Darstellung von Kommunikationsproblemen in der Lyrik T. S. Eliots


Seminararbeit, 1991
15 Seiten, Note: 1-2

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Inhalt

- Einleitung

- Das Thema dieser Arbeit

- T. S. Eliots Konzept von Sprache

- F. H. Bradley und Jules Laforgue

- The Subjective Ego

- Kommunikation in der Forschung

- Der Gesprächsakt

- Der dramatic monologue

- Geglückte Kommunikation

- Nichtsprachliche Kommunikation

- Scheitern von Kommunikation

- Kommunikationsprobleme in den Texten

- Die Gegensätze der Geschlechter

- Etikette und Gesellschaftszwang

- Masken und Rollen

- Die Angst und das Ego

- Zögern aus Angst

- Frage nach dem Sinn

- Angst vor den Gefahren deröffnung

- Kommunikation als Risiko

- Angst vor dem sinnlos verflossenen Leben

- Trostlosigkeit ohne Kommunikation

- Resümee

- Literatur

- Über dieses Dokument

Einleitung

Das Thema dieser Arbeit

Die Darstellung von Kommunikation oder vielmehr die Darstellung ihres Scheiterns nimmt eine zentrale Stellung in der modernen Dichtung ein. Das Interesse an der Problematik zwischenmenschlicher Kommunikation ist ein Phänomen der modernen Literatur im allgemeinen. Diese Arbeit will das Interesse T. S. Eliots an diesem Problem erläutern und die Darstellung von Kommunikationsproblemen in seiner Lyrik beschreiben. Wir verstehen die ,,zwischenmenschliche Kommunikation [...] als eine Tätigkeit [...], die in ein System anderer menschlicher Tätigkeiten eingefügt ist, die sich in einer sozialen Situation abspielt, und die von dieser sozialen Situation ihre Funktion erhält.``[+] Die herausragende Stellung, die die Kommunikation im zwischenmenschlichen Umgang, sowie im größeren Ganzen als gesellschaftskonstituierend einnimmt, macht deutlich, daß in dieser Arbeit eine exakte Beschränkung des Themas vorgenommen werden muß:

Diese Arbeit kann kein Bild der zeitgenössischen Gesellschaft zeichnen. Die gesellschaftliche Situation kann nur an bestimmten Stellen angedeutet werden.

Das Thema dieser Arbeit ist nicht das Bild der Frau in Eliots Dichtung. Da die Frau bei Eliot aber der zentrale Faktor in der Darstellung von Kommunikation ist, muß ihrer Rolle ausreichende Beachtung gezollt werden.

Die Techniken Eliots in der Dialoggestaltung können nicht im Detail nach kommunikationstheoretischen Regeln erläutert und durchgespielt werden. Der Mensch in seiner Situation und in zwischenmenschlichen Beziehungen wird für die Untersuchung dominant sein.

Die Untersuchung beschränkt sich im wesentlichen auf die drei Gedichte, die dieses Thema besonders zentral und auch wirklich in Aktion darstellen:[+]

``The Love Song of J. Alfred Prufrock''[+] (im weiteren: Love Song) ``Portrait of a Lady''[+] (Portrait) und ``The Waste Land''[+] (Waste Land).

Die Arbeit will in diesem ersten Abschnitt sowohl zeigen, welche Einflüsse Eliot in seiner Philosophie und Ansicht von Sprache und Kommunikation geprägt haben, als auch welche Merkmale die Kommunikation ausmachen und was zum Gelingen derselben nötig, bzw. zu ihrem Scheitern führen kann.[+]Letzterer Punkt wird während der gesamten Analsye der Textstellen immer wieder aufgenommen und gemäß dem Thema der Arbeit ausgebaut und weiterentwickelt.

Im zweiten Abschnitt soll dann konkret, an aussagekräftigen Textstellen, die Anbahnung, und das Aufeinandertreffen von Kommunikation und die dabei auftretenden Fehlentwicklungen, die Kommunikationsprobleme, gezeigt und die Hintergründe aus der Sicht der Kommunikationsforschung und der Eliots erläutert werden.

T. S. Eliots Konzept von Sprache

F. H. Bradley und Jules Laforgue

Die beiden Menschen die Eliot in seiner Philosophie und seiner Dichtkunst am entscheidensten beeinflußt haben, sind der britische Philosoph F. H. Bradley (1846-1924) und der französische Dichter Jules Laforgue (1860-1887), deren Werke Eliot schon frühzeitig las. Ohne die Kenntnis ihres Einflußes auf Eliot, sind seine Vorstellungen über die Möglichkeit und Bedeutung von Kommunikation nicht in ausreichendem Maße erschließbar. Die Vorstellungen dieser beiden Einflüsse formten sich in Eliot zu einem Ganzen. Die Grundvorstellung ist dabei folgende:

The idea of Laforgue's poetry and the style of Bradley's philosophy point to the same thing: a world of mind is an enclosure continually reverted to in the utter privacy of the self. For the philosopher, such a world is always threatening to become merely a linguistic trap; for the poet, such a world is a place of profound pessimism where the only human posture is an ironic view of one's self.[+]

Es gibt danach also eine bestimmte Sicht der Dinge in jedem einzelnen Menschen, d. h. es gibt so viele verschiedene Standpunkte wie es Menschen gibt. Diese verschiedenen Sichtweisen sind dabei im jeweiligen Selbst eingeschlossen, also nicht austauschbar oder kommunizierbar.[+]

The Subjective Ego

Gerade dieses ,,Gefangensein`` in einem auf das Ich konzentrierten Aktionsradius, die völlige Subjektivität des einzelnen also, macht aber die Sprache selbst, als dominantes menschliches Ausdrucksmittel, für allgemeinverständliche oder in irgendeiner Form bindende Aussagen unbrauchbar:

Being itself subjectivized, language can communicate, ultimately, with no one but its user. All human potential and the world itself are locked within the confines of the word, and language reveals the agonizingly private nature of each experience and, hence, each individual.[+] Die ausführliche Beschäftigung Eliots mit dem Ich, und das Verständnis von Sprache als rein subjektives, gerade nicht mehr gesellschaftskonstituierendes, Ausdrucksmittel zeigt, daß Eliot das Scheitern von Kommunikation in einer Welt begründet sieht, die vom ``subjective ego'' dominiert ist.[+]

