Wie wichtig ist das Lerneralter im L2-Erwerb?
1. Einleitung
In dieser Arbeit beleuchten wir einen Aspekt des L2-Erwerbs, der schon in der Vergangenheit und auch zum jetzigen Zeitpunkt mannigfaltig in der linguistischen Forschung diskutiert wurde und wird – die Rolle des Alters beim Fremdsprachenlernen.
Dabei wird es in erster Linie um die „Critical Period Hypothesis“(CPH) gehen, die besonders kontrovers von Sprachwissenschaftlern betrachtet wird. Der Darlegung der herrschenden Diskussion über diese vielschichtige Hypothese und die Prüfung derer auf ihre Plausibilität hin wird der erste Teil der Arbeit gewidmet sein. Hier wird vor allem der Aspekt der „nativelikeness“ näher betrachtet werden. Weiterführend werden wir uns selbst mit der Fragestellung auseinandersetzen, ob Alter eine Rolle im L2 - Erwerb spielt und welche es darstellt. Dazu werden wir Aspekte des Lernens L2 jüngerer Erwerber und älterer Erwerber gegenüberstellen, um mit den Ergebnissen der Diskussion schließlich Aussagen darüber treffen zu können, wie das Unterrichten einer L2 im Hinblick auf unsere Ergebnisse gestaltet werden sollte.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die „Critical Period Hypothesis“
2.1. Definition
2.2. Ausgewählte Aspekte der „CPH“-Diskussion bezüglich des L2- Erwerbs
2.3. Grundlagen der CPH
2.4. „Nativelikeness“ im L2-Erwerb
2.4.1. Learning Deficits vs. Bilingualism Effects
3. Zusammentragung der Ergebnisse
4. Charakteristika jüngerer und älterer Lerner
4.1. Jüngere Lerner
4.2. Ältere Lerner
5. Warum sollte Englisch als Zweitsprache möglichst früh erlernt werden?
6. Wie kann der frühe Beginn des Fremdsprachenlernens gewährleistet werden?
7. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Altersfaktors beim Zweitspracherwerb (L2) und analysiert kritisch die „Critical Period Hypothesis“ (CPH) auf ihre Plausibilität hin. Ziel ist es, durch die Gegenüberstellung von Lernmerkmalen jüngerer und älterer Lerner fundierte Aussagen über die Gestaltung eines effektiven Fremdsprachenunterrichts zu treffen.
- Kritische Analyse der Critical Period Hypothesis (CPH)
- Diskussion des Kriteriums der „Nativelikeness“
- Vergleich der Lernvoraussetzungen von Kindern und Erwachsenen
- Bedeutung der frühen Englischförderung unter Globalisierungsaspekten
- Methodische Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Sprachunterricht
Auszug aus dem Buch
2.4. „Nativelikeness“ im L2-Erwerb
Birdsong stellt in einem seiner Aufsätze fest, dass der „standard by which the upper end of L2A attainment is typically measured is nativelikeness“. Diese Standardfestsetzung ist oberflächlich gesehen nachvollziehbar und vertretbar. Jedoch stellt Birdsong sich die Frage,
„whether all aspects of L2 learners’ linguistic behaviors should be fair game for comparison with those of natives, and suggest[s] that the standards of nativelikeness and non-nativelikeness should not be applied to the CPH/L2A debate in an unconstrained fashion“
So sieht Birdsong „non-nativelike performance“ nicht unbedingt als ein Anzeichen für beeinträchtigte Lernfähigkeiten, wie es die CPH/L2A versteht. Um eine Diskussion bezüglich dessen zu beginnen, stellt er folgende These auf: „Learning mechanisms assure that language learning results in nativelikeness. Defective language learning mechanisms result in non-nativelike outcomes.“ Dafür hält er es jedoch für nötig, dass mit „nativelikeness“ eine Definition einhergeht, welche jedoch bisher nicht einheitlich ist, denn: „Reasonable researchers are likely to disagree on where to draw the line; they should agree, however, that a line ought to be drawn somewhere“ Es ist leicht nachvollziehbar, was Birdsong damit meint, wenn er von einer Linie/einer Grenze schreibt, die „nativelikeness“ von „non-nativelikeness“ trennen soll, um diese klar unterscheiden zu können und somit auch in Untersuchungen zur „CPH/L2A“ damit arbeiten zu können. Birdsong benutzt ein unserer Meinung nach passendes Beispiel, um seinen Standpunkt deutlich zu machen:
