Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen. Eine Analyse aus systemtheoretischer Perspektive nach Niklas Luhmann


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen
2.1 Die Monetarisierung ökologischer Leistungen und ihre Problematiken
2.2 Ökolandbau als Trinkwasserschutz am Fallbeispiel der Kommunalen Wasserwerke Leipzig
2.3 Zusammenfassung

3. Niklas Luhmann: Ökologische Kommunikation - kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?
3.1 Resonanz
3.3 Ökologische Kommunikation
3.4 Das System Wirtschaft
3.5 Zusammenfassung

4. Analyse
4.1 ÖSD-Konzept
4.2 Fallbeispiel

5. Fazit

1. Einleitung

„Der Mensch ist Teil der Natur und in seinem Dasein, seinem Wohlbefinden und in seiner wirtschaftlichen Tätigkeit auf sie angewiesen [...]. Die Natur bietet Nahrungsmittel und Trinkwasser für den täglichen Lebensunterhalt, Rohstoffe für Handwerk und Industrie sowie Heilpflanzen für medizinische Zwecke. Wälder liefern nicht nur Holz, Beeren, Pilze und Wild, sondern schützen vor Bodenabtrag und Hochwasser, spenden Sauerstoff und binden klimaschädliche Treibhausgase. Naturnahe Ökosysteme wirken als Wasserfilter, beherbergen eine Fülle an Pflanzen- und Tierarten, nicht zuletzt die für die Bestäubung unserer Kulturpflanzen so wichtigen Wildbienen. Menschen finden in der Natur geistige Inspiration und Erfüllung, ästhetischen Genuss, Ruhe und Erholung.“ (Grunewald/Bastian 2013: V).

Für all diese dem Menschen nützlichen Leistungen der Natur, hat sich in der wissenschaftlichen Debatte der letzten 4 Jahrzehnte der Begriff der “Ökosystemdienstleitungen“ (ÖSD) durchgesetzt. Mit dem Konzept der Ökosystemdienstleitungen wird das Leistungsvermögen der Natur systematisch untersucht und in einen direkten Zusammenhang mit wirtschaftlicher Entwicklung und menschlichen Wohlergehens gestellt. Das Anliegen des Konzepts ist sowohl die Relevanz einer intakten Natur, wie auch die Rückbetroffenheit der menschlichen Tätigkeiten angesichts der wirtschaftlichen Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der Beeinträchtigung ökologischer Prozesse, für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu verdeutlichen. Interessant ist dabei, dass ökologische Leistungen, die zuvor in wirtschaftlichen Aktivitäten größtenteils keine Beachtung fanden, in Geldeinheiten wiedergegeben werden, um ihren ökonomischen Stellenwert aufzuzeigen und in einer Sprache auszudrücken, die auch jenseits des Naturschutzes verständlich ist (vgl. Grunewald/Bastian 2013: V, 26).

Niklas Luhmann setzt sich in seinem 1986 veröffentlichten Buch „ökologische Kommunikation“, mit der Frage auseinander, wie ökologische Gefährdungen kommuniziert werden müssen, um in der modernen Gesellschaft auf Resonanz stoßen zu können. So geht es in dem Buch nicht um die ökologischen Probleme selbst, sondern in welchem Verhältnis sie zur gesellschaftlichen Kommunikationsstruktur stehen. Die theoretische Grundlage für das Buch bildet Luhmanns Systemtheorie. Da dem ÖSD- Konzept zur Vermittlung von Umweltproblemen eine besondere Kommunikationstechnik zu Grunde liegt, bietet es sich an das Konzept mit den Thesen Luhmanns in Relation zu setzen. In der vorliegenden Arbeit werde ich daher das ÖSD- Konzept aus systemtheoretischer Perspektive nach Luhmann betrachten, die dem ÖSD- Konzept immanente Kommunikationslogik mit Luhmanns ökologischer Kommunikation in Beziehung setzen und aufzeigen inwiefern sich Kongruenzen in den beiden Ansätzen finden lassen. Ob zwischen dem ÖSD-Konzept und Luhmanns ökologischer Kommunikation Differenzen vorzufinden sind, wird in dieser Arbeit nicht näher erläutert, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.

