Die Rolle der Frau in der DDR-Literatur. Weibliches Schreiben in der DDR am Beispiel der Autorin Christa Wolf


Masterarbeit, 2019

114 Seiten, Note: 1,7

Maria M. (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Erkenntnissinteresse der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Historische Entwicklung
2.1 Entstehung, Aufbau und Niedergang der DDR
2.2 Politische Entwicklungen
2.2.1 Bitterfelder Weg
2.2.2 Das 11. ZK-Plenum
2.3 Kulturelle Aspekte und Entwicklungen
2.3.1 Sozialrealismus in der DDR
2.3.2 Zensur und der Fall von Wolf Biermann

3 Literatur in der DDR
3.1 Diskussion um den Literaturbegriff: Gibt es DDR-Literatur?
3.2 Die Rolle der Frau und weibliche Identitätsfindung in der DDR
3.3 Weibliches Schreiben in der DDR-Zeit
3.3.1 Bedeutende Schriftstellerinnen in der DDR
3.3.1.1 Anna Seghers
3.3.1.2 Adrienne Rich
3.3.1.3 Maxi Wander
3.4 Die weibliche Sprache
3.5 Die Schriftstellerin Christa Wolf
3.5.1 Ihre Biografie
3.5.2 Ihre wichtigsten Werke und ihre Bedeutung in der DDR
3.5.3 Kritik am DDR-Staat oder eine Fürsprecherin der DDR

4 Zwischenfazit

5 Methodische Vorgehensweise

6 Erzählung Kassandra
6.1 Antiker Mythos
6.2 Inhaltsangabe
6.3 Sprachliche und inhaltliche Besonderheiten
6.3.1 Erzählablauf
6.3.2 Motive
6.4 Einordnung der Frauenfiguren und ihre Besonderheiten vor dem gesellschaftlichen Hintergrund
6.5 Vergleich zwischen dem antiken Mythos und der Nachbearbeitung
6.6 Deutung der Werkes
6.6.1 Der Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat
6.6.2 Deutung des Werkes in Bezug auf die Reaktion aus weiblicher Sicht und die Kommunikationsfähigkeit der Frauenfiguren

7 Erzählung Medea
7.1 Antiker Mythos
7.2 Inhaltsangabe
7.3 Sprachliche und inhaltliche Besonderheiten
7.3.1 Erzählablauf
7.3.2 Das Motiv des Sündenbocks
7.4 Einordnung der Frauenfiguren und ihre Besonderheiten vor dem gesellschaftlichen Hintergrund
7.5 Vergleich zwischen dem antiken Mythos und der Nachbearbeitung
7.6 Deutung des Werkes
7.6.1 Der Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat
7.6.2 Deutung des Werkes in Bezug auf die Reaktion aus weiblicher Sicht und die Kommunikationsfähigkeit der Frauenfiguren

8 Roman Der geteilte Himmel
8.1 Inhaltsangabe
8.2 Sprachliche und inhaltliche Besonderheiten
8.2.1 Erzählablauf
8.2.2 Motive
8.3 Einordnung der Frauenfiguren und ihre Besonderheiten vor dem gesellschaftlichen Hintergrund
8.4 Deutung des Werkes
8.4.1 Darstellung des Weiblichen und des Männlichen
8.4.2 Deutung des Werkes mit Bezug auf das Konzept des weiblichen Schreibens
8.4.3 Deutung des Werkes im Kontext der sozialistisch-realistischen Literatur

9 Zusammenfassende Analyse und Vergleich der Ergebnisse

10 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Hintergrund und Erkenntnissinteresse der Arbeit

Die DDR-Zeit war nicht nur historisch bedeutend, sondern hat diverse Entwicklungen in Sphären wie Kultur und Politik nachhaltig beeinflusst. Dieser geschichtliche Abschnitt ist gekennzeichnet durch turbulente gesellschaftliche Entwicklungen, die zu politischen Spannungen führten. Die Zustände in der DDR wurden von den Bürgern als ungerecht empfundenen und jede Art der Resistenz mündete in politische Verfolgungen und ins Auferlegen einer Zensur gegen alles, was gegen die Ideen der DDR sprach.1

Vor allem in der Literatur und in den Medien standen die Schriftsteller, Journalisten und Fernsehmoderatoren plötzlich vor der Herausforderung so zu schreiben bzw. so zu berichten, dass ihre Ideen und ihre Meinung sinngerecht vermittelt werden, ohne sich dabei illegal zu machen. Die Zensur griff so weit, dass zum Beispiel nur bestimmtes Vokabular genutzt werden durfte, um in den Zeitschriften und Zeitungen gelesen oder - im schlimmsten Fall - überhaupt gedruckt zu werden. Geschichtlich hat es selten den Fall gegeben, wo die politischen Umbrüche in diesem Ausmaß in die Kultur mit Zensuren und Verboten eingegriffen haben.2

Ebenso wurde die DDR-Ära durch ein neues Konzept der Frauenvorstellung gekennzeichnet, welches sich in allen öffentlichen Bereichen bemerkbar machte. Die neue gesellschaftliche Stellung und das Verständnis der Frauenrolle führten letztendlich zu feministischen Bewegungen, die zur Findung der neuen Frauenidentität beitrugen. Einerseits wurden die Unabhängigkeit und berufliche Gleichstellung der Frau zum Staatsziel erklärt. Andererseits hat die neue gesellschaftliche Position neue Perspektiven der Frauen auf sich selbst hervorgerufen. Eine neue Bewegung der Emanzipation kam zustande, denn die Ungerechtigkeit in der Rollenverteilung (Frauen mussten neben der arbeitenden, emanzipierten Rolle gleichzeitig die Funktion der Mutter und der Hausfrau übernehmen) hat sich herauskristallisiert und wurde das Thema zahlreicher Debatten.3

In der DDR-Literatur wurde die neue Frauenbewegung zu einem kritischen Thema, denn die herrschende politische Zensur machte es besonders schwer, eine argumentierte Diskussion führen zu können. Die Schriftstellerinnen der DDR zeigen in ihren Werken nicht nur eine einseitige, offensichtliche Perspektive auf die neue weibliche Rolle, sondern reflektieren das herrschende System, ideologische Überzeugungen und die spezifischen Herausforderungen der Zeit.4 Christa Wolf galt dabei als eine der wichtigsten Vertreterinnen der DDR Literatur und die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Thematik des weiblichen Schreibens und der neuen Frauenrolle in der DDR-Literatur auseinander.

Die Frage, der dabei nachgegangen wird, dreht sich um die Darstellungen der Frauenrollen vor dem gesellschaftlichen Hintergrund in der Literatur und inwiefern diese als gesellschaftskritisch verstanden werden können. Des Weiteren soll untersucht werden, in welcher Weise die Rolle der Frau sich in der Sprache und dem literarischen Stil wiederspiegelt. Hierzu werden beispielhaft die Werke Kassandra, Medea und Der geteilte Himmel von Christa Wolf herangezogen und entsprechend der Fragestellung analysiert.

Das Werk Kassandra wurde deshalb ausgewählt, weil Christa Wolf gekonnt den Fokus auf die Frauenrolle und ihre gesellschaftliche Positionierung legt, gleichzeitig aber auch den antiken Mythos neu interpretiert. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen war Literatur ein männliches Feld: Nicht nur als Autoren, sondern auch als Protagonisten der Geschichten haben männliche Rollen dominiert. Mit Hilfe der Neuinterpretation des antiken Mythos bzw. den Darstellungen in dieser Neuinterpretation war es den Autoren (ebenfalls einigen männlichen Autoren) möglich, ein zwar fiktives, aber dennoch möglichst authentisches Szenario zu kreieren, in dem die Rollenverteilungen von Mann und Frau authentisch und realitätsnah dargestellt werden. Das Hauptziel war es dabei, den Leser auf mögliche Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und auf diese Art und Weise mit Vorurteilen und Ungerechtigkeiten aufzuräumen. Als eine Fortführung des veränderten Mythos und einer Verarbeitung der gesellschaftlichen Verhältnisse in einem neuen Schreibstil wird das Werk Medea analysiert.

Das Werk Der geteilte Himmel nimmt eine andere Perspektive auf die Frauenrolle an und zeigt sowohl aus weiblicher Protagonistinperspektive als auch aus allgemeiner Perspektive, wie Politik und Gesellschaft das Privatleben von Frauen in der DDR beeinflusst haben. In dieser Erzählung werden ebenfalls Elemente aufgegriffen, die auf die möglichen Ungerechtigkeiten in der Geschlechterrollenverteilung hinweisen und die Freiheit von Männern und Frauen in der DDR sowie die Möglichkeit, diese zu leben, behandeln. Christa Wolf hat in diesem Werk zum ersten Mal eine weibliche Perspektive eingenommen und zum Subjekt der Geschichte gemacht.

Weibliches Schreiben war zu der DDR-Zeit kein verbreitetes Thema, in dem geforscht wurde. Dennoch hat sich das Phänomen als kennzeichnend für die Zeit etablieren können. In dieser Arbeit wird ebenfalls die Darstellung der feministischen Entwicklungen mit Hinblick auf die Emanzipationsbewegung untersucht. Anhand der Analyse der drei Werke soll gezeigt werden, wie die Frauenrolle dargestellt wird und welche Sprachmittel dazu genutzt werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Um die aufgekommenen Fragen bezüglich der Frauenrolle in der DDR und des Phänomens weibliches Schreiben beantworten zu können, sowie im Anschluss Bezüge innerhalb der Literatur herzuleiten, wird die Arbeit zunächst historische Aspekte bzw. gesellschaftliche Untersuchungen thematisieren. Somit wird ein theoretisches Konstrukt für diese Analyse gebildet. Vor dem politischen und geschichtlichen Hintergrund wird die Rolle der Frau in verschiedenen Bereichen des Lebens in der DDR aufgezeigt. In dem Kapitel Historische Entwicklung werden gesellschaftliche, politische und kulturelle Probleme und Ideen vorgestellt, die zu dem neuen Frauenbild beitrugen.

In dem Teil Literatur in der DDR wird ein kurzer Überblick über die Literatur der DDR gegeben, sodass das Phänomen des weiblichen Schreibens später vor dem DDR-Genre eingeordnet werden kann. Dabei wird der Versuch unternommen, eine Definition des Phänomens weibliches Schreiben aufzustellen sowie den Begriff als solches zu diskutieren. Gibt es überhaupt weibliches Schreiben? Schließlich wird auf die Rolle der weiblichen Autorinnen in der DDR und des weiblichen Schreibens eingegangen.

Bevor die eigentliche Analyse durchgeführt wird, wird Christa Wolf als Autorin und Frau vorgestellt. Kurz werden ihre wichtigsten Werke mit ihrer Bedeutung für die DDR-Zeit veranschaulicht. Es wird diskutiert, ob Christa Wolf als Autorin den DDR-Staat kritisch betrachtet hat oder als Fürsprecherin des DDR-Regimes agierte.

Im empirischen Teil wird zunächst auf die methodische Vorgehensweise eingegangen, die für die Analyse genutzt wird. Danach werden die Werke Kassandra, Medea und Der geteilte Himmel vorgestellt, wobei die inhaltlichen und sprachlichen Besonderheiten erörtert werden. In dieser Arbeit wird nun aus der Sicht einer in der DDR-Zeit bekannten Autorin und ihrer Protagonistinnen versucht, die Parallelen zwischen der Darstellung der Frau und ihrer gesellschaftlichen Stellung in den Texten herauszuarbeiten und die neue literarische weibliche Schreibweise aufzugreifen.

Schließlich werden die Ergebnisse analysiert und miteinander verglichen. Die in den Werken vorgestellten Frauenfiguren werden mit Rücksicht auf den Zeitgeist der DDR-Ära interpretiert. Es wird ebenfalls untersucht, warum diese drei Werke wie kaum ein anderes Werk der Zeit sowohl im Osten als auch im Westen großes Aufsehen5 erregt haben. Inwieweit waren feministische Tendenzen deutlich und wie lassen sich die Geschehnisse in der Geschichte auf die gesellschaftliche und politische Lage in der DDR übertragen? Letztendlich wird untersucht, ob es zu einem Werteumbruch mit der Wirkungsweise der Werke kam.

Dabei wird die Rolle der Frau in der DDR vor dem Hintergrund der neuen Identität beleuchtet. Die fiktiven Elemente in den Werken sowie das Miteinbeziehen der politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse, auf die die Autorin zurückgegriffen hat, werden in diesem Zusammenhang ebenfalls thematisiert. Diese Elemente sowie der Bezug zur antiken Mythologie waren womöglich der einzige Weg für die Autoren, auf die Ungerechtigkeiten bezüglich der Rollenverteilungen von Mann und Frau sowie eines gescheiterten politischen Wertesystems hinzuweisen. Gleichzeitig sollten sie ein authentisches Szenario darstellen, welches in der DDR nicht als illegal galt, um veröffentlicht zu werden.

Die Arbeit endet mit einer Gegenüberstellung der aus den Texten erarbeiteten Aspekte und nimmt Bezug auf die Darstellungen der Texte in Verbindung mit jeweils themenbezogenen, interpretierenden Auseinandersetzungen in den Bereichen des weiblichen Schreibens und der Rolle der Frau in der DDR. In einem Fazit werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund des Forschungsinteresses dieser Arbeit nochmal zusammengefasst sowie die Rolle von Christa Wolf und ihrer Werke für die Literatur der DDR und die heutige Zeit manifestiert.