Für Eliot sind dies keineswegs nur philosophische Betrachtungen oder Gedankenspiele. Denn wirklich interessant wird die Betrachtung, wenn man das Individuum wieder verläßt, und den Blick auf das größere Ganze wirft. Dann wird neben dem Interesse Eliots an der Sache auch das ganze apokalyptische Ausmaß dieser Problematik deutlich:

One person's failure to communicate himself can be accepted and even overcome, and the quandary over subject-object [i. e. ego-world] can be relegated to the remote place of philosophical discourse. But when the subjective self has to function in the midst of a community, or society, and when the dilemma posed by a philosophy like Bradley's is understood to have social consequences, then the failure of language to heal the separation between the self and its surroundings becomes the failure of a society to realize its communal ideas; the intimate, private ironies of the Laforguean persona are evidences of a tragic world peopled with myriads of isolated souls.[+]

Eliots Problem ist es, die verschiedenen ``points of view'' in einer Welt zu vereinen. Anders als sein philosophischer Ziehvater Bradley, verneint Eliot zwar nicht die Existenz anderer Ichs, aber die Möglichkeit, daß diese jemals wieder eine gemeinsame Welt bilden können.[+]

Kommunikation in der Forschung

Der Gesprächsakt

Wir wollen einige Theorien der Kommunikationsforschung, soweit dies in diesem Einführungsteil ohne Textbeispiele möglich ist, mit Eliots Vorstellungen verbinden, um zu verwertbaren Ansätzen für die textbezogene Untersuchung zu kommen.[+] Wir zitieren dazu aus der Forschung:

Die Fähigkeit zu kommunikativer Tätigkeit ist keine persönliche Eigenschaft des Einzelnen, keine angeborene Kapazität, sondern muß im sozialen Prozeß, in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und bei ihrer Aneignung erworben werden.[+]

[U]nderstanding as an ability is a practice-in-the-world and not an activity of the inner life on inner life primitives. [...] [U]nderstanding is an extrinsic rather than an intrinsic ability[+] Vor dem Hintergrund von Eliots Philosophie ein kontroverser Einstieg in die Materie. Es stellt sich nämlich die Frage, ob nach Eliot dieser soziale Prozeß, diese Auseinandersetzung mit und ein Verstehen in der Umwelt, geschweige denn ihre Aneignung, überhaupt möglich ist. Ist dies nicht der Fall, so kann die Fähigkeit zu kommunikativer Tätigkeit nicht erworben und natürlich auch nicht sinnvoll, im Sinne einer Erfolgsaussicht auf Verständigung, praktiziert werden.

Fassen wir nun die kommunikative Tätigkeit in ein Regelschema, das uns die spätere Argumentation zu vereinfachen helfen soll. Wir wenden dabei die Strukturmerkmale jeder menschlichen Tätigkeit auf die zwischenmenschliche Kommunikation an und gliedern sie in vier Phasen:[+]

Motivation: Das Motiv zu einer kommunikativen Tätigkeit entsteht aus den Erfordernissen in einer sozialen Situation, aus Aufgaben oder Bedürfnissen des Menschen. Planung: Die Planung beinhaltet Schritte wie die gedankliche Entwicklung einer Zielvorstellung, eine umfassende Analyse der Kommunikationssituation unter Einschluß aller determinierenden Komponenten und ein Programm für die regelgerechte, angemessene sprachliche Gestaltung der zu übermittelnden Nachricht unter Berücksichtigung situationsspezifischer [...] Regeln. In diesen Schritt fällt auch die Planung der Kontaktherstellung, d. h. das Verschaffen von Information die zur Einschätzung der Situation und des oder der Partner notwendig ist. Sie ermöglicht die Interpretation der eigenen Position wie der des anderen, und sie hilft, die Art der Beziehung [...] in der gegebenen Situation zu klären.

Zielgerichtetheit: Das Ziel der kommunikativen Tätigkeit ist die Einwirkung auf einen oder mehrere Menschen, um bei ihnen bestimmte Veränderungen zu bewirken, die in Beziehung zu den Aufgaben oder Bedürfnissen stehen, die die Motivation zu dieser kommunikativen Tätigkeit sind.

Durchführung: Im Prozeß der Ausführung der so geplanten kommunikativen Tätigkeit finden Rückkoppelungsprozesse statt, durch die die bereits abgelaufenen Teilhandlungen mit dem Plan und der Zielvorstellung verglichen und daraufhin überprüft werden, ob sie mit ihnen in Übereinklang stehen. Dadurch werden eventuell auftauchende Notwendigkeiten für die Korrektur einzelner Teilschritte ermöglicht. Als letzter Bestandteil des gesamten Prozesses findet eine abschließende Kontrolle der gesamten Handlung statt.

Der dramatic monologue

Eliots Verwendung des dramatic monologue als Ausdrucksmittel seiner personae, wird Bestandteil der textbezogenen Untersuchung im zweiten Teil sein.[+] In diesen Monologen reflektiert eine Figur meist über ihr Leben oder ein eben erlebtes Ereignis, und gewährt dabei Einblick in ihre Gedankenwelt.

Während im Dialog der Gesprächspartner nicht nur anwesend ist, sondern beim nächsten Wechsel selbst zum Sprecher wird, tendiert der Monolog dazu einen stummen Gesprächspartner zu erfinden, selbst da wo ein Gesprächspartner anwesend ist. Jede Art der sprachlichen Kommunikation nimmt also eine der beiden Formen ,,Monolog`` oder ,,Dialog`` an.[+] Dabei ist ,,die Existenz von >>Sender<< und >>Empfänger<< [...] rein funktional und nicht personal zu verstehen, denn beide Rollen können [wie im dramatic monologue] von einer einzigen Person realisiert werden.``[+]

Geglückte Kommunikation

Wir mißverstehen ,,geglückte Kommunikation`` nicht als die allmähliche Annäherung und schließliche Übereinstimmung der Standpunkte der Sprecher. Vielmehr muß der personale Bezug - das Sich-Verstehen im andern - der Funktion des Mitteilens - dem Sich-Verstehen in der Sache - übergeordnet sein.[+]