Der erste Teil der Arbeit besteht aus der Vorstellung des ÖSD-Konzepts und einer genaueren Untersuchung der Monetarisierung ökologischer Leistungen. Anschließend wird anhand eines Beispiels gezeigt, in welchen Bereichen ÖSD Anwendung finden. Dabei stehen hauptsächlich die sogenannten “payments for ecosystem services“ im Fokus. Der zweite Teil beinhaltet Luhmanns Systemtheorie und seine Thesen ökologischer Kommunikation, welche im dritten Teil mit dem ÖSD-Konzept, wie auch dem Fallbeispiel in Relation gesetzt werden. Der Schluss bildet ein Fazit und ein Ausblick auf mögliche Vertiefungen und Forschungsfelder.

2. Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen

Ende der 70er Jahre entwickelten Autoren aus verschiedenen Ländern das Grundgerüst auf dem das heutige Konzept der Ökosystemdienstleitungen basiert. Ihren Forschungen liegt der Leitgedanke zugrunde, die als selbstverständlich gehaltenen Gratisleistungen der Natur zukünftig als Naturreichtümer mit begrenzter Regenerationsfähigkeit zu verstehen. Denn durch die intensive Ausbeutung von Ressourcen und das verstärkte Eingreifen in natürliche Prozesse werden diese zu einem knappen wirtschaftlichem Gut und in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt (vgl. Grunewald/Bastian 2013: 26). Der Begriff ecosystem services wurde von Ehrlich und Ehrlich 1981 eingeführt und von amerikanischen und niederländischen Autor*innen zum Konzept der Ökosystemdienstleitungen weiterentwickelt. Der Begriff der „Dienstleistung“ ist metaphorisch konnotiert und bindet sich im volkswirtschaftlichen Sinne in der Regel an juristische oder natürliche Personen, die Leistungen zur Deckung eines spezifischen Bedarfs verrichten. Als Ökosystemdienstleistungen werden jedoch jene Prozesse und Strukturen bezeichnet, die durch Ökosysteme und der Biodiversität die sie bestimmen, menschliches Leben erhalten und bereichern. So werden in dem Konzept konkret der Nutzen und die damit einhergehenden Vorteile von ökologischen Systemen in den Fokus gestellt (vgl. ebd.: 14). Ziel des Konzeptes ist der Überbeanspruchung und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen entgegenzuwirken, indem ökologische Leistungen verstärkt in umweltrelevanten Entscheidungsprozessen Berücksichtigung finden und die Bedingungen für eine ressourcenschonende Landnutzung schaffen. Dafür werden ökologische und sozioökonomischer Modelle miteinander verknüpft, wodurch das Konzept einen interdisziplinären Charakter erhält. Die 2005 veröffentlichte Studie des Millenium Ecosystem Assessment „ecosystems and human well-being“, wie auch die TEEB- Studie „the economics of ecosystems and biodiversity“ von 2009, gelten als Meilensteine in der Entwicklung des Konzepts (vgl. ebd.:2). Letztere basiert auf der Grundidee wirtschaftliches Denken auf ökosystemische Prozesse zu übertragen, um aufzeigen zu können, wie stark Wohlstand und Armutsbekämpfung von einer sinnvollen Nutzung der Ökosysteme abhängig sind und sich Naturschutz auf Basis von Wirtschaftlichkeit entwickeln kann. Dabei sind die Autor*innen der Studie der Ansicht, dass die Unsichtbarkeit der ökonomischen Werte von Ökosystemen mit der ineffizienten Nutzung und Zerstörung des natürlichen Kapitals zusammenhängen. In der Studie werden die Leistungen von Ökosystemen daher in konkreten Geldwerten angegeben. So wird beispielsweise die Klimaregulierung der tropischen Wälder in Kamerun jährlich auf 842­2265 US-Dollar pro Hektar geschätzt (vgl. TEEB 2010: 3, 15). Grundsätzlich können die zahlreichen Leistungen der Natur in dem ÖSD-Konzept in vier verschiedene Typen unterteilt werden, wobei sich in der wissenschaftlichen Debatte vor allem die Klassifizierung des Millenium Ecosystem Assessments durchgesetzt hat. So gibt es die Basisleistungen (z.B. Photosynthese), die Versorgungsleistungen (z.B. die Bereitstellung von Holz und Nahrung), die Regulationsleistungen (z.B. Klimaregulierung oder Schutz vor Überschwemmungen) und die kulturellen Leistungen (z.B. Tourismus- und Erholungsorte) (vgl. Schröter-Schlaack et.al 2014: 8).

