In der Arbeit betrachtet der Autor das ÖSD-Konzept aus systemtheoretischer Perspektive nach Luhmann betrachten, setzt die dem ÖSD-Konzept immanente Kommunikationslogik mit Luhmanns ökologischer Kommunikation in Beziehung, und zeigt auf inwiefern sich Kongruenzen in den beiden Ansätzen finden lassen. Ob zwischen dem ÖSD-Konzept und Luhmanns ökologischer Kommunikation Differenzen vorzufinden sind, wird in dieser Arbeit nicht näher erläutert, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
Mit dem Konzept der Ökosystemdienstleitungen wird das Leistungsvermögen der Natur systematisch untersucht und in einen direkten Zusammenhang mit wirtschaftlicher Entwicklung und menschlichen Wohlergehens gestellt. Das Anliegen des Konzepts ist sowohl die Relevanz einer intakten Natur, wie auch die Rückbetroffenheit der menschlichen Tätigkeiten angesichts der wirtschaftlichen Ausbeutung natürlicher Ressourcen und der Beeinträchtigung ökologischer Prozesse, für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zu verdeutlichen. Interessant ist dabei, dass ökologische Leistungen, die zuvor in wirtschaftlichen Aktivitäten größtenteils keine Beachtung fanden, in Geldeinheiten wiedergegeben werden, um ihren ökonomischen Stellenwert aufzuzeigen und in einer Sprache auszudrücken, die auch jenseits des Naturschutzes verständlich ist (vgl. Grunewald/Bastian 2013: V, 26).
Niklas Luhmann setzt sich in seinem 1986 veröffentlichten Buch „ökologische Kommunikation“, mit der Frage auseinander, wie ökologische Gefährdungen kommuniziert werden müssen, um in der modernen Gesellschaft auf Resonanz stoßen zu können. So geht es in dem Buch nicht um die ökologischen Probleme selbst, sondern in welchem Verhältnis sie zur gesellschaftlichen Kommunikationsstruktur stehen. Die theoretische Grundlage für das Buch bildet Luhmanns Systemtheorie. Da dem ÖSD-Konzept zur Vermittlung von Umweltproblemen eine besondere Kommunikationstechnik zugrunde liegt, bietet es sich an das Konzept mit den Thesen Luhmanns in Relation zu setzen. I
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen
2. 1 Die Monetarisierung ökologischer Leistungen und ihre Problematiken
2.2 Ökolandbau als Trinkwasserschutz am Fallbeispiel der Kommunalen Wasserwerke Leipzig
2.3 Zusammenfassung
3. Niklas Luhmann: Ökologische Kommunikation – kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?
3.1 Resonanz
3.3 Ökologische Kommunikation
3.4 Das System Wirtschaft
3.5 Zusammenfassung
4. Analyse
4.1 ÖSD-Konzept
4.2 Fallbeispiel
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Ökosystemdienstleistungen (ÖSD) aus einer systemtheoretischen Perspektive nach Niklas Luhmann, um zu analysieren, wie ökologische Themen in einer funktional differenzierten Gesellschaft Resonanz finden können und welche Rolle die Monetarisierung dabei spielt.
- Systemtheoretische Grundlagen nach Niklas Luhmann
- Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen
- Monetarisierung von Natur als Kommunikationstechnik
- Anwendung des Konzepts anhand des Fallbeispiels "Kommunale Wasserwerke Leipzig"
- Diskussion von Risiken und Möglichkeiten der Einhegung von Umweltproblemen in wirtschaftliche Codes
Auszug aus dem Buch
2. Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen
Ende der 70er Jahre entwickelten Autoren aus verschiedenen Ländern das Grundgerüst auf dem das heutige Konzept der Ökosystemdienstleitungen basiert. Ihren Forschungen liegt der Leitgedanke zugrunde, die als selbstverständlich gehaltenen Gratisleistungen der Natur zukünftig als Naturreichtümer mit begrenzter Regenerationsfähigkeit zu verstehen. Denn durch die intensive Ausbeutung von Ressourcen und das verstärkte Eingreifen in natürliche Prozesse werden diese zu einem knappen wirtschaftlichem Gut und in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt (vgl. Grunewald/Bastian 2013: 26). Der Begriff ecosystem services wurde von Ehrlich und Ehrlich 1981 eingeführt und von amerikanischen und niederländischen Autor*innen zum Konzept der Ökosystemdienstleitungen weiterentwickelt. Der Begriff der „Dienstleistung“ ist metaphorisch konnotiert und bindet sich im volkswirtschaftlichen Sinne in der Regel an juristische oder natürliche Personen, die Leistungen zur Deckung eines spezifischen Bedarfs verrichten. Als Ökosystemdienstleistungen werden jedoch jene Prozesse und Strukturen bezeichnet, die durch Ökosysteme und der Biodiversität die sie bestimmen, menschliches Leben erhalten und bereichern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Ökosystemdienstleistungen ein und verknüpft diese mit der systemtheoretischen Fragestellung, wie ökologische Gefährdungen in modernen Gesellschaften kommunizierbar gemacht werden können.
2. Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen: Das Kapitel erläutert die theoretischen Wurzeln des ÖSD-Konzepts sowie die Herausforderungen der Monetarisierung von Naturgütern, ergänzt durch das konkrete Fallbeispiel der Leipziger Wasserwerke.
3. Niklas Luhmann: Ökologische Kommunikation – kann die moderne Gesellschaft sich auf ökologische Gefährdungen einstellen?: Hier werden die Grundlagen der Systemtheorie Luhmanns, insbesondere die autopoietische Natur sozialer Systeme und die funktionale Differenzierung, als theoretischer Rahmen für die ökologische Kommunikation dargelegt.
4. Analyse: In diesem Teil werden das ÖSD-Konzept und das Fallbeispiel kritisch mit Luhmanns Systemtheorie in Relation gesetzt, um die Mechanismen der funktionalen Anpassung an den ökonomischen Code zu untersuchen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass das ÖSD-Konzept eine Form der Kommunikation darstellt, die es ökologischen Anliegen ermöglicht, im Wirtschaftssystem als relevante Information anschlussfähig zu werden.
Schlüsselwörter
Ökosystemdienstleistungen, ÖSD, Systemtheorie, Niklas Luhmann, ökologische Kommunikation, Monetarisierung, Wirtschaftssystem, funktionale Differenzierung, Naturkapital, externe Effekte, Zahlungsbereitschaft, Trinkwasserschutz, Kommunale Wasserwerke Leipzig, Resonanz, Umweltprobleme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie das ökonomische Konzept der Ökosystemdienstleistungen aus der systemtheoretischen Perspektive von Niklas Luhmann interpretiert und verstanden werden kann.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die ökonomische Inwertsetzung der Natur, die Funktionsweise moderner, funktional differenzierter Gesellschaften und die Bedingungen, unter denen ökologische Gefährdungen überhaupt gesellschaftlich kommunizierbar werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern die Monetarisierung ökologischer Leistungen eine Strategie ist, um Naturschutzbelange in die Logik und den Code des Wirtschaftssystems zu übersetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die zentrale Begriffe der Systemtheorie auf das Konzept der Ökosystemdienstleistungen anwendet und durch eine Fallstudie illustriert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Grundlagen des ÖSD-Konzepts, dann die soziologische Systemtheorie nach Luhmann und anschließend deren Synthese in einer gemeinsamen Analyse dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Systemtheorie, Ökosystemdienstleistungen, ökonomischer Code, Monetarisierung und ökologische Kommunikation definieren.
Warum ist das Beispiel der Leipziger Wasserwerke relevant?
Es dient als praktisches Fallbeispiel, um zu zeigen, wie durch monetäre Anreize (Ausgleichszahlungen) ökologischer Schutz (Trinkwasserqualität) systemrelevant innerhalb der ökonomischen Logik wird.
Welche kritische Schlussfolgerung zieht die Autorin?
Die Autorin stellt die Frage, ob es langfristig zielführend ist, Natur dem Wirtschaftssystem anzupassen, anstatt das Wirtschaftssystem an ökologischen Grenzen auszurichten, und warnt vor einer möglichen Entdifferenzierung.
- Arbeit zitieren
- Rosalie Runge (Autor:in), 2020, Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen. Eine Analyse aus systemtheoretischer Perspektive nach Niklas Luhmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/946815