Multisensorisches Marketing und dessen Grenzen im Bereich des Online-Marketings


Hausarbeit, 2020

29 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Aufgabenstellung

1 Einleitung

2 Wahrnehmung und die Formen der Sinneswahrnehmung
2.1 Prozess der Sinneswahrnehmung
2.2 Formen der Sinneswahrnehmung
2.2.1 Visuelle Sinnesmodalität
2.2.2 Auditive Sinnesmodalität
2.2.3 Haptische Sinnesmodalität
2.2.4 Gustatorische Sinnesmodalität
2.2.5 Olfaktorische Sinnesmodalität
2.3 Zusammenfassung

3 Marketing und die Formen der Sinneswahrnehmung
3.1 Marketing - eine Begriffsbestimmung
3.2 Bedeutung der einzelnen Sinnesformen für das Marketing
3.2.1 Visuelles Marketing
3.2.2 Auditives Marketing
3.2.3 Haptisches Marketing
3.2.4 Gustatorisches Marketing
3.2.5 Olfaktorisches Marketing
3.3 Zusammenfassung

4 Multisensorisches Marketing und dessen Anwendung
4.1 Multisensorisches Marketing
4.2 Ein multisensorisches Markenkonzept am Beispiel Gesellschaftsspiele

5 Grenzen des multisensorischen Marketings im Internet

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung wurde aus urheberrechtlichen Gründen durch das Lektorat entfernt.

1 Einleitung

Täglich erreichen uns zwischen 3.000 und 13.000 Werbebotschaften (Hartmann & Haupt, 2014, S. 27). Es lässt sich somit sagen, dass Werbung uns gefühlt immer und überall erreicht. Sei es als Kunde im örtlichen Einkaufsmarkt, beim Onlineshopping oder in unseren eigenen Kühlschrank. Viele solcher Werbekampagnen nehmen wir gar nicht bewusst wahr, zum Beispiel Werbung aus dem Radio- oder Fernsehprogramm oder der Zeitung (Hartmann & Haupt, 2014, S. 27; Kotier, Armstrong, Wong & Saunders, 2011, S. 37). Die Beiersdorf AG hat im Jahr 2019 seine Pflegelotion-Linie um NIVEA Sensual erweitert. Laut einem Artikel in der Zeitschrift Lebensrnittel Praxis möchte der Konzern mit diesem Körperpflegeprodukt dem Konsumenten ein multisensorisches Erlebnis bieten, dass nicht nur die Haut verwöhnt, sondern auch die Sinne (Röttig, 2019, S. 82). Dabei stellt sich die Frage, was ein multisensorisches Erlebnis ist und was unsere anderen Sinne, außer der Haut, damit zu tun haben.

In dieser Arbeit sollen die einzelnen Formen der Sinneswahrnehmung und deren Bedeutung für den Einsatz in Marketingmaßnahmen erläutert werden. Weiterhin wird der Nutzen von multisensorischem Marketing anhand eines Markenkonzeptes vorgestellt. Zum Abschluss werden in diesem Zusammenhang die Grenzen des Online-Marketing diskutiert.

Im zweiten Kapitel der Arbeit werden die theoretischen Grundlagen zur Sinneswahrnehmung geschaffen. Dafür wird kurz definiert, was Wahrnehmung ist und wie diese in groben Zügen abläuft. Anschließend werden die einzelnen Formen der Sinneswahrnehmung besprochen. Das dritte Kapitel startet mit einer Definition des Begriffes Marketing. Aufbauend auf das zweite Kapitel werden anschließend die fünf Sinnesmodalitäten in Bezug auf das Marketing erläutert. Anschließend erfolgt im vierten Kapitel eine Erläuterung des Konstruktes multisensorisches Marketing. Anschließend wird in diesem Passus ein multisensorisches Markenkonzept am Beispiel eines Gesellschaftsspiels vorgestellt. Im fünften Kapitel erfolgt eine kritische Diskussion zu den Ergebnissen dieser Arbeit vor dem Hintergrund des Online-Marketings. Abschließend erfolgt im sechsten Kapitel ein kurzes Fazit und ein Ausblick auf mögliche folgende Forschungsfragen.

