-Plattierung von Eisengegenständen
VERZIEREN
Muster feilen
Plastische Verzierungen
Muster punzieren
Ziselieren
Muster gravieren
Niello
Feuervergolden
Emaillieren
Steinbesatz
DURCHBRUCHARBEITEN
ZUSAMMENFASSUNG, FAZIT
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
LITERATUR
SCHRIFTQUELLEN
INTERNETADRESSEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Arbeitsorganisation in mittelalterlichen Werkstätten zur Herstellung kleiner Buntmetallgegenstände. Sie erforscht, welche spezifischen Tätigkeiten, Produktionsmittel und methodischen Ansätze notwendig waren, um Kleingeräte aus Kupfer, Bronze oder Messing zu fertigen, wobei sie archäologische Funde mit historischen metallurgischen Lehrbüchern verknüpft.
- Rohstoffgewinnung, Legierungszusammensetzungen und Altmetallverwendung.
- Konstruktion und Funktion mittelalterlicher Schmelzöfen und Werkstattareale.
- Gusstechniken, insbesondere Wachsausschmelzverfahren und Formguss.
- Weiterverarbeitungsmethoden wie Schmieden, Treiben, Kaltverformung und Ziselieren.
- Topographische Analyse von Handwerksstandorten innerhalb mittelalterlicher Städte.
Auszug aus dem Buch
ÖFEN
Ein wesentlicher Bestandteil der Werkstätten waren die Öfen, von denen, je nach Zeitstellung und Verwendungszweck, verschiedene Modelle auszumachen sind.
Für die Herstellung kleiner Buntmetallgegenstände benötigte der Handwerker lediglich ein Holzkohlefeuer mit Blasebalg sowie eventuell einen Ofen zur Messingproduktion. Ein Holzkohlefeuer ist etwa 800°C heiß und kann bei gleichmäßiger zusätzlicher Luftzufuhr mittels Blasebalg bis zu 1.650°C erreichen. Das reicht aus, um Kupfer und Kupferlegierungen (ca. 900°-1.100°C) in Tiegeln zu schmelzen.
Leider wurden bis jetzt keine mittelalterlichen Ofenkonstruktionen mit intakten oberirdischen Aufbauten gefunden, und auch die eingetieften Bereiche wurden bei Ausgrabungen oft nur angeschnitten. Häufig werden deshalb zur Rekonstruktion von Ofenbefunden mittelalterliche oder frühneuzeitliche Quellen herangezogen, z. B. von Drescher, Janssen oder Schütte. Krabath, der sich viel mit Öfen beschäftigt hat (s.u.), meint hingegen, dass sich historische Ofenbeschreibungen und -abbildungen bis jetzt nur unzureichend mit den Bodenfunden in Übereinstimmung bringen ließen. Er hat die bis zum Jahre 2002 in Europa gefundenen 63 Buntmetallschmelzöfen von 45 Orten, basierend auf ihrem Grundriss, in 11 Typen eingeteilt. Regionale Besonderheiten konnten hierbei nicht festgestellt werden, und für eine zeitliche Entwicklung gibt es nur wenige Hinweise. Letztere ist auch schwer zu ermitteln, da für die meisten der publizierten Öfen keine sichere Datierung vorliegt. Ich habe mich bei der nun folgenden Aufstellung größtenteils an die Modellcharakterisierung Krabaths gehalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ROHSTOFFE: Das Kapitel erläutert die verschiedenen Buntmetalle wie Kupfer, Bronze und Messing, deren Legierungszusammensetzung sowie die Herkunft und Bedeutung von Altmetall für die Produktion.
2. DIE WERKSTATT: Hier werden die verschiedenen Ofentypen, wie Schmelzgruben, Windöfen und Schachtöfen, sowie die archäologische Fundsituation von Werkstattarealen detailliert analysiert.
3. HERSTELLUNGSMETHODEN: Dieses Kapitel behandelt die technischen Arbeitsschritte vom Guss über die Weiterverarbeitung wie Schmieden und Feilen bis hin zu verschiedenen Verzierungstechniken.
Schlüsselwörter
Buntmetall, Mittelalter, Werkstatt, Metallhandwerk, Gusstiegel, Legierung, Verhüttung, Archäologie, Schmieden, Treiben, Ziselieren, Email, Materialkunde, Rohstoffe, Produktionsmittel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Arbeitsorganisation in mittelalterlichen Buntmetallwerkstätten und untersucht die Herstellungsprozesse kleiner Gebrauchsgegenstände.
Welche Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Sie umfasst Rohstoffkunde, Ofenbau, Gusstechniken, mechanische Weiterverarbeitung und die topographische Anordnung von Handwerksbetrieben in der mittelalterlichen Stadt.
Was ist das Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Tätigkeiten, Akteure und notwendigen Arbeitsmittel (Produktionsmittel) zu identifizieren, die für die Herstellung kleiner Buntmetallobjekte erforderlich waren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin kombiniert archäologische Ausgrabungsergebnisse, Experimente, metallurgische Analysen und die Interpretation zeitgenössischer historischer Quellen, wie die Schedula des Theophilus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Rohstoffanalyse, eine detaillierte Beschreibung der Werkstattinfrastruktur (Öfen, Arbeitsplätze) und eine systematische Darstellung der Herstellungsmethoden (Guss, Kaltverformung, Verbindungstechnik, Verzierung).
Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Studie?
Die zentralen Begriffe sind Buntmetall, Metallhandwerk, Werkstatt, Gusstechniken (Wachsausschmelzverfahren, Formguss) und mittelalterliche Fertigungsmethoden.
Warum ist das "Saigerverfahren" für die Rohstoffbetrachtung wichtig?
Es erlaubte ab ca. 1450 eine effiziente Trennung von Silber aus silberhaltigem Kupfer, was die Rohstoffgewinnung und -reinigung im späten Mittelalter revolutionierte.
Welche Rolle spielt Theophilus Presbyter für die Rekonstruktion?
Sein Lehrbuch "Schedula Diversarium Artium" aus dem 12. Jahrhundert dient als zentrale historische Quelle, um technische Anweisungen mit archäologischen Funden abzugleichen.
Warum wird die Zinnpest als Faktor für Fundlücken diskutiert?
Zinnhaltige Lötstellen können bei niedrigen Temperaturen zerfallen, was erklären könnte, warum bei archäologischen Fundstücken wie Fibeln oft Verbindungsteile fehlen.
- Citation du texte
- Baccalaurea Artium Viola Bergmann (Auteur), 2006, Herstellung kleiner Buntmetallgegenstände in der mittelalterlichen Stadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94644