Das Scheitern der Weimarer Repuplik


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

6 Seiten, Note: 14 Punkte


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Das Scheitern der Weimarer Republik - Gründe und Fragen

Betrachtet man die Phase des Endes der Weimarer Republik und die sich daran anschließende Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, so rückt eine Frage stets in den Mittelpunkt:

„Wie konnte eine Kulturnation wie die deutsche den beschrittenen Weg der Demokratie verlassen und sich dem eigenen Untergang in einer totalitären Diktatur wie dem Nationalsozialismus preisgeben?“

Diese Frage ist vielfach Ansatz wissenschaftlicher Betrachtung gewesen, und fast ebenso oft wurde versucht, einen einzelnen Grund für die abgelaufene Entwicklung zu finden. Letztlich enden diese Versuche in eindimensionalen Betrachtungen, die der Komplexität der Ereignisse nicht gerecht werden können. In der Folge soll versucht werden, die verschiedenen Faktoren, welche für das Scheitern der Weimarer Republik ausschlaggebend waren, in ihrer Gesamtheit darzustellen.

1.Die Niederlage - eine unüberwindbare Hypothek?

Nach vier Jahren Krieg prägten eine unerwartete Niederlage und die damit einhergehende Zerstörung die Befindlichkeit der deutschen Nation. Ein Verlust an nationalem Selbstbewußtsein war zwingend, wurden aber, nicht zuletzt ob der Agitation rechter Kräfte, einem Versagen der demokratischen Kräfte zugeschrieben. Die Tatsache, daß die militärische Niederlage eine direkte Folge der blinden Machtpolitik des Kaiserreiches gewesen war, wurde weitgehend verdrängt.

2.Wirtschaftliche Krise - Nährboden für das totalitäre System?

In Folge der militärischen Niederlage war Deutschland natürlich enormen wirtschaftlichen Belastungen ausgesetzt. Die erheblichen Zerstörungen, in Kombination mit dem Verlust einer riesigen Zahl von Männern im arbeitsfähigen Alter, brachten die deutsche Produktionswirtschaft in ein prekäre Situation. Die von den Siegermächten diktierten Reparationsleistungen taten ein übriges, um die Wirtschaft an den Rande des Zusammenbruchs zu bringen. Unter dem Eindruck dieser Fakten, die sich natürlich auch direkt auf die Versorgungssituation der Bevölkerung auswirkten, hatte die nach dem Kriegsende neu entstanden Staatsform von Anfang an einen schweren Stand. Auch die wirtschaftlichen Probleme wurden ihr, in Ermangelung anderer Erklärungsansätze, angelastet. Kaum jemand in der Bevölkerung reflektierte über die eigentlichen Ursachen der Situation. Natürlich konnten die Gegner der Republik auf beiden Flügeln des politischen Spektrums dies für sich ausnutzen. Ohne eigene Konzepte vorlegen zu müssen, konnten sie mit recht einfachen Parolen, die von der wirtschaftliche Situation gedrückte Bevölkerung, je nach politischer Grundstimmung, zur einen oder anderen Seite polarisieren. Die Tatsache, daß ab 1929, mit dem Beginn der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf Deutschland, die Republik - nach einer Phase der Erholung - sehr schnell auf ihr Ende zusteuerte, verdeutlicht die direkten Zusammenhänge zwischen den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Bereitschaft der Bevölkerung, sich radikalen Ideen anzuschließen.