2 Wahrnehmung und die Formen der Sinneswahrnehmung

Im Volksmund wird gesagt, dass ein Mensch nur seinen eigenen Augen trauen kann. Nach Sokolowski (2013) meint der Volksmund damit, dass nur die eigene Wahrnehmung, egal über welchen unserer Sinne, über die Existenz von Objekten bestimmen kann (S. 69). Bei dieser Aussage stellt sich die Frage, was Wahrnehmung eigentlich ist und wie Wahrnehmung funktioniert. Diese beiden Fragen werden in diesem Kapitel beantwortet. Anschließend werden die einzelnen Sinnesmodalitäten kurz vorgestellt.

Wahrnehmung ist ein komplexer Prozess, der es Menschen ermöglicht Informationen über sich selbst, wie zum Beispiel die eigene Körperstellung im Raum, und die eigene Umwelt zu verarbeiten (Kroeber-Riel, Weinberg & Gröppel-Klein, 2009, S. 320; Strobach & Wendt, 2019, S. 7). Dazu benötigt der Organismus das Sinnessystem. Dieses stellt die Informationen bereit, um die wahrgenommenen Eindrücke anschließend durch das Gehirn organisieren und interpretieren zu können (Hagendorf, Krummenacher, Müller & Schubert, 2011, S. 5). Das wiederum heißt, dass es ohne den Prozess der Wahrnehmung für ein Individuum nicht möglich wäre den eigenen Körper zu steuern oder mit der äußeren Umwelt zu interagieren (Kiesel & Koch, 2018, S. 37). Der Wahrnehmungsprozess ist für Mensch und Tier ein lebensnotwendiger Mechanismus, da die Sinnesreize zum Beispiel vor Gefahren warnen können (Gerrig, 2016, S. 112). Die Wahrnehmung ist ein Prozess der sich unserer kognitiven Kontrolle entzieht und somit nicht direkt beeinflussbar ist (Hagendorf et al., 2011, S. 5).

2.1 Prozess der Sinneswahrnehmung

Der Wahrnehmungsprozess ist sehr kompliziert und entzieht sich häufig unseren bewussten Erleben (Goldstein, 2010, S. 3). Der Wahrnehmungsprozess muss aus eine Menge von unterschiedlichsten Informationen diejenigen herausfiltem, die für den Moment als relevant erscheinen (Hagendorf et al., 2011, S. 5). Während diesen Ablaufs werden durch unsere Sinnesorgane physikalische Reize, wie Lichtsignale oder mechanische Schwingungen, in elektrische Impulse von Nervenzellen umgewandelt (Spering & Schmidt, 2009, S. 5). Ohne diesen Prozess wäre es uns nicht möglich zum Beispiel diesen Text zu lesen (Hagendorf et al., 2011, S. 5). Da ein Individuum sehr schnell und mühelos ein bereits bekanntes Objekt erkennen kann (Kiesel & Koch, 2018, S. 71), stellt sich die Frage, wie dies genau abläuft.

Nach Goldstein (2010) verläuft der Wahrnehmungsprozess in mehreren Schritten ab (S. 4). Zusammenfassend lässt sich der Prozess nach Goldstein (2010) wie folgt darstellen: Es gibt eine Vielfalt an verfügbaren Stimuli, aus denen ein Stimulus wahrgenommen wird und anschließend die Aufmerksamkeit einer Person erhält. Dieser beachtete Stimulus wird durch das wahmehmende Sinnesorgan transformiert. In der Literatur wird dieser Schritt der Umwandlung als Transduktion beschrieben. Anschließend findet eine neuronale Verarbeitung statt aus der die eigentliche Wahrnehmung resultiert. Zwischen diesen Schritt findet ein Abgleich mit bereits vorhandenen Wissen im Gedächtnis statt (Goldstein, 2010, S. 4-8). Das Erkennen eines Objektes und die daraus folgende Handlung ist zusätzlich von den Erwartungen, die ein Individuum hat, abhängig (Kiesel & Koch, 2018, S. 71, 2018, S. 74). Um diesen Effekt zu beschreiben wird in der Wahmehmungspsychologie zwischen Bottom-up- Verarbeitung und Top-down-Verarbeitung unterschieden (Goldstein, 2010, S. 8). Unter der Bottom-up-Verarbeitung wird ein Prozess verstanden, der auf eingehenden, sensorischen Daten beruht (Gerrig, 2016, S. 155). Diese physikalischen Daten werden anschließend, wie zuvor beschrieben verarbeitet (Goldstein, 2010, S. 8). Die Top-down- Verarbeitung hingegen findet unter anderem statt, wenn Reize nur ungenügend aufgenommen werden können und aufgrund dessen unvollständig sein können (Sokolowski, 2013, S. 85). Dadurch wird eine Wahrnehmung konstruiert, in dem auf das bereits vorhandene Wissen zurückgegriffen wird (Myers, 2014, S. 235). Die Top-down- Verarbeitung findet ebenso statt, wenn gewisse Erwartungen durch Motivationen oder Emotionen bestehen (Wendt, 2014, S. 177). Nach dem bewussten Wahrnehmen folgt das Erkennen, woraus anschließend eine Handlung resultiert (Goldstein, 2010, S. 6-7).