Als ,,Definition`` für ,,geglückte Kommunikation`` können wir uns der Meinung anschließen, daß: if communication succeeds, speaker and hearer must assign the same meaning to the speaker's words. [...] [T]he speaker must intend the hearer to interpret his words in the way the speaker intends, and he must have adequate reason to believe that the hearer will succeed in interpreting him as he intends.[+]

Zusätzlich ist es nötig, daß ,,der Adressat den Entwurf des anderen sanktioniert und ihn wiederum als Voraussetzung seiner eigenen Identitätsprojektion nutzt``[+], denn ,,eigentlich [entscheidet] der >>Empfänger<< darüber [...], was er von den Äußerungen des >>Senders<< als >>Nachricht<< betrachtet, und [...] davon [hängt] der Erfolg der kommunikativen Tätigkeit - im Sinne des >>Senders<< - ab [...].``[+]

Nichtsprachliche Kommunikation

Die menschliche Sprache ,,ist nicht das einzige Medium zwischenmenschlicher Kommunikation[+] [...]. Neben ihr werden andere Arten von Zeichen verwendet, die aus dem paralinguistischen und extraverbalen Bereich stammen. Sie sind nicht alternativ, sondern stellen eine notwendige Ergänzung der sprachlichen Zeichen dar.``[+] Dies sind einerseits extraverbale Zeichen (Mimik, Gestik, Körpersprache, räumliche Bewegung, etc.), und andererseits paralinguistische Zeichen (Intonation, Tonstärke, Tempo, etc.). Beide Aspekte werden in die Untersuchung einfließen.

Scheitern von Kommunikation

Kommunikationsprobleme sind bei Eliot nicht primär auf Störfaktoren, wie sie die Kommunikationsforschung benennt[+], zurückzuführen, sondern haben, wie bereits in Abschnitt 1.2 ausgeführt, meist philosophische Überzeugungen als Urheber, nämlich die Unfähigkeit des subjective ego sich anderen subjective egosverständlich zu machen und mitzuteilen. Doch dazu stellt die Forschung fest, daß ``no matter what the singularity of my discourse may be, my words could not be solipsistic[+], in the sense [...] that they would only be understood by me, without ceasing to be words.''[+] Zusammengenommen schließen diese beiden Erkenntnisse bereits jegliche Form von Kommunikation bei Eliot von vorne herein aus. Die Sprache, als das dominante menschliche Kommunikationsmedium, ist für die Kommunikation nicht länger zu gebrauchen, da die gesprochenen Worte des subjective ego aufhören Worte zu sein. Ist Kommunikation also schon vor Beginn zum Scheitern verurteilt, ist sie undenkbar?

Die letzten beiden Einleitungsabschnitte sollten ein gewisses Vorwissen für die nun folgenden Betrachtungen im zweiten Teil dieser Arbeit liefern. Alle weiterführenden Beobachtungen und Detailfragen werden auf den einleitenden Punkten aufbauen und diese ergänzen. Die Argumentation des zweiten Teils wird immer wieder Bezug auf die Einleitung nehmen.

Kommunikationsprobleme in den Texten

Wir versuchen einerseits Hinweise für die Anbahnung von Problemen bei der Kommunikation zu finden, und andererseits konkret die Probleme bzw. das Scheitern der Kommunikation zu beschreiben, wobei wir die Aufteilung der Kommunikation in vier Phasen, wie wir sie in unserem Regelschema durchgeführt haben, im Hinterkopf behalten.

Die Gegensätze der Geschlechter

Mann und Frau sind in den ,,Kommunikationssituationen`` Eliots weder gleichberechtigte noch gleichgestellte Partner, ihnen sind jeweils bestimmte Rollen zugedacht:

Es ist bei Eliot die Frau die sich artikuliert, während der Mann die Rolle des Kommentators in der Art des dramatic monologue oder nur eines Statisten einnimmt (Love Song, Portrait und Waste Land).

Die Frau ist im Gegensatz zum Mann (Love Song) fähig und hat den Mut, sich in ihren Reden zuöffnen und ihre Gefühle preiszugeben, auch wenn sie dies in schwierige oder verletzbare Situationen bringt ( Portrait und Waste Land).

Eliot schildert die Frau in Beziehungen als ,,Opfer``, deren Verlangen verschiedenster Art, vor allem auch nach Kommunikation, unerfüllt bleibt, während der Mann dies nur, bisweilen recht zynisch, kommentiert oder nicht darauf eingeht (Portrait und Waste Land).

Eliots Frau der Gesellschaft ist den Zwängen der Gesellschaft und der Etikette nicht mehr unterworfen, sondern hat sie in sich absorbiert und übt sie nun ihrerseits an anderen aus. Sie stellt sich als potente, selbstsichere, zur Gänze ihrer Rolle und Aufgabe in der Gesellschaft angepasste, bisweilen furchteinflößende, und um Worte nie verlegene Dame dar (Love Song). Eliots Frau erscheint dem Mann durch ihr Auftreten stets fordernd, ob sie ihn nun in stummer Pose mit Blicken fixiert (Love Song) oder durch ihr nachdrückliches, manchmal lautes Fragen auf Reaktionen drängt. Der Mann nimmt eine außerlich passive, dafür innerlich um so aktivere Rolle ein (Love Song, Portraitund Waste Land).

Die Wahrnehmung der Frau durch den Mann ist fragmentarisch, die potentielle Gefahr entsteht aus der Beschreibung oder Kenntnisnahme nur bestimmter Teile der Frau, ohne dabei die ganze Frau zu sehen. Diese seltsam losen Teile erscheinen für sich bedrohlich[+] (Love Song und Waste Land).