Vertreter*innen des ÖSD-Konzepts sind der Ansicht, dass gesellschaftlich „gute“ Entscheidungen nur jene sind, die alle relevanten Aspekte entsprechend ihrer gesellschaftlichen Gewichtung mit einkalkulieren. Dazu zählen auch die Auswirkungen auf die Leistungen der Natur, die bisher in Entscheidungen nicht berücksichtigt, quantifiziert oder gar auf Märkten gehandelt wurden (vgl. TEEB 2018: 33). Diese Überlegung lässt sich auf die Grundideen der neoklassischen Umweltökonomik zurückführen, welche nach Jetzkowitz, nicht die Problematik in der Tatsache sehen, dass der Mensch seine Lebensgrundlagen überhaupt als Ressourcen ökonomisiert, sondern dass er dies nicht konsequent genug tut. Demnach resultiert die ökologische Gefährdung nicht aus der Ökonomisierung selbst, sondern aus der Desintegration sogenannter externer Effekte, die bei wirtschaftlichen Tätigkeiten auf unbeteiligte Personen übertragen werden. So zahlt man beispielsweise bei einem Autokauf für die Materialien und die eingegangene Arbeit, aber nicht für die Luft die bei der Benutzung des Autos als Träger der Schadstoffemissionen dient. Aus Sicht der neoklassischen Umweltökonomie lässt sich die kostenlose Luftverschmutzung der Autofahrer*innen als Marktversagen bezeichnen. Um dem entgegenzuwirken sollen die durch den Markt externalisierten Kosten in selbige wieder eingehegt werden, was in diesem Fall bedeutet, dass in den Preisen des Automarktes die Schadstoffemissionen berücksichtigt werden (vgl. Jetzkowitz 2011: 309 f.).

Mithilfe des ÖSD-Konzepts soll daher nicht nur auf den Zusammenhang zwischen einer intakten Natur und dem menschlichen Wohlbefinden aufmerksam gemacht werden, sondern es wird ebenso versucht, die Auswirkungen der Investitions- und Konsumentscheidungen auf die Umwelt und die daraus resultierende Rückbetroffenheit auf das menschliche Wohlergehen zu illustrieren. Häufig stehen dabei auch verschiedene Ökosystemdienstleistungen in Konkurrenz zueinander, da die Entscheidung für die Nutzung einer ÖSD (z.B. die Versorgungsleistung in Form der landwirtschaftlichen Nahrungsmittelproduktion) mit der Beeinträchtigung anderer Leistungen (z.B. des Landschaftsbilds oder der CO2-Speicherung) einhergehen kann. Diese Art von Nutzungskonflikten als auch Synergien zwischen wirtschaftlichen Interessen, menschlicher Bedürfnisbefriedigung und Naturschutz sollen mithilfe des Konzepts identifiziert und aufgezeigt werden (vgl. Schröter-Schlaack et al 2014: 9). Die monetäre Bewertung von ökologischen Leistungen dient dabei als Unterstützung, „[...] indem sie dazu beiträgt, dass ganz unterschiedliche Nutzen- und Kostenkategorien [...] in einer »Währung« und damit prinzipiell gleichrangig und vergleichbar betrachtet werden“ (TEEB 2018: 33). So können die positiven und negativen Auswirkungen auf die Natur in Geldeinheiten wiedergegeben werden, welche wiederum in Form von Kosten-Nutzen­Analysen in privaten und öffentlichen Abwägungsentscheidungen relevant sind. Dabei können auch Nutznießer*innen und Kostenträger*innen identifiziert werden und über soziale Verteilungseffekte Auskunft geben (vgl. ebd.: 71 f.). Außerdem soll die monetäre Bewertung ökologischer Leistungen es ermöglichen, diese sowohl in Konsumprodukte und politische Maßnahmen zu integrieren, als auch die Entwicklung neuer Märkte schaffen (vgl. Schröter-Schlaack et al. 2014: 3).