2.2 Formen der Sinneswahrnehmung

Die Formen der Sinneswahrnehmung sind abhängig davon, welche Wahrnehmungsorgane bei einem Organismus vorhanden sind (Becker-Carus & Wendt, 2017, S. 75). Beim Menschen werden die Sinnesmodalitäten Sehen, Hören, Tasten, Schmecken und Riechen unterschieden (Becker-Carus & Wendt, 2017, S. 75) sowie die Körperposition - Kinästhesie und Körperbewegung - sowie der Gleichgewichtssinn (Myers, 2014, S. 282). Aufgrund der engen Fragestellung konzentriert sich diese Arbeit nur auf die fünf erstgenannten Sinne. Die Wahrnehmung über die Sinnesrezeptoren geschieht über vier verschiedene Hauttypen (Rezeptoren) (Becker-Carus & Wendt, 2017, S. 76): Fotorezeptoren, die Licht wahmehmen, Mechanorezeptoren, die Schall, Berührungen und Druck wahrnehmen, Chemorezeptoren, die zu Geruchs- und Geschmacksempfindungen führen sowie Thermorezeptoren, die auf Temperaturänderungen reagieren.

2.2.1 Visuelle Sinnesmodalität

Bei uns Menschen ist die Sehfähigkeit nicht nur die komplexeste Sinnesmodalität, sondern auch die am höchsten entwickelte (Gerrig, 2016, S. 119). Menschen können Wellenlängen in einem Bereich von circa 400 bis 700 Nanometern wahrnehmen und dadurch Farben erleben (Sokolowski, 2013, S. 75). Dabei wird das Spektrum in drei Bereiche eingeteilt (Kiesel & Koch, 2018, S. 49): kurzwelliges Licht erscheint blau, mittelwelliges Licht erscheint grün und langwelliges Licht erscheint rot. Aus diesen drei Bereichen, die sich über das komplette Lichtspektrum wie die Farben des Regenbogens abbilden lassen, kann ein Individuum in etwa eine halbe Millionen Farbnuancen unterscheiden (Sokolowski, 2013, S. 71, 2013, S. 75). Davon können Menschen aber wiederum nur ungefähr 150 Farben mit einem Namen benennen (Sokolowski, 2013, S. 71). Daneben gibt es noch andere Spektren, die für den Menschen nicht wahrnehmbar sind (Sokolowski, 2013, S. 75). Weiterhin lässt sich feststellen, dass Farben als solches nicht existieren, sondern Produkte der Interpretation unseres Sinnessystems sind (Becker- Carus & Wendt, 2017, S. 97; Gerrig, 2016, S. 126).