Theoretischer Hintergrund

2 Historische Entwicklung

In diesem Kapitel wird kurz auf die Geschichte der DDR samt der Entwicklung und den wichtigsten Stationen aufgezeichnet. Insbesondere werden Ereignisse beleuchtet, die die Kulturpolitik in der DDR stark beeinflusst haben, wie die Bitterfelder Konferenz sowie das 11 ZK-Plenum und die Ausbürgerung von dem Liedermacher Wolf Biermann. Ein besonderer Fokus wird auf die politisch bedingten Einflüsse in der Kulturpolitik der DDR gerichtet.

2.1 Entstehung, Aufbau und Niedergang der DDR

Am 8. Mai 1945 hat das Oberkommando der deutschen Wehrmacht kapituliert und der Zweite Weltkrieg hat somit sein Ende genommen. Der Nationalsozialismus hat das Land in katastrophalem Zustand gelassen: Deutschland wurde größtenteils zerstört und viele Menschen haben ihr gesamtes Vermögen verloren. Die Truppen der alliierten Siegermächte - die USA, Frankreich, Großbritannien und UdSSR (Union der sozialistischen Sowjetrepubliken)6 – nahmen Deutschland in Besitz, richteten Besatzungszonen ein und übernahmen die oberste Regierungsgewalt.7 Der Wiederaufbau des zerstörten Landes wurde zur wichtigsten Aufgabe auf der Agenda der Besatzungsmächte.

Der Gegensatz zwischen „[…] sozialistischer Planwirtschaft im stalinistischen Russland und marktwirtschaftlichem Kapitalismus im westlichen Europa […]“8 ließ zwei kontroverse Seiten der Anti-Hitler-Koalition in Deutschland aufeinanderprallen. Die Besatzungstruppen errichteten einen Rat aus einzelnen Befehlshabern, der bevollmächtigt war, in den entsprechenden Zonen eigene Gesetze zu erlassen. Auf Grund der unterschiedlichen politischen Ansichten der Sowjetunion und der anderen drei Besatzungsmächten ließ sich erahnen, dass die Sowjetunion eigene Interessen verfolgte, nämlich Etablierung eines kommunistischen Systems in Deutschland.9

Während im deutschen Osten ein Staat unter kommunistischem Regime kreiert wurde – Deutsche Demokratische Republik (DDR) -, wurde der westdeutsche Staat - Bundesrepubik Deutschland (BRD) - durch antikommunistische Bewegungen geprägt.10 Für das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit wird im Folgenden größtenteils auf die Entstehung sowie die Entwicklung der DDR eingegangen. Dieser Vorgang wird in fünf Hauptphasen eingeteilt.

Die erste Phase bezieht sich auf die Nachkriegszeit und die eigentliche Gründung der DDR in den Jahren 1949 bis 1955, als das sozialistische System eingeführt wurde. Bevor es zur eigentlichen Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 kam, wurde im Jahr 1947, geleitetvon der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), die sogenannte Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden kreiert, aus der dann im März 1948 der 1. Deutsche Volksrat resultierte. Der Volksrat, bestehend weitgehend aus Mitgliedern des westdeutschen Teils, zeigte den Wunsch nach einer deutschen Einheit und stellte in diesem Zusammenhang einen Verfassungsausschuss auf, welcher von Otto Grotewohl geführt wurde. Otto Grotewohl erarbeitete die erste Anfertigung der „Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik“, die erst ein Jahr später – 1949 - vom Volksrat offiziell genehmigt wurde. Nur wenige Monate später fanden die Wahlen zum 3. Deutschen Volkskongress statt. Als Ergebnis dieser Wahlen akzeptierten die Delegierten des Kongresses den Verfassungsentwurf und legten den 2. Deutschen Volksrat fest.

Am 7. Oktober 1949 versammelte sich der Volksrat in Ost – Berlin unter der Direktion von Wilhelm Pieck und rief sich zur vorübergehenden Volkskammer der DDR aus. In dieser Phase der DDR-Gründung wurde Otto Grotewohl wieder die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen, die Regierungsbildung zu betreuen. Die Deutsche Demokratische Republik fand ihren Anfang am selben Tag, als Wilhelm Pieck, der den Volksrat bereits geleitet hat, zum ersten Präsidenten der DDR gewählt wurde.11

Die zweite Phase umfasst den Zeitraum der Gründung von landwirtschaftlichen Genossenschaften (LPG) nach dem Prinzip der Sowjetunion. Sie wird mit der Aufstellung des Siebenjahresplanes im Oktober 1959 eingeleitet. Der Siebenjahresplan hatte als Ziel die wirtschaftliche Lage sowie das Bildungswesen in der DDR zu modernisieren. Das Umsetzen dieses Vorhabens wurde durch den Bau der Mauer zwischen dem westdeutschen und ostdeutschen Teil des Landes aufgehalten. Wieder mehr Aufmerksamkeit wurde der Modernisierungsreform im Rahmen des Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung (NÖSPL) geschenkt, womit die dritte Entwicklungsphase der DDR eingeleitet wurde.12

In dieser Phase übernahm die führende SED-Partei das stalinistische System unter Kontrolle der sowjetischen Besatzungsmacht und errichtete ein Meinungsmonopol in allen öffentlichen Bereichen wie zum Beispiel den Medien, der Kultur oder der Wirtschaft. Dies verschärfte sowohl die Spannungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland, und sorgte ebenfalls für interne Konflikte in der DDR.13

Im Jahr 1963 wirkten sich die Reformen der NÖSPL nicht nur auf das Bildungs- und Finanzsystem des Landes aus, sondern auch auf das kulturelle Leben. Im Rahmen des Kulturplenums im Jahr 1965 wurden härtere Regelungen für den kulturellen Lebensbereich eingeführt, die viele Verbote und Zensuren mit sich brachten. Das Ende dieser Phase zeichnete sich durch einen Machtwechsel in der DDR ab. Grund dafür war die eingetretene Wirtschaftskrise, für die im Politbüro des Zentralkomitees (ZK)14 der SED den Erneuerungen und dem Modernisierungsplan von Walter Ulbricht verantwortlich gemacht wurde. Anfang Mai 1971 gab Walter Ulbricht seinen Titel des Ersten Sekretärs des ZKs auf und wurde von Erich Honecker abgelöst.15

Die vierte Phase beginnt mit dem Machteintritt von Erich Honecker im Jahr 1971 und seinem neuen politischen Fokus auf die Sozialpolitik, anstatt die Modernisierung der Industrie. Dieser politische Fokuswechsel sollte jeglichen Protesten seitens des Volkes entgegenwirken und somit die DDR-Herrschaft stabil halten. Als Teil der sozialen Reformen wurden Frauen mehr Rechte am Arbeitsplatz eingeräumt, indem eine Arbeitsverkürzung sowie mehr Urlaubstage eingeführt wurden. Die politische Kontrolle über Kunst, Film und Literatur ließ jedoch nicht nach, im Gegenteil: Neue verhärtete Regelungen in der Kulturpolitik wurden erlassen. Das konnte mit dem Erlass des Gesetzes im Jahr 1974 erklärt werden, welcher gewisse Änderungen der DDR-Verfassung erlaubte, die dem SED – Politbüro mehr Macht verliehen.16

Die fünfte Phase beginnt mit einer erneuten Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und einer wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung zu Beginn der 80er Jahre, hervorgerufen durch kaum transparente und nachlässige Führung in der DDR. Des Weiteren kristallisierten sich Spannungen in der deutsch-deutschen Beziehung heraus, begleitet von Volksprotesten. Schließlich endet die Phase mit dem Kollaps der DDR am 9. November 1989, der durch die neuen Regelungen der Reiseabkommen und dem Mauerfall hervorgerufen wurde und schließlich in dem Beitritt der DDR in die Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 resultiert.17

In den nachfolgenden Kapiteln wird näher auf bestimmte Wegmarken eingegangen, welche für das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit von Relevanz sind.

2.2 Politische Entwicklungen

In diesem Teil der Arbeit soll herausgearbeitet werden, wie die Politik sich auf den Kulturbetrieb in der DDR ausgewirkt hat und welche historische Ereignisse dabei ausschlaggebend waren. Anhand dieser bedeutenden Geschehnisse wie zum Beispiel dem „Bitterfelder Weg“ oder dem „Kahlschlagplenum“ soll verfolgt werden, wie es zu Zensuren kommen konnte und wie sich diese auf die Kulturpolitik in der DDR ausgewirkt haben. Nach einer Darstellung der historisch-politischer Ereignisse wird die Perspektive der Kulturschaffenden angenommen und in dem Kapitel „Kulturelle Aspekte“ beleuchtet.

Die alleinige Macht über politische sowie gesellschaftliche Aspekte in der DDR fiel der SED-Partei zu. Zwar wurde jeder Schritt von der Sowjetunion kontrolliert, jedoch setzte sich die Staatspartei gekonnt mit Mitteln der Bürokratie und verschleierter Diktatur zu einem Herr­schaftsmonopol durch. Somit wurde keine demokratische Mitbestimmung des Volkes zugelassen.18

Die SED-Partei verfügte ebenfalls über die Mehrheit der Stimmen in der Volkskammer und hat sich somit direkt eine alleinige Herrschaftsstellung im gesamten Staats- und Verfassungssystem zugesichert. Deshalb war es kaum möglich, das vorherrschende Regierungssystem als Demokratie zu bezeichnen, eher handelte es sich um einen Pseudoparlamentarismus. Die Regierungswahlen wurden ebenfalls in einem scheindemokratischen Verfahrensprozess durchgeführt, bei dem die Menschen die SED über die Einheitslisten entweder als Staatspartei bestätigen konnten oder nicht, ohne eine andere Partei zur Wahl zu haben.19 Um das kommunistische Herrschaftssystem aufrechtzuerhalten, bediente sich die Staatspartei sowohl eigener Parteiressourcen, welche die Mitarbeit der Hauptfunktionären und Ehrenamtlichen erforderten, als auch der Instanzen des Staatsapparats (Regierung, Armee, Ver­waltung, Wirtschaft, Medien und Kultur) und Massenorganisationen, die indirekten Einfluss auf die Bevölkerung der DDR hatten.20

Ebenso machte sich die SED die Justizorgane und das Ministerium für Staatssicherheit zu Nutze, um die vorherrschende Machtposition zu sichern. Minderheiten und Gegner des herrschenden Systems wurden mit Terrormethoden der Staatssicherheit (Stasi) und der Justiz aufgehalten, während die politisch neutralen Bürger mit scheinbarem Freiraum und sozialen Verbesserungen weiterhin von einer kritische Meinungsbildung abgehalten wurden. Gleichzeitig wurden ideologische Ideen und Instrumente zum Gewinn neuer Befürworter und Anhänger eingesetzt. Vor allem in der zweiten Phase der Staatsentwicklung wurde sowohl die eigene als auch die öffentliche Meinung der DDR-Gegner und Kritiker unterdrückt.21

Obwohl die Medien und die Presse in ihrer Informationsvielfalt niedergehalten wurden, fanden sich Menschen, die sich für die freie Meinungsbildung und eine demokratische Regierungsform als die Oppositionsbewegung mobilisiert haben. Am Beispiel der BRD hat sich die Bewegung für die Freiheit in allen politischen sowie privaten Bereichen der DDR eingesetzt. Jedoch war es auf Grund der alleinigen Machtpostion und der Kontrolle der SED unmöglich, etwas zu bewirken. De Partei hat jede Veränderung ihrer Stellung in der DDR mit den bereits erwähnten Methoden niedergeschlagen.22

Die Überwachungs- und Unterdrückungsmethoden erstreckten sich also nicht nur auf das Privatleben der Bürger, sondern auch auf die Wirtschaft, Medien und vor allem auf die Kultur in der DDR. Es durften nur Sendungen ausgestrahlt oder Geschichten und Berichte gedruckt werden, die mit den politischen Grundideen der SED einhergingen. Fernsehen, Radio und Printmedien wurden strengstens überwacht und es wurde nur von positiven Ereignissen berichtet - alles andere wurde entweder verändert oder gar nicht veröffentlicht.23

Ebenso erging es den Autoren in der DDR: Mit der am 16. August 1951 vom Kulturministerium festgelegten Verordnung über die Entwicklung fortschrittlicher Literatur, sollte nun jedes Buch bevor es gedruckt wurde, von dem Amt für Literatur- und Verlagswesen überprüft werden. Was wie eine Sicherung der Qualität der literarischen Werke aussehen sollte, diente lediglich einer öffentlichen Verschleierung der Zensur in der DDR.24 Interessanterweise war sogar das Wort „Zensur“ in der DDR verboten, denn bis zum Kollaps der Staates, wurde Existieren einer Zensur bestritten.25

Der monopolistische Schriftstellerverband überwachte streng jede literarische Entstehung und Veröffentlichung und verfügte über die Macht, diese zu verbieten. Als Grund wurden oft Elemente der Tabuthemen aufgeführt, die gegen die von der SED-Partei festgelegten ideologischen Ideen standen.26 Bekannte Tabuthemen waren z.B. Kritik an Zuständen in der DDR bzw. Kritik an der SED-Partei und deren Mitgliedern, Kritik an der Sowjetunion und an dem kommunistischen System, positive Darbietung der westlichen Welt - insbesondere der BRD - sowie jegliche Themen, die den Staatsapparat (die Stasi, Armee, Polizei) berührten oder die allgemeinen Zustände in der DDR kritisierten (das Bildungssystem, Umweltzustände, Republikflucht, Arbeitslosigkeit und Kriminalität). Darüber hinaus waren Themen, die Probleme in der Bevölkerung wie Selbstmord oder Drogen- und Alkoholmissbrauch beleuchteten, verboten.27 Wollten die Autoren also veröffentlicht werden, so mussten sie sich der Zensur und somit dem politischen System beugen.