3. Die Parteien - Verantwortungslosigkeit oder fehlende Kompetenz?

Die junge Demokratie stand 1919 vor einem Scherbenhaufen, der so gut als möglich gekittet werden mußte. Führende politische Kraft unter den demokratischen Parteien in dieser Phase war die SPD, die auch in der damaligen Reichsregierung die Verantwortung übernahm. Die Anstrengungen zur Wiedereingliederung Deutschlands in die Staatengemeinschaft, die natürlich mit zum Teil schmerzlichen Zugeständnissen an die Sieger verbunden waren, fanden nie die Anerkennung, welche sie verdient gehabt hätten. Trotz dieser schwierigen Ausgangsposition und einer spürbaren Radikalisierung des politischen Spektrums gelang es, selbst in den unruhigen Jahren 1919-1923, die demokratischen Strukturen gegen den erbitterten Widerstand radikaler Kräfte von links und rechts zu erhalten. Direkte Angriffe wie der Kapp-Lüttwitz-Putsch (1920) und weitere Umsturzversuche wurden überstanden und es schloß sich sogar eine Phase der Beruhigung und Stabilisierung in den Jahren 1925-1929 an, in der die Regierung der großen Koalition selbst außenpolitisch Erfolge verzeichnete. Der Bruch dieser Koalition 1930 markierte die entscheidende Wende und legte den Grundstein für die dann folgende verheerende Entwicklung. Die demokratischen Parteien versäumten es, gemeinsam die radikalen Kräfte zum Wohle Deutschlands niederzuhalten. Zu sehr waren die einzelnen politischen Richtungen und ihre Führer mit inneren Auseinandersetzungen und dem persönlichen Machterhalt beschäftigt. Zusätzlich verkannte man wohl auch die Dimension der vom Nationalsozialismus ausgehenden Gefahr für Deutschland.

Sowohl die SPD, welche ihre in der Masse der Arbeiter manifestierte politische Macht niemals wirklich zum Einsatz brachte, als auch die konservativen Parteien, die bis zum Ende der Republik der Auffassung waren, sie könnten Hitler und seine Bewegung für die Erreichung eigener Ziele nutzen, müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, einer Fehleinschätzung der Situation erlegen zu sein. Keine der demokratischen Parteien der Weimarer Republik nahm ihre Verantwortung letztlich mit der erforderlichen Konsequenz war, wenn man auch, je nach einzelner politischer Richtung und Person, hier graduelle Unterschiede machen muß. Obwohl seine Anhänger mehrheitlich Gegner der NSDAP waren, stellte sich die Führung beispielsweise des Zentrums nicht gerade offen gegen die Nationalsozialisten. Die Unterschätzung des totalitären Wesens der rechten Bewegung mag dies, wie bei anderen Organisationen auch, erklären. In der Konsequenz führte dies dazu, daß Hitler und seiner Partei dadurch ein weiteres Stück weit der Boden bereitet wurde. Das linke Spektrum, besetzt durch SPD und KPD, kam nie zu einer einheitlich Haltung gegenüber der Bedrohung von rechts. Persönliche Empfindlichkeiten der Parteiführer und ein, unter dem heutigen Wissen über die nachfolgende Katastrophe nicht nachvollziehbares, Ringen um ideologische Details führten faktisch zur Spaltung des enormen Potentials, welches eventuell die Nationalsozialisten auf dem Weg zur Macht hätte aufhalten können. Eine historische Chance wurde vergeben.

4. Die Arbeiterbewegung - nicht genutzte Macht?

Wie alle Teile der Bevölkerung, hatten natürlich auch die Arbeiter unter den Folgen des verlorenen Krieges zu leiden. Trotzdem ist festzuhalten, daß sich die deutsche Arbeiterschaft in ihrer großen Masse nicht rechten Ideen zuwandte. Bis zum November 1932 blieb beispielsweise der Stimmenanteil, den SPD und KPD gemeinsam erzielten und welcher im wesentlichen der Arbeiterschaft zugeordnet werden kann, mit ca. 37 % konstant. Hinzu kommen die Gruppen der freien christlichen Arbeiterbewegung, die ihre politische Heimat ebenfalls außerhalb der NSDAP hatten und dieser ablehnend gegenüberstanden. Es stellt sich daher die Frage, weshalb die zweifelsohne größte gesellschaftliche Gruppe nicht zum Widerstand gegen die rechte Gefahr zu einen war.

(a)linke Arbeiterbewegung

Innerhalb der linken Arbeiterbewegung war eine Radikalisierung zu bemerken, welche sich durch einen gesteigerten Anteil der KPD ausdrückte. Viele der Arbeiter hielten den von der SPD vertretenen Kurs der Bekämpfung der antidemokratischen Kräfte, allein mit parlamentarischen Mitteln angesichts der Bedrohung von rechts, nicht für radikal genug.