Ein weiteres Produkt der Interpretation unseres Sinnessystems ist die Wahrnehmung von Tiefe bzw. das dreidimensionale oder räumliche Sehen. Auf der Retina wird nur ein zweidimensionales Bild empfangen (Becker-Carus & Wendt, 2017, S. 105). Daraus folgt, dass die Angaben über die Tiefe, das heißt die Spanne zwischen zwei oder mehr Objekten, erst durch das Gehirn ermittelt werden muss (Kiesel & Koch, 2018, S. 54). Nach Kiesel und Koch (2018) werden dafür vom Gehirn verschiedene Tiefenkriterien genutzt. Zum einen werden Objekte, die von anderen Dingen verdeckt werden als verhältnismäßig näherstehend wahrgenommen. Hingegen werden Objekte, die ähnlich groß sind, aber näher an der Sichtgrenze sind, als weiter weggesehen. Hinzu kommt, dass umso entfernter ein Objekt ist, desto schlechter kann es gesehen werden, weil die Lichtstreuung aufgrund von Dunst- und Schmutzpartikeln den Reflexionsgrad verringert (Kiesel & Koch, 2018, S. 54, 2018, S. 56). Ein weiterer wichtiger Punkt nach Kiesel und Koch (2018) ist, dass durch die Bewegung des Beobachters sich das Abbild auf der Retina verändert. Hierbei ist anzumerken, dass weitentfernte Dinge sich weniger stark bewegen, wie nahe gelegene Objekte (Kiesel & Koch, 2018, S. 56). Außerdem weisen Becker-Carus und Wendt (2017) daraufhin, dass ein Mensch mit nur einen Auge in der Lage ist dreidimensional zu sehen. Dies ist über die monokulare Tiefenwahrnehmung möglich. Dafür rekonstruiert das Gehirn aus den wahrgenommenen Details die räumliche Tiefe (Becker-Carus & Wendt, 2017,S. 105).

2.2.2 Auditive Sinnesmodalität

Ein Mensch kann ungefähr 400.000 Töne unterscheiden (Sokolowski, 2013, S. 71). Dabei ist das Hören ein wichtiger Sinn, der nach Gerrig (2016) komplementär zum Sehen ist. Das heißt, dass oftmals ein Reiz gehört wird, bevor er in das Sichtfeld einer Person rückt. Dabei können Töne zum Beispiel im Rücken der wahrnehmenden Person sein. Töne können ebenso undurchsichtige Dinge, wie Wände durchdringen (Gerrig, 2016, S. 129). Aufgrund dieser Eigenschaft werden die Ohren als Fernsinnorgan bezeichnet (Becker- Carus & Wendt, 2017, S. 158). Das Gehör kann aber nicht nur verschiedene Töne wahrnehmen, sondern diese faktisch unterschiedlichen Schallquellen zuordnen und somit Objekte identifizieren (Wendt, 2014, S. 264). Auditive Eindrücke entstehen, laut Wendt (2014), dadurch, dass die entstehenden Schwingungen zu Druckschwankungen in der Luft führen. Diese Druckschwankungen werden dann als Schallwellen bezeichnet, die wiederum vom Ohr aufgenommen werden und anschließend zum Wahrnehmen und Erleben eines Lauts oder Klangs führen (Wendt, 2014, S. 248). Da der Mensch die Fähigkeit zum 360°-Hören besitzt, kann er durch die Wahrnehmung der Schallwellen im Ohr identifizieren aus welcher Richtung ein Geräusch oder Ton kommt (Wendt, 2014, S. 262). Weiterhin werden durch das Gehör Geräuschanteile, deren Quelle am selben Ort wahrgenommen wurde, als ein Geräusch empfunden (Wendt, 2014, S. 264).

Das menschliche Gehör kann reine Töne in einem Frequenzbereich zwischen 20 Hertz und 20.000 Hertz wahmehmen, Frequenzen die unter 20 Hertz liegen werde nicht mehr als Ton sondern nur noch als Vibration durch den Menschen wahrgenommen (Gerrig, 2016, S. 130). Im Alter sinkt die wahrnehmbare obere Hörfrequenz jedoch signifikant (Nölke & Gierke, 2011, S. 101). Weiterhin schreibt Gerrig (2016), dass Geräusche keine Töne im eigentlichen Sinn sind. Geräusche sind eine Komposition aus verschiedenen Grundfrequenzen, die in keiner Beziehung zueinander stehen (Gerrig, 2016, S. 131). Am besten hören Menschenjedoch menschliche Stimmen und schwache Geräusche, wie etwa das Wimmern eines Kindes (Myers, 2014, S. 266). Dabei ist hervorzuheben, dass ein Mensch die Stimme einer anderen ihn bekannten Person unter vielen anderen Stimmen gut herausfiltern kann (Myers, 2014, S. 266).