Etikette und Gesellschaftszwang

Eliot stellt die Gesellschaft als stets um die Wahrung des ,,guten Scheins`` nach außen bemüht dar. Die Dekadenz der ``drawing room atmosphere'' erlaubt keine Extravaganzen, keine Störung des ruhig und unablässig fließenden Stroms belanglosen, gesellschaftlichen Smalltalks und sonstiger gesellschaftlicher Rituale, wie das pseudo-intellektuelle ,,Stehempfangs-Gerede`` über Kunst, bei dem nicht Kommunikation angestrebt wird, sondern das Mitreden. Eliot kommentiert das Ritual auf zynische Weise im Love Song (Z. 13/14 u. 35/36):

In the room the women come and go Talking of Michelangelo Jeder ist bemüht die anderen ja nicht durch eine falsche Frage oder ein zu lautes Wort aus ihrem Dornröschenschlaf zu reißen, die Aufgabe der absoluten Kontrolle, nur für eine Sekunde, wäre fatal. Die gemeinsame Trance der Etikette ist das oberste Gebot, ein falsches Wort würde alles zerstören.

Masken und Rollen

Das ``face'' ist der Mittelpunkt der Gesellschaft, die Festlegung am Gehabe die Sitte, die Hervorhebung des Scheins vor das Sein heiliges Gebot. Noch vor der ,,Planungsphase`` unseres Schemas also, steht das Aufsetzen der Maske, welches aber selbst wieder aus dem Wissen der Bedingungen, unter denen die Kommunikation abläuft, entstanden ist. Das Fassen eines Gedankens und die Entwicklung desselben ist, wie in unserem idealtypischen Modell beschrieben, nur nach Analyse der Gesprächssituation möglich, welche eben das Tragen der Maske und das Spielen seiner Rolle in der Gesellschaft erfordert. Alles was den Schein durchdringen oder in irgendeiner Form kompromitierend sein könnte, oder die Gemeinschaftstrance stört, ist tabu. Die Maske, die jeder, nicht freiwillig, sondern unter dem Gemeinschaftszwang, tragen muß, und die Unantastbarkeit des Ichs gewährleisten soll, bereitet auch Prufrock im Love Songvor (Z. 26/27 u. 34):

There will be time, there will be time To prepare a face to meet the faces that you meet; [...] Before the taking of a toast and tea.

Prufrock kennt die Motive und Ziele der ,,kommunikativen Tätigkeit`` der Gesellschaft nur zu gut, und schließt sie auch in seine Überlegungen ein, so daß sein Zaudern daraus zu erklären ist. Das ``face'' dient der inneren Abwehr vor Gefahren, etwa vor kompromitierenden Themen, oder vor überraschenden ,,Aufdringlichkeiten`` wie im Portrait durch die Lady.

Die Angst und das Ego

Wir wollen die These aufstellen, daß die Angst neben dem Problem des mind entrapped in its own ego-centred circle das Hauptproblem bei der Kommunikation ist, bzw. verhindert, daß es zu solcher kommt: Angst vor dem ,,Sich auf etwas einlassen``, Angst davor das Falsche im falschen Moment zu sagen, und damit etwas zu riskieren, was ohne Kommunikation erhalten bliebe, Angst vor Entscheidungen, Angst vor dem bloßen Zuhören, und Angst vor Abhängigkeit.

Zögern aus Angst

Prufrock aus dem Love Song ist eine Figur, die vor allem durch ihre Unentschlossenheit, aus Angst das ``universe'' zu stören (Z. 45/46), stumm in einem dramatic monologue mit sich hadert. Diese Form des ,,Sprechens`` ist die einzige, die einen Diskurs, wenn auch nur mit sich selbst, ermöglicht, ohne anzuecken und ohne die ``tobacco trance'' (Portrait, Z. 36 u. 113) der Gesellschaft zu stören. Prufrocks ,,Auflehnung`` gegen die Gesellschaft und gegen das was sie aus ihm gemacht hat, findet in seinen Gedanken statt, er verläßt vielleicht niemals wirklich die vier ,,Wände`` seines eigenen Kopfes.

Prufrocks Zögern jedoch ist bereits der erste Schritt zum Scheitern. Stört er die Banalität des Gesellschaftslebens, so glaubt er sich Blicken ausgeliefert, die deswegen so gefährlich sind, weil sie nach außen nichts verraten, weil es Blicke des Inneren sind. Er denkt, man werde ihn an unzulänglichen Äußerlichkeiten aufziehen und fühlt sich deswegen unsicher, Kritik anzumelden (Prufrock, Z. 41 u. 44). Jedoch zeichnet sich bereits hier ab, daß Prufrock es nicht ernst meint und scheitern wird, denn die Frage, ob er es wagen soll (>Do I dare?< and >Do I dare?< Z. 38) deutet den Verlauf des weiteren Geschehens an: Er zögert die Entscheidung hinaus.[+]

Dieses Zögern sollte uns nach dem Vorwissen aus der Einleitung auch nicht überraschen. Was ist es anderes, als das Wissen eines subjective ego, daß er seine Ansicht den anderen nicht verständlich machen kann. Wie bereits in der Einleitung gefragt, woher soll Prufrock den festen Glauben nehmen, der ,,Empfänger`` könne etwas verstehen, was er selbst nicht formulieren kann? Er kann ihn nirgendwoher mit absoluter Sicherheit bekommen. Da das Thema aber zu heikel ist, es in Kommunikation auszudiskutieren, da eventuell nötige Korrekturen bei der Ausführung und Richtigstellungen nicht möglich sind, wenn der Empfänger keine Reaktion zeigt, bleibt für Prufrock nur eine Lösung: Schweigen. Er bestätigt die einleitende These, daß Sprache ein rein subjektives Ausdrucksmittel ist und das Ego daher auch nur mit sich selbst wirklich kommunizieren kann. Prufrock stellt verzweifelt fest (Z. 104):

It is impossible to say just what I mean!

Prufrock ist die Gesellschaften leid, er beklagt die Monotonie und den flüchtigen Tratsch, während alles so friedvoll vor sich hin dämmert. Sein Witz ist dabei schon Zeichen der Einsicht der Unmöglichkeit von Kommunikation und seines eigenen Versagens.[+] (Z. 51 bzw. 73/74):

I have measured out my life with coffee spoons;

und er wünscht sich auf den Meeresboden versetzt:

I should have been a pair of ragged claws Scuttling across the floors of silent seas.

Nach dieser Selbsteinsicht erscheint Prufrock plötzlich weniger unter Druck zu stehen, etwas sagen zu wollen und müssen.[+]

Frage nach dem Sinn

Prufrock stellt sich viele Fragen, ob und wie er Kommunikation wohl erreichen könnte, ohne jedoch die Antworten zu kennen (Z. 61, 69 u. 87):

And how should I presume?