„As a way into this question, let us consider the case of Charles, a hypothetical native speaker of English and an L2 speaker of French. A long-term resident of Paris,Charles passes for a native French speaker in everyday interactions, and has demonstrated nativelike performance on a battery of psycholinguistic measures. One day at work he spills coffee on himself. Rather than shouting “Aïe!” as a native speaker of French would be likely to do, he screams “Ouch!” as a native speaker of English would. Charles’s exclamation is non-nativelike linguistic behavior. But is it the kind of evidence that would suggest an inability to master the L2? Surely “Ouch!” instead of “Aïe!” in spontaneous reaction to pain does not imply that the mechanism for learning an L2 is defective.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Rolle des Alters beim L2-Erwerb und Vorstellung der Fragestellung.
2. Die „Critical Period Hypothesis“: Theoretische Auseinandersetzung mit der Definition und Plausibilität der Hypothese.
3. Zusammentragung der Ergebnisse: Kritische Reflexion der bisherigen Diskussion über die CPH und das Kriterium der Nativelikeness.
4. Charakteristika jüngerer und älterer Lerner: Gegenüberstellung der Lernweisen und spezifischen Vorteile beider Altersgruppen.
5. Warum sollte Englisch als Zweitsprache möglichst früh erlernt werden?: Argumentation für eine frühe Implementierung des Englischunterrichts im Kontext der Globalisierung.
6. Wie kann der frühe Beginn des Fremdsprachenlernens gewährleistet werden?: Anforderungen an Bildungspolitik, Lehrkräfte und Unterrichtsmaterialien.
7. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung und Fazit zur Relevanz des Alters beim Sprachenlernen.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, L2-Erwerb, Critical Period Hypothesis, CPH, Nativelikeness, Lernalter, Sprachlehrforschung, Erstspracherwerb, Bilingualismus, language anxiety, Fremdsprachenunterricht, Interkulturalität, Spracherwerbsfähigkeit, Lernmotivation, Globalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem Alter des Lernenden und dem Erfolg beim Erwerb einer zweiten Sprache (L2).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die "Critical Period Hypothesis", den Begriff der "Nativelikeness" sowie die spezifischen Lerncharakteristika von jüngeren versus älteren Lernern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob das Alter eine entscheidende Rolle im L2-Erwerb spielt und wie Unterricht im Hinblick auf diese Altersunterschiede gestaltet sein sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse linguistischer Fachliteratur und theoretischer Diskussionen verschiedener Sprachwissenschaftler, um die Hypothesen kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion der CPH, die Analyse der Lernvorteile und -nachteile je nach Altersgruppe sowie bildungspolitische Überlegungen zur frühen Fremdsprachenförderung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind L2-Erwerb, Critical Period Hypothesis, Nativelikeness, Lernalter sowie die methodische Gestaltung von Fremdsprachenunterricht.
Wie unterscheidet sich die Motivation von jüngeren und älteren Lernern laut der Autorin?
Während Kinder eher spielerisch und durch Interesse lernen, sind Erwachsene oft extrinsisch motiviert, beispielsweise durch berufliche Anforderungen oder das Bedürfnis nach geistigem Training.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Empfehlung eines Lernalters?
Obwohl ein früher Beginn aufgrund internationaler Bildungsstandards für das Erlernen von Englisch zu empfehlen ist, sollte das Alter niemals als Hindernis für lebenslanges Sprachenlernen betrachtet werden.
- Quote paper
- Carolin Hartmann (Author), 2008, Wie wichtig ist das Lerneralter im L2-Erwerb?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94656