2.2.3 Haptische Sinnesmodalität

Die Haut ist nicht nur das größte Sinnesorgan des Menschen, sondern das Sinnesorgan, dem wir den Vorrang vor allen anderen Sinnesorgangen geben (Hagendorf, 2011, S. 141; Myers, 2014, S. 271). Nach Wendt (2014) enthält unsere Haut verschiedene Rezeptoren, die unterschiedliche Funktionen ausüben. Die Hautsinne werden in den Tastsinn, den Temperatursinn sowie den Schmerzsinn unterteilt (Hagendorf, 2011, S. 142). Diese Rezeptoren sind auf der kompletten Körperoberfläche verteilt (Wendt, 2014, S. 265). Je nachdem wo ein Mensch berührt wird, ist die Empfindung ganz unterschiedlich (Myers, 2014, S. 271). An der Fingerkuppe kann die Position eines Kontaktes zehnmal genauer bestimmt werde, als zum Beispiel am Rücken (Gerrig, 2016, S. 138). Die Empfindungen sind aber nicht nur für die einzelnen Körperregionen unterschiedlich, sondern, laut Myers (2014) ,ebenso abhängig von dem Berührungsobjekt. Eine Berührung mit einem weichen Haar spricht zum Beispiel andere Bereiche an als ein warmer oder kalter Draht oder die Spitze einer Nadel (Myers, 2014, S. 271). Dazu kommt, dass die Sensitivität bei Männern und Frauen unterschiedlich ist (Hagendorf, 2011, S. 143).

Nach Wendt (2014) sind im Bereich der Tastsinne die Mechanorezeptoren für die verschiedenen Arten von Druckeinwirkungen sensibel. Dies wird benötigt, wenn aus einer Tasche zum Beispiel der Schlüsselbund herausgeholt werden soll. Diese Rezeptoren benötigt ein Mensch ebenso, um seine Kraft bei dem Umschließen eines Glases richtig einzuteilen. Zum einen soll das Glas nicht zu Boden fallen, auf der anderen Seite soll es nicht in der Hand zerspringen (Wendt, 2014, S. 265). Hagendorf (2011) beschreibt, dass für den Temperatursinn, die Wärme- und die Kälterezeptoren zum Einsatz kommen. Die Wärmerezeptoren informieren ein Individuum über Temperaturänderungen, die wärmer sind als die eigene Körpertemperatur. Diese Rezeptoren werden zum Beispiel aktiv, wenn ein kleines Kind auf eine heiße Herdplatte greift. Hingegen zeigen die Kälterezeptoren eine Verringerung der Hauttemperatur an, damit es nicht zu Erfrierungen kommt (Hagendorf, 2011, S. 143). Wie bei den beiden anderen Hautsinnen, ist das Empfinden von Schmerz zwischen den einzelnen Individuen unterschiedlich (Hagendorf, 2011, S. 145).

Weiterhin beschreibt Hagendorf (2011), dass es für die Wahrnehmung einer Form oder Oberfläche eines Objektes einen aktiven Prozess bedarf. Das heißt die Aufmerksamkeit muss bereits auf diesen Prozess gerichtet sein, um mit den Händen einen Gegenstand zu untersuchen. Diese Verarbeitungsform der verschiedenen Rezeptoren wird Haptik genannt (Hagendorf, 2011, S. 147).

2.2.4 Gustatorische Sinnesmodalität

Der Geschmack und der Geruch sind chemische Sinne (Hagendorf, 2011, S. 150). Auf der Zunge eines Individuums befinden sich über 200 Geschmacksknospen, die auf fünf unterschiedlich schmeckende Moleküle reagieren (Myers, 2014, S. 277). Diese Grundempfmdungen sind salzig, sauer, bitter, süß sowie umami (Chaudhari, Landin & Roper, 2000; Henning, 1915; beide zitiert nach Hagendorf, 2011, S. 151). Laut Hagendorf (2011) ist die Geschmackswahrnehmung von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Zum einen kommt es darauf an, wo der chemische Reiz die Zunge trifft, da die Geschmacksrezeptoren an unterschiedlichen Stellen auf der Zunge liegen. Ein weiterer Punkt ist die Temperatur. Warme Speisen verbessern die Wahrnehmung für die Empfindungen von süß, hingegen nimmt die Wahrnehmung von bitteren und salzigen Eindrücken ab. Die Wahrnehmung von sauer bleibt von der Temperatur unbeeinflusst (Hagendorf, 2011, S. 151-152).