And how should I begin?

And would it have been worth it, after all[?]

Dies sind allesamt ängstliche Fragen, entstanden aus dem Gefühl der Bedrohung durch die Potenz der Dame der Gesellschaft, die allein darüber entscheidet wer was ist, und dies durch eine ``formulated phrase'' kundtut (Z. 56).[+] Prufrock benennt die Gefahr in einem erotischen Bild (Z. 56-59):

The eyes that fix you in a formulated phrase,And when I am formulated, sprawling on a pin, When I am pinned and wriggling on the wall, Then how should I begin Die extraverbalen Zeichen, die Prufrock aus der Mimik der Frau zieht, machen seine Furcht deutlich.[+] Durch das an die Wand genagelt sein, verliert seine wohl präparierte Maske ihre Schutzfunktion. Er wäre den Blicken und den negativen Gedanken ausgeliefert. Er kann nicht für die Richtigstellung von Gesagtem sorgen und sich nicht wehren, da er mit vernichtenden Blicken gestraft wird, nicht aber mit Worten, gegen die er sich verteidigen könnte. Der personale Bezug ist tatsächlich dem ,,Sich verstehen müssen um jeden Preis`` untergeordnet. Dies sind alles Faktoren die seinen Willen schwächen.[+]

Prufrocks zentrales Problem, genährt aus Eliots Philosophie, ist die Furcht vor dem Auseinanderklaffen von Form und Inhalt des sprachlichen Zeichens. Er kann sich nicht darauf verlassen, daß er so verstanden wird, wie er verstanden werden will. Diese Unsicherheit zerstört das Vertrauen in Sprache und in das Individuum, das Sprache zum Zweck wirklicher Kommunikation benutzt.

Angst vor den Gefahren deröffnung

Prufrock hat die Gefahren deröffnung erkannt, und stellt sie dem gegenüber, was er durch seineöffnung erreichen könnte. Eine Rechnung, die für ihn nicht aufgeht, wenn alle anderen ihre schützende Masken behalten. Nur eine kollektive Demaskierung der Ichs könnte eine Basis für reale Kommunikation, im Sinne der Sprecherabsicht und einer Antwort die auf das Gesprochene eingeht, sein. Dies allein aber wäre nur ein Makel der Gesellschaft, der eventuell (etwa im kleineren Rahmen) durchbrochen werden könnte. Eliots, nahe dem solipsism stehende, Philosophie jedoch läßt eine solche Hoffnung nicht zu, denn die Hemmschwelle der Angst vor dem Mißverständnis, das nicht behoben werden kann ist zu groß.[+] Prufrock führt sich die Gefahr sehr anschaulich vor Augen, indem er sich neben dem vielleicht anwesenden ,,realen`` Gesprächspartner einen weiteren sprechenden Gesprächspartner erschafft, der ihm das antwortet, was er glaubt, daß der ,,reale`` Gesprächspartner ihm auf seine Gedanken, spräche er sie aus, antworten würde. Es besteht für Prufrock ständig die Gefahr des Verlusts bereits hergestellten Vertrauens (Prufrock, Z. 106-110):

Would it have been worth while

If one, settling a pillow or throwing off a shawl, And turning toward the window, sould say: >That is not it at all,That is not what I meant, at all.<

Die ältere Lady aus dem Portrait bekommt die Angst voröffnung zu spüren. Sie versucht sich einem, offenbar jüngeren, Mann zuöffnen und gibt dabei sich selbst preis, liefert sich der Verletzbarkeit aus. Die Lady, eingesperrt in ihrem drawing room mit einer `` atmosphere of Juliet's tomb'' (Z. 6), die sich selbst als ``one about to reach her journey's end'' (Z. 67) beschreibt, versucht aus der Trostlosigkeit der Gesellschaft und ihrer eigenen Einsamkeit, die sich in der Zentralphrase (Z. 68 u. 108)

I shall sit here, serving tea to friends ausdrückt, zu entfliehen, indem sie die echte Freundschaft und wenigstens einen wahren Freund sucht, und sich dem jungen Mann als solche anbietet. Das ist die Zielvorstellung der kommunikativen Tätigkeit der Lady. Die Situation ist ähnlich der im Prufrock: der Mann antwortet im dramatic monologue nur sich selbst, durch die Schaffung einer realen Situation jedoch hat das Portrait eine zusätzliche dramatische Qualität, die die Ironie eines Prufrock kaum aufkommen läßt. Sie gewährleistet, daß sowohl die inneren, wie auch die äußeren Konflikte deutlich werden.

Der junge Mann reagiert befremdet, versucht über die Annäherung hinwegzulächelen, nippt verlegen an der Teetasse, um keine Antwort auf den Vorschlag der Lady, Freunde zu werden, geben zu müssen (Z. 50/51). Beide kennen sich offenbar nicht sonderlich gut. Nach unserem Schema ist daher nach dem Gebot der Planung der Kommunikation, Kontaktkommunikation angebracht. Die Lady stellt diese auch durch ihre Rede über die Kürze der Jugend und des Lebens, und wie wertvoll gute Freunde seien (Z. 45-49 bzw. 19-28), her. Doch erscheint dem jungen Mann der Übergang von der Allgemeinheit zur konkreten Situation der Lady zu überraschend, die damit verbundenen Konsequenzen verlangten von ihm Bindung. Der junge Mann tritt die Flucht an (Z. 69/70), es zeichnet sich aber erster Zweifel bei ihm ab: I take may hat: how can I make a cowardly amends For what she has said to me?

Feigheit als Grund für das Scheitern von Kommunikation wird hier explizit genannt.[+]

Bei einem späteren Abschiedsbesuch bei der Lady, überkommt den Mann ein tiefer Selbstzweifel an der Richtigkeit seines Handelns. Das Schuldgefühl des Mannes, der das Verlangen der Frau nach echter Kommunikation und Freundschaft in einem zweiten Frühling vor dem Ende (Z. 52-55), nicht erwidert hat, steigert sich, als die Lady im dramatischen Höhepunkt des Gedichts, von Enttäuschung gezeichnet, sagt (Z. 93 u. 96/98): >Perhaps you can write to me.< [...]

>I have been wondering frequently of late [...] Why we have not developed into friends.<

Als Finale bleibt neben Reue nur Trostlosigkeit. Das Scheitern der Kommunikation zieht bei Eliot das Scheitern von Freundschaft und das Scheitern von Liebe nach sich, es bedeutet nicht zuletzt Scheitern am Leben.[+] Die Selbstzweifel des jungen Mannes am Schluß sind Ausdruck dieser Einsicht, und des Zweifels an der Richtigkeit seines Ablehnens (Z. 114, 116, 119 u. 124):

[W]hat if she should die some afternoon, [...] Should die and leave me sitting pen in hand [...] Not knowing what to feel or if I understand [...] And should I have the right to smile?

Kommunikation als Risiko

Die Funktionsweise der Gesellschaft, wie Eliot sie sieht, wurde bereits formuliert. Das Risiko, die Gesellschaft durch unangebrachte Worte aus der gemeinsamen Trance aufzurütteln, ist für Prufrock größer als es auf den ersten Blick vielleicht erscheint. Er riskiert dadurch nicht nur eine Bloßstellung vor der Gesellschaft oder seiner, in seinen Augen bedrohlich anmutenden Lady, der er eigentlich seinen Liebesgesang vortragen will, sondern auch sich selbst. Prufrock ist Teil der Gesellschaft, er ist einer von ihnen, er unterscheidet sich äußerlich, da er schweigt, durch nichts von allen anderen, lediglich innerlich mag er ein Einzelfall sein. Dies herauszufinden, den richtigen Ansprechpartner für sein Denken zu finden, ist jedoch wegen der möglichen Risiken unmöglich. Das Risiko ist das Gerede über jemandem. Die Kommunikation mit jemandem dagegen bleibt unerreichbar.

Der Vergleich mit Lazarus (Z. 94/95)[+] oder dem Fool (Z. 119), durch den er sich vom zaudernden Hamlet (Z. 111), schon in der Liste der dramatis personae als meist weit entfernt von Hauptpersonen stehend, distanziert, sollen zeigen, daß Prufrock fest entschlossen ist, sein Anliegen vorzubringen, beweisen jedoch nur das Gegenteil und Prufrock stellt dies auch fest (Z. 120):

I grow old ... I grow old ...

Selbst die Hoffung und Erlösung signalisierenden ``mermaids'' (Z. 124) singen nur ``each to each''. Prufrock stellt enttäuscht fest, daß sie wohl nicht für ihn singen werden (Z. 125)[+]. Er vergleicht das Dasein der Gesellschaft in ihrem Dornröschenschlaf, mit dem Leben der Meerjungfrauen tief in Höhlen am Meeresgrund, und kommt mit einem bissigen Kommentar zur Einsicht, daß Veränderung und das Aufrütteln der Menschen aus ihrer Trance nur alles zerstören würde. Denn diese Ordnung kann nur solange friedlich und unberührt existieren, (Z. 131)

Till human voices wake us, and we drown.

Angst vor dem sinnlos verflossenen Leben

Die Lady aus dem Portrait bringt diese existentielle Angst durch ihr Verdammtsein, ,,Freunden`` Tee zu servieren, als ihre einzige Daseinsgrundlage zum Ausdruck. Prufrocks Einsicht der Unmöglichkeit der Veränderung wurde im vorigen Teilabschnitt dargelegt. Das Waste Land projiziert nun die Gedankenwelt Prufrocks auf eine ganze Bevölkerung. Der Blick verläßt das Individuum, und wendet sich dem größeren Ganzen zu. Eliot schildert eine Welt, bevölkert von Prufrocks, grau in grau als leblose Masse (Z. 61-65).[+] Wirkliche Kommunikation erfordert jedoch das Individuum.

Kommunikation wird im Waste Land pervertiert. Sie entsteht nicht mehr aus Bedürfnissen oder Wünschen, sie muß erzwungen werden. Die Schachpartie im zweiten Teil des Waste Land dient als Vermittler, als Medium, ohne das Kommunikation nicht mehr entstehen kann (Z. 137/138):

And we shall play a game of chess,

The ivory men make company between us

Der lautstarke Ausbruch der ``she'' (Z. 111-134), ist der verzweifelte Schrei nach Veränderung, nach einem Ende der Monotonie, des Schweigens, der Kommunikationslosigkeit (Z. 112):

Speak to me. Why do you never speak? Speak.

Das Gegenüber kommentiert in Gedanken, nicht in Worten.[+] Ihr Verlangen bleibt unbeantwortet, die Verzweiflung und Trostlosigkeit wird sichtbar (Z. 131, 133/134): What shall I do now? What shall I do? [...]

[...] What shall we do tomorrow? >What shall we ever do?<

Die Antwort vervollständigt nur noch das Bild. Ohne die Kommunikation als Mittel der Verständigung bleibt nichts als (Z. 139):

Pressing lidless eyes and waiting for a knock upon the door. Trostlosigkeit ohne Kommunikation

Die Trostlosigkeit einer Welt ohne Kommunikation, die dadurch auch ihre Fähigkeit zu gegenseitigem Vertrauen und Liebe einbüßt, ist ein Zentralthema Eliots. Die Leidenschaftslosigkeit im Waste Land mag gleichermaßen Ursache und Resultat des Verlusts von Kommunikation sein. Die Flüchtigkeit und Unverbindlichkeit der lieblosen Affären wird am Bild der ``nymphs'' und ihren Großstadtyuppies angedeutet und später in einer Szene dargestellt.

Liebe und Sex sind bei Eliot nicht mehr eine Form der zwischenmenschlichen

Kommunikation, sondern ein Ersatz dafür.[+] Die ,,Sex``-Szene im dritten Teil (Z. 238-257) schildert das Geschehen im Sinne eines Vollzugs, nicht als gegenseitiges Geben und Nehmen. Die Szene ist nicht mehr als ein, den Tieren abgeschautes, Bespringen und Verlassen (Z. 240/241):

Flushed and decided, he assaults at once;

Exploring hands encounter no defence;

Die Frau als Objekt,[+]die es über sich ergehen läßt, und dem Akt gleichgültig gegenübersteht, wie ihr ,,Liebhaber``, der nicht die Frau, sondern nur den Körper will. Die Kommunikationslosigkeit als Verursacher geistiger und emotionaler Leere (Z. 252/253): Her brain allows one half-formed thought to pass:

>Well now that's done: and I'm glad it's over.<

Eliot sieht die Gefühlskälte, und eine Wüste im Kopf als letzte Stufe in der Endzeitvision, die das Waste Land zeichnet.

Resümee

Die Arbeit hat versucht zu zeigen, wie Eliot Kommunikation in seiner Dichtung sieht und darstellt. Insgesamt gesehen, zeichnet Eliot ein finsteres Bild einer Welt ohne Kommunikation in Sinne der Verständigung, also der gegenseitigen Akzeptanz und des Verstehens und Eingehens auf das Gesprochene. Erinnern wir uns an ein Zitat aus der Einleitung: [...] [F]or the poet, such a world is a place of profound pessimism where the only human posture is an ironic view of the self.[+]

Die ironische Sicht ist da, sie zieht das Problem jedoch nicht in die Lächerlichkeit, sondern verstärkt die Trostlosigkeit einer Welt, die von ``myriads of isolated souls'' bevölkert wird. Eliot selbst aber beschreibt seine Sicht am einfachsten und treffendsten (Portrait, Z. 101): [W]e are really in the dark.

Literatur

1 Antrim, Harry T.: T. S. Eliot's Concept of Language. A Study of its Development. Gainesville: Florida UP, 1971.
2 Dascal, Marcelo (Hg.): Dialogue. An Interdisciplinary Approach. Amsterdam: John Benjamins, 1985.
3 Eliot, T. S.: Gesammelte Gedichte. Hrsg. von Eva Hesse. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1988.
4 Fieguth, Rolf (Hg.): Literarische Kommunikation. Kronberg/Ts.: Scriptor, 1975.
5 Kirk, Russell: Eliot and his Age. T. S. Eliot's Moral Imagination in the Twentieth Century. New York: Random House, 1971.
6 Moody, Anthony David: Thomas Stearns Eliot: Poet. Cambridge: Cambridge UP, 1979.
7 Pinkney, Tony: Women in the Poetry of T. S. Eliot. A Psychoanalytic Approach. London: MacMillan, 1984.
8 Rees, Thomas R.: The Technique of T. S. Eliot. A Study of the Orchestration of Meaning in Eliot's Poetry. The Hague: Mouton, 1974.
9 Southam, Brian C.: A Student's Guide to the Selected POEMS of T. S. ELIOT, 4., erw. . London: Faber and Faber, 1981.
10 Steinmüller, Ulrich (Hg.): Kommunikationstheorie. Eine Einführung für Literatur- und Sprachwissenschaftler. Stuttgart: W. Kohlhammer, 1977.
11 Stierle, Karlheinz und Rainer Warning (Hgg.): Das Gespräch. München: W. Fink, 1984.
12 Travesi, Derek: T. S. Eliot. The Longer Poems. London: Bodley Head, 1976.

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latex2html -split 0 -ascii_mode -html_version 3.1 poel.tex.

The translation was initiated by Alexander Huber on Wed Nov 13 17:42:05 MET 1996 ..Prufrock''

In3 S. 6-14. ...Lady''

In3 S. 16-24. ...Land''

In3 S. 83-114. ...darstellen:

Sprache und Kommunikation sind in vielen von Eliots Gedichten thematisiert; unsere Untersuchung verlangt jedoch die tatsächliche Auseinandersetzung, die Konfrontation, d. h. keinen Diskurs über sondern mit Sprache.

...erhält.``

In10 S. 34. ...kann.

Es wäre verfehlt, in diesen Abschnitten in einen losgelösten Exkurs über F. H. Bradley und Jules Laforgue, sowie die Kommunikationstheorie zu verfallen. Dies ist weder das Ziel noch der Inhalt dieser Abschnitte. Die Einführungen gelten vielmehr als gezielte Hinführung zu den für unsere Untersuchung relevanten Teilen der Lyrik Eliots. Sie sind daher von Bedeutung für das Verständnis der folgenden Argumentation, und sollten deshalb mit Eliots Gedichten im Hinterkopf gelesen werden, da sie bereits einen wichtigen Bestandteil dieser Arbeit darstellen. ...self.

In1 S. 8.

...kommunizierbar.

``[The] young [Eliot] already fascinated by a poet like Laforgue [was offered by Bradley] a philosophical and logical experience of the mind entrapped in its own ego-centered circle.'' In 1 S. 15.

...individual. In1 S. 6. ...souls.

In1 S. 18 und weiter auf S. 19: ``So the paradox in Bradley and the private ironies of

Laforgue, when treated within the larger context of society, reveal a characteristic emptiness of modern life and point to that failure of the self to reach out to others so typical of the sense of alienation found in the writers of the early part of this century.''

...ist.

In1 S. 18. ...können.

Bradley war ein Vertreter der Ansicht Hegels (1770-1831), daß eine globale Synthese, eine Einheit von Selbst und der Umwelt [a unity of consciousness and the external object], gegeben sei. In1 S. 34. ...werden.

In10 S. 37. ...ability

In2 S. 168. ...kommen.

Es soll in diesem Abschnitt nicht der Eindruck entstehen als werde die textbezogene Untersuchung allein aus Eliots Philosophie argumentieren. Die Beobachtungen werden zunächst, ohne einengende Annahmen, nüchtern betrachtet und dargelegt. Vor allem die Gedichte auf die sich unsere Untersuchung im wesentlichen konzentriert, sind jedoch vor Eliots Beschäftigung mit Bradley und seiner Vorliebe für Laforgues Dichtung zu sehen. ...Phasen:

In10 S. 19. ...sein.

Das Seminar hat den Einfluß Robert Brownings (1812-1889) und Jules Laforgues bereits festgestellt. ...an.

In2 S. 153. ...werden.`` In4 S. 129. ...intends.

In2 S. 22. Diese einsichtige Voraussetzung verknüpft mit Eliots Philosophie, scheint erneut nur in Paradoxie aufzugehen: Wie soll der Sprecher, eingeschlossen in seinem ``ego-centred circle'', wissen, welche Bedeutung das angesprochene subjective ego (wenn überhaupt) seinen Worten zumißt, und woher soll er den begründeten Glauben nehmen, der ,,Empfänger`` könne etwas verstehen, was er selbst nicht aussprechen kann?

...nutzt``

In11 S. 469. ...[...].``

In10 S. 79. Erneut leuchten die Forderungen zwar ein, sind jedoch bei Eliot, soweit wir aus seiner Philosophie bisher schließen können, undenkbar bzw. nicht zu erfüllen. ...sein.

In11 S. 467. ...Kommunikation

,,Das sprachliche Zeichen ist eine materialisierte Form der Erkenntnis, ein Produkt geistiger Tätigkeit und zugleich [anders als das nichtsprachliche Zeichen] Träger des Gedankens. Auf diese Weise sind die sprachlichen Zeichen unmittelbar mit der Denktätigkeit der Menschen verbunden.`` In10 S. 67. ...dar.``

In10 S. 76. ...benennt

Etwa das Nichtbeherrschen der Sprache, oder die Nichtzugehörigkeit zum selben Kulturkreis, oder technische Schwierigkeiten, wie etwa Probleme bei der Übermittlung der Information etc.

...solipsistic

Eliots Philosophie wird mit der philosophischen Sicht des ``solipsism'' insofern in Verbindung gebracht, als nach ihr das Ich nur sich selbst begreifen kann.

...words.''

In2 S. 308. ...bedrohlich

``[T]he ladies remain faceless and bodyless: [...] Eliot has exhibited [...] only those details which contribute directly to the speaker's moods and meanings.'' In8 S. 59. ...hinaus.

Für die mehrfache Verwendung von ``There will be time...'' wird im Student's Guide eine Quelle zitiert: ``To everything there is a season, and a time to every purpose under the heaven: A time to be born, and a time to die; [...] a time to keep silence and a time to speak.'' Das Denken, daß im Moment vielleicht nicht der richtige Moment sei, und daß er seine Meinung auch zu einem späteren Zeitpunkt äußern könne, bestimmt Prufrock. In9 S. 39. ...Versagens.

In6 S. 34. ...müssen.

In6 S. 34 und weiter: ``Prufrock appears [...] better able to observe his little drama with a wit equal to his predicament. Perhaps he has found his point of view in acknowledging defeat.'' ...(Z. 56).

``Prufrock's painful and partial articulacy is in striking contrast to the women of the text who effortlessly discourse of Michelangelo and possess the gift of the lapidary , formulated phrase`'' In7 S. 41. ...deutlich.

``Prufrock's masochistic tendencies are [...] evident in his portrayal of himself as weak and impotent while the women seem strong and dominating'' In8 S. 31. ...schwächen.

``Prufrock's dilemma involves failure to make decisions. His sexual and spiritual impotence, his fear of future failures, his many tiny embarrassments and humiliations - all of these things paralyze his will.'' In8 S. 29. ...groß.

``At heart, ,The Love Song` is [...] about Hell. [...] [I]t is the Hell of the solipsist, unable to credit the reality of those who appear about him: a genteel solipsist unable, even when he has had some glimpse of the essence of things, to tell his phantom neighbors the Truth.'' In5 S. 57. ...genannt.

``Like Prufrock [the young man] has divided himself into the sensitive sufferer and the cynical commentator.'' In8 S. 78 u. 79. ...Leben.

Die viermalige Nennung von Tod und ein Bild des Verfalls im letzten Absatz des Gedichts unterstreichen dieses Argument. ...(Z. 94/95)

In9 S. 41. Der in die Hölle verbannte, reiche Dives wollte von Abraham erflehen, daß der in den Himmel aufgefahrene Bettler, Lazarus, auf die Erde zurückkehren könne, um Dives' Brüdern zu sagen, wie schrecklich es in der Hölle sei. Abraham aber lehnt ab, mit dem Hinweis, daß sich die Menschen auch dann nicht ändern würden, wenn jemand zum Beweis von den Toten auferstehen und es ihnen sagen würde. Die Menschen müssten anhand von Moses' Wort zu Einsicht gelangen. Die Parallelität zu Prufrock als diesem Lazarus, der den Menschen sagt, was falsch läuft, ist augenfällig. ...(Z. 125)

``The mermaids, whose song suggests some possibility of hope and release, sing only ,each to each` and real communication, real confrontation, is more than the subjective self can admit'' In1 S. 18. ...(Z. 61-65).

``Prufrock, placed in the context of the city, becomes the ,crowd` which ,flowed over London Bridge` in The Waste Land'' In1 S. 18. ...Worten.

``[I]n the Waste Land each experience is inexorably enclosed in its own isolation, incapable of breaking the ,prison`\ [...] which is its normal environment.'' In12 S. 92. ...dafür.

Eliots gestörtes Verhältnis zu Frauen und Sexualität wird in der Sekundärliteratur biographisch aus seiner Jugend, und der langen, für beide Seiten katastrophalen, Ehe mit seiner Frau Vivien, begründet. ...Objekt,

``The women who inhabit Eliots Waste Land are no longer traditional fertility symbols, but, in the inverted symbolism of the poem, they emerge as symbols of impotence.'' In8 S. 178. ...self.

In1 S. 8.

Alexander Huber

Wed Nov 13 17:42:05 MET 1996

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

15 von 15 Seiten

Details

Titel
Darstellung von Kommunikationsproblemen in der Lyrik T. S. Eliots
Veranstaltung
Proseminar Ezra Pound und T. S. Eliot; Dr. Klaus Bartenschlager Uni: Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1-2
Autor
Jahr
1991
Seiten
15
Katalognummer
V94704
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Stichworte: Kommunikation, Interaktion, Theorie, Lyrik, Moderne, T.S. Eliot, Love Song, Prufrock, Portrait of a Lady, The Waste Land
Schlagworte
Darstellung, Kommunikationsproblemen, Lyrik, Ezra, Pound, Eliot
Arbeit zitieren
Alexander Huber (Autor), 1991, Darstellung von Kommunikationsproblemen in der Lyrik T. S. Eliots, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94704

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