2.2.1 Bitterfelder Weg

In der zweiten Phase der Entstehung der DDR, noch vor dem Siebenjahresplan, wurden Ideen generiert, wie das Wirtschafts- sowie Bildungssystem verbessert werden konnte. So hat Walter Ulbricht bereits im Rahmen des fünften Parteitages der SED im Juli 1958 davon gesprochen, sich Kultur zunutze zu machen, um die wirtschaftliche Produktivität in der DDR zu beeinflussen.28 Kultur sollte als ein Instrument eingesetzt werden, um die Rezipienten in der DDR nach den Vorstellungen der SED-Partei zu indoktrinieren und gleichzeitig Steigerungen in der Industrieproduktion zu erzeugen.

Auf Grund des parteibedingten Meinungsmonopols und der damit verbundenen „inoffiziellen“ Zensur in den Medien und derr Kultur galt es nun, die angespannten Beziehungen zwischen Literaten und der Partei zu verändern. Die Literatur sollte die ökonomischen Entwicklungen unterstützen und dabei helfen, die Arbeiterklasse in den kulturellen Bereich zu integrieren.29

Diese Forderung sollte mit einem neuen kulturpolitischen Weg erfüllt werden. Das Idealbild der SED war in dem Glauben verankert, dass die Kultur und die Wirtschaft miteinander verklammert werden sollten, um die Produktivität in beiden Bereichen unter der Kontrolle der Partei anzuregen. So sollte gleichzeitig dem Westen Deutschlands gezeigt werden, dass Ökonomie und Kultur in ihren Grundideen und der Grundmotivation miteinander konform sein können.30

Als Plattform für das Umsetzen dieser Pläne diente die Autorenkonferenz des Mitteldeutschen Verlags in Bitterfeld,31 die am 24. April 1959 stattfand. Das neue kulturelle Programm sollte eine neue DDR-eigene kulturpolitische Bewegung repräsentieren, welche sich nicht mehr nach den Vorbildern der Sowjetunion richtete. So forderte Ulbricht weiterhin in seiner Rede die Schriftsteller dazu auf, sich in ihren Werken alltäglichen und zwischenmenschlichen Themen zu widmen,32 die die Arbeiter in der DDR sowohl zum Rezipieren als auch zum Produzieren ihrer eigenen Werke motivieren sollten.

Die Praxis der neugeschaffenen kulturpolitischen Bewegungen hat sich jedoch deutlich von den theoretischen Konzepten und Ideen der Parteimitglieder unterschieden. Schwierigkeiten mit dem Verfassen überzeugender und quaitativ hochwertiger Werke hatten sowohl die Schriftsteller als auch die Amateure, die sich in den Arbeiterreihen finden ließen. Einige Schriftsteller versuchten sich tatsächlich im Verfassen von Arbeiterromanen, doch oft blieben diese Versuche erfolglos. Die Gründe dafür lagen meistens in der mangelnden Fähigkeit, sich in die Thematik einzuarbeiten und eine echte Verbindung zu den Arbeitern sowie ihren Verhältnissen aufzubauen.33

Den Arbeitern fiel es ebenfalls nicht leicht, dem auf der Konferenz entstandenen Aufruf: „Greif zur Feder, Kumpel, die sozialistische Nationalliteratur braucht dich!“34, gerecht zu werden. Die von den Verlagen veröffentlichten Handbücher, die den Arbeitern beim Verfassen der Literaturwerke verhelfen sollten, haben zwar einige Arbeiter zum Schreiben motiviert, doch das Ergebnis war vernichtend und die von den Arbeitern verfasste Literatur geriet schnell in die Kritik.35

Ulbrichts Illusion von einer neuen kulturpolitischen Bewegung der Arbeiter war zerplatzt, denn auch der Öffentlichkeit ist die „künstlerische Ärmlichkeit und Trockenheit“36 der Werke der neuen Autoren nicht entgangen. Somit ist es der Partei nicht gelungen, eine konkurrenzfähige Alternative zu der vorherrschenden Literatur zu schaffen und viele Berufsautoren sahen keinen Sinn mehr, sich den neuen Forderungen des Bitterfelder Wegs anzupassen.37

Somit wurde die zweite Bitterfelder Konferenz am 24. und 25. April 1964 veranstaltet, in der Ulbricht zwar das Scheitern des Bitterfelder Weges einsah, jedoch hielt er an der Idee einer Kulturpolitik, die sich an den politischen Ideologien orientierte, fest. Die Grundidee des Bitterfelder Weges sollte erhalten bleiben, nur der Schreibstil sollte sich ändern. Die Thematik der Werke wurde also in ihren Vorschriften etwas gelockert, jedoch sollten inhaltliche Änderungen bei den Protagonisten und dem Erzählablauf vorgenommen werden.38 Es wurde erlaubt, dass die Protagonisten sich in den Werken mit Konflikten und Herausforderungen auseinandersetzen mussten. Sie sollten jedoch immer bewältigt werden sollten. Ein Szenario, in dem die Protagonisten nicht zum Schluss in der Heldenfigur vorzufinden waren, schien undenkbar.39

Die neu erschaffene literarische Freiheit hatte somit einen trügerischen Charakter und wurde von vielen Schriftstellern nicht begrüßt. Christa Wolf hat im Rahmen der 2. Bitterfelder Konferenz ihre Kollegen und Kolleginnen dazu aufgefordert, kritisches Denken in ihre Arbeiten einfließen zu lassen, um „gegen den Strich zu bürsten“ und den von der Partei gesetzten Vorschriften entgegenzuwirken.40

Das Scheitern des Bitterfelder Weges brachte verheerende Konsequenzen mit sich, die später im Rahmen des 11. ZK-Plenums von SED verschärft wurden. Diese Entwicklungen werden detaillierter im nächsten Kapitel beschrieben.

2.2.2 Das 11. ZK-Plenum

In der dritten Entwicklungsphase der DDR brachten die neuen Reformen von Walter Ulbricht, die im Rahmen des 11. ZK-Plenums radikalisiert wurden, verheerende Einschränkungen in der Kulturpolitik.41 Mit dem Mauerbau und den ersten Verboten zeigte die Partei deutlich, dass sowohl die Literatur und Kunst als auch das Radio und das Fernsehen mit der politischen und sozialpädagogischen Ideologie übereinstimmen mussten. Die Lage eskalierte, als das Werk von Uwe Johnson „Mutmaßungen über Jakob“ veröffentlicht wurde. Das Politbüro war sich im Klaren darüber, dass die kulturbetreibende Opposition mit allen Mitteln gestoppt werden musste, bevor es mehr Gegenstimmen aus den Reihen der Schriftsteller, Dichter und Filmproduzenten gab.42

Um diesen Entwicklungen entgegenzusteuern, arrangierte Ulbricht am 25. November 1965 ein Treffen, zu dem neben den Vorsitzenden des Staatsrates (u.a. Honecker), Vertreter der Literatur- und Filmbranche erschienen. Dieses Treffen war strategisch gewählt, denn es fand drei Wochen vor dem geplanten 11. Plenum des ZKs statt. Wenn die Vertreter des kulturellen Bereiches die wiederholt verdeutlichten Grundsätze und Ideologien der Partei weiterhin verweigerten, so bot es sich an, nur drei Wochen später dieselben Grundsätze im Rahmen eines Drohmechanismus einem größeren Publikum zu unterbreiten.43 Die intellektuellen, kritischen Stimmen der DDR konnten nicht beeinflusst werden und wurden somit nicht weniger. Nur zwei Tage später offenbarte ein SED-Bericht der Leipziger Bezirksleitung, dass bei den Schriftstellern „Zweifel an der Richtigkeit und Kontinuität der Politik der Partei der Arbeiterklasse und ideologische Schwankungen bestehen, die sich in kleinbürgerlich-anarchistischen Auffassungen zeigen.“44

Das ZK fasste im Rahmen dessen den Beschluss, das 11. Plenum komplett der Kulturpolitik der DDR zu widmen und die wirtschaftlichen Reformen erstmal nicht zu beachten. So nahmen in den drei Tagen vom 16. bis zum 18. Dezember 1965 insgesamt 180 Mitglieder und Kandidaten des SED-ZKs am 11. ZK-Plenum in Ost-Berlin teil. Darüber hinaus erschienen über 200 Gäste aus verschiedenen gesellschaftlichen Sparten, unter anderem Kultur, Bildung und Politik.45

Das Thema des Plenums war eine Überraschung, denn alle Teilnehmer waren darauf gefasst, sich wirtschaftlichen Fragen zu widmen. Stattdessen offenbarte Erich Honecker in seiner Eröffnungsrede die wahre Absicht der Plenumsabhaltung. Was sich erstmal wie ein harmloser Wunsch nach einer „vertrauensvollen, verantwortungsfreudigen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Kulturschaffenden [...]“46 und der SED-Partei anhörte, stellte sich als eine Warnung heraus, die DDR als einen sauberen „[…]Staat, in dem es unverrückbare Maßstäbe der Ethik und Moral, […] Anstand und Sitte“47 behalten sollte, und von „…nihilistische[n], ausweglose[n] und moralzersetzende[n] Philosophien in Literatur, Film, Theater, Fernsehen und in Zeitschriften“ schützen. Somit stellte Honecker klar, wie wichtig eine positive Darstellung des politischen Diskurses in der Literatur und den Medien sei. Zwar wurde eine Erwähnung der Konflikte erlaubt, jedoch durfte diese weder die Politik noch die Partei und ihre Funktionäre thematisieren.48

So wurde der Schriftsteller Stefan Heym für seine Aufsätze „Literatur in den beiden deutschen Staaten“ (1964) und „Die Langeweile von Minsk“ (1965) öffentlich angegriffen. In den Werken äußert sich Stefan Heym kritisch gegenüber den kulturpolitischen Ereignissen in der DDR, die mit Ulbrichts Machtantritt eingetreten sind.49 Die Partei versuchte die Werke mit einer Zensur zu verbieten, doch viele Schriftsteller versuchten die Veröffentlichungsverbote zu umgehen und schmuggelten ihre Bücher in den Westen.50 So war es auch hier der Fall, was das politische Regime in Wut versetzte.

Paradoxerweise äußerte sich Walter Ulbricht in seinem Schlusswort des 11. ZK-Plenums darüber, dass die Partei in keinster Weise beabsichtigte, politischen Druck auf Schriftsteller, Künstler und Journalisten auszuüben, sobald diese in ihren Werken das politische Kredo der Staatspartei integrierten.51 Die Ironie wurde deutlich an der Welle der Verbote bestimmter Filme sowie an den Entlassungen der Kulturschaffenden wie zum Beispiel den Ausschluss von Christa Wolf aus dem ZK.52 Diese Folgen bewirkten, dass das Plenum in die Geschichte unter den Namen „Kahlschlag“ einging.53 In einem Erinnerungsbericht stellt Christa Wolf fest, dass eine letzte „Hoffnung, trotz allem mit Kunst, und zwar mit kritischer Kunst, zur Veränderung [des] Gemeinwesens beizutragen, zum Scheitern verurteilt war“54. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das 11. ZK-Plenum das Ziel der Beziehungsentschärfung zwischen der Partei und den Kunstschaffenden eindeutig verfehlt hatte und sogar im Gegenteil für mehr Empörung in den Kulturkreisen sorgte.

2.3 Kulturelle Aspekte und Entwicklungen

Wie die vorherigen Kapiteln aufgezeigt haben, griff die Partei enorm mit Mitteln der autoritären Reglementierung in den kulturellen Bereich ein und erlegte Restriktionen auf die Meinungsfreiheit der Schriftsteller auf.

Die SED-Partei arbeitete stets daran, mit Hilfe von staatlichen Einrichtungen die Rahmenbedingungen der Künstler und Schriftsteller zu bestimmen. Organisationen wie der Schriftstellerverband oder die Akademie der Künste, kontrollierten somit jegliche Bereiche des kulturellen Lebens. Unterlagen die kulturellen Werke nicht der sozialistischen Doktrin, wurden Schriftsteller und Künstler mit einer Zensur auferlegt oder verhaftet.55 Im Folgenden soll erläutert werden, wie die sozialistische Doktrin sich auf das Kulturleben der DDR ausgewirkt hat.

2.3.1 Sozialrealismus in der DDR

Nach der Aufteilung des Nachkriegsdeutschlands unter den Siegermächten im Jahr 1949, unterlag der Osten des Landes dem politischen Druck der Sowjetunion. Der Kultursektor war dabei keine Ausnahme. So war es eine der Doktrinen der SED, dass „[...] das gesamte Kulturschaffen auf den Grundlagen des Marxismus-Leninismus zu beruhen habe“56. So wurde der Versuch unternommen, die DDR-Kultur in allen Facetten, angefangen bei der Entstehung bis hin zur Veröffentlichung des Werkes, zu kontrollieren.

Die im Marxismus-Leninismus verankerte Idee der staatlichen Kontrolle über die Kultur mit dem Ziel der einheitlichen politischen und kulturellen Richtung wurde zum ersten Mal im Jahr 1906 in Maxim Gorkis Roman „Die Mutter“ aufgegriffen und weiterentwickelt.57 Im Rahmen des ersten Schriftstellerkongresses der Sowjetunion im Jahr 1934 wurde eine künstlerische Strategie hervorgebracht, die sich laut dem ZK „für eine fortschrittliche deutsche Kultur“ einsetzen sollte.58 So sollten die Werke der Literatur und Kunst realitätsnah dargestellt werden, ohne von der geforderten ideologischen Perspektive abzuweichen. Der neue literarische Stil sollte somit idealerweise Literatur und Politik nicht individuell, sondern als unzertrennbare Elemente betrachten.

Wolfgang Emmerich beschreibt die neuen Funktionen der Künstler und Schriftsteller und erwähnt eine der wichtigsten Aufgaben, nämlich: „das Leben [sic!] als die objektive Wirklichkeit in ihrer revolutionären Entwicklung darstellen. Dabei muss die wahrheitsgetreue und historisch konkrete künstlerische Darstellung mit der Aufgabe verbunden werden, die werktätigen Menschen im Geiste des Sozialismus ideologisch umzuformen und zu erziehen.“59

Rüther beschreibt in seinen Ausführungen die Grundprinzipien des sozialistischen Realismus als: „die wahrheitsgetreue Darstellung der Realität, das Prinzip der sozialistischen Parteilichkeit, die Forderung nach Volksverbundenheit und Volkstümlichkeit“.60 Die Darstellung des Klassenkampfes mit dem Ausgang einer kommunistischen Zukunft ist daher als ein wesentliches Grundelement sozialistisch-realistischer Literatur anzusehen. Dabei kommt den Elementen der Volksverbundenheit und der Volkstümlichkeit eine besondere Rolle zu. Die literarischen Werke sollten für ein breites Publikum verständlich sein. Um diese Aufgabe zu erfüllen, mussten die DDR-Schriftsteller sich nicht nur inhaltlich dem politischen Wertesystem unterordnen, sondern auch stilistisch. Während frühere DDR-Werke meistens Opposition gegenüber dem Staat und der herrschenden politischen Macht manifistierten, war dieses Element in der sozial-realistischen Literatur mit den politischen Ideologien einstimmig.61 Folgende Prinzipien sollten Berufsautoren beim Schreiben der Werke beachten: Einfachheit der sprachlichen Konstellationen und Verständlichkeit, lineare Geschichtenkonstruktion, übersichtliche Erzählebenen und Angemessenheit.62 Diese werden im methodischen Teil dieser Arbeit zur Analyse der Werke kategorisch herangezogen.

Eine weitere Aufgabe wäre „die Menschen zu wahren Demokraten [zu] erziehen und ihre humanistischen Bestrebungen [sic!] [zu] fördern“.63 Ganz nach dem Beispiel der Sowjetunion sollte die DDR eine antiwestliche Agenda ebenfalls im kulturellen Sektor adaptieren. Dabei wurde die Figur eines positiven Heldes innerhalb eines literarischen Werkes als sehr wichtig empfunden. Dieser sollte als Vorbild dienen und entweder am Aufbau des sozialistischen Systems mithelfen oder, wie es in den späteren DDR-Werken der Fall ist, sollte er sich der „Bewältigung von Problemen des Individuums selbst in der Gesellschaft [sic] stellen, in welcher der Sozialismus bereits der Verwirklichung nahe erscheint“.64

Die von dem Staatsapparat vorgegebenen Regelungen für Kulturschaffende mündeten sowohl in direkte als auch in indirekte Zensur, sodass es nur zwei Optionen für Schrifsteller gab: Entweder schrieben sie systemkonforme Literaturwerke oder es wurde ihnen verboten zu schreiben bzw. ihre Werke wurden nicht veröffentlicht. Falls die Autoren ihre politische Meinung geäußert haben, drohte ihnen das Gefängnis – deshalb sahen viele DDR-Autoren die Flucht in den Westen als die einzige Möglichkeit der Zensur zu entkommen.65 Wie die Schriftsteller mit den Forderungen der SED-Partei umgegangen sind und welche Konsequenzen die Reaktionen der Kulturschaffenden mit sich brachten, soll in einem nächsten Kapitel aufgezeigt werden.

2.3.2 Zensur und der Fall von Wolf Biermann

Die neuen Regelungen des SED-Regimes führten zu unzähligen Kritikstimmen aus den Reihen der Kulturschaffenden. Dabei war die größte Zensur in der DDR-Geschichte die Ausbürgerung des Dichters Wolf Biermann. Im Rahmen des 11. ZK-Plenums wurde unter anderem Wolf Biermann in der Rede von Ulthricht angegriffen.66 Er wurde als Feind der DDR und somit auch des Sozialismus betrachtet, denn in seinen Werken behandelte Biermann Themen, die das SED-Regime nicht im besten Licht zeigten: Militär, Bau der Mauer sowie die allgemeine Richtung der SED-Partei wurden zu Gegenständen seiner Lieder und Gedichte.67

Biermann war überzeugter Marxist. Seiner Vorstellung und Überzeugung wegen, wanderte er aus Hamburg aus und machte die DDR zu seiner neuen Heimat. Dennoch war er nicht bereit, seine Ansichten denen der Partei unterzuordnen und übte öffentliche Kritik am SED-Regime aus. Dabei ging es Biermann nicht darum, die DDR zu stürzen, sondern zu verändern. Somit ließ sich der Dichter am Anfang auf jegliche Kompromisse mit dem Staat ein, behielt aber seine kritische Meinung und implementierte diese weiterhin in seine Werke.68

Die SED griff darauf zu härteren Maßnahmen und verhängte Wolf Biermann ein umfassendes Auftritts- und Publikationsverbot, unterstützt von einer öffentlichen Medienkampagne, in der der Dichter und Liedermacher als inkompetenter Staatsfeind dargestellt wurde. Somit sollte Biermann isoliert werden, um keinen Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung zu nehmen.69

Mit dem Machtwechsel im Herbst 1971, als nach Walther Ulbricht Erich Honecker zum Ersten Parteisekretär des ZK der SED wurde, hatte die kulturpolitische Doktrin mit einer scheinbaren Liberalisierung zunehmend an ideologischer Schärfe verloren. Erich Honecker sprach im Dezember 1971 die neuen Regelungen und Vorgaben für Kulturschaffende aus:

"Wenn man von der festen Position des Sozialismus ausgeht, kann es meines Erachtens auf dem Gebiet von Kunst und Literatur keine Tabus geben. Das betrifft sowohl die Fragen der inhaltlichen Gestaltung als auch des Stils [...]"70

Die neu erschaffene Künstlerfreiheit war jedoch nur als relativ zu empfinden, denn kaum wich die Grundlage des Werkes von sozialistischen Parteiideologien ab, trat die bereits bekannte Zensur ein. So konnte Biermann kaum von dem Machtwechsel profitieren, denn die ihm auferlegten Verbote der Publikationsveröffentlichungen und Auftritte wurden nicht aufgehoben.71

Nur drei Jahre später, im Jahr 1974, wurde die künstlerische Liberalisierung aufgehalten und durch eine neue Reihe von der SED-Partei auferlegten Vorschriften ganz aufgehoben. So wurden mehrere Schriftsteller und Künstler aus dem Schriftstellerverband oder aus der Akademie der Künste ausgeschlossen, wie es in dem Fall des Schriftstellers Reiner Kunze nach einer eingehender Beschattung durch die Staatssicherheit der Fall war.72 Eine Protestwelle großen Ausmaßes war die Folge, wobei auch Biermann die Vorgehensweise der Partei stark kritisierte.73

Die SED-Partei war machtlos in ihrem Einfluss. Um die kritischen Stimmen verstummen zu lassen, unternahm die Partei den Versuch, Biermann zu einer geplanten Abschiebung in den Westen zu überzeugen. Als der Dichter diese verweigerte und im Jahr 1976, eingeladen von der IG Metall, auf einem Konzert in Köln auftratt, eskalierte die Lage. Sein Konzert wurde sechs Stunden live auf ARD sowohl im Westen als auch im Osten des Landes übertragen. Nach sechs Stunden DDR-kritischer Lieder fasste das SED-Regime am 16. November 1976 den radikalen Beschluss, Biermann auszubürgern.74

Die Maßnahme sollte für andere Kulturschaffende eine Mahnung sein. Jedoch hat das SED-Regime in diesem Fall die Grenze deutlich überschritten und viele Kulturschaffende sahen sich vor die Frage gestellt, wie es mit der Kulturpolitik in der DDR weiteregehen sollte. Denn die mit dem Machtwechsel versprochene und teilweise eingetretene Liberalisierung der Kulturpolitik, war mit Biermanns Ausbürgerung deutlich zu Ende. Als Folge gab es viele Proteste seitens der Künstler und Schriftsteller, unter anderem von Christa Wolf und ihrem Eehemann, was im späteren Verlauf dieser Arbeit nochmals detailliert erklärt wird.75

In den ersten fünf Tagen nach Biermanns Ausbürgerung versammelten sich etwa einhundert Kulturschaffende zu Protesten, womit zum ersten Mal eine so starke Opposition gegenüber dem SED-Regime aus den kulturpolitischen Reihen entstand. Biermann symbolisierte die freie Meinungsäußerung im Sozialismus und mit seiner Ausbürgerung wurde eine Grenze überschritten, die vor allem viele Schriftsteller zum Handeln mobilisierte.76 Im Rahmen der Proteste versammelten sich 13 bekannte Schriftsteller, unter anderem auch Christa Wolf, und verfassten einen Protestbrief an Erich Honecker:

„Wir identifizieren uns nicht mit jedem Wort und jeder Handlung Wolf Biermanns und distanzieren uns von den Versuchen, die Vorgänge um Biermann gegen die DDR zu missbrauchen. Biermann selbst hat nie, auch nicht in Köln, Zweifel darüber gelassen, für welchen der beiden Staaten er bei aller Kritik eintritt. Wir protestieren gegen seine Ausbürgerung und bitten darum, die beschlossene Maßnahme zu überdenken.“77

Die DDR-Regierung ließ sich jedoch auf keinen Dialog ein und Biermann wurde weiterhin als Staatsfeind der DDR propagiert. In der DDR wurde der Brief der 13 Autoren niemals veröffentlicht, um keine Aufbruchsstimmung im Volk zu verbreiten. Jedoch wurde der Brief in der BRD veröffentlicht, was das politische Ansehen und die Glaubwürdigkeit des SED-Regimes in den Augen der Öffentlichkeit geschwächt hat.78

Die Zensur hat auch Christa Wolf getroffen. Ihr Werk „Nachdenken über Christa T.“ hat großes Erregen der Partei hervorgerufen. Die Protagonistin in der Erzählung offenbart ihre Perspektive auf das Leben in der DDR und somit übt Christa Wolf Kritik an dem DDR-Regime aus. Die Autorin kehrt bewusst dem Sozialrealismus den Rücken zu. Während sie zuerst nur Probleme mit der Freigabe zum Drucken hatte, wurde letztendlich die Auslieferung des Werkes verboten.79

Welche Auswirkungen die auferlegte Zensur auf Christa Wolfs Werke und Leben hatte, sowie die Bedeutung des weiblichen Schreibens in der DDR, wird im nächsten Kapitel vorgestellt und thematisch eingeordnet.

3 Literatur in der DDR

Im 2. Kapitel wurde bereits die Lage der Kulturpolitik in der DDR geschildert und es wurde deutlich, dass politisch bedingte Ereignisse Hand in Hand mit den kulturellen Entwicklungen in der DDR gingen. In diesem Kapitel wird näher auf die Kulturform der Literatur in der DDR eingegangen. Vor allem soll das Gebiet der Frauenliteratur untersucht werden, denn die zu untersuchenden Werke von Christa Wolf zählen zu dem Genre der Frauenliteratur.

Die kontrovers geführte Diskussion darüber, ob es eine spezifische Form der DDR-Literatur gibt oder nicht, wird im anschließenden Kapitel dargestellt. Darauf folgend wird die Rolle der Frau in der DDR illustriert und in den kulturpolitischen Kontext eingebettet. Die neue Identität, der sich viele Frauen in der Zeit bewusst wurden, wird in diesem Zusammenhang ebenfalls diskutiert. Dabei werden die wichtigsten Autorinnen der Zeit vorgestellt. Schließlich wird in dem Kapitel „Weibliches Schreiben“ verdeutlicht, wie die Schriftstellerinnen ihre historische Erfahrung als Objekt in einem männlich dominierten Herrschaftssystem verarbeitet haben. Dabei soll erläutert werden, welche Rolle das so genannte weibliche Schreiben in Zeiten der politischen Umbrüche gespielt hat, wobei auf die Besonderheiten der Thematik, wie zum Beispiel auf die Klischeevorstellungen zur Weiblichkeit, hingewiesen wird. Ebenfalls wird die Problematik einer einheitlichen Definition des Genres mittels aktueller Literatur referiert.

Insbesondere wird die Sprache untersucht, die das Phänomen des weiblichen Schreibens ausmacht. Das Konzept der weiblichen Ästhetik wird in diesem Zusammenhang definiert, sodass die zu untersuchenden Werke von Christa Wolf im analytischen Teil der Arbeit auf das Vorhandensein der weiblichen Ästhetik geprüft werden können. Es wird versucht, eine Annäherung an den Zusammenhang zwischen dem bestimmten Schreibstil in der DDR und der Eigenschaft des zumindest biologischen Frau-Seins herzustellen. Dabei soll untersucht werden, ob sich der spezifische Stil wirklich nur auf Grund der kollektiv erlebten historischen Ereignisse herauskristallisiert oder ob es tatsächlich eine bestimmte Frauensprache gibt, die sich in der DDR entwickelt hat. Schließlich wird auf den Sprachwandel in der DDR eingegangen, wobei die weibliche Ästhetik neben den historischen Gegebenheiten als Grundlage für die sprachlichen Entwicklungen dienen soll. Es wird versucht, typische Schreibweisen oder Textgestaltungsarten in der Frauenliteratur herauszufinden und somit ein Kategorienkonstrukt zu entwickeln, das dazu dienen soll, sich wiederholende Muster in Frauentexten aufzudecken.

3.1 Diskussion um den Literaturbegriff: Gibt es DDR-Literatur?

Angesichts der historischen Entwicklungen lässt sich feststellen, dass Literatur als eine Art Instrument für das SED-Regime agiert hat, um sowohl Propaganda zu verbreiten als auch die gesamte Essenz und das Grundgebilde der DDR zu legitimieren. Denn nach dem Beispiel der Sowjetunion wurden politisch eher wirtschaftliche und ökonomische Ziele verfolgt – eine kulturelle oder literarische Identität war in der DDR nicht vorhanden.

Den Schriftstellern in der DDR kam eine besondere Rolle zu, da sie die zentralen Akteure im Prozess der Bildung des kulturellen Bewusstseins waren. Gleichzeitig sahen sich die schreibenden Künstler als Berufsautoren und das Entstehen einer neuen Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung war eins der persönlichen Hauptziele ihrer Arbeit. Wollten die Schriftsteller neben festen Gehältern auch die Zugehörigkeit zu literarischen und kulturpolitischen Institutionen wie zum Beispiel dem Schriftstellerverband genießen, so war es in ihrem eigenen Interesse, von ihren ideologischen Überzeugungen abzutreten und der DDR-Bevölkerung durch produktives Schreiben zu dienen.80

Die Literaturtheorie der DDR war somit eng mit den politischen Ereignissen verbunden. Viele Autoren und Autorinnen befanden sich unter ständigem politischen Druck und sahen sich gezwungen, Sozialismus als die einzig wahre Ideologie zu propagieren, auch wenn es ihrer eigenen Meinung nicht entsprach. Das Dilemma lässt sich wie folgt einordnen: Unter dem Vorschein einer Demokratie wurde in der Kulturpolitik, vor allem im literarischen Bereich, das unausgesprochene Verbot der Meinungsäußerung auferlegt. Sollte es von den Schriftstellern in der DDR missachtet oder ignoriert werden, so drohten Repressionen, Zensur, Gefangenschaft oder wie es im Kapitel 2.3 „Kulturelle Aspekte“81 am Beispiel von Biermann gezeigt wurde, Ausbürgerung und Abschiebung. Im Großen und Ganzen glich die kulturpolitische Verhaltensweise des SED-Staates einer Diktatur. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es eine authentische DDR-Literatur gab, die sich trotz der Zensur dieser Literaturepoche durchgesetzt und das Genre ausgemacht hat.

In den geschilderten historischen Entwicklungen in den 60-er Jahren wurde jegliche Literatur, die kulturpolitisch oder pädagogisch nicht den Vorstellungen der SED-Partei entsprach, oder den Sozialismus anzweifelte bzw. kritisch betrachtete, entweder verboten oder nicht veröffentlicht. Dabei kritisierten die meisten Schriftsteller eher das SED-Regime und die damit herbeigeführten gesellschaftlichen Missstände und nicht die Staatsform als solche. Die DDR Kritik wurde als keine Bedrohung für das politische System gesehen, sondern als ein neutraler Widerspruch, der Reaktionen der Partei erforderte. Praktisch war das schwer umsetzbar, denn viele Werke wurden bereits mit einer Vorzensur modelliert und eingeschränkt.82

In der kurzen, aber dennoch relevanten Ära von Honecker erfuhren viele Schriftsteller einige Freiheiten in ihrem Tun, sodass die in den Jahren davor entwickelte Wahrnehmung des eigenen, literarischen Ichs zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder der Öffentlichkeit präsentieren konnte.83 Jedoch gelang es nicht, eine authentische, wahrheitsgetreue DDR-Literatur zu etablieren, denn die Liberalisierungsphase von Honecker fand schnell ihr Ende und wurde mit harten Maßnahmen wie Publikationsverbot, Drohungen, Inhaftierung oder Ausschlüssen aus wichtigen kulturellen Instanzen wie dem Schriftstellerverband, wie es in den vorherigen Kapiteln geschildert wurde, geahndet.84

Kurt Hager beschrieb in seinem Memoirwerk „Erinnerungen“ die Lage der Literatur und der Berufsschriftsteller in der DDR wie folgt: „Im Großen und Ganzen herrschte auf dem Gebiet der Kultur ein ziemliches Durcheinander“.85

Es lässt sich feststellen, dass es verschiedene Tendenzen in der DDR-Literatur gab: Einmal waren es Werke, die entweder freiwillig oder gezwungen das Leben in der DDR und die SED-Partei hochpriesen und somit den damaligen politischen Vorstellungen von literarischen Werken entsprachen. Eine andere Abzweigung war die kritische Literatur, die sich zwar nicht explizit gegen die marxistischen Ideen aussprach und sich den sozialistisch-ideologischen Vorgaben fügte, aber zugleich die Kluft zwischen der Realität in der DDR und der idealen Darstellung dieser zu überbrücken versuchte.86 Dies erfolgte meistens durch eine Offenbarung der realitätsnahen Umstände, die von den Parteidirektiven abwichen. Die Reaktion des SED-Regimes lässt sich in den historischen Ereignissen nachzeichnen – mit neuen Regelungen, Verboten und Zensur.

Viele Schriftsteller erfuhren eine neue literarische DDR-Phase in den 70-er Jahren, nach den großen Fällen von Ausweisungen und harter Zensur seitens der Partei. Um der Zensur zu entgehen und um ihre Werke drucken zu können, wendeten sich viele Autoren autobiografischen Texten zu. In solchen Werken findet man keine radikale Kritik gegenüber dem Staatsapparat, wobei die neu entwickelte oder wiedergefundene Subjektivität ebenfalls kontroverse Ansichten dem Staat gegenüber enthalten konnte.87

„Statt des Berichts, der reinen Darstellung gesellschaftlich-politischer Realität, rückt die Erzählung, die Phantasie und damit auch die Persönlichkeit des Autors wieder in den Vordergrund. […] Dabei [waren] der Generationenkonflikt oder die Auseinandersetzung mit Extremsituationen wie Krankheiten oder psychischen Krisen häufig vorkommende Themen.“88

Die thematische Hinwendung von Objektivität zur Subjektivität und die Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Welt hat nicht nur eine neue Ausrichtung der DDR-Literatur vorgegeben, sondern hat auch neue gesellschaftliche Diskurse bewirkt. Das Schreiben wurde als eine Methode der Selbstfindung angesehen und die alte Konzeption der Literatur als politisches Instrument, ist somit dem neuen therapeutischen Charakter der Literatur gewichen.

Somit ermöglichten die Schriftsteller mit ihren Werken einen literarischen Zugang für die restliche Bevölkerung, denn aufgrund der neuen Perspektive konnten Menschen ihre Erfahrungen in vergleichbaren sozialen Situationen wiederfinden.89 Eine neue Ebene der Kommunikation zwischen den Literaturschaffenden und der DDR-Bevölkerung wurde kreiert.

„Offenbar [wurde] damit ein Bedürfnis des Lesers [erfüllt], das in der DDR Tradition [sic] nicht akzeptabel war: authentische Dokumentationen, ehedem zumeist Protokolle genannt, ersetzen, was in den Zeitungen nicht zu lesen oder im beschönigenden Kontext verschüttet war. [sic!] [D]ie Selbstbeobachtungen von „Intellektuellen“ [sollten] allerdings eher gegen den Strich gelesen werden.“90

Die Sprache konnte dabei ebenfalls besondere Merkmale vorzeigen. Besonders wichtig war es, in einer authentischen, volksnahen Sprache zu schreiben, in der jede Art Eindringlichkeit weder in das Vokabular, noch in die Ausdrucksweise, mit „subtile[n] und triviale[n], literarisch[en] und alltägliche[n] Ausdrücken“91 ersetzt werden sollte. Neben literarischen Werken wurden ebenfalls andere Berichterstattungsformen von der neuen Tendenz beeinflusst. Um die neu gefundene Selbstnähe und die damit offenbarte innere Welt unverfälscht darzustellen, griffen viele Berufsautoren zu Formaten wie das des Interviews, der Tagebücher oder Dokumentationen.92

Im Laufe der DDR-Existenz arbeiteten Schriftsteller in einem hierarchisch aufgebauten System, in dem Kritik oft in sprachlichen Formen verschleiert oder metaphorisch vermittelt wurde. Das Frausein wurde in diesem Kontext neu interpretiert, sowohl im literarischen als auch im gesellschaftlichen Zusammenhang. Im nächsten Kapitel wird detaillierter auf die Rolle der Frau sowie die neue Identitätsbildung eingegangen.

3.2 Die Rolle der Frau und weibliche Identitätsfindung in der DDR

Die neuen literarischen Tendenzen sowie politische und gesellschaftliche Prozesse führten zu einer neuen Betrachtung der Rolle der Frau in der DDR. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die erste Neuidentifikation der Frauenrolle, denn durch den Mangel an männlichen Arbeitskräften wurden Frauen in die Produktionsprozesse implementiert. Somit wurde eine Teilnahme von Frauen in gesellschaftlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft und Kultur ermöglicht, auch wenn das mit spezifischen Herausforderungen verbunden war. Nichtsdestotrotz erlangten die Frauen in der DDR eine liberale, ökonomische Stellung, was sie dazu bewegte, sich selbst neu zu identifizieren, sowohl in der Gesellschaft als auch im Verhältnis zu den dominierenden Männern.93 Die Identitätsfindung ist daher eng mit gesellschaftlichen Einflüssen verbunden und ist meist an die eigene Lebensrealität gekoppelt.

Die Emanzipation der Frau wurde in der DDR zum Staatsziel erklärt und Frauen wurden stark ermutigt, einen Beruf zu ergreifen und auszuüben. Diese politisch bedingten Veränderungen verfolgten jedoch eher ökonomische Zwecke als Ziele der Gleichberechtigung – die einzige gleichberechtigende Funktion sollte am Arbeitsplatz erlangt werden, wenn es um die Ergebnisse in der Produktion ging. Wie es oft in den Nachkriegsphasen der Fall ist, werden Frauen als Arbeitskräfte in allen Bereichen eingesetzt, was eine neue Form der finanziellen Unabhängigkeit erlaubt, gleichzeitig aber auch einen trügerischen Charakter trägt, denn die idealistischen Prinzipien bedeuteten gleichzeitig das Ausnutzen der Frauen in der Arbeitswelt.94

Nicht nur wirtschaftlich und gesellschaftlich wurden Frauen in den Interessen der Partei eingesetzt, sondern auch auf politischem Level: ein Drittel aller Parteimitglieder waren weiblich. Jedoch ist es hervorzuheben, dass bereits in der DDR viele Frauen beim Aufstieg im Beruf an der Glasdecke scheiterten, denn es kam häufig vor, dass leitende Positionen in politischen und öffentlichen Institutionen zwar von Frauen besetzt wurden, jedoch nicht die Führungspositionen in der Politik oder im öffentlichen Dienst.95

Petra Dunskus beschreibt die neue Stellung der Frau in der von Sozialismus geprägten Arbeitswelt wie folgt:

„Der Mensch, der im sozialistischen Betrieb arbeitet, leistet nicht nur einen Beitrag zur Erfüllung ökonomischer, technischer oder anderer Aufgaben, sondern er verändert sich selbst, entwickelt seine Persönlichkeit. […] Auch die Frauen können ihre Fähigkeiten und Talente nur dann voll entfalten, wenn sie aktiv am gesellschaftlichen Arbeitsprozess teilnehmen. […] Den Arbeitsinhalt anzureichern und die Frauen für die Übernahme von Arbeiten mit höheren Anforderungen zu befähigen und zu gewinnen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die weitere Persönlichkeitsentwicklung vieler Frauen und eine der wesentlichsten Aufgaben im Prozeß der weiteren Festigung der gesellschaftlichen Stellung der Frau.“96

Es gehörte zur neuen Aufgabe der Frauen, das sozialistische Gesellschaftsbild zu prägen, was eine neue Sichtweise der Frauen auf sich selbst bewirkte. Da das Arbeiten gesellschaftlich als relevant für die Persönlichkeitsentwicklung angesehen wurde, haben auch die Frauen in der DDR ihre Identität neu entwickelt und definiert.97 Die neue Stellung bedeutete gleichzeitig eine höhere Belastung, denn mehrere Rollen mussten nun erfüllt werden – Mutter, Ehefrau und Arbeitskraft waren in einer Person zu vereinen und die damit kommenden Aufgaben zeichneten sich durch eine neue Qualität der Ungleichheit aus, die von dem weiblichen Teil der DDR-Bevölkerung erkannt wurden. Statistiken zufolge waren 47 Stunden Arbeit in einem durchschnittlichen DDR-Haushalt zu erwarten, von denen 40 bis 45 Stunden neben dem Beruf von den Frauen übernommen wurden. Der restliche minimale Anteil kam den Männern als Aufgabe zu.98

Somit wurde es ebenfalls politisch unterstützt, dass Frauen weiterhin die ungerechte Rollenverteilung, vor allem in der Familie, akzeptierten. Mehrere Maßnahmen zur Förderung der Familiengründung wurden sowohl auf politischer als auch auf sozialer Ebene eingeführt: Einrichtungen zur Kinderbetreuung auf täglicher Basis sowie für längere Aufenthalte, mehr Urlaubstage und verkürzte Arbeitszeiten waren nur einige davon.99 In diesem Sinne galt die sozial-politische Förderung der Frau als ein gewöhnliches Vorgehen im Sinne der Arbeiterbewegung der Deutschen Demokratischen Republik.100

Trotz der neu gewonnenen Stellung am Arbeitsplatz und der damit verbundenen ökonomischen Freiheit wurde also das weibliche Dasein in der DDR mit der Kernaufgabe der Familienplanung konfrontiert, was ebenfalls den grundlegenden Prämissen des Sozialismus entsprach. Alle DDR-Bürger sollten sich dieses Prinzip verinnerlichen, denn nur so war laut der SED-Partei ein funktionierendes, sozialistisches System möglich. Das System erlaubte keine gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften zwischen Frauen und auch keine alleinlebenden „Single“-Frauen, denn diese galten als eine Bedrohung für das sozialistische System samt ihrer Normen und Gesetze.101 Damit kann die fundamentale These des Marxismus widerlegt werden, denn trotz der Integration der Frauen in den Produktionsprozess herrschte weiterhin eine weibliche Unterordnung sowohl im beruflich-öffentlichen als auch im privaten Bereich.

Die SED-Partei bestimmte somit die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Emanzipation, in denen ein gewisses Ausmaß an weiblicher Herabstufung legitimiert wurde. Betrachtet man diese Gegebenheit vor dem historischen Hintergrund, so lässt sich im Laufe der Geschichte ständig beobachten, wie den Frauen eine untergeordnete, gesellschaftliche Rolle zugewiesen wurde, in der sie nur auf ihre reproduktive Funktion reduziert wurde. Vor diesem Hintergrund werden Frauen aus dem realen Lebenszusammenhang isoliert. Geschichtlich lässt sich ebenfalls eine vorherrschende, dominierende Rolle des Mannes manifestieren. Während Annemarie Auer den Eindruck hat, dass „[die] Natur selbst [sic!] solche Ordnung gestiftet [hat]“102, führt Sigmund Freud in seinen psychoanalytischen Auseinandersetzungen auf, dass das Männliche maßgebend für die Menschlichkeit ist, und das Weibliche eine Abweichung davon darstellt.103

Andere Theoretiker und Forscher widersprechen diesen Ansichten. Anlehnend an die Geschlechterforschung wird streng zwischen Kultur und Natur sowie dem biologischen Geschlecht (Sex) und dem Gender (Geschlechtsidentität) unterschieden. Die Ansicht, dass Weiblichkeit mit psychologischen Voraussetzungen zu begründen ist, wird mit der Gegenthese der kulturellen Konstruktion der Geschlechtsidentität widerlegt.104 Ingeborg Weber betrachtet patriarchalische Strukturen ebenfalls als ein gesellschaftlich konstruiertes Phänomen, welches wenig mit der Natur bedingten Voraussetzungen zu tun hat.105

Im nächsten Kapitel wird auf das Phänomen des weiblichen Schreibens eingegangen, vor allem wird auf die Lage der Schriftstellerinnen geschaut und wie diese die herrschenden Ungerechtigkeiten und Unterordnungen der Frauen in der DDR-Literatur thematisiert haben.

3.3 Weibliches Schreiben in der DDR-Zeit

Neben dem Vorhandensein des Genres DDR-Literatur gilt es in dieser Arbeit ebenfalls, das Phänomen des weiblichen Schreibens zu untersuchen. Das Genre soll dabei anhand theoretischer Literatur erforscht und auf tatsächliche Beständigkeit überprüft werden. Die sich verändernde Frauenrolle und die Bildung eines neuen weiblichen Bewusstseins in der DDR war nicht ganz konform mit den politisch auferlegten Regelungen. Die neue Perspektive der Frauen auf sich selbst sowie ihre gesellschaftliche Stellung, erstreckten sich ebenfalls auf den Bereich der Literatur und wurden in ihrem Wesen unterstützt.106

Die politische und ökonomischen Veränderungen sowohl innerhalb der BRD als auch in dem restlichen Europa haben zur Diskursbildung der Thematik weibliches Schreiben enorm beigetragen, während es in der DDR kaum theoretische Debatten über diese Thematik gab. Die DDR begegnete dem neuen Literaturgenre genauso, wie es in der BRD der Fall war, denn auch im Westen wurde die Rolle der Frau neu definiert und konzipiert. In den Forschungsarbeiten zu Vorstellungen einer neuen emanzipierten Frauenbewegung in der DDR äußert sich Matheja-Theaker wie folgt:

„Seit 1968 habe die Frauenbewegung in der BRD mit ihren Fragestellungen sehr auf intellektuelle Frauen in der DDR zurückgewirkt und Fragen aufgeworfen, die man sich dort noch nicht gestellt hatte. Und Wolf konstatiert, daß heute viele Frauen wirklich anders sein wollen als Männer, und sie stellten dieser Männergesellschaft Fragen, die sehr unangenehm sind und die sie sehr abwehrt.“107

Die Autorin bezieht sich auf Christa Wolf, die eine herausragende Vertreterin der DDR-Literatur ist und die den Versuch unternommen hat, das weibliche Schreiben sowie das Schreiben im Allgemeinen vor einem kritischen Hintergrund zu beleuchten. Der erste in diesem Zusammenhang auftauchende Unterschied zwischen den Frauenbewegungen in der DDR und der BRD ist die Einbindung der Schriftstellerinnen in das vorherrschende System. Die politisch und gesellschaftliche bedingten Probleme in der DDR hatten eine andere Natur als die in der BRD und wirkten sich somit unterschiedlich auf die Zustände der Frauen und ihre Gefühlslage aus. Die Emanzipationsvorstellungen von Schriftstellerinnen in der DDR differenzierten somit oft von den Annahmen der Schriftstellerinnen in Westdeutschland.108 Somit wurde das Verständnis der "feministischen Literatur" aus dem Westen bewusst abgelehnt. In diesem Zusammenhang wird Feminismus als ein Emanzipationsversuch verstanden, der in der westlichen Welt durch den Kampf der Geschlechter erreicht wird. Da in der DDR die Unterdrückung der Frauen auf ökonomischer und sozialer Ebene stattfand, wurde gefordert, diese Bereiche zu verändern und zu verbessern.109 Darin lag einer der grundlegenden Unterschiede der beiden Vorstellungen.

Oft wird in diesem Zusammenhang das weibliche Schreiben mit dem Begriff Frauenliteratur in Verbindung gebracht. Denn die in der DDR auferlegte Zensur betraf auch viele Frauen, die sich für Gleichberechtigung sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Familie einsetzten. Problematisch dabei erscheint erstmal der Begriff der Frauenliteratur, denn es wird nicht klar darauf hingedeutet, ob es sich um eine Art Literatur handelt, die von Frauen produziert wird oder Literatur, die Frauen als Hauptprotagonistinnen thematisiert.110 Des Weiteren wid der Begriff abwertend konnotiert, denn die Literatur, die Frauen als Zielgruppe hatte und weibliche Inhalte anriss, wurde "vorwiegend als Bezeichnung für systemstabilisierende Trivialliteratur für Frauen von Hedwig Courths-Mahler bis Sandra Paretti verwendet [sic!]"111

Rüdiger Bernhardt führt den Begriff „von Frauen geschriebene Texte“ ein, der zwar einen gegenständlichen Standpunkt zur Trivialliteratur darstellt, jedoch das Genre auf die Tatsache reduziert, ob das Werk von einer Frau oder von einem Mann geschrieben wurde.112 Karin Richter betrachtet diese Einteilung des Literaturgenres nach der Autorenschaft und der Rezipientengruppe kritisch:

"Bei einer anderen Fassung des Begriffes müssten wir schon bald von Männerliteratur sprechen und unterschiedliche Mischformen 'erfinden', die das Geschlecht der Schöpfer von Kunstwelten ausdrücken und Nuancierungen der Thematik erfassen - ein Weg der mir wenig sinnvoll scheint."113

Die Kritik ist berechtigt, denn anstatt sich auf den Stil und den Inhalt zu konzentrieren, um herauszufinden, ob Frauen anders schreiben und ob es ein weibliches Schreiben gibt, widmen sich die Forscher der eindimensionalen Frage nach dem Geschlecht des Verfassers.

Vor dem Hintergrund der Problematik der Genredefinition waren sich jedoch die Künstlerinnen in der DDR einer Sache sicher: die Rolle der Frau in der Literatur sollte sich verändern. Der literarische Fokus sollte auf neue Erzählformen gelegt werden. Endlich sollten Frauen zum einen als Subjekte in den literarischen Werken vorkommen, zum anderen sollten sowohl ihre literarische als auch private Darstellung von jeglicher männlicher Einmischung frei sein. Frauen waren im Stande, eigene Perspektiven und Vorstellungen sowohl auf sich selbst als auch auf ihre Umgebung zu formulieren und sie lösten sich von den männlichen Vorstellungen los. Somit wurde das neue Frauenbewusstsein sowohl in der Gesellschaft als auch in der Literatur etabliert.114

3.3.1 Bedeutende Schriftstellerinnen in der DDR

In der ersten Nachkriegsphase der DDR, als Deutschland neu aufgeteilt war und wieder aufgebaut werden sollte, spielten die Schriftstellerinnen eine bedeutende Rolle. Im Zentrum des öffentlichen Interesses stand dabei in keinster Weise das Geschlecht, sondern die Funktion der Kultur als ein wiederaufbauendes Element aller anderen Lebenssphären.115

Wie bereits in den vorherigen Kapiteln beschrieben, wurden in der DDR umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um die Frauenstellung in allen Sphären zu verbessern und zu verändern. Während die weiblichen Autorinnen sich dem Wiederaufbau des Landes gewidmet haben, wurde der Eindruck erweckt, das Land engagiert sich ebenfalls für eine faire und gleichberechtigte Position der Frau. Die Gleichberechtigung und eine emanzipierende Gleichstellung in der Gesellschaft waren dabei niemals das wahre Ziel dieser Maßnahmen. Zwar wurde diese Ungerechtigkeit in der Gesellschaft entschlüsselt, doch es wurde keine (Frauen-) Gegenbewegung gebildet. Die öffentliche Annahme betrachtete die Frauenrolle im unmittelbaren Zusammenhang zu den von ihnen wirtschaftlich erzeugten Ergebnissen. Somit wurde der Wunsch nach einer emanzipierenden Ausdrucks- und Lebensweise nicht per se mit Frauen als Hauptakteuren verstanden. Viel mehr galt die Idee der emanzipierenden, gesellschaftlichen Stellung für Männer und Frauen gleich und wurde als ein Aspekt des geschlechtsneutralen Klassenkampfes in der DDR betrachtet.116 Kultur und vor allem Literatur figurierten folglich Foren für Debatten über die Rolle der Frau in der Literatur, in der Gesellschaft und in der DDR.

Das Interesse der Öffentlichkeit sowohl an der Definition als auch an der Handlung der Frauenliteratur wurde erweckt und das Thema wurde ebenfalls in wissenschaftlichen Kreisen angesprochen. Hauptsächlich wird der theoretische Kontext der Frauenliteratur im Rahmen der wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema der DDR-Literatur aufgegriffen.117 Im Folgenden werden nationale aber auch internationale Frauen in der Literatur vorgestellt, die mit ihren Werken und ihren Einstellungen die DDR-Ära mit den Formen des neuen weiblichen Schreibens geprägt haben.

3.3.1.1 Anna Seghers

Anna Seghers spielte die führende Rolle in der ersten und zweiten Phase der DDR-Gründung und Entwicklung. Mit ihren literarischen Werken, die als Klassiker dieser Ära typisiert werden, beeinflusste sie sowohl den gesellschaftlichen als auch den politischen Wiederaufbau der DDR. Ihre Vorstellung von Emanzipation entsprach jedoch den Vorstellungen der Partei. Mit ihrer Literatur wollte sie die Frauen dazu motivieren, sich in der Arbeitswelt einzubringen und somit zum Wiederaufbau der DDR sowie des neuen gesellschaftlichen Systems beizutragen und geichzeitig dieselben Aufgaben zu übernehmen wie die Männer. Die Autorin richtete ihre Romane streng nach den Vorstellungen des sozialistischen Realismus im Sinne der Partei aus.118 Im Rahmen der politischen Agenda der neu gegründeten DDR wurde Schriftstellern und Künstlern die Aufgabe zugewiesen, das sozialistische System zu fördern.

In der BRD wurde Anna Seghers als eine Marionette der Partei angesehen. Ihre Romane galten als primitiv, gleichzeitig diente sie jedoch als ein Symbol des kommunistischen und antifaschistischen Ostdeutschlands. Das ist ebenfalls auf den biografischen Hintergrund der Autorin zurückzuführen: Während des Zweiten Weltkrieges flüchtete sie ins Exil nach Mexiko, was sich stark in ihren Romanen widerspiegelt.119 Eins ihrer bekannten Werke, welches sich gegen das Naziregime richtet und die Vergangenheit der Autorin aufgreift, ist „Das Siebte Kreuz“.120 Anna Seghers ebnete den literarischen Weg für eine differenzierte Sichtweise der weiblichen Schriftstellerinnen, die sich kritisch mit dem Sozialrealismus und den Vorgehensweisen der Partei im Bereich der Kulturpolitik auseinandersetzen. Eine wichtige Figur dieser dritten Phase der DDR war Christa Wolf. Auf ihre Biografie sowie ihre Rolle in der DDR-Literatur wird eigens eingegangen, da das Erkentnissinteresse dieser Arbeit sich auf Wolfs Werke konzentriert und ihr somit eine besondere Rolle zukommt.

3.3.1.2 Adrienne Rich

Adrienne Rich war in den USA geboren und wurde in den 60-er Jahren für ihre politisch-feministischen Gedichte bekannt. Sie galt als „an activist, strongly committed to the use of poetry as an instrument of social change”.121 Gekonnt setzte sie sich in ihren Gedichten gegen das Ausmaß politischer Macht in private Bereiche ein. Ihr Hauptkritikpunkt dabei war, dass die Politik sich vor allem in das Tun der Schriftsteller enorm einmischt und somit die Idee der freien Meinungsäußerung stark einschränkt. Gleichzeitig sah die Dichterin Politik als ein Mittel an, mit welchem gesellschaftliche Veränderungen zum Positiven verändert werden sollten. Mit ihren Ansichten stand sie vor einem Dilemma, das sie mit einer Aufteilung der sozialen Rollen löste. „Das Durchbrechen der geistigen Barriere zwischen privatem und öffentlichen Leben fühlte sich bereits wie ein enormer Schritt auf dem Weg zur Befreiung an [sic!]“.122

Rich greift somit die Idee auf, dass Menschen verschiedene Identitätsrollen ausfüllen konnten – so verstand sie sich sowohl als schreibende Frau als auch nur als Frau. In ihrer Dichtung lassen sich die beiden Identitäten widerspiegeln. Mit diesen Perspektiven diente die Dichterin als Vorbild für viele Frauen in Europa, unter anderem auch in der DDR, vorausgesetzt der Zugang zu ihren Werken war gegeben.123

Mit den Geschehnissen in den 60-er Jahren, als die Thematisierung der politischen und gesellschaftlichen Zustände in der internationalen Literatur ‚geduldet‘ wurde, gelingt es der Dichterin, den Widerspruch zwischen den beiden Identitäten zu beseitigen. So beschäftigt sich Rich mit den offensichtlichen Ungleichheiten zwischen der gesellschaftlichen Stellung von Frauen und Männern und erkennt, dass das Frausein viele verschiedene Identitäten in sich vereinen kann.124 In ihren Werken wendet sie sich ‚weiblichen Schreibattributen‘ zu, die ebenfalls zu der Zeit in der DDR figuriert haben, zum Beispiel der Einsatz von Frauen als Subjekt der literarischen Werke. Die Dichterin zitiert ihre Erfahrungen wie folgt:

„Aber es setzte eine ungeheure Energie in mir wie in vielen anderen Frauen frei, dass diese Art zu Schreiben von einer wachsenden politischen Gemeinschaft bestärkt und befestigt wurde. Ich spürte zum ersten Mal, dass sich die Kluft zwischen der Dichterin und der Frau schloss.“125

Adrienne Rich war somit die Vorreiterin, was später in der DDR als weiblicher Schreibstil diskutiert wurde. Sie fordert ein frauenspezifisches Literaturgenre, in dem Frauen sowohl als Subjekte der Romane als auch als Schaffende der Romane auftreten. Darüber hinaus war es ihrer Meinung nach legitim, dass es Frauen erlaubt sein sollte, ihre Erfahrungen und Ansichten, auch wenn diese einen kritischen Stand gegenüber der Kultur, Politik oder Gesellschaft annahmen, in ihren Werken zu thematisieren. Gleichzeitig sollten Schriftstellerinnen im historischen, sozialen und politischen Kontext betrachtet werden. Diese Ansichten werden bei der Deutung der Werke berücksichtigt.

3.3.1.3 Maxi Wander

Die gebürtige Österreicherin, die die DDR zu ihrer zweiten Heimat machte, ergänzte das Genre der Frauenliteratur mit dem neu definierten Gebrauch vom Kassettenrecorder. Mit ihren Aufzeichnungen „Guten Morgen, du Schöne“, in denen Gesprächsprotokolle von Frauen in der DDR aufgenommen wurden, sorgte sie für eine Furore sowohl in der DDR als auch in der BRD.126 Im Rahmen dieser neuen Form der Berichterstattung ermöglichte Maxi Wander einen Einblick in die subjektive Realität der Frauen in der DDR. Es wurden 19 Geschichten von unterschiedlichen Frauen aufgezeichnet und später auch in einem Buch verfasst. Als Wander ein sehr authentisches Bild der Lage der Frauen in der DDR aufzeichnete, war es überraschend, dass nur einen Monat vor Biermanns Ausbürgerung, ihr auf den Aufzeichnungen basierendes Buch „Guten Morgen, du Schöne. Geständnisse auf Tonband“, die Zensur überstanden hat und veröffentlich wurde.127 Maxi Wander zählt zu den einflussreichsten, weiblichen Schriftstellerinnen in der DDR, wobei sie sich selbst niemals als Journalistin oder Schriftstellerin ansah, sondern als eine Frau, die die Meinung eines Volkes verkörpert.128

Die Definition der eigentlichen Identität als eine Frau aus dem Volk, die sich für die Rechte und Gerechtigkeit einer Nation einsetzt, rief einen neuen Trend in der DDR-Frauenliteratur hervor. Viele Schriftstellerinnen kehrten dem literarischen Format des Romans den Rücken und fokussierten sich auf das Verfassen von Erzählungen. Ganz im Sinne des weiblichen Schreibens, waren die Protagonistinnen weiblich und es wurde von ihrem Alltag und ihrem Privatleben in der DDR berichtet. Dabei scheuten sich Autorinnen wie Christa Müller oder Rosemarie Fret nicht davor, in ihren Erzählungen gesellschaftliche Probleme miteinzubeziehen und zu beschreiben.129

Diese herausragenden Schriftstellerinnen haben in verschiedenen Phasen der DDR ihren Einfluss in die Entwicklung der Literatur eingebracht und beteiligten sich enorm an der Darstellung der realen Zustände in der DDR, die sie mal offen, mal unterschwellig aus ihrem eigenen Standpunkt heraus kritisch beleuchteten. Sowohl männliche als auch weibliche Schriftsteller in der DDR schrieben ihre Werke in einem engen Kontext der Geschichte und der Politik des östlichen Deutschlands. Somit bleibt der Begriff der Frauenliteratur problematisch, denn das kollektive Erlebnis der Erstellung der Werke, die unter die Zensur fielen, war kein rein weibliches Phänomen. In diesem Zusammenhang bietet es sich eher an, von einem weiblichen Schreibstil zu sprechen. Wie sich dieser auf sprachlicher Ebene herauskristallisiert, wird in den nächsten Kapiteln betrachtet.

[...]


1 Vgl. Vanhelleputte, Michel (1992 ): Christa Wolf in feministischer Sicht. In: Europäische Hochschulschriften; Reihe I, Bd./Vol. 1301; Peter Lang, Frankfurt am Main, S. 14.

2 Vgl. Barck, Simone / Mühlberg, Dietrich (2005): Arbeiter-Bilder und Klasseninszenierung in der DDR. Zur Geschichte einer ambivalenten Beziehung. In: Peter Hübner / Christoph Kleßmann / Klaus Tenfelde (Hg.): Arbeiter im Staatsozialismus. Ideologischer Anspruch und soziale Wirklichkeit. Köln / Weimar / Wien: Böhlau, S. 19.

3 Vgl. Matheja-Theaker, Mechthild (1996): Alternative Emanzipationsvorstellungen in der DDR-Frauenliteratur (1971 – 1989). Ein Diskussionsbeitrag zur Situation der Frau. Verlag Hans-Dieter Heinz: Stuttgart, S. XX.

4 Vgl. Nave-Herz, Rosemarie (1984): Familiäre Veränderungen seit 1950 – eine empirische Studie – Abschlußbericht/Teil 1. Oldenburg: Institut für Soziologie, S. 37.

5 Vgl. Reso, Martin (1965): ´Der geteilte Himmel´ und seine Kritiker. Dokumentation mit einem Nachwort des Herausgebers. Halle: Mitteldeutscher Verlag, S. 24 ff.

6 Im Folgenden wird anstelle von UdSSR der Begriff Sowjetunion verwendet.

7 Vgl. Informationen zur politischen Bildung (2005), Kontraste- auf den Spuren einer Diktatur, [online]: http://www.bpb.de/themen/L7VQ8J,0,0,Kontraste_Auf_den_Spuren_einer_Diktatur.html (Letzter Zugriff: 21.01.2019), S. 4.

8 Hobsbawm, Eric (1994): Das Zeitalter der Extreme, Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Wien: Verlag, S. 8.

9 Vgl. Benz, Wolfgang (2009): Auftrag Demokratie. Die Gründungsgeschichte der Bundesrepublik und die Entstehung der DDR 1945-1949. Metropol-Verlag: Berlin, S. 528.

10 Vgl. Hobsbawm, Eric (1994), S. 8.

11 Vgl. Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen (1985): DDR Handbuch. Verlag Wissenschaft und Politik: Köln, S. 978 ff.

12 Vgl. Informationen zur politischen Bildung (2005), S. 19 ff.

13 Vgl. Heitmeyer, Wilhelm (2009): Deutsch-Deutsche Zustände. 20 Jahre nach dem Mauerfall. In: Ders. (Hg.): Literatur zur deutschen Wiedervereinigung, bpb-Schriftenreihe, Band 780, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 329.

14 Im Folgenden ZK genannt.

15 Vgl. ebd., S. 37 ff.

16 Vgl. ebd., S. 49 ff.

17 Vgl. Judt, Matthias (1998): Deutschlands doppelte Vergangenheit. In: Ders. (Hg.): DDR-Geschichte in Dokumenten: Beschlüsse, Berichte, interne Materialien und Alltagszeugnisse. Berlin: Schriftenreihe der Bundeszentrale für Politische Bildung, S. 9 ff.

18 Vgl. Heydemann, Günther (2003): Die Innenpolitik der DDR (Enzyklopädie deutscher Geschichte 66). München: Oldenbourg, S. 70.

19 Vgl. ebd., S. 71.

20 Vgl. Weber, Hermann (2011): Die DDR 1945 bis 1990, 5. Aufl. München: Oldenbourg, S. 372 f.

21 Vgl. ebd., S. 374 ff.

22 Vgl. Knabe, Hubertus (1999): Samisdat - Gegenöffentlichkeit in den 80er Jahren. In: Eberhard, Kuhrt (Hg.): Opposition in der DDR von den 70er Jahren bis zum Zusammenbruch der SED- Herrschaft. Am Ende des sozialen Sozialismus. Band 3. Opladen: Leske + Budrich Verlag, S. 299 ff.

23 Vgl. Kowalczuk, Ilko-Sascha (2002): Von „aktuell“ bis „Zwischenruf“. Politischer Samisdat in der DDR. In: Ders. (Hg.): Freiheit und Öffentlichkeit. Politischer Samisdat in der DDR 1985-1989. Berlin: Havemann Verlag, S. 27 ff.

24 Vgl. Schubbe, Elimar (1972): Dokumente zur Kunst-, Literatur- und Kulturpolitik der SED. Stuttgart: Seewald Verlag, S. 203.

25 Vgl. Jäger, Manfred (1993): Das Wechselspiel von Selbstzensur und Literaturlenkung in der DDR. In: Ernst Wichner / Herbert Wiesner (Hg.): Literaturentwicklungsprozesse. Die Zensur der Literatur in der DDR. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 18.

26 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2005)

27 Vgl. Zipser, Richard (1995): Fragebogen: Zensur. Zur Literatur vor und nach dem Ende der DDR. Leipzig: Reclam, S. 19 f.

28 Vgl. Groth, Joachim-Rüdiger (1987): Partei, Staat und Literatur in der DDR – Grundlagen, Interpretationen und Hinweise für den Unterricht. In: Rüther, Günther. (Hg.): Kulturbetrieb und Literatur in der DDR. Köln: Wissenschft und Politik, S. 67.

29 Vgl. ebd., S. 68.

30 Vgl. Groth, Joachim-Rüdiger (1987), S. 68.

31 Im weiteren Verlauf der Arbeit wird die Autorenkonferenz als „Bitterfelder Weg“ bezeichnet.

32 Vgl. Rüther, Günther (1991): „Greif zur Feder, Kumpel“. Schriftsteller, Literatur und Politik in der DDR 1949 – 1990. Düsseldorf: Droste Verlag, S. 88.

33 Vgl. ebd., S. 90.

34 Ebd., S. 86.

35 Vgl. ebd., S. 88 f.

36 Vgl. Rüther, Günther (1991), S. 89.

37 Vgl. ebd., S. 88.

38 Vgl. ebd., S. 90.

39 Vgl. ebd.

40 Vgl. ebd., S. 93.

41 Vgl. Mittenzwei, Werner (2001): Die Intellektuellen. Literatur und Politik in Ostdeutschland von 1945 bis 2000. Leipzig: Faber & Faber, S. 282.

42 Vgl. Jäger, Manfred (1993), Das Wechselspiel von Selbstzensur und Literaturlenkung in der DDR. In: Ernst Wichner / Herbert Wiesner (Hg.): Literaturentwicklungsprozesse. Die Zensur der Literatur in der DDR. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, S. 22 ff.

43 Vgl. Groth, Joachim-Rüdiger (1987), S. 67.

44 Ebd., S. 81.

45 Vgl. ebd.

46 Agde, Günter (1991): Kahlschlag. Das 11. Plenum des ZK der SED 1965. Studien und Dokumente. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag, S. 239.

47 Agde, Günter (1991), S. 241.

48 Vgl. ebd., S. 243 f.

49 Vgl. Groth, Joachim-Rüdiger (1987), S. 79.

50 Vgl. Kocka, Jürgen (1994): Eine durchherrschte Gesellschaft. In: Harmut Kaelble / Jürgen Kocka / Harmut Zwahr (Hg.): Sozialgeschichte der DDR. Stuttgart: Klett-Cotta /J. G. Cotta'sche Buchhandlung,, S. 547 ff.

51 Vgl. Groth, Joachim-Rüdiger (1987), S. 83.

52 Vgl. ebd., S. 84.

53 Vgl. Agde, Günter (1991), S. 347 f.

54 Groth, Joachim-Rüdiger (1987), S. 255.

55 Vgl. Schubbe, Elimar (1972), S. 86 ff.

56 Hilzinger, Sonja (1986): Christa Wolf. Sammlung Mezler, Realien zur Literatur. Band 224, Stuttgart: Metzler, S.16.

57 Vgl. Rüther, Günther (1991), S. 47 ff.

58 Schubbe, Elimar (1972), S. 103 ff.

59 Emmerich, Wolfgang (1996): Kleine Literaturgeschichte der DDR. Leipzig: Kiepenheuer, S. 119.

60 Rüther, Günther (1991), S. 49.

61 Vgl. ebd., S. 54 .

62 Vgl. Blumensath Heinz / Christel Uebach (1977): Einführung in die Literaturgeschichte der DDR. Ein Unterrichtsmodell. Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung und Carl Ernst Poeschl Verlag GmbH, S. 98.

63 Vgl. Schubbe, Elimar (1972), S. 106 f.

64 Blumensath, Heinz / Christel, Uebach (1977), S. 29.

65 Vgl. Kowalczuk, Ilko-Sascha (2002), S.29 ff.

66 Vgl. Agde, Günther (1991), S. XX.

67 Vgl. Kunze, Reiner (1990): Deckname Lyrik – Geschichte einer Stasiobservation. Berlin: FISCHER Taschenbuch, S. 14 f.

68 Vgl. Müller-Enbergs, Helmut et al. (2006): Wer war wer in der DDR? In: Ein Lexikon ostdeutscher Biographien. Bd 1 A – L und Band 2 M – Z. Berlin: Ch. Links Verlag, S.92.

69 Vgl. Pleitgen, Fritz (2001): Wolf Biermann und andere Autoren. Die Ausbürgerung. Anfang vom Ende der DDR. München: Ullstein, S. 69 ff.

70 Rüß, Gisela (1976): Dokumente zur Kunst-. Literatur- und Kulturpolitik der SED 1971 – 74. Stuttgart: Seewald Verlag, S.287.

71 Vgl. ebd., S. 303.

72 Vgl. Keller, Dietmar / Kirchner, Matthias (1991): Biermann und kein Ende – eine Dokumentation zur DDR-Kulturpolitik. Berlin: Verlag, S. 69 f.

73 Vgl. ebd., S. 74 f.

74 Vgl. Pleitgen, Fritz (2001), S. 45.

75 Pleitgen, Fritz (2001), S. 48 ff.

76 Vgl. Rüther, Günther (1991), S. 181.

77 Helwig, Giesela (1986): Die DDR-Gesellschaft im Spiegel ihrer Literatur. Köln: Wissenschaft und Politik, S. 12.

78 Vgl. Mytze, Andreas W. (1977): Ottwalt. Leben und Werk des vergessenen revolutionären deutschen Schriftstellers. Berlin: Verl. Europ. Ideen, S. 11.

79 Vgl. Greiner, Bernhard (1974): Von der Allegorie zur Idylle: Die Literatur der Arbeitswelt in der DDR. Quelle & Meyer, Heidelberg, S.59 f.

80 Vgl. Emmerich, Wolfgang (1996), S. 56 ff.

81 Vgl. Kapitel 2.3 „Kulturelle Aspekte“, S. 17 ff.

82 Vgl. Emmerich, Wolfgang (1981): Kleine Literaturgeschichte der DDR. Sammlung Luchterhand. Darmstadt/Neuwied: Luchterhand, S. 84 f.

83 Vgl. Groth, Joachim-Rüdiger (1994): Widersprüche – Literatur und Politik in der DDR 1949-1989. Zusammenhänge – Werke – Dokumente. Frankfurt am Main: Lang, S. 55.

84 Vgl. Kapitel 2.3 „Kulturelle Aspekte“, S. 14.

85 Hager, Kurt (1996): Erinnerungen. Leipzig: Faber& Faber, S. 346.

86 Vgl. Barck, Simone / Mühlberg, Dietrich (2005), S. 173.

87 Vgl. Mittenzwei, Werner (2003): Die Intellektuellen. Literatur und Politik in Ostdeutschland 1945 bis 2000. Berlin: Aufbau Taschenbuch, S. 168.

88 Rospleszcz, Christian (1999): Der Literaturführer 1945 bis 1998. Autoren und ihre Bücher. 1. Sonderausgabe. Gütersloh/München: Bertelsmann, S. 72.

89 Vgl. ebd., S. 74.

90 Kreuzer, Helmut (1991): Mittel- und osteuropäische Literatur im Wandel. In: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik. Eine Zeitschrift der Universität Gesamthochschule Siegen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, Heft 82, S. 11.

91 Ebd., S. 53.

92 Vgl. Emmerich, Wolfgang (1981), S.64 f.

93 Vgl. Statkova, Susanne (1974): Die Frau im Sozialismus. Informationen, Fakten, Zahlen über die Gleichberechtigung in der DDR. Berlin: Panorama, S. 16 f.

94 Vgl. ebd., S. 17.

95 Vgl. Sudau, Christel (1978): Women in the GDR. In: New German Critique 13, S. 69 ff.

96 Dunskus, Petra et al. (1978), Zur Verwirklichung des Rechts auf Arbeit für die Frauen. In: Kuhrig, Petra / Speigner, Wulfram (Hg.): Zur gesellschaftlichen Stellung der Frau in der DDR. Leipzig: Verlag für die Frau, S. 85 f.

97 Vgl. ebd., S. 86 ff.

98 Vgl. Schröter, Ursula / Ullrich, Renate (2004): Patriarchat im Sozialismus? Nachträgliche Entdeckungen in Forschungsergebnissen aus der DDR. Berlin: Karl Dietz Verlag, S. 65.

99 Vgl. Statkova, Susanne (1974), S. 34.

100 Vgl. Koller, Doris (1998): Biographisches Schreiben und Selbstreflexion. Frauen der Romantik in Lebensbeschreibungen von Schriftstellerinnen der DDR. Regensburg: Universitätsverlag, S. 10 ff.

101 Vgl. Sudau, Christel (1978), S. 78 ff.

102 Auer, Annemarie (1975): Mythen und Möglichkeiten. In: Edith Anderson (Hg.): Blitz aus heiterem Himmel. Rostock: Hinstorrf Verlag, S. 239.

103 Vgl. Freud, Sigmund (1972): Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechterunterschieds. Frankfurt am Main: Fischer, S. 254 f.

104 Vgl. Arbeitsgruppe „Gender“ (2004), S. 251 ff.

105 Vgl. Weber, Ingeborg (1994): Poststrukturalismus und écriture féminine. Von der Entzauberung der Aufklärung. In: Ders.: (Hg.): Weiblichkeit und weibliches Schreiben. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft,, S. 16 f.

106 Vgl. Mathea-Theaker, Mechthild (1996), S. 90 ff.

107 Ebd., S. 92.

108 Vgl. Behn, Manfred (1977): DDR-Literatur in der Bundesrepublik Deutschland. Die Rezeption der epischen DDR-Literatur in der BRD 1961-1975. Hain: Meisenheim am Glan, S. 164.

109 Vgl. ebd., S. 167 ff.

110 Vgl. Richter, Karin (1991): Aspekte ‚weiblichen Schreibens‘ in der DDR-Literatur der siebziger und achtziger Jahre. In: Rüdiger Bernhard (Hg.): Gibt es weibliches Schreiben? Schriftstellerinnen in Schweden und der DDR. Ergebnisse einer Konferenz (1989). Halle: Publikation der Martin-Luther-Universität Halle Wittenburg, S. 62.

111 Gürtler, Christa (1983); Schreiben Frauen anders? Untersuchungen zu Ingeborg Bachmann und Barbara Frischmuth. Stuttgart: Heinz, S. 35.

112 Vgl. Bernhardt, Rüdiger (1991): Die Literatur nimmt sich…gerade der Unruhigen an“. Kontinuität und Diskontinuität im Schaffen Christa Wolfs. In: Dersl: Gibt es weibliches Schreiben? Schriftstellerinnen in Schweden und der DDR. Ergebnisse einer Konferenz (1989), Halle: Publikation der Martin-Luther-Universität Halle Wittenburg, S. 6 f.

113 Richter, Karin (1991), S. 65.

114 Vgl. Gürtler, Christa (1983), S. 56.

115 Vgl. Herminghouse, Patricia (1999): Schreiben in gewendeten Verhältnissen: Ostdeutsche Autorinnen in historischer Sicht. In: Gnüg, Hiltrud / Möhrmann, Renate (Hg.): Frauen Literatur Geschichte. Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. J.B. Metzler: Stuttgart, S. 778 f.

116 Vgl. Klatt, Gudrun (1986): Frauenschicksale in den Klassenkämpfen der Gegenwart. Christiane Barckhausen. Schwestern. Tonbandprotokolle aus sechs Ländern. In: Siegfried Rönisch (Hg.): DDR Literatur ’85 im Gespräch. Berlin, Weimar: Aufbau-Verlag, S. 85 f.

117 Vgl. Herminghouse, Patricia (1999), S. 784 f.

118 Vgl. Stephan, Alexander (1997): Anna Seghers. Das Siebte Kreuz. Welt und Wirkung eines Romans. Berlin: Aufbau Verlag, S. 9.

119 Vgl. Elsner, Ursula (1999): Anna Seghers. Das Siebte Kreuz. München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, S.27.

120 Vgl. ebd.

121 Gilbert, Roger (1997): Framing Water: Historical Knowledge in Elizabeth Bishop and Adrienne Rich. In: Twentieth Century Literature . Vol. 43, Nr. 2, Duke University Press, S. 144.

122 Rich, Adrienne (1990): „Blut, Brot und Dichtung – der Standort der Dichterin“ In: Rich, Adrienne / Bechtolsheim, Barbara (von). Um die Freiheit schreiben. Beiträge zur Frauenbewegung. Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 94.

123 Vgl. ebd., S. 94 ff.

124 Vgl. ebd., S. 94.

125 Rich, Adrienne (1990), S. 95.

126 Vgl. Auer, Annemarie (1977): Gegenerinnerung. Christa Wolf: Kindheitsmuster. In: Sinn und Form 4, S. 850.

127 Vgl. Emmerich, Wolfgang (1996), S. 290.

128 Vgl. Wander, Maxie (1968): Martine. In: Das Magazin 6,, S. 31 ff.

129 Vgl. Möhrmann, Renate (1982), S. 114.

Ende der Leseprobe aus 114 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Frau in der DDR-Literatur. Weibliches Schreiben in der DDR am Beispiel der Autorin Christa Wolf
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
114
Katalognummer
V947338
ISBN (eBook)
9783346285041
ISBN (Buch)
9783346285058
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, frau, ddr-literatur, weibliches, schreiben, beispiel, autorin, christa, wolf
Arbeit zitieren
Maria M. (Autor:in), 2019, Die Rolle der Frau in der DDR-Literatur. Weibliches Schreiben in der DDR am Beispiel der Autorin Christa Wolf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947338

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