2.1 Die Monetarisierung ökologischer Leistungen und ihre Problematiken

Laut der Autorenschaft der TEEB (2018: 31) ist die Natur und ihre Leistungen als Kapitalbestand zu verstehen: „Aus ihm fließen »Dividenden« in Form von nutzenstiftenden Ökosystemleistungen - ein »gesunder« Kapitalstock ist die Grundlage für menschliches Wohlbefinden und wirtschaftliche Entwicklung“ - und sollte deshalb, ähnlich wie das Human-und Sachkapital beachtet und gepflegt werden. ÖSD werden derzeit jedoch in konventionellen wirtschaftlichen Bewertungen und Entscheidungen selten berücksichtigt und gelten grundsätzlich als kostenlos. Dies ist unter anderem dem Sachverhalt geschuldet, dass der Großteil der natürlichen Leistungen »öffentliche Güter« darstellen, welche Merkmale wie Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit aufweisen (vgl. Grunewald/Bastian 2013: 29 f.). Das heißt jede Person kann frei und unabhängig von der Anzahl der Verbraucher*innen einen Nutzen aus ihnen ziehen. Der Nutzungsausschluss lässt sich somit aus rein technischen Gründen nicht durchsetzen, wodurch der Gebrauch öffentlicher Güter nicht in Abhängigkeit einer Zahlung steht (vgl. Eggert/Minter 2018). Aufgrund dieser Eigenschaften stellt sich die Inwertsetzung ökologischer Leistungen, wie auch die Vermarktung und Integration in ökonomische Entscheidungskalküle als ein schwieriges Unterfangen dar. Ausnahmen, in denen die Leistungen der Natur bereits in Preisen und Märkten repräsentiert werden, lassen sich momentan vor allem bei den Versorgungsleistungen und dem Ökotourismus finden (vgl. Schröter-Schlaack 2014: 10 f.). Für die meisten Ökosystemdienstleistungen gibt es derzeit jedoch „keine funktionierenden Märkte, innerhalb derer sich durch Nachfrage und Angebot ein gesellschaftlich akzeptables »Versorgungsniveau« ergeben könnte und bei denen die sich ergebenden Preise als Werte, im Sinne einer subjektiven Zahlungsbereitschaft und gleichzeitig als Knappheitsindikator im Sinne einer Kostengröße, genutzt werden können.“ (Grunewald/Bastian 2013: 91). Der ökonomische Wert von ÖSD lässt sich daher oft nur indirekt ermitteln. So macht Schröter-Schlaack (2014: 3) bei der ökonomischen Bewertung von ÖSD darauf aufmerksam, dass es nicht möglich ist, diese in absoluten Preisen anzugeben. Die Werte beziehen sich vielmehr „auf eine Veränderung des Zustandes, der Qualität der Natur“ und auf ihre relative Vorzüglichkeit im Verhältnis zu anderen Handlungsoptionen, z.B. eine technische Alternative, die zu gleichen oder ähnlichen Ergebnissen führen würde (vgl. ebd.: 33). Ökonomische Bewertungen von ÖSD finden daher auch häufig indirekt in Kosten- Nutzen-Analysen Eingang, indem versucht wird, alternative Handlungsoptionen mit einzuberechnen (vgl. Grundwald/Bastian 2013: 91). Mithilfe von marktbasierten Instrumenten können zudem Anreize für bestimmte Verhaltensregeln geschaffen werden. Dafür werden momentan zwei umweltpolitische Instrumente genutzt: Zum einen die negativen Preissignale, die umweltschädigende Handlungen verteuern. Dies sind zum Beispiel Umweltsteuern, Nutzungsgebühren, Ausgleichszahlungen oder auch Mengensteuern in Form von CO2-Emissionszertifikaten. Zum anderen die Etablierung positiver Anreize, die beispielsweise durch die Honorierung von Landwirten für die Instandhaltung oder Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen entstehen (vgl. Grunewald/Bastian 2013: 29 f.). Diese kommen insbesondere dann in Frage, wenn Leistungen erbracht werden sollen, die über den Mindeststandard hinausgehen, weil sie oft zielführender einzusetzen sind als gesetzliche Umweltauflagen (vgl. TEEB 2018: 96). Diese Art der Honorierung wird auch als „payments for ecosystem services“ bezeichnet und beruht auf einer freiwilligen Kooperation zwischen ÖSD-Anbietern und ÖSD- Käufern. Letztere können Unternehmen wie auch der Staat sein, die aus ökologischen Leistungen aufgrund eines privaten oder öffentlichen Interesses einen Nutzen ziehen wollen. Wenn die Zahlung von staatlicher Seite erfolgt, verteilt sich der Nutzwert im Allgemeinen auf die „Gesellschaft“ an sich. Im Idealfall, so Grunewald und Kühne, entwickelt sich ein „Gemeinwohlmarkt“, indem der Staat als Abnehmer für ökologische Gemeinwohlleistungen auftritt (vgl. Grunewald/Bastian 2013 30, 168 f.). Folgendes Beispiel zeigt, wie sogenannte „payments for ecosystem services“ in der Praxis Anwendung finden.