Gleichzeitig fehlte aber die Eigeninitiative, vorbei an der Führung der SPD den Kampf aus dem Parlament in die Straßen zu tragen. Vielmehr resignierte ein großer Teil der SPD Anhänger ob der praktizierten „Stillhaltetaktik“ der Führung. Unter den Anhängern der KPD war die Bereitschaft zur radikale Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten stärker als in der SPD. Der kleineren der linken Parteien fehlte es aber an der Zahl der Anhänger um eine echte Massenbewegung zu mobilisieren.

(b) freie Gewerkschaften

Die freien Gewerkschaften positionierten sich nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit gegen den Nationalsozialismus. Die bereits für Teile der Parteien konstatierte Verkennung der Gefahr, welche von Hitlers Bewegung ausging, sei auch hier erwähnt. Diese Haltung bedeutete letztlich den politischen Selbstmord und im Zuge der Gleichschaltung auch den Verlust der organisatorischen Strukturen.

(c) christliche Gewerkschaften

Die christlichen Gewerkschaften sahen sich nach der Übernahme der Regierung durch Brüning nicht im Gegensatz zu den regierenden Kräften, da sowohl Brüning selbst als auch sein Arbeitsminister ehemals führende Positionen in der eigenen Organisation bekleidet hatten. Gleichzeitig stand man von der eigenen Grundüberzeugung her der parlamentarischen Demokratie eher skeptisch gegenüber und die in der damaligen Konstellation verwirklicht scheinende Zurückdrängung der linken Arbeitervertreter übte unter Machtgesichtspunkten eine fatale Faszination aus. Zwar unterstützten die christlichen Gewerkschaften die Bildung der Regierung Schleicher, welche ein letzter Versuch war den Nationalsozialismus einzudämmen, jedoch waren die Strömungen innerhalb der Organisation, welche einer starken nationale Staatsstruktur anhingen, auf Dauer ausschlaggebend. Im Ergebnis wurden die christlichen Gewerkschaften wie die freien Arbeitnehmervertretungen letztlich organisatorisch zerschlagen, ohne erkennbaren Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet zu haben.

(d) später Rettungsversuch

Die kurz vor der Zerschlagung aller Gewerkschaften betriebene Bildung einer Einheitsgewerkschaft aus allen Strömungen der Arbeitnehmervertreter, kam im Ergebnis zu spät. Die Einigung war in der Kürze der Zeit nicht mehr durchzuführen. Unabhängig von den dauerhaften Erfolgsaussichten einer solchen Einheitsorganisation, hätte eine Einigung der Arbeiterschaft unter einer Führung in dieser Situation die Entwicklung eventuell entscheidend verzögern können.

5. Die Weimarer Verfassung - formale Grundlage des Untergangs?

Betrachtet man die Abläufe, welche letztlich der Machtergreifung der Nationalsozialisten vorausgingen, so stellt man fest, daß diese, zumindest formal, im Rahmen der Weimarer Verfassung abliefen. Dies wirft die Frage auf, ob nicht etwa die Väter dieses Gesetzeswerks bei der Verabschiedung entscheidende Fehler gemacht haben könnten. Zentral lag der Schwachpunkt in der Bestimmung des Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung, welcher dem Reichspräsidenten ein Notverordnungsrecht zubilligt und ihn gegenüber dem Reichstag durch ein Auflösungsrecht in eine geradezu übermächtige Rolle hebt. Dieses Instrument wurde, betrachtet man die letzten Monate der Republik vor der Machtergreifung Hitlers, unter Hindenburg zweifelsfrei nicht zum Wohle Deutschlands angewandt. Grundsätzlich bedeutet sein Einsatz eine Umgehung des Parlaments als Kontrollorgan der Regierung. Zwar kann dies in Krisensituationen durchaus geboten sein, um wichtige Entscheidungen schnell herbeizuführen und umzusetzen, jedoch war die Ära der Regierungen (Brüning, v. Papen, Schleicher), die teilweise ausschließlich auf der Grundlage von Notverordnungen regierten, geprägt durch eine verheerende Tendenz zum Radikalismus. Diese fand ihren Endpunkt in der Machtergreifung Hitlers. Hindenburg, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ebert ein Mann mit wenig politischer Bildung und einer grundsätzlichen Abneigung gegen die republikanische Staatsform, spielte hier eine verhängnisvolle Rolle.

6. Die Endphase der Republik - eine Verkettung von Fehleinschätzungen?

Hitler hat in freien Wahlen nie mehr als ein Drittel der Wählerstimmen auf sich vereinigen können. Obwohl die politische Landschaft in den letzten Monaten der Weimarer Republik durch eine starke Polarisierung gekennzeichnet war, konnte er nur an die Macht gelangen, weil persönliche Fehleinschätzungen einflußreicher Politiker dies zuließen. Von Papen hatte zu seiner Zeit als Reichskanzler bereits die Weichen in Richtung eines Autoritätsstaates gestellt. Nachdem ihm das Gesetz des Handelns durch seine Entlassung aus der Hand genommen wurde, und sein Nachfolger Schleicher der Erstarkung der Nationalsozialisten entgegen zu wirken versuchte, ergriff er am Jahreswechsel 1932/33 die Initiative und ging mit Hitler eine, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte unheilige, Allianz ein. Von Papen war offensichtlich der Meinung, sich Hitler für eigene Ziele bedienen zu können. Er überzeugte auch den greisen Reichspräsidenten Hindenburg von dieser These, der sich vorher immer strikt geweigert hatte, Hitler den Weg zur Macht zu ebnen. Beide Herren hatten diese Rechnung ohne den entscheidenden Faktor gemacht - Hitler selbst.

Dieser und seine NSDAP waren durch die Besetzung von Schlüsselpositionen in der Regierung bereits zu mächtig, um sich durch v. Papen und seine Anhänger noch kontrollieren zu lassen. Die Folgen dieser Fehleinschätzung sind bekannt.

7. Schlußbemerkungen

Die vorstehenden Ausführungen zeigen deutlich, wie komplex sich die Beleuchtung der zu Beginn formulierten Frage letztlich darstellt. Im Grunde bleibt festzuhalten, daß die Ursache für die Gewinnung der Macht durch Hitler und sein verbrecherisches Regime vielschichtig ist. Die Mechanismen, welche im Endergebnis zum zweifelsfrei dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte führten sind nicht zwingend „deutsche“ Mechanismen. Diese These wird gestützt durch die Tatsache, daß eine gleichgerichtete Bewegung in Italien zehn Jahre früher ihren Weg nahm, wenngleich die Herrschaft Mussolinis natürlich auch nicht ansatzweise mit der Art von Verbrechen einherging wie die Hitlers. Jede Entwicklung in einer Gesellschaft spiegelt die Schwächen und/oder Stärken der Menschen wider, die in ihr leben. Die Geschichte, die sich in den Jahren 1919 - 1933 abspielte war, was die Gesellschaftliche Entwicklung angeht, eher eine Geschichte von Schwächen. Hitlers Aufstieg ist in seiner Chronologie eng mit den Schwächen seiner Gegner verknüpft. Ein Parteiensystem, in dem jede Gruppe stets nur die eigenen Interessen sah, machte es ihm leicht, ein durch emotionale und wirtschaftliche Faktoren negativ geprägtes Volk zu beeinflussen. Die Unfähigkeit der führenden Köpfe jener Zeit, die drohende Gefahr zu erkennen und ihr, ohne Rücksicht auf kurzsichtige Machterwägungen entgegen zu treten, rächte sich letztlich bitter - sowohl an ihnen selbst als auch an Deutschland insgesamt. Persönliche Unzulänglichkeiten einiger weniger ebneten dem Verbrecher Hitler den Weg. Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt sie zu wiederholen. Es bleibt zu hoffen, daß wir alle die Lektion, welche uns hier vorgeführt wurde verstanden haben.

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Das Scheitern der Weimarer Repuplik
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
1999
Seiten
6
Katalognummer
V94716
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Scheitern, Weimarer, Repuplik
Arbeit zitieren
susanne schleidt (Autor), 1999, Das Scheitern der Weimarer Repuplik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94716

Kommentare

  • Gast am 28.11.2000

    Das Scheitern der Weimarer Republik.

    die arbeit von susanne schleidt ist im großen und ganzen nicht schlecht, aber sie neigt dazu die sachen zu pauschalisieren und einige wichtige faktoren ausser betracht zu lassen. meiner meinung nach ist die arbeit als hausaufgabe nicht schlecht, aber als klausur oder uni-hausarbeit nicht geeignet. an manchen stellen ist es eine reine floskelnsammlung!

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