Um den Geschmack von Speisen überhaupt wahrnehmen zu können, müssen diese zuvor im Mund zerkleinert werden. Anschließend erfolgt durch ein Zusammenspiel der fünf Sinne die Wahrnehmung des eigentlichen Aromas eines Nahrungsmittels (Hagendorf, 2011, S. 150). Dabei können die eigenen Erwartungen den Geschmack und das Aroma beeinflussen (Myers, 2014, S. 277). Ebenso hat die Farbe des Nahrungsmittels einen Einfluss darauf, was eigentlich geschmeckt wird (Hagendorf, 2011, S. 152). Laut Hagendorf (2011) ist die Geschmacksempfindung jedoch zu 80% vom Riechen abhängig. Der Grund hierfür ist, dass beim Zerkleinern der Nahrung im Rachenraum die Aromastoffe erwärmt werden und so an die Rezeptoren der Nase gelangen (Hagendorf, 2011, S. 152, 2011, S. 153).

2.2.5 Olfaktorische Sinnesmodalität

Beim Riechen müssen die Rezeptoren für eine bewusste Wahrnehmung des Geruchs durch chemische Moleküle gereizt werden (Hagendorf, 2011, S. 154). Dabei reichen nach Gerrig (2016) bereits acht Moleküle eines Mediums, um einen Nervenimpuls auszulösen. Jedoch müssen beim Menschen mindestens 40 Nervenendigungen gereizt werden, damit es zu einer Wahrnehmung des Geruchsstoffes kommen kann (Gerrig, 2016, S. 135). Erstaunlich ist, dass der Mensch vermutlich 10.000 Gerüche voneinander unterscheiden kann (Sokolowski, 2013, S. 71). Auf der anderen Seite kann ein ungeübtes Individuum nur einen Bruchteil der einzelnen Duftstoffe mit einem Wort beschreiben (Myers, 2014, S. 280). Ein Kaffee, zum Beispiel, besteht aus einer Komposition von 500 verschiedenen Duftstoffen (Hagendorf, 2011, S. 155). Wie beim Kaffee werden durch den Menschen die meisten Gerüche als Gesamtwahrnehmung erfasst, die einzelnen Bestandteile können aber nicht benannt werden (Hagendorf, 2011, S. 155, 2011, S. 156). Wie bei den haptischen Sinnesmodalitäten gibt es bei den olfaktorischen Sinnesmodalitäten ebenfalls Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Hagendorf (2011) beschreibt, dass Frauen in der Regel besser riechen als Männer. Durch Rauchen wiederrum wird das Wahrnehmen von Gerüchen erschwert bzw. die Konzentration des Geruches muss höher sein, damit dieser wahrgenommen wird. Dieser Aspekt liegt ebenfalls vor, wenn ein Geruch bereits bekannt ist. Neue, unbekannte Gerüche bedürfen einer deutlich niedrigeren Konzentration um durch das Individuum wahrgenommen zu werden, wie bereits bekannte Gerüche. Der Grund dafür ist, dass die Rezeptoren in der Nase hauptsächlich auf Änderungen in der Molekülzusammensetzung reagieren. Im Regelfall dauert es circa 20 Minuten bis ein Molekül durch eine Person nicht mehr gerochen wird (Hagendorf, 2011, S. 155, 2011, S. 156, 2011, S. 157). Außerdem ist zu erwähnen, dass der Mensch in der Lage ist auch Gerüche aus weiterer Entfernung wahrzunehmen (Becker-Carus & Wendt, 2017, S. 170).

Abschließend lässt sich noch feststellen, dass Gerüche für den Menschen eine große Auswirkung auf das Gefühlserleben haben (Sokolowski, 2013, S. 71). Zum Beispiel entscheiden Gerüche über Gefühle wie Lust oder Ekel, Sympathie oder Antipathie aber auch Genuss oder Ablehnung (Hagendorf, 2011, S. 154).

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Multisensorisches Marketing und dessen Grenzen im Bereich des Online-Marketings
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
29
Katalognummer
V947186
ISBN (eBook)
9783346287793
ISBN (Buch)
9783346287809
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Professors: In Kapitel 4 hätten Sie das multisensorische Marketing und insbesondere dessen Anwendung präziser darstellen können. Eigene Reflexionen sind eher dürftig vorhanden.
Schlagworte
Multisensorisches Marketing, Marketing, Wahrnehmung, Online-Marketing
Arbeit zitieren
Madeleine Hartleff (Autor), 2020, Multisensorisches Marketing und dessen Grenzen im Bereich des Online-Marketings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947186

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