2.2 Ökolandbau als Trinkwasserschutz am Fallbeispiel der Kommunalen Wasserwerke Leipzig

Die Nitratbelastung des Grundwassers, die durch landwirtschaftliche Nutzung verursacht wird, ist in Deutschland schon lange ein Problem, das mit erheblichen Folgekosten verbunden ist. Der Bund schätzt, dass sich die in Deutschland durch übermäßige Nährstoffauswaschung entstehenden Kosten jährlich auf 8-25 Milliarden Euro belaufen. Da das Trinkwasser in Leipzig überwiegend aus landwirtschaftlich geprägten Einzugsgebieten gewonnen wird, sind auch die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) GmbH von diesem Problem betroffen. Folglich spielt die Bewirtschaftungspraktik der Landwirte eine essentielle Rolle in der wirtschaftlichen Trinkwassergewinnung. Maßnahmen, mit denen sich die Auswirkungen intensiver landwirtschaftlicher Nutzung abwenden lassen, können daher für Wasserversorger durchaus rentabel sein. Diesen Ansatz verfolgt auch die KWL, indem sie in ihren Einzugsgebieten auf zwei verschiedene Strategien setzt: Zum einen betreibt sie auch auf eigenen Flächen wasserschutzoptimierten Ökolandbau und zum anderen honoriert sie mit Ausgleichszahlungen angrenzende landwirtschaftliche Betriebe für gewässerschützende Bewirtschaftungsformen, für die es in der Regel keine ökonomischen Anreize gibt, weil sie mit zusätzlichen Kosten verbunden sind (z.B. ein schonendes Düngungs- und Bodenbearbeitungsmanagement) (vgl. TEEB 2015). Durch diese Maßnahmen kann eine Überstrapazierung der geologischen Reinigungsleistungen der Deckschichten abgewendet und die natürlichen Regulierungsleistungen des Bodens geschützt werden (TEEB 2016: 42). Die KWL übernimmt die Kosten der dadurch entstehenden Ertragseinbuße im Rahmen einer zielorientierten Ausgleichszahlung. Das heißt die Landwirt*innen dürfen über die Mittel zur Erreichung des Ziels selber entscheiden und allein das Ergebnis ist Gegenstand der Honorierung. Die Ausgleichzahlungen der Wasserschutzmaßnahmen gelten als „[...] Kosten für die betriebliche Vorgabe der Rohwassergüte und die eigentlich staatliche Aufgabe der Sicherung der Umweltqualitätsnorm für Grundwasser, wie sie z.B. in den wasserrechtlichen Vorgaben für den flächendeckenden Gewässerschutz [...] verankert sind“ (TEEB 2015). Diese sind für die KWL günstiger als die Kosten, die bei einer technischen Wasseraufbereitung anfallen würden, „[...] womit die Ausgleichzahlungen im Vergleich das kosteneffizienteste Mittel zur Sicherung der Rohwassergüte und damit einer Nitratminimierung darstellen.“ (TEEB 2015).

2.3 Zusammenfassung

Mit dem Konzept der Ökosystemdienstleistungen wird angestrebt nicht marktnahe Leistungen der Natur zu monetarisieren, um ihren ökonomischen Stellenwert für die Gesellschaft aufzuzeigen und sie in Prozesse des Wirtschaftssystems einhegen zu können. Das heißt ÖSD sollen durch eine Monetarisierung zum Beispiel in die Kosten von Konsumprodukten und in umweltrelevante Entscheidungsprozesse integriert werden oder auch neue Märkte konstituieren. Jedoch ist die ökonomische Bewertung und Vermarktung dieser Leistungen aufgrund ihres Charakters öffentlicher Güter, schwieriger umzusetzen, als bei Gütern und Dienstleistungen für die es bereits bestehende Märkte gibt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen. Eine Analyse aus systemtheoretischer Perspektive nach Niklas Luhmann
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Soziologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V946815
ISBN (eBook)
9783346283085
ISBN (Buch)
9783346283092
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen, Systemtheorie, ökologische Kommunikation, payments for ecosystem services, Luhmann, externe Effekte
Arbeit zitieren
Rosalie Runge (Autor), 2020, Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen. Eine Analyse aus systemtheoretischer Perspektive nach Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/946815

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