Das Elektroauto als Innovation in Gesellschaft und Wirtschaft. Eine disruptive Innovation


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Innovation
2.1 Disruptive Innovation

3 Elektromobilität
3.1 Technik und Infrastruktur

4 Analyse: E-Auto als disruptive Innovation

5 Diskussion

II Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der heutigen Zeit ist die Mobilität mehr als nur die reine Beweglichkeit, welche im lateinischen als mobilis bezeichnet wird (Vallée, Brost, Schnettler, Kampker & Bartsch, 2018). Sie kann in unserer Gesellschaft eher als ein menschliches Grundbedürfnis verstanden werden und dient den Menschen vorrangig dazu, an persönlichen und wirtschaftlichen Austauschprozessen teilzunehmen (Kampker, Vallée, Schnettler, Thomes et al., 2018). Die Mobilität und somit der Erfolg von Gesellschaft und Wirtschaft wird durch den Verkehr sichergestellt, welcher wiederum die Daseinsberechtigung für das Automobil und die Automobilbranche bildet (Kaiser, Eickenbusch, Grimm & Zweck, 2008). Daher ist es nicht verwunderlich, dass das Automobil mittlerweile der Verkehrsträger Nummer 1 ist und dementsprechend eine Säule der modernen Gesellschaft darstellt (Aigle, Krien & Marz, 2007). Vor allem aber war der Verbrennungsmotor des Autos als technisches Herzstück entscheidend, welcher einen Größen Anteil an diesen Erfolgen hatte und somit die Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen in den letzten 100 Jahren maßgeblich prägte (Heymann, Koppel & Puls, 2013). Dabei sieht sich eben diese Technologie derzeitig mit einer zunehmenden Anzahl an Problemen konfrontiert, welche die Existenzgrundlage des Verbrennungsmotors immer weiter bedrohen (Aigle et al., 2007). Die Probleme des Verbrennungsmotors zeigen sich am deutlichsten in den sogenannten Mega-Cities der Erde. Die hier vorherrschende Belastung durch Emissionen und deren Folgen, das Ende der Ära des billigen Öls und eine hohe Siedlungsdichte, welche wiederum ein zu hohes Verkehrsaufkommen sowie den Mangel an Parkraum nach sich zieht, sorgen in der Summe dafür, dass der Automobilmarkt zukünftig gezwungen ist, sich vom fossilen Energiezeitalter abzukapseln (Weert & Knie, 2010).

Damit dieses gelingen kann, rückt zunehmend das Thema Innovationen in den Fokus der Automobilindustrie (Aigle et al., 2007). Auffällig ist beim Thema Innovationen, dass diese mittlerweile in fast jeder Branchen den Stellenwert eines zentralen Wettbewerbsfaktors erreicht haben (Dowling & Hüsing, 2007). In Zuge dieser Entwicklung sieht sich die Automobilindustrie zunehmend mit der Elektromobilität konfrontiert (Kampker, Vallée & Schnettler, 2018). Jedoch sehen einige Forscher in der Elektromobilität mehr als nur eine Innovation, welche der Substitution des Verbrennungsmotors dient. Sie betrachten die Elektromobilität als eine disruptive Technologie die neue Wege im Transportwesen, der Landnutzung und im Bereich des Energieverbrauches ermöglicht (Barkenbus, 2009). Eine disruptive Technologie führt dazu, dass etablierte Unternehmen an eben dieser scheitern und diese zeitgleich über das Potenzial verfügt, neue Geschäftslogiken zu schaffen (Christensen & Matzler, 2013).

Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieser Hausarbeit zu analysieren, ob es sich beim E-Auto um eine disruptive Technologie handelt.

2 Innovation

Der Ursprung der Innovation lässt sich in den Schriften von Schumpeter finden, welcher die Innovation und deren Bedeutung für die Wirtschaft in folgenden Worten umschreibt:

Das Wesen der wirtschaftlichen Entwicklung liegt darin, dass die Produktionsmittel, die bisher bestimmten statischen Verwendungen zugeführt wurden, aus dieser Bahn abgelenkt und in den Dienst neuer Zwecke gestellt werden. Diesen Vorgang bezeichnen wir als die Durchsetzung neuer Kombinationen. Und diese neuen Kombinationen setzen sich nicht gleichsam von selbst durch, wie die gewohnten Kombinationen der Statik, sondern es bedarf dazu einer Intelligenz und Energie, die nur eine Minorität der Wirtschaftssubjekte eigen ist. (Joseph A. Schumpeter, 1910, S. 284)

Seitdem hat sich der von Schumpeter beschriebene Begriff der Innovation wie ein Lauffeuer verbreitet und hat mittlerweile den Status eines Modewortes erreicht (Vahs & Brem, 2015). Einen wirklichen Konsens bei der Definition der Innovation sowie ein einheitlicher Innovationsbegriff besteht bisher nicht (Carell, Herrmann & Kleinbeck, 2007). Vielmehr bietet sich in der Literatur eine ungeahnte Bandbreite an unterschiedlichen Definitionen des Innovationsbegriffes. Jedoch findet das Merkmal der Neuartigkeit oder Neuheit sich in einer Vielzahl der Definitionen wieder (Vahs & Brem, 2015) und auch Schumpeter benutzt anstelle des Innovationsbegriffes oftmals den Begriff der Neuerung (Disch, 2016). Zur Definition der Innovation ist eine Abgrenzung der Begriffe Invention und Innovation nötig. Hierbei ist die Invention eine Erfindung oder Idee und bildet das Fundament für die Innovation. Die erfolgreiche Diffusion der Invention am Markt ergibt dann schlussendlich die Innovation (Vahs & Brem, 2015). Nach W. Weber, Kabst und Baum (2018) lässt sich der Begriff der Innovation als: „ kompletten Entwicklungs- und Kommerzialisierungsprozess eines neuen Produktes, Prozesses oder einer Dienstleistung“ (S. 393) definieren. Grundsätzlich gilt hierbei, dass der Grad der technischen Änderung bei einer Innovation nicht maßgeblich und objektiv bestimmbar ist. Vielmehr ist eine Innovation subjektiv und stark abhängig vom Betrachter und dessen Beurteilung (Hauschildt, Salomo, Schultz & Kock, 2016). Die subjektive Dimension der Innovation lässt sich daher mit den Worten, „Innovation ist danach das, was für innovativ gehalten wird“ (Hauschildt et al., 2016, S. 18) am besten beschreiben. In ihrer Funktion können Innovationen einerseits neue Märkte erschließen aber andererseits auch äußerst hilfreich in etablierten und gesättigten Märkten sein, da durch Innovationen die klassische Differenzierung über den Preis um weitere Faktoren erweitert wird. Außerdem verkürzen sich in dieser schnelllebigen Zeit die Lebenszyklen der Produkte und Dienstleistungen, sodass Innovationen von großer Bedeutung sind und die Möglichkeit bieten, sich von der Konkurrenz deutlich abzuheben. Dementsprechend bieten Innovationen die Chance sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil zu sichern und somit langfristig den Unternehmenserfolg sicherzustellen (W. Weber et al., 2018).

Trotz der Vielzahl an Klassifizierungsmerkmalen der Innovation bietet sich die Unterscheidung hinsichtlich der Innovationsart an. Die Innovationsart ist in Produktinnovation, Prozessinnovation, Positionsinnovation und in Paradigmeninnovation unterteilt (W. Weber et al., 2018). Die Produktinnovation beschreibt eine Veränderung des Bündels von Eigenschaften eines Produktes oder einer Dienstleistung (Brockhoff, 2000). Die Prozessinnovation beschreibt die Überarbeitung der Herstellung und Lieferung. Die Positionsinnovation bezieht sich auf das Marketing und meint den Vorgang, bei dem das Produkt in der Wahrnehmung des Kunden neu platziert wird. Die Paradigmeninnovation umfasst das ganze Unternehmen oder die Branche und beschreibt die Änderung des Selbstbildes. Bei diesem Prozess ändern sich die Leistung und das Angebot des Unternehmens am Markt, wie z.B. die Veränderung des Einzelhandels durch Amazon (W. Weber et al., 2018). Die als Paradigmeninnovation beschriebene Innovation wird im späteren im wissenschaftlichen Diskurs auch oftmals als Geschäftsmodellinnovation bezeichnet (Tidd & Bessant, 2018). Hierbei ist die Veränderung des Geschäftsmodelles des Unternehmens auf neue Bedürfnisse der Kunden oder eine neue Wertschöpfung vordergründig. Dieses dient dabei in erste Linie der Entwicklung des Unternehmens am Markt. Eine solche Innovationart wird vor allem deshalb benötigt, da kleinere Produktinnovationen für Unternehmen nicht profitable genug sind und somit auch nicht das Fortbestehen des Unternehmens dauerhaft sichern können (Adelhelm, 2012).

Des Weiteren können Innovationen anhand des Novitätsgrades kategorisiert werden (W. Weber et al., 2018). Eine Einordnung von technologischen Innovationen geht dabei auf Henderson und Clark (1990) zurück, welche zwischen vier verschiedenen Innovationsgraden unterschieden. Eine technische Neuerung konnte sich nach ihrer Sicht dabei entweder auf die technologischen Kernkomponenten oder auf die Architektur des Systems mit seinen Verbindungen zwischen den Systemkomponenten beziehen. Eine inkrementelle Innovation meint eine kleinere Veränderung und Verbesserung der Kernkomponenten eines Produktes, wobei die Verbindungen der Komponenten nicht betroffen sind. Die radikale Innovation basiert auf grundsätzlichen neuen Systemkomponenten, welche die bisherigen ersetzen. Außerdem ändern sich die Verbindungen zwischen den Systemkomponenten. Die modulare Innovation meint den Austausch der Kernkomponenten bei bestehenden Verbindungen zwischen den Komponenten. Die architektonische Innovation bezieht sich nur auf die Veränderung der Verbindung zwischen den Systemkomponenten.

Zudem ist die Unterscheidung zwischen inkrementeller und radikaler Innovation in der neueren Literatur wiederzufinden. Dabei können sich beide Innovationgrade auf alle Innovationsarten beziehen. Eine inkrementelle Innovation kann als Weiterentwicklung bestehender Innovationsarten verstanden werden. Eine klassische inkrementelle Innovation ist ein Upgrade oder das Nachfolgemodelle eines Produktes, welche in kleinen Schritten an Trends angepasst und verbessert wird. Der hierbei nahezu gleichbleibende Entwicklungspfad führt dazu, dass Unternehmen inkrementelle Innovation leicht planen und umsetzen können. Jedoch bieten inkrementelle Innovation nicht die Chance auf einen Wettbewerbsvorteil, sondern dienen eher der Stabilisierung der Marktposition. Die radikale Innovation ersetzt bestehende Produkte und bietet die Möglichkeit völlig neue Märkte und Produktkategorien zu erschließen. Im Gegenteil zur inkrementellen Innovation soll die radikale Innovation es ermöglichen nicht nur auf Trends zu reagieren, sondern selbst welche zu erzeugen. Dementsprechend bedeuten radikale Innovation einerseits mehr Herausforderungen für das Unternehmen, andererseits besteht der größte Vorteil darin, einen Wettbewerbsvorteil für das eigene Unternehmen zu generieren (W. Weber et al., 2018).

2.1 Disruptive Innovation

Der Technologielebenszyklus beschreibt die Veränderung der Leistungsfähigkeit, des Anwendungsfeldes und des Nutzen eines Produktes im Verlauf der Zeit (Gochermann, 2020). Im Technologiemanagement ist vor allem die technologische S-Kurve, welche auf dem Technologielebenszyklus basiert, von zentraler Bedeutung und beschreibt im Kern die Ablösung einer alten Technologie durch eine neue Technologie (Christensen, 1992). Die technologische S-Kurven ergibt sich aus der Empirie und ist immer wieder, bei diversen Technologien festzustellen (Gochermann, 2020). Sie hat das Ziel, die zu erreichende Produktleistung in Relation zum Zeit- und Entwicklungsaufwand grafisch abzubilden (Foster, 1986). Dieses geschieht in einem Koordinatensystem, wobei die Abzisse den aufsummierten Zeit- und Entwicklungsaufwand eines Produktes darstellt und auf der Ordinate die Leistungsfähigkeit des Produktes in Bezug auf einen beliebigen Faktor abgebildet ist. Der S-förmige Verlauf entsteht dadurch, dass am Anfang einer neuen Technologie viel in Forschung und Entwicklung investiert werden muss bei nur marginalen Fortschritten hinsichtlich der Leistungsfähigkeit des Produktes. Dementsprechend verläuft die Kurve zuerst sehr stark entlang der Abzisse bei nur minimalem Anstieg auf der Ordinate. Bei Erreichen der Produktreife verringern sich die Investitionen in Forschung und Entwicklung und die neue Technologie kann nutzenorientiert bei Produkten eingesetzt werden. Dadurch wird der Verlauf der Kurve entlang der Abzisse unterbrochen und der Kurvenverlauf folgt mit einem sehr starken Anstieg der Ordinate. Im letzten Stadium der Kurve erreicht die Technologie ihre Leistungsgrenze, sodass der Nutzen stagniert und für kleinere Fortschritte wieder viel Entwicklungsaufwand notwendig ist. Die Kurve orientiert sich bei ihrem Verlauf wieder in gleiche Richtung wie im ersten Abschnitt (Gochermann, 2020). Der Entstehungsprozess der S-Kurve basiert auf inkrementellen Innovationen, welche für die Verbesserung entlang der S-Kurve verantwortlich sind. Dabei sind es vor allem die etablierten Unternehmen, die über die Fähigkeit verfügen, bestehende Produkte durch inkrementelle Innovationen zu verbessern (Christensen & Matzler, 2013). Die oben beschrieben S-Kurve entspricht dabei einer Technologie, welche im weiteren Verlauf durch eine neue Technologie und somit auch einer neuen S-Kurve abgelöst werden kann. Die neue Technologie beginnt bei der Leistungsfähigkeit auf einem niedrigeren Niveau als die existierende Technologie. Trotzdem bietet sie schon in diesem Stadium mehr Leistungsniveau als die existierende Technologie am Anfang geboten hat. Die neue Technologie übersteigt die Leistungsfähigkeit der existierenden Technologie im zeitlichen Verlauf und löst diese somit als dominante Technologie ab (Gochermann, 2020). Dieses wird als Sprung zwischen zwei S-Kurven bezeichnet und ist auf eine radikale Innovation zurückzuführen. Solche radikale Innovationen sind für neue Unternehmen bzw. Unternehmen die eine Technologie aus einer anderen Branche überführen leichter als für etablierte Unternehmen (Christensen & Matzler, 2013). Dieses Wissen ermöglicht es durchaus, den Zeitpunkt für einen Technologiewechsel zu bestimmen und neue Technologien rechtzeitig zu erkennen (Gochermann, 2020).

Trotz dieser Erkenntnisse im Bereich des Technologiemanagements kann der Fall eintreten, dass eine wesentlich schlechtere Technologie, welche aber einen anderen Kundennutzen anspricht, schlussendlich dazu führt, dass die bisher etablierten Branchen an dieser Technologie scheitern und vom Markt verschwinden (Christensen & Matzler, 2013). Bei diesem Sonderfall wird von der sogenannten disruptiven Technologie gesprochen (W. Weber et al., 2018). Die Theorie der disruptiven Technologie von Christensen unterscheidet infolgedessen die evolutionäre und die disruptiven Technologien. Zu den evolutionären Technologien gehören sowohl inkrementelle als auch radikale Innovationen, welche darauf abzielen, die Leistungsfähigkeit des Produktes auf einen Markt zu erhöhen. Damit bilden die evolutionären Technologien die typische Entwicklung eins Produkts in einer Branche ab und führen nur in seltenen Fällen zum Scheitern eins etablierten Unternehmens. Hingegen wird durch eine disruptive Technologie ein neuer Entwicklungspfad beschritten, welcher über die Potentiale verfügt, den bisherigen deutlich zu übertreffen (Janke & Burkhardt, 2018). Aufgrund des neuen Entwicklungspfades und somit einer neuen Produkteigenschaft bzw. Leistungsfähigkeit des Produktes kann eine disruptive Technologie gar nicht durch eine bestehende S-Kurve beschrieben werden, sondern erfordert eine anderes S-Kurven Modell als die bisherige Technologie (Christensen & Matzler, 2013). Dabei werden bisherige Marktstrukturen zerstört und es entstehen mitunter neue Geschäftsmodelle, welche sich die disruptive Technologie zu eigen machen (Janke & Burkhardt, 2018).

Der Grundgedanke der schöpferische Zerstörung ist auf Schumpeter (1972) zurückzuführen, welche diese definiert als: „Prozess einer industriellen Mutation, der unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte Struktur zerstört und unaufhörlich eine neue schafft“ (S.137). Dieser Grundgedanke ebnete im Jahr 1997 für das Werk The Innovator`s Dilemma von Clayton M. Christensen den Weg. Dieses Werk führte wiederum dazu, dass das Wort Disruption mittlerweile fest im wirtschaftswissenschaftlichen Wortschatz verankert ist (Disch, 2016). Jedoch ist es Christensen selbst der im Jahr 2015 zu dem Schluss kommt, dass der Erfolg der Theorie der disruptiven Technologie auch zeitgleich ihre größte Bedrohung darstellt. Dabei wurde einerseits der Kern seiner Arbeit missverstanden oder falsch interpretiert und andererseits wird der Begriff Disruption im Sprachgebrauch inflationär genutzt, sodass von Disruptionen gesprochen wird, aber keinerlei Wissen zu dem Thema bei den Akteuren vorhanden ist (Christensen, Raynor & McDonald, 2015). Im späteren Verlauf verändert sich der Begriff disruptive Technologie hin zu disruptive Innovation, da somit nicht nur Technologien sondern auch Dienstleistungen und Geschäftsmodelle berücksichtigt werden können (Dan & Chieh, 2008).

Eine disruptive Innovation kann dadurch entstehen, dass die etablierten Unternehmen im Laufe der Zeit bei der Befriedigung der Kundenbedürfnisse mit ihren Produkten über das Ziel hinausschießen, d.h. die Produktleistung überschreitet die Leistungsanforderungen des Marktes. Dabei treiben die etablierten Unternehmen die Verbesserung der Produktleistung schneller voran als der Markt es verlangt und öffnen somit im Umkehrschluss einen neuen Markt für disruptive Innovationen (Christensen & Matzler, 2013). Dabei bleiben durch die inkrementellen und radikalen Innovationen beim bisherigen Produkt auf Dauer die Bedürfnisse einer Kundengruppe zurück, für die das Ursprungsprodukt vollkommen ausgereicht hat, welche aber nach den Verbesserungen nicht mehr bereit sind, den ebenfalls gestiegenen Preis zu bezahlen. Ein Produkt, welches dieses Kundensegment bedienen kann, hatte oftmals das Potenzial einer disruptiven Innovation und kann dabei schrittweise die etablierte Technologie vom Markt verdrängen. Somit bietet sich einerseits eine Chance auf die sogenannte low-end disruption andererseits besteht noch eine weitere Chance auf eine sogenannte new-market disruption. Bei der new-market disruption wird versucht bisherige Nichtverbraucher der aktuellen Technologie durch eine neue Technologie direkt anzusprechen. Hierfür müssen die neuen Technologien bisherige Barrieren, wie z.B. Kosten und Komplexität, welche den Kunden vom Konsumieren abgehalten haben, durch die neue Technologie überwunden werden. Dementsprechend muss die neue Technologie oftmals einfacher, billiger, leichter handhabbar sowie über eine neue Problemlösefähigkeit verfügen, sodass diese Kunden angesprochen werden können (W. Weber et al., 2018).

Hinsichtlich der Merkmale einer disruptiven Innovation werden mehrere Faktoren angeführt. Zum einen ist eine disruptive Innovation dadurch gekennzeichnet, dass sie bei der Produktleistung in der Dimension der bisherigen Technologie deutliche Leistungsdefizite aufweist. Jedoch weist die disruptive Innovation einen Leistungsvorsprung bei neuen Dimensionen gegenüber der alten Technologie auf. Diese Dimensionen werden zu Beginn aber nur von einer kleinen Kundengruppe nachgefragt. Des Weiteren lässt sich nach Christensen das disruptive Produkt als: „billiger, einfacher, kleiner und in Summe anwendungsfreundlicher“ (S.41) beschreiben. Außerdem ist anfänglich der Markt oder die Produktanwendung noch nicht genau definierbar. Oftmals sind disruptive Innovationen für etablierte Unternehmen nicht attraktiv, da die Hauptkunden ein solches Produkt nicht nachfragen. Eine disruptive Innovation verfügt über das Potenzial sich durch eine Vielzahl an Verbesserungen an die Produktleistung in der Dimension der bisherigen Technologie schnell anzunähern. Schlussendlich droht der bisherigen Technologie die Gefahr durch die disruptive Innovation abgelöst zu werden (Christensen & Matzler, 2013).

3 Elektromobilität

Der Wettbewerb innerhalb der Automobilbranche entwickelte sich von dem klassischen Wettbewerb, welcher durch Eindimensionalität, langfristige Wettbewerbsvorteile, Stabilität, Überschaubarkeit und konstante Strategien gekennzeichnet ist, hin zum Hyperwettbewerb, welcher sich durch seine Dynamik, Komplexität, Aggressivität, der Gleichzeitigkeit und der sich stetig ändernden Strategien auszeichnet. Diese Entwicklung steigert den Druck in den Wettbewerbsdimensionen, wie z.B. Kosten, Innovation, Qualität und der Zeit sich von der Konkurrenz abzuheben (Roth, 2008). Daraus resultiert für die etablierten Unternehmen eine höhere Gefahr vom Markt verdrängt zu werden, sodass eine Ausrichtung auf den Wettbewerb und Marktanteile alleine nicht mehr ausreichen, sondern vielmehr eine gezielte Suche von Chancen erforderlich wird, damit Unternehmen im Hyperwettbewerb bestehen können (Eckert, 2019). Der zentrale Erfolgsfaktor in diesem Umfeld des Hyperwettbewerbs in der Automobilbranche ist die Innovationsfähigkeit (Roth, 2008). Dementsprechend ist nach 125 Jahre traditionelle Automobilindustrie ein Wandel im Hinblick auf Fahrzeug- und Antriebstechnologie und eine Neustrukturierung der Wertschöpfung notwendig (Kampker, Vallée & Schnettler, 2018). Dabei ist es höchst wahrscheinlich, dass die Ideen für die Zukunft des Autos aus anderen Bereichen kommen als aus der Automobiltechnik und daher eine grundlegenden Öffnung für Neues in der Branche notwendig ist (Kaiser et al., 2008). Die in diesem Zusammenhang wichtigste und am meisten diskutierteste Thematik ist die Elektromobilität, welche in der Automobilindustrie einen grundlegenden technologischen Umbruch angestoßen hat. Dabei haben verschiedene Interviews in der Automobilbranche gezeigt, dass kein Weg auf kurz oder lang an der Elektromobilität vorbeiführt, lediglich der Zeitpunkt steht noch nicht fest. Die Umstellung von konventionellen Antrieben hin zur Elektromobilität zeigt in ihren Merkmalen gewisse Ähnlichkeiten mit dem Übergang von der Analogfotographie hin zur Digitalkamera. Während einige diesen Übergang als radikale Innovation bezeichnen und die Meinung vertreten, dass die bisherigen Automobilanbieter sich selbst kannibalisieren und in wenigen Jahren zum größten Teil auch die Anbieter der Elektromobilität sein werden (Proff, Proff Harald, Fojcik & Sandau, 2014). Jedoch richten auch immer mehr Forscher ihren Blick auf das Potenzial der Elektromobilität als disruptive Innovation (Schneider & Grösser, 2013). Die disruptive Technologie würde neben der dominanten Technologie auch die etablierten Märkte kannibalisieren (Christensen & Matzler, 2013). Neben den geführten Diskussionen bleibt festzuhalten, dass alle namenhaften Automobilhersteller ihr Portfolio hinsichtlich Elektroautos erweitert haben (Kampker, Vallée, Schnettler, Thomes et al., 2018).

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Das Elektroauto als Innovation in Gesellschaft und Wirtschaft. Eine disruptive Innovation
Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg  (Wirtschaft & Medien)
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
24
Katalognummer
V947404
ISBN (eBook)
9783346284709
ISBN (Buch)
9783346284716
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitale Innovationen, Disuption, Disruptive Innovationen, Elektroauto, Mobilität, Analyse
Arbeit zitieren
Julia Geese (Autor), 2020, Das Elektroauto als Innovation in Gesellschaft und Wirtschaft. Eine disruptive Innovation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